IHK Frankfurt am Main

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Die IHK Frankfurt am Main ist die Industrie- und Handelskammer für Frankfurt am Main und die Landkreise Hochtaunuskreis und Main-Taunus-Kreis. Ihr gehören 2016 etwa 111.000 Mitgliedsunternehmen an. Sie wurde im Jahr 1808 gegründet und gilt aufgrund der Wirtschaftsstärke ihrer Mitglieder als drittgrößte IHK Deutschlands.

Sitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Boerse Frankfurt front.JPG

Die IHK Frankfurt hat ihren Sitz im Gebäude Börsenplatz 4, in dem sich auch die Frankfurter Wertpapierbörse befindet. Eine Geschäftsstelle der IHK Frankfurt befinden sich in Bad Homburg vor der Höhe.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Präsident ist seit 22. April 2009 Mathias Müller. Er vertritt die IHK gemeinsam mit dem Hauptgeschäftsführer.

Das Präsidium besteht neben dem Präsidenten aus bis zu neun Vizepräsidenten. Es bestimmt die Arbeitsschwerpunkte und bereitet die Beschlüsse der Vollversammlung vor.

Die Vollversammlung ist das höchste Gremium der IHK und besteht aus 89 ehrenamtlichen Mitgliedern, die alle Vertreter eines Unternehmens sind. Die Vollversammlung wählt den Präsidenten, sowie das Präsidium und stimmt über wichtige Entscheidungen ab. Die Wahlbeteiligung an der Wahl zur Vollversammlung lag 2009 unter 10 %[1]. Nach den Wahlen veröffentlicht ein fünfköpfiger Wahlausschuss die gewählten Kandidaten, während die Stimmenzahlen der einzelnen Kandidaten geheim bleiben.

Die Wahl wird jeweils getrennt in 12 Wahlgruppen vorgenommen. Ein Wahlgruppenausschuss legt bereits vor der Wahl fest, welche Branchen einer Wahlgruppe angehören und wie viele Sitze der Gruppe zustehen. Die scheidende Vollversammlung stimmt über den Vorschlag ab. Zum Beispiel bekam die Bankenbranche zehn Sitze in der Vollversammlung, obwohl sie nur wenige Unternehmen aufweist, und damit einen Sitz mehr als der Einzelhandel mit der vielfachen Zahl an Betrieben[2].

Kriterien für die Wahlgruppengröße sollen Anzahl der Beschäftigten und Beitragsaufkommen sein. Es gibt keine transparente Formel und keine überprüfbaren Zahlen zu diesen Kriterien. Jedes Mitgliedsunternehmen besitzt eine Stimme zur Wahl der Vollversammlung. Wegen der stark unproportionalen Aufteilung der Wahlgruppen besteht jedoch keine Wahlgleichheit, obwohl die Wahlordnung gleiche Wahlen garantiert[3].

Verschiedene Fachausschüsse erledigen Aufgaben, ohne Wahl durch die Unternehmen.

Hochheim am Main gehört nicht zur IHK Frankfurt am Main, sondern zur IHK Wiesbaden.

Geschäftsfelder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die inhaltliche Arbeit der IHK Frankfurt gliedert sich in sieben Geschäftsfelder:

  1. Standortpolitik
  2. Starthilfe und Unternehmensförderung
  3. Aus- und Weiterbildung
  4. Innovation und Umwelt
  5. Internationales
  6. Recht und Steuern
  7. Wirtschaftspolitik und Metropolenentwicklung

Mit dem von der IHK Frankfurt erstellten Familienatlas wurde eine vergleichende Analyse über die Familienfreundlichkeit in den Städten und Gemeinden des Rhein-Main Gebietes erstellt.

Geschäftszahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die IHK Frankfurt verfügt über Einnahmen von rund 38,2 Millionen Euro, davon gut 27 Millionen Euro aus Beiträgen der Mitgliedsfirmen. Der Umlagesatz für die Mitgliedsfirmen beträgt 0,11 Prozent des Gewerbeertrags.[4] 209 Mitarbeiter sind für die IHK Frankfurt am Main tätig. Die IHK betreut rund 14.000 Ausbildungsplätze.[5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Handelskammer Frankfurt am Main wurde am 27. April 1808 nach französischem Vorbild durch eine Verfügung des Fürstprimas Carl Theodor von Dalberg aufgrund eines Ersuchens der Frankfurter Kaufmannschaft vom 25. April 1808 gegründet.

Als ersten Präsidenten bestimmte von Dalberg den fürstlichen Generalkommissar Graf von Beust. Die Kammer lehnte diese Personalentscheidung jedoch ab und bestimmte auf ihrer konstituierenden Sitzung am 23. Mai 1808, dass der Vorsitz jeweils vom dienstältesten Mitglied wahrgenommen werden sollte. Gemäß diesem Senioritätsprinzip wurde daher der Börsenvorsteher Johann Gerhard Hofmann zum Spiegel erster Präsident der IHK.

