La gazza ladra

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Dieser Artikel behandelt die Oper. Für den gleichnamigen Kurzfilm siehe La gazza ladra (Kurzfilm).
Werkdaten
Titel: Die diebische Elster
Originaltitel: La gazza ladra
Titelblatt des Librettos, Mailand 1817

Titelblatt des Librettos, Mailand 1817

Form: Opera semiseria in zwei Akten
Originalsprache: Italienisch
Musik: Gioachino Rossini
Libretto: Giovanni Gherardini
Literarische Vorlage: La Pie voleuse, ou la Servante de Palaiseau von Louis-Charles Caigniez und Jean-Marie-Théodore Baudouin d’Aubigny
Uraufführung: 31. Mai 1817
Ort der Uraufführung: Mailand, Teatro alla Scala
Spieldauer: ca. 3 Stunden
Ort und Zeit der Handlung: Ein großes Dorf in der Nähe von Paris
Personen
  • Fabrizio Vingradito, reicher Pächter (Bass)
  • Lucia Vingradito, seine Frau (Mezzosopran)
  • Gianetto, Sohn der Vingraditos, Soldat (Tenor)
  • Ninetta, Dienstmädchen Fabrizios (Sopran)
  • Fernando Villabella, Vater von Ninetta, Soldat (Bass)
  • Gottardo, Bürgermeister/Podestà (Bass)
  • Pippo, Bauernbursche in Diensten Fabrizios (Alt)
  • Isacco, Händler (Tenor)
  • Antonio, Kerkermeister (Tenor)
  • Giorgio, Diener des Bürgermeisters (Bass)
  • Ernesto, Soldat, Freund von Fernando Villabella
  • Amtsrichter (Bass)
  • Gregorio, Gerichtsschreiber (Bass)

La gazza ladra (Die diebische Elster) ist eine Opera semiseria[1] (Originalbezeichnung: „Melodramma“) in zwei Akten von Gioachino Rossini mit einem Libretto von Giovanni Gherardini. Die Uraufführung erfolgte am 31. Mai 1817 im Teatro alla Scala in Mailand.

Handlung[Bearbeiten]

Der Ort der Handlung ist ein Dorf im Piemont zwischen den Jahren 1796 und 1797 während des napoleonischen Italienfeldzugs, der im ersten Koalitionskrieg geführt wurde.

Erster Akt[Bearbeiten]

Weiter Hof im Haus Fabrizios.

Vorne ein ländliches Tor mit einer Laube; an einem Pfeiler ein offener Vogelkäfig mit einer Elster. Im Hintergrund zur Mitte hin ein vergittertes Tor als Eingang zum Hof. In der Ferne einige Hügel

Szene 1–9. Der Pächter Fabrizio Vingradito und seine Frau Lucia bereiten eine Feier für ihren Sohn Gianetto vor, der als ein Kriegsheld heimkehren wird. Auch Fabrizios Dienstmädchen Ninetta erwartet die Rückkehr ihres Geliebten Gianetto und die ihres Vaters Fernando, der jedoch wegen Desertion steckbrieflich gesucht wird. Als Ninetta dem Bürgermeister Gottardo den Steckbrief vorliest, fälscht sie beim Lesen die Personalien des Fahnenflüchtigen.

Erdgeschosszimmer im Haus Fabrizios

Szene 10–16. Fernando hatte seiner Tochter Ninetta Silberbesteck zukommen lassen, das sie für ihn zu Geld machen soll. Deswegen verkauft sie es dem Händler Isacco. Bei den Verkaufsverhandlungen werden die beiden von Pippo beobachtet. Fälschlicherweise wird Ninetta des Diebstahls bezichtigt, nachdem Lucia erneut den Verlust eines Silberlöffels feststellen musste – bereits früher vermisste sie eine Gabel. Da die Initialen auf dem verkauften Besteck „F“ und „V“ lauten, scheint der Fall eindeutig. Der Bürgermeister lässt die Beschuldigte in einen Kerker sperren. Weil in dem Dorf das Kriegsrecht gilt, droht ihr wegen des Diebstahls die Todesstrafe.

