Il signor Bruschino

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Werkdaten
Titel: Il signor Bruschino
Titelblatt des Librettos, Venedig 1813

Titelblatt des Librettos, Venedig 1813

Form: Nummernoper mit Secco-Rezitativen
Originalsprache: Italienisch
Musik: Gioachino Rossini
Libretto: Giuseppe Maria Foppa
Literarische Vorlage: Le fils par hasard, ou ruse et folie von Alizan de Chazet, E. T. M. Ourry
Uraufführung: 27. Januar 1813
Ort der Uraufführung: Venedig, Teatro di San Moisè
Spieldauer: ca. 75 Minuten
Personen
  • Gaudenzio, (Bass)
  • Sofia, sein Mündel (Sopran)
  • Bruschino padre (Bass)
  • Bruschino figlio (Tenor)
  • Florville, Sofias Geliebter (Tenor)
  • Filiberto, ein Wirt (Bass)
  • Marianna, eine Magd (Sopran)
  • Ein Polizist (Bass)

Il signor Bruschino, ossia Il figlio per azzardo ist eine einaktige Oper („farsa giocosa per musica“) von Gioachino Rossini auf ein Libretto von Giuseppe Foppa, die auf dem Stück Le fils par hasard, ou ruse et folie von Alissan de Chazet und E. T. M. Ourry beruht. Die Uraufführung fand am 27. Januar 1813 im Teatro San Moisè in Venedig statt.

Handlung[Bearbeiten]

Gaudenzio hat sein Mündel Sofia dem Sohn des Bruschino versprochen. Diesen hat Sofia noch nie gesehen und ist stattdessen mit Florville liiert. Dessen und Gaudenzios Vater verbindet eine alte Feindschaft. Bruschino figlio soll nun seiner zukünftigen Gattin vorgestellt werden, kehrt aber unterwegs in einem Wirtshaus ein und wird dort festgehalten, auf dass er seine Schulden begleiche. Dies gibt Florville Gelegenheit, sich als Bruschino figlio auszugeben und in Gaudenzios Schloss aufzukreuzen. Dort taucht bereits nach kurzem auch Bruschino padre auf, womit Florville vor ernste Probleme gestellt wird. Allerdings gelingt es ihm, dem Signor Bruschino weiszumachen, er sei sein unbekannter und seit langem verschwundener Sohn. In einem mitreißenden Trio, welches den Höhepunkt der Oper darstellt, bittet er seinen „Vater“ um Verzeihung, während dieser von Gaudenzio für seine mangelnde väterliche Zuneigung getadelt wird.

Geschichte[Bearbeiten]

Il signor Bruschino gehört zu einer Serie von fünf komischen Operneinaktern, die Rossini zwischen 1810 und 1813 für Venedig komponierte. Die anderen dieser „farse“ sind La cambiale di matrimonio, L’inganno felice, La scala di seta und L’occasione fa il ladro. Diese Operngattung war am Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts in Venedig sehr populär. Die Stücke waren meistens mit nur fünf bis acht Sängern besetzt, darunter immer ein Liebespaar, in diesem Falle Sofia und Florville, mindestens zwei komische Partien, hier Bruschino padre, Gaudenzio und Filiberto, sowie ein oder mehrere Nebenrollen, hier Marianna, Bruschino figlio und der Polizist.

Bei der Uraufführung am 27. Januar 1813 im Teatro San Moisè wurde das Werk zusammen mit dem zweiaktigen „dramma eroicomico“ Matilde bzw. La donna selvaggia von Carlo Coccia gegeben. Die Sänger in Il signor Bruschino waren Nicola De Grecis (Gaudenzio), Teodolinda Pontiggia (Sofia), Luigi Rafanelli (Bruschino padre), Gaetano Del Monte (Bruschino figlio und Polizist), Tommaso Berti (Florville), Nicola Tacci (Filiberto) und Carolina Nagher (Marianna).[1] Im Frühling 1844 wurde die Oper im Teatro Canobbiana in Mailand aufgeführt.

Musik[Bearbeiten]

Die Oper wurde geschrieben für ein recht kleines Orchester bestehend aus einer Flöte, zwei Oboen (auch Englischhorn), zwei Klarinetten, einem Fagott, zwei Hörnern, Streichern sowie Basso continuo für die Secco-Rezitative.

Das bekannteste Stück aus der Oper ist die Ouvertüre, die bei der Uraufführung einen Skandal auslöste, da die zweiten Violinen angewiesen waren, mit ihren Bögen auf die Notenpulte zu klopfen. Dieser rhythmische Klangeffekt, der während der ganzen Ouvertüre immer wieder zu hören ist, wurde seinerzeit als nichtssagend und überflüssig empfunden, sodass auch die Musiker schwer zu überreden waren, die Anweisung in der Partitur auszuführen. Im Übrigen ist der Bruschino eine typische Nummernoper mit Secco-Rezitativen, obgleich die tiefgehende Sentimentalität und der Pathos, die beispielsweise die Cavatine Florvilles oder das Duett zwischen ihm und seiner Geliebten auszeichnen, schon auf die romantische Musiksprache, die später von Bellini und Donizetti erreicht wurde, vorausdeutet.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Datensatz zur Aufführung im Teatro San Moisè am 27. Januar 1813 im Corago-Informationssystem der Universität Bologna