In den folgenden zwei Jahrhunderten waren es vielfach die Bankiers, die in der Bankenstadt Frankfurt der IHK vorstanden. Bekannte Namen waren zum Beispiel Michael Friedrich Hauck (1822–1829) und Otto Hauck (1921–1933) (Inhaber von Hauck & Aufhäuser).

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Machtübernahme der Nazis wurden auch die Industrie- und Handelskammern gleichgeschaltet. Die IHK Frankfurt stand der nationalsozialistischen Ideologie zunächst distanziert gegenüber. Weder stießen die völkischen Vorstellungen von Autarkie auf Verständnis in der Handelsmetropole noch wurden von der Mehrheit der Gewerbetreibenden antisemitische Vorstellungen vertreten. Insbesondere das Bankwesen aber auch der Handel in Frankfurt waren durch jüdische Geschäftsleute geprägt. Otto Hauck hatte Anfang der 30er Jahre einen Aufruf gegen Antisemitismus unterzeichnet. Für den 1. April 1933 wurde von den Nationalsozialisten zum Boykott jüdischer Geschäfte aufgerufen. Just an diesem Tag lud die IHK jüdische Kaufleute ein, um gemeinsam gegen antisemitische Ausschreitungen vorzugehen. Diese Versammlung wurde von der SS aufgelöst.

Am 31. März 1933 trat Otto Hauck mit dem gesamten Präsidium zurück. Dieser Rücktritt war einerseits dem Druck der Nazis geschuldet, stellte auf der anderen Seite einen Protest gegen das Vorgehen der SS dar. Diese hatte die Sitzung der Vollversammlung gesprengt und 35 Mitglieder festgenommen.

Otto Hauck wurde durch von der NSDAP benannte Funktionäre ersetzt. Bis 1943 nahm Carl Lüer für die NSDAP die Funktion des Präsidenten wahr. Lüer war kein Ideologe, sondern Pragmatiker. Es gelang ihm auch unter den Bedingungen des neuen Regimes einen Rest an Unabhängigkeit für die IHK zu sichern. Die Frankfurter Wirtschaft musste jedoch insbesondere durch die „Arisierung“ einen Aderlass hinnehmen. So sank die Zahl der Banken von 182 auf 119. Der Einzelhandel (zum Beispiel das Kaufhaus Wronker) wurde weitgehend „judenfrei“.

1943 wurde die IHK aufgelöst und zusammen mit der Handwerkskammer in die „Gauwirtschaftskammer Rhein-Main“ überführt, an deren Spitze Hermann Gamer stand.

Bundesrepublik Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Krieg knüpfte man an die 1933 abgebrochene Tradition der Selbstorganisation der Wirtschaft wieder an. Am 10. Januar 1946 verordnete die Landesregierung förmlich die Aufhebung der Gauwirtschaftskammern in Hessen und die Wiederherstellung des Rechtes von 1933.[6] Die Dienstaufsicht über die Kammern sollte der Minister für Wirtschaft und Verkehr wahrnehmen. Diese Regelungen stießen auf den Widerspruch der amerikanischen Besatzungsmacht: Diese sahen in der öffentlich-rechtlichen Stellung der Kammern ein wichtiges Instrument der Lenkung der Wirtschaft in der Zeit des Nationalsozialismus. In Umsetzung der amerikanischen Forderungen verordnete die Staatsregierung daher im Mai 1946 die Wahrnehmung öffentlich-rechtlicher Aufgaben und ordnete an, die Kammern als privatrechtliche Vereine ohne Pflichtmitgliedschaft weiterzuführen.[7] Die endgültigen Regelungen für die Kammer, ihre Kompetenzen und ihre Wahl wurde mit Runderlass vom 5. Dezember 1846 festgelegt.[8] Die Folge des Wegfalls der Pflichtmitgliedschaft war das Austreten einer größeren Zahl von Kleingewerbetreibenden. Die größeren Kammern büßten bis zu 50 % der Mitglieder ein, die kleineren zwischen sieben und fünfzehn Prozent.

Mit dem Besatzungsstatut gewann die Bundesrepublik 1949 einen guten Teil ihrer Souveränität zurück. Außer Bayern und Hessen kehrten nun die Länder der amerikanischen Besatzungszone zum Modell öffentlich-rechtlicher Kammern zurück (in der britischen und französischen Zone war dies bereits direkt nach dem Krieg so gewesen). Das SPD-regierte Hessen hatte völlig andere Pläne: Hier sollten nach dem Willen der Regierung die IHKs aufgelöst und durch Wirtschaftskammern ersetzt werden. Diese sollten paritätisch durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer besetzt werden. Die Arbeitgebervertreter sollten durch die Wirtschaftsverbände, die Arbeitnehmervertreter durch die Gewerkschaften benannt werden.[9] Diese Planungen kamen jedoch nicht zur Umsetzung, da statt dessen eine bundeseinheitliche Regelung getroffen wurde.