Zweiter Akt[Bearbeiten]

Vorhalle des Gefängnisses im Gerichtshaus

Szene 1–5. Der mitleidige Kerkermeister Antonio gestattet Ninetta Ausgang aus dem Gefängnis, wo sie auf ihren Geliebten Gianetto trifft. Gianetto drängt sie, ihre Unschuld zu beweisen und die ganze Wahrheit zu erzählen. Ninetta möchte jedoch ihren Vater nicht in Gefahr bringen.

Szene 6. Sie wendet sich an Pippo, der ihr Eigentum zugunsten von Fernando verkaufen soll. Auch ihr Schmuckkreuz händigt sie ihm aus.

Erdgeschosszimmer im Haus Fabrizios

Szene 7–8. Lucia erzählt Fernando von der Verhaftung seiner Tochter.

Gerichtssaal

Szene 9–10. Das Gericht verurteilt Ninetta zum Tode. Ferdinand stürzt herein, um seine Tochter zu befreien. Er wird als Deserteur erkannt und festgenommen. Ninetta wird zum Richtplatz zur Exekution durch Erschießen geführt.

Dorfplatz.

Auf der rechten Seite ein Kirchturm mit einer kleinen Brücke für Reparaturarbeiten. Links das große Tor zum Gerichtshaus. Dahinter eine Gasse, und gegenüber eine weitere, die hinter die Kirche führt. Ebenfalls links eine kleine Tür zum Haus Fabrizios

Szene 11–17. Eine Elster stiehlt Pippo das Kreuz. Im Nest der Elster auf dem Kirchturm kann er daraufhin nicht nur das Kreuz, sondern auch den Silberlöffel aus dem Haushalt der Fabrizios finden. Im letzten Moment kann durch den Unschuldsbeweis die Exekution verhindert und Ninetta rehabilitiert werden.

Gestaltung[Bearbeiten]

Libretto[Bearbeiten]

Das Libretto, das der italienische Arzt und Dichter Giovanni Gherardini (* 1778 in Mailand; † 1861) für Rossini verfasste, bezog sich auf das Melodram La Pie voleuse, ou la Servante de Palaiseau, das der erfolgreiche französische Theaterschriftsteller Louis-Charles Caigniez gemeinsam mit seinem Kollegen Jean-Marie-Théodore Baudouin d’Aubigny geschrieben hatte. Das Schauspiel gehörte seit seiner Veröffentlichung im Jahr 1815 einige Jahrzehnte lang zum Repertoire europäischer Theaterhäuser. Für Gherardini blieb es jedoch das einzige Libretto, das er für Rossini schrieb.

Musiknummern[Bearbeiten]

Die Oper enthält die folgenden Musiknummern:[2]

  • Sinfonia

Erster Akt

  • Nr. 1. Introduktion: „Oh, che giorno fortunato!“ (Szene 1)
  • Nr. 2. Cavatine (Ninetta): „Di piacer mi balza il cor“ (Szene 2)
  • Nr. 3. Cavatine (Isacco): „Stringhe e ferri da calzette“ (Szene 3)
  • Nr. 4. Chor und Cavatine (Ninetta): „Ma qual suono! / Viva! Viva!“ (Szene 4)
  • Nr. 5. Brindisi (Pippo, Chor): „Tocchiamo, beviamo“ (Szene 5)
  • Nr. 6. Rezitativ und Duett (Fernando): „Ieri, sul tramontar del sole“ (Szene 6)
  • Nr. 7. Cavatine (Podestà): „Il mio piano è preparato“ (Szene 7)
  • Nr. 8. Szene und Terzett (Ninetta, Fernando, Podestà): „M’affretto di mandarvi i contrassegni“ (Szene 9)
  • Nr. 9. Finale I: „In casa di Messere“ (Szene 14)

Zweiter Akt

  • Nr. 10. Duett (Ninetta, Giannetto): „Forse un dì conoscerete“ (Szene 3)
  • Nr. 11. Arie (Podestà): „Sì per voi, pupille amate“ (Szene 5)
  • Nr. 12. Rezitativ und Duett (Ninetta, Pippo): „Deh, pensa che domani“ (Szene 6)
  • Nr. 13. Szene und Arie (Lucia): „Infelice Ninetta!“ (Szene 7)
  • Nr. 14. Rezitativ, Chor und Quintett: „A pieno voti è condannata“ (Szene 9)
  • Nr. 15. Arie (Lucia): „A questo seno“ (Szene 12)
  • Nr. 16. Finale II: „Infelice, sventurata“ (Szene 15)

Instrumentation[Bearbeiten]

Die Orchesterbesetzung der Oper enthält die folgenden Instrumente:[3]

Ouvertüre[Bearbeiten]

Heute wird meist nur noch die sehr eingängige und spritzige Ouvertüre dieser Oper gespielt. In welch höchster Eile diese entstand, schildert Rossini selbst:

„Das Vorspiel zur Diebischen Elster habe ich am Tag der Uraufführung unter dem Dach der Scala geschrieben, wo mich der Direktor gefangengesetzt hatte. Ich wurde von vier Maschinisten bewacht, die die Anweisung hatten, meinen Originaltext Blatt für Blatt den Kopisten aus dem Fenster zuzuwerfen, die ihn unten zur Abschrift erwarteten. Falls das Notenpapier ausbleiben sollte, hatten sie die Anweisung, mich selbst aus dem Fenster zu werfen.“

Gioachino Rossini[4]

Regisseur Stanley Kubrick inszenierte einige Szenen seines Films Clockwork Orange zur Ouvertüre. Sie wird ebenfalls im Vor- und Abspann von Kamikaze 1989 von Wolf Gremm[5] sowie von der Fährgesellschaft Corsica Ferries beim Ein- und Auslaufen in Häfen verwendet, weiterhin in der Serie Sherlock im Fall Reichenbach, als Moriarty die Kronjuwelen stehlen will.

Die britische Rockband Marillion verwendete die Ouvertüre als Intro für die Konzerte ihrer Clutching At Straws-Tour und das daraus resultierende 1988er Live-Album The Thieving Magpie.

Aufführungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Aufnahmen[Bearbeiten]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • La Gazza ladra. Melodramma in due Atti. Die diebische Elster. Oper in zwei Aufzügen. Italienischer u. deutscher Text. Klavierauszug. Breitkopf & Härtel, Leipzig (1820)
  • Die diebische Elster. Klavierauszug für Sänger. Übersetzt, textlich und musikalisch bearbeitet von A. Treumann-Mette. Bühnenverlag Ahn & Simrock, Berlin 1937

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Volker Scherliess: Gioacchino Rossini. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 5. Auflage, 2009, S. 145.
  2. La gazza ladra. Musiknummern auf librettidopera.it, abgerufen am 19. Januar 2016.
  3. La gazza ladra. Anmerkungen zur kritischen Ausgabe von Alberto Zedda, abgerufen am 19. Januar 2016.
  4. Sam Morgenstern (Hrsg.): Komponisten über Musik. Langen, Müller, München, 1. Auflage, 1956, S. 114.
  5. Interview – Charles Kálmán im Filmmusik Weblog, abgerufen am 19. Januar 2016.
  6. Volker Scherliess: Gioacchino Rossini. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 5. Auflage, 2009, S. 136.
  7. a b c d e f g h i j Gioacchino Rossini. In: Andreas Ommer: Verzeichnis aller Operngesamtaufnahmen. Zeno.org, Band 20.
  8. Daten der Aufnahme von 2007 bei Operadis, abgerufen am 19. Januar 2016.
  9. Cover der Aufnahme von 2009, abgerufen am 19. Januar 2016