Hubert Haderthauer

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Hubert Haderthauer (* 1956) ist ein deutscher Psychiater. Der Ehemann der CSU-Politikerin Christine Haderthauer ist Landgerichtsarzt am Landgericht Ingolstadt. Das Ehepaar ist seit 1985 verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und lebt in Ingolstadt.[1]

Öffentliche Wahrnehmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Modellbau-Affäre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Fokus der öffentlichen Berichterstattung geriet Haderthauer 2014 im Zuge der Modellauto-Affäre. Von dieser sind beide Eheleute betroffen, da von 1990 an bis 2004 zunächst Christine und dann ab 2004 bis 2008 Hubert Haderthauer als geschäftsführende Teilhaber für die Gesellschaft bürgerlichen Rechts Sapor Modelltechnik tätig waren, auf deren Geschäfte die Affäre zurückgeht. Das Unternehmen konnte offenbar vor allem deshalb seine Tätigkeit aufnehmen, da Hubert Haderthauer 1990 als Arzt die „Arbeitstherapie Modellbau“ im Bezirkskrankenhaus Ansbach verantwortete.[2]

Am 4. November 2015 erhob die Staatsanwaltschaft München II im Zusammenhang mit der Modellauto-Affäre wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung und Betrug Anklage gegen Haderthauer. Haderthauer wehrte sich im Prozess gegen den Betrugsvorwurf, während er bezüglich der zur Last gelegten Steuerhinterziehung in Höhe von 44.000 € zumindest teilweise ein Fehlverhalten einräumte, insofern er zugestand, Provisionszahlungen in Höhe von 14.000 € nicht korrekt angegeben zu haben.[3] Während des Prozesses entkräftete ein Steuerfahnder die medial behaupteten Millionengewinne:[4] Nach 19 Jahren habe der Betrieb 107.000 € Verluste gemacht.[5] Am 25. Februar 2016 wurde Haderthauer zur Zahlung von 270 Tagessätzen à 70 € verurteilt. Das Gericht sah in seinem Urteil die teilweise eingeräumte Steuerhinterziehung als erwiesen, den Betrug nicht als vollendet, dennoch als versucht an.[6]

Der vom Bayerischen Landtag eingesetzte Untersuchungsausschuss „Modellbau“ kam im Februar 2017 zu seinem Ende. Der Schlussbericht der CSU spricht auch Hubert Haderthauer von Vorwürfen frei.[7] CSU-Obmann Florian Hermann wird in Medien dazu zitiert: „Dass sich Dr. Haderthauer bereichert hätte, dieser Kurzschluss, den kann man so nicht ziehen.“[7]

Erfolglose Klage des Freistaats gegen Haderthauer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurz vor Bekanntwerden der Affäre wurde gegen den Amtsträger Hubert Haderthauer im Juli 2014 ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Grund dafür war eine Klage des Freistaats Bayern gegen Haderthauer. Dabei ging es um Honorare, die Haderthauer für Drogen-Screening-Untersuchungen im Auftrag des Freistaates abgerechnet hatte. Haderthauer hatte im Auftrag des Freistaats Bayern Drogen-Screenings durchgeführt und abgerechnet. Die Honorare, die so seit 1991 zustande gekommen waren, forderte der Freistaat mit der Argumentation zurück, Haderthauer sei kein Laborarzt, sondern Facharzt für Psychiatrie, und habe deshalb nicht nach der Gebührenordnung für Laborleistungen abrechnen dürfen.[8] Der Staat Bayern verklagte Haderthauer auf Rückzahlung der Honorare in Höhe von 89.000 €.[9] Am 17. Februar 2016 wies das Landgericht München I die Klage des Freistaats gegen Haderthauer ab (Az. O 20894/14).[9] Haderthauer habe die fraglichen Leistungen auf gerichtliches und staatsanwaltschaftliches Ersuchen hin erbracht. Zudem stand ihm, wie das Gericht feststellte, der Honoraranspruch für seine Gutachterleistungen unabhängig von seiner fachärztlichen Ausrichtung zu. Weil dem Freistaat von Anfang an all diese Fakten bekannt gewesen seien, die zur Ablehnung der Klage führten, bezeichnete das Gericht die Honorarrückforderung des Freistaats als „treuwidrig“.[9] Der Freistaat Bayern ging daraufhin in Berufung. Am 21. Juli 2016 wurde auch im Berufungsverfahren zugunsten von Haderthauer entschieden.[8]

Diskussion der Dissertation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits ein Jahr zuvor, im Sommer 2013, berichtete die Presse über Kritik an Haderthauers Dissertation aus dem Jahr 1986, die mit zehn Seiten selbst für den Fachbereich Medizin außergewöhnlich kurz ausgefallen sei.[10] Außerdem wurde ein Plagiatsverdacht geäußert. Die Universität Würzburg kam nach einer Untersuchung der Doktorarbeit jedoch zu dem Ergebnis, dass der Verdacht unbegründet sei.[11] Laut des Gutachtens der Universität zum Plagiatsvorwurf habe die Doktorarbeit im Gegenteil sogar zu den wissenschaftlich besonders erfolgreichen Arbeiten gezählt. [11] Es habe sich um eine aufwändige, experimentelle Doktorarbeit unter Verwendung histochemischer und biochemischer Methoden gehandelt. Der experimentelle Zeitaufwand für die Arbeit betrug nach Aussage des Doktorvaters etwa 1,5 bis 2 Jahre.[11]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Wir sind ein geniales Team“. In: Bunte. 18. August 2010, abgerufen am 12. August 2014.
  2. Eva-Maria Löhne, Emanuel Burkhardt: Rechtsgutachterliche Stellungnahme. Für die Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen Bayern. (Nicht mehr online verfügbar.) 18. Juli 2014, ehemals im Original; abgerufen am 12. August 2014 (PDF).@1@2Vorlage:Toter Link/www.gruene-fraktion-bayern.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  3. Haderthauer will aus Rücksicht auf seine Frau gehandelt haben. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Süddeutsche Zeitung. 8. Januar 2016, ehemals im Original; abgerufen am 22. Februar 2016.@1@2Vorlage:Toter Link/www.sueddeutsche.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  4. Rudolf Erhard: Ponton bekräftigt Vorwürfe gegen Haderthauers. In: Bayerischer Rundfunk. 11. Juni 2015, archiviert vom Original am 23. August 2015; abgerufen am 22. Februar 2016.
  5. Stefan Küpper: Der Haderthauer-Prozess geht in Runde sechs. In: Augsburger Allgemeine Zeitung. 22. Januar 2016, abgerufen am 22. Februar 2016.
  6. Uli Bachmeier: Hubert Haderthauer kommt mit einer Geldstrafe davon. In: Augsburger Allgemeine Zeitung. 25. Februar 2016, abgerufen am 25. Februar 2016.
  7. a b Rudolf Erhard: CSU wäscht Haderthauer rein. In: Bayerischer Rundfunk. 20. Februar 2017, abgerufen am 20. Februar 2017.
  8. a b John Schneider: "Das Honorar des Hubert Haderthauer". In: Abendzeitung. 21. Juli 2016, abgerufen am 22. Juli 2016.
  9. a b c Dietrich Mittler: Hubert Haderthauer muss kein Geld an Freistaat zurückzahlen. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Süddeutsche Zeitung. 17. Februar 2016, ehemals im Original; abgerufen am 21. Februar 2016.@1@2Vorlage:Toter Link/www.sueddeutsche.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  10. Hubert Haderthauer: Peptidasenhisto- und -biochemie in der Niere weiblicher Ratten nach Kastration und Behandlung mit Geschlechtshormonen. Dissertation, Würzburg 1986.
  11. a b c Plagiatsverdacht untersucht. In: Universität Würzburg. 28. Juni 2013, abgerufen am 20. August 2014.