Mit Inkrafttreten des „Gesetzes zur vorläufigen Regelung des Rechts der Industrie- und Handelskammer“ am 22. Dezember 1956 werden die Kammern wieder zu Körperschaften des öffentlichen Rechts. Der Beirat einer Kammer trägt nun die Bezeichnung „Vollversammlung“.[10]

1945 bis 1950 leistete Alfred Petersen von der Metallgesellschaft Aufbauarbeit. In den 80er Jahren stand Hans Messer (Messer Griesheim) an der Spitze der IHK (1980–1991).[11]

Die Arbeit der IHK war seit 2007 zunehmend von Konflikten bestimmt.[12] Ende Dezember 2006 ging ein anonymes Schreiben beim Hessischen Wirtschaftsministerium als Rechtsaufsicht der IHK ein. Darin wurde die Wählbarkeit des damaligen IHK-Präsidenten Dr. Joachim von Harbou sowie vier seiner Stellvertreter bezweifelt. Mitte Januar 2007 veröffentlichte die Frankfurter Rundschau einen entsprechenden Artikel. Im IHK-Präsidium gab es dann unterschiedliche Auffassungen, wie weiter vorzugehen sei. In Folge dieser Auseinandersetzungen kündigte der Präsident Joachim von Harbou im April 2007 an, sein Amt zur nächsten Vollversammlung am 27. Juni 2007 niederzulegen. Ihm folgte Hans-Joachim Tonnellier, Vorstandsvorsitzender der Frankfurter Volksbank, der das Amt bis zum Ende der Wahlperiode im April 2009 innehatte und der für eine weitere Amtszeit nicht mehr zur Verfügung stand. Am 22. April 2009 wurde Dr. Mathias Müller als sein Nachfolger gewählt. Müller ist Immobilienberater in Hofheim bei Frankfurt.

Außenstellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bad Homburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außenstelle in Bad Homburg

1945 wurde durch die amerikanische Militärregierung eine Außenstelle der IHK Frankfurt für den Obertaunuskreis in Oberursel (Taunus) eingerichtet, die später nach Bad Homburg verlegt wurde.[13] Die Außenstelle Bad Homburg der IHK befindet sich in der Louisenstraße 105 in Bad Homburg. Das denkmalgeschützte Gebäude wurde 1854 für Dr. Binsack als klassizistisches Wohnhaus errichtet.[14]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Senioren, Vorsitzende bzw. Präsidenten der Kammer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Werner Plumpe, Dieter Rebentisch: Dem Flor der hiesigen Handlung. 200 Jahre IHK Frankfurt. Frankfurt am Main 2008

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wahlbeteiligungen zu den “Voll”versammlungen der 80 Industrie- und Handelskammern (Memento vom 22. Januar 2009 im Internet Archive)
  2. http://www.frankfurt-main.ihk.de/pdf/wir_ueber_uns/wahlordnung.pdf Wahlordnung der IHK Ffm, § 7
  3. http://www.frankfurt-main.ihk.de/pdf/wir_ueber_uns/wahlordnung.pdf Wahlordnung der IHK Ffm, § 1
  4. Wirtschaftssatzung 2015
  5. Geschäftsbericht 2014 (PDF; 18,3 MB)
  6. HWA Abt. 9, Nr. 56; Großhessisches Staatsministerium an die Industrie- und Handelskammern und Handwerkskammern des Landes Groß-Hessen, 10. Januar 1946
  7. HWA Abt. 9, Nr. 56; Runderlass des Großhessischen Staatsministerium an die Industrie- und Handelskammern des Landes Hessen, 9. Mai 1946
  8. HWA Abt. 9, Nr. 37; Runderlass des Großhessischen Staatsministerium über die Neuregelung der Organisation der Industrie- und Handelskammern Hessen, 5. Dezember 1946
  9. HWA Abt. 9, Nr. 58; Entwurf eines Gesetzes über die Bildung von Wirtschaftskammern (Wirtschaftskammergesetz) vom 18. Juli 1951
  10. Ulrich Eisenbach: Zwischen gewerblicher Interessenvertretung und öffentlich-rechtlichem Auftrag; in: Helmut Berding (Hrsg.): 125 Jahre Industrie- und Handelskammer Gießen: Wirtschaft in einer Region. Hessisches Wirtschaftsarchiv. Darmstadt 1997, ISBN 3-9804506-1-9, S. 5–43.
  11. Die Nummer 30. In: FAZ. 29. Juni 2007, S. 57.
  12. Streit beigelegt– Neuer Präsident für IHK. In: hr-online.de. 27. Juni 2007, abgerufen am 29. Juni 2007.
  13. Professor Dr. Barbara Dölemeyer et al.; Magistrat Bad Homburg vor der Höhe (Hrsg.): Geschichte der Stadt Bad Homburg vor der Höhe: Aufbruch, Tradition, Wachstum, 1948–1990, Band 5 von Geschichte der Stadt Bad Homburg vor der Höhe: Mit den Stadtteilen Kirdorf, Gonzenheim, Dornholzhausen, Ober-Erlenbach und Ober-Eschbach, 2007, ISBN 978-3-7973-1048-4, Seite 268
  14. Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Louisenstraße 105 In: DenkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen