Im Moore (Hannover)

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Blick durch die Straße Im Moore in Richtung Lutherkirche;
Ansichtskarte um 1900

Die Straße Im Moore in der Nordstadt von Hannover ist eine Wohnstraße, die von der Straße Am