ISO 45001

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Die ISO 45001 ist eine durch die Internationale Organisation für Normung (ISO) im März 2018 veröffentlichte Norm und beschreibt Anforderungen an ein Arbeitsschutzmanagementsystem (AMS) sowie eine Anleitung zur Umsetzung. ISO 45001 wird die Occupational Health and Safety Assessment Series (OHSAS 18001) ersetzen. Die Deutsche Version heißt DIN ISO 45001 und erscheint im Juni 2018.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1999 wurde die BS OHSAS 18001 von der British Standards Institution (BSI) entwickelt und 2007 revidiert. OHSAS 18001 war als internationaler Standard vorgesehen, nach dem sich zahlreiche Unternehmen und Organisationen zertifizieren ließen, um den Nachweis zu erbringen, in Besitz eines wirksamen und effektiven Arbeitsschutzmanagementsystems zu sein. Die Umstellung zu ISO 45001 führt Arbeitsschutz und betriebliches Gesundheitsmanagement zusammen.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • März 2013: Die BSI reichte bei der ISO einen Vorschlag zur Erarbeitung einer internationalen Arbeitsschutz-Norm, auf Basis der BS OHSAS 18001, ein. Im Juli 2013 wurde dieser Vorschlag von den ISO-Mitgliedern mehrheitlich angenommen.
  • Oktober 2013: Das Projektkomitee ISO/PC 283 entwickelte einen Working Draft, in dem u. a. die Namensgebung „ISO 45001“ beschlossen wurde. Als Rahmen für die Erarbeitung der ISO 45001 diente die High Level Structure (HLS), um die Integration des AMS in andere Managementsysteme, wie z. B. Qualität, Energie und Umwelt, zu ermöglichen.
  • Juli 2014: Der erste Comitee Draft, der sich u. a. aus dem Working Draft ergab, wurde bekannt gegeben. Im Februar 2015 folgte der zweite.
  • November 2015: Vorliegen eines Draft International Standard.
  • Juni 2016: 28 % der nationalen Normengremien lehnten den Draft International Standard ab, daher wurde auf der internationalen PC 283 Sitzung in Toronto beschlossen, dass ein zweiter Draft International Standard erforderlich ist. Im neuen Entwurf wurden schwerpunktmäßig folgende Themen überarbeitet:[1]
    • genaue Beschreibung der Einhaltung und Umsetzung von Rechtsvorschriften,
    • explizite Beschreibung von Beteiligung und Konsultation von Beschäftigten,
    • Konkretisierung der Forderungen an die Kommunikation,
    • weitere Implementierung von Chancen im Arbeits- und Gesundheitsschutz,
    • Anpassungen von Formulierungen der Steuerungs- vorher Maßnahmenhierarchie,
    • Dokumentation auch bzgl. gesetzlicher Vorschriften und sonstigen Anforderungen,
    • Kommunikation der Ergebnisse von internen Audits und Managementbewertungen,
    • Integration des A&GSM in weitere Prozesse der Organisation,
    • Kontinuierlicher Verbesserung
  • Juli 2017: Der DIS 2 wurde veröffentlicht.
  • September 2017: am 23. September 2017 trat der DIN-Ausschusses bei einer Tagung in Malaysia zusammen. In diesem Gremium wurden die offenen Punkte über den Draft International Standard 2 [DIS 2] diskutiert und Lösungen gefunden. In der anschließenden Abstimmung wurde der DIS 2 mit einer deutlichen Mehrheit angenommen. Der bislang anerkannte Standard für Arbeitsschutzmanagementsysteme, die BS OHSAS 18001, wird somit 2018 durch die ISO 45001 ersetzt.[2]
  • November 2017: Nach einmonatiger Editierung wurde im November 2017 der Final Draft International Standard [FDIS] veröffentlicht.
  • Januar 2018: Am 31. Januar stimmte die internationale Arbeitsgruppe ISO/PC 283 über die Zustimmung zum Final Draft International Standard [FDIS] ab. Mit rund 93 % der Stimmen wurde der FDIS von der Arbeitsgruppe angenommen. Eine Übersetzungsgruppe bereitet aktuell die korrekte Übersetzung ins Deutsche vor und eine mögliche Fassung liegt derzeit bereits vor.
  • März 2018: Am 12. März wurde die Norm veröffentlicht.

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Anwendungsbereich
  2. Normative Verweisungen
  3. Begriffe
  4. Kontext der Organisation
  5. Führung und Beteiligung der Beschäftigten
  6. Planung
  7. Unterstützung
  8. Betrieb
  9. Bewertung der Leistung
  10. Verbesserung

Inhaltsverzeichnis in Deutsch und Englisch [3]

Inhalte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Integration des Arbeits- und Gesundheitsschutzes in den Prozess "Beschaffung"

Folgende Neuerungen und Spezifizierungen sind in der ISO 45001:2018 Managementsysteme für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit [SGAMS] unter anderem unterschiedlich zu anderen Arbeitsschutzmanagementsystemen:

1.    Definitionen zu Begriffen, wie z. B. SGA [Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit]  -Risiken und Chancen, Kompetenz, Beteiligung, Konsultation.

2.    Den Kontext der Organisation berücksichtigen, insbesondere gilt dies bei Veränderungen des Marktes [z. B. Kundenanforderungen] oder Produktionsprozessen [z. B. verändertes Material].

3.    Die Anforderungen an die ISO 45001:2018 sind als Grundlage immer rechtliche Vorschriften und sonstige Anforderungen.

4.    Das Wissen der Organisation hinsichtlich der SGA muss einbezogen werden.

5.    Das SGAMS muss beim Aufbau benötigte Prozesse definieren. Dabei sollen auch Prozesse beachtet werden, die nur SGA-relevant sind [wie z. B. der Personalprozess oder Beschaffungsprozess (siehe Abb. 2)].

6.    Die Integration der SGA in alle Prozesse der Organisation ist notwendig.

7.    Die oberste Führung muss deutlich Verantwortung und Engagement im SGA zeigen und seine Führungskräfte ausreichend einbinden und unterstützen. Das Bewusstsein der Führungskräfte hinsichtlich des SGA muss gestärkt und nachgewiesen werden.

8.    Die Beteiligung der Beschäftigten und deren Vertreter wird intensiv und spezifisch gefordert.

9.    Die Bewusstseinsbildung bei allen Akteuren erhält höhere Relevanz und geht über Schulungen und Unterweisungen hinaus. [Siehe oben Punkt 4].

10.  Nicht nur SGA-Risiken werden ermittelt und bewertet, auch SGA-Chancen für mehr Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit sollen bewertet werden.

11.  SGA-Chancen sind zu berücksichtigen, um die Arbeit, Arbeitsorganisation und Arbeitsumgebung an die Beschäftigten anzupassen. Aber auch Chancen, die in der Veränderung liegen, müssen Beachtung finden.

12.  Alle Beteiligten in- und außerhalb der Organisation, wie z. B. Leiharbeitnehmer werden ins SGAMS eingebunden. Das „Ausgliedern“ [Outsourcing] von Prozessen muss im SGAMS im Hinblick auf die Schnittstellen zur Organisation beachtet werden.

13.  Für interne Audits wird auf die DIN EN ISO 19011:2013 verwiesen.

14.  Neben systematischen Verbesserungen, muss auch die Effektivität des Managementsystems überprüft werden.

Zertifizierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu ISO 45001:2018 kann eine Zertifizierung angestrebt werden. Eine Organisation, die bereits nach OHSAS 18001 zertifiziert wurde, kann nach Ablauffrist eine Umzertifizierung vornehmen, bei welcher die inhaltlichen Lücken zwischen den beiden Normen geschlossen werden nachdem die Akkreditierungsregelungen von der Dakks festgelegt wurden. Die Frist, wie lange eine nach Erscheinung der Norm ausgestellte Zertifizierung gilt, wurde auf 36 Monate festgelegt.[4]

Es bleibt abzuwarten, wie diese Norm in Deutschland angenommen wird, da es hier einige AMS gibt (z. B. von den Berufsgenossenschaften [5] oder den Gewerbeaufsichtsämtern (OHRIS)) die kostenlos zertifiziert werden können

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • C. Weigl: Aus BS OHSAS 18001 wird ISO 45001 In: Sicherheitsingenieur 2/2016, 48. Jahrgang, S. 14–19.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. "Neuerungen der DIN ISO 45001"@1@2Vorlage:Toter Link/www.gesundheitsmanagement.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Website der IfG GmbH. Abgerufen am 23. Juni 2017.
  2. "ISO 45001 tritt 2018 in Kraft" (Memento des Originals vom 6. Oktober 2017 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.gesundheitsmanagement.com Website der IfG GmbH. Abgerufen am 06. Oktober 2017.
  3. Website der Norm DIN ISO 45001 beim Beuth-Verlag Abgerufen am 16. Mai 2018.
  4. "ISO/DIS 45001. Understanding the new international standard for occupational health & safety" Website der BSI Group. Abgerufen am 24. Februar 2016.
  5. Arbeitsschutzmanagementsystem der BGETEM Aufgerufen am 16. Mai 2108.