Tannenbärlapp

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Tannenbärlapp
Tannenbärlapp (Huperzia selago) in Oberösterreich

Tannenbärlapp (Huperzia selago) in Oberösterreich

Systematik
Unterabteilung: Lycopodiophytina
Klasse: Bärlapppflanzen (Lycopodiopsida)
Ordnung: Bärlappartige (Lycopodiales)
Familie: Bärlappgewächse (Lycopodiaceae)
Gattung: Huperzia
Art: Tannenbärlapp
Wissenschaftlicher Name
Huperzia selago
(L.) Bernh. ex Schrank & Mart.
Tannenbärlapp (Huperzia selago), Illustration

Der Tannenbärlapp (Huperzia selago (L.) Bernh. ex Schrank & Mart., Syn.: Lycopodium selago L.), auch Teufelsklaue oder Tannen-Teufelsklaue genannt, ist eine Pflanzenart in der Familie der Bärlappgewächse (Lycopodiaceae).

Tannenbärlapp (Huperzia selago)

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sprosse der ausdauernden Pflanze werden zwischen 5 und 30 Zentimeter lang, sind gabelig verzweigt und aufgerichtet. Die Äste sind spiralig benadelt, wovon sich der Trivialname des Tannenbärlapp ableitet. Die Sporangien sind nicht zu Sporenähren vereinigt, sondern stehen hier einzeln in den Achseln von Tragblättern in der Mitte der Jahrestriebe; die Triebe können trotzdem ungehindert weiterwachsen. Danach kann der Ast aber gewöhnlich weiterwachsen.

Die Sporenreifezeit dauert von Juli bis Dezember.

Die Chromosomenzahl der Art ist 2n = 264.[1]

Verwechslung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Tannenbärlapp kann mit Lycopodium-Arten verwechselt werden, die aber einen kriechenden Hauptspross besitzen.

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Tannenbärlapp ist ein immergrüner Chamaephyt. Er bildet eine VA-Mykorrhiza aus; der Vorkeim und junge Stadien der Sporenpflanze leben parasitisch auf dem Wurzelpilz (Mykoheterotrophie), der der Gattung Glomus angehört. Der Vorkeim, das Prothallium, parasitiert unterirdisch jahrelang auf den Pilzhyphen und wird erst nach 10-12 Jahren geschlechtsreif. Die Sporen werden als Körnchenflieger durch den Wind ausgebreitet, sie sind zu Tetraden vereinigt.

Vegetative Vermehrung erfolgt durch die reichlich an den Sprossenden gebildeten Brutknospen, die an Tieren anhaften bzw. bei Berührung bis 1 m weit abspringen können, sowie durch die Bildung von Tochtersprossen am älteren oder beschädigten Sprossen.

Tannenbärlapp (Huperzia selago)

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Tannenbärlapp ist zirkumpolar verbreitet. Er kommt in Europa, Asien (hier zerstreut), Nordamerika und auch in den tropischen Hochgebirgen und auf der Südhalbkugel in Südaustralien, Tasmanien und Neuseeland sowie auf den Falklandinseln und Tristan da Cunha vor. In Europa erstreckt sich sein Verbreitungsgebiet von Norwegen bis zu den Pyrenäen und Nordspanien, den Apennin und die Balkan-Halbinsel, weiter nach Osten kommt er nur noch selten vor. Der Tannenbärlapp dringt im Norden in die Arktis vor, sogar bis zur Nordküste von Grönland und bis Spitzbergen.

In Österreich kommt der Tannenbärlapp zerstreut vor außer in den Bundesländern Wien und Burgenland von der montanen bis subalpinen Höhenstufe.

Als Standort bevorzugt die Pflanze mäßig frische bis trockene, magere, lichte Stellen in bodensauren Wäldern. In Mitteleuropa ist sie vor allem in den Nadelwäldern der Gebirge, jedoch auch von der Tallage bis über die Waldgrenze verbreitet, aber nicht häufig. Er ist in Mitteleuropa eine Piceetalia-Ordnungscharakterart.[1]

In den Alpen kommt er bis fast 3000 m Höhe vor. In den Allgäuer Alpen steigt er am Rauhhorn und am Vorderen Fürschießer in Bayern bis zu 2200 m Meereshöhe auf.[2]

Taxonomie und Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Tannenbärlapp wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum unter dem Basionym Lycopodium selago erstveröffentlicht.[3] Franz von Paula Schrank und Karl Friedrich Philipp von Martius stellten ihn 1829 in die Gattung Huperzia.[4] Die Gattung ist benannt nach einem deutschen Arzt Johann Peter Huperz (1771–1816) in Olpe.[5]

Man kann die folgenden Unterarten unterscheiden[6]:

  • Huperzia selago (L.) Schrank & Mart. subsp. selago
  • Huperzia selago subsp. arctica (Tolm.) Á. Löve & D. Löve: Sie kommt in Island, Norwegen, Schweden, Finnland, Russland, Spitzbergen, Großbritannien, Dänemark und auf den Färöerinseln vor.[6]

Giftigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ganze Pflanze ist durch Huperzin A (Selagin) und andere Alkaloide stark giftig. Die Giftwirkung ist stärker als bei Lycopodium clavatum. Symptome sind u. a. Schwindel, Taumeln und Bewusstlosigkeit; bei Pferden sind schon Todesfälle aufgetreten.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Huperzin A wird zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit eingesetzt.[7] Bei den keltischen Druiden fand der Tannenbärlapp unter dem Namen Selago als Zauber- und Heilpflanze Verwendung.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernhard Marbach, Christian Kainz: BLV Naturführer Moose, Farne und Flechten. blv, München 2002, ISBN 3-405-16323-4.
  • Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5.
  • Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.
  • Lutz Roth, Max Daunderer, Kurt Kormann: Giftpflanzen – Pflanzengifte. Giftpflanzen von A-Z. Notfallhilfe. Vorkommen. Wirkung. Therapie. Allergische und phototoxische Reaktionen. 4. Auflage. Nikol, Hamburg 2000, ISBN 3-933203-31-7 (Nachdruck von 1994).
  • Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. 2., ergänzte Auflage. Band 1: Allgemeiner Teil, Spezieller Teil (Pteridophyta, Spermatophyta): Lycopodiaceae bis Plumbaginaceae. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1993, ISBN 3-8001-3322-9.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001. ISBN 3-8001-3131-5
  2. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1, Seite 92. IHW-Verlag, Eching bei München, 2001. ISBN 3-930167-50-6
  3. Carl von Linné: Species Plantarum. Band 2, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 1102 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.biodiversitylibrary.org%2Fopenurl%3Fpid%3Dtitle%3A669%26volume%3D2%26issue%3D%26spage%3D1102%26date%3D1753~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  4. Franz von Paula Schrank, Karl Friedrich Philipp von Martius: Hortus regius monacensis: Verzeichniss der im Königlichen Botanischen Garten zu München wachsenden Pflanzen, nach der natürlichen Methode geordnet, mit Hinweisung auf das Linneische System und summarischer Angabe des Vaterlands, der Cultur und Benützungsweise. Auch als Schlüssel und Übersicht in deutschen Gärten und für Herbarien zu gebrauchen. Königlicher Central-Schulbücher-Verlag, München/Leipzig 1829, S. 3 (online).
  5. Lotte Burkhardt: Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen. Botanic Garden and Botanical Museum Berlin, Freie Universität Berlin Berlin 2016. ISBN 978-3-946292-10-4, Seite 487. doi:10.3372/epolist2016
  6. a b Christenhusz, M. & Raab-Straube, E. von (2013): Lycopodiophytina. – In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Datenblatt Huperzia selago In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
  7. Eintrag zu Huperzin A. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 7. Juni 2014.
  8. Wolf-Dieter Storl: Pflanzen der Kelten: Heilkunde, Pflanzenzauber, Baumkalender. AT Verlag, Aarau (Schweiz) 2000, ISBN 978-3-85502-705-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tannenbärlapp – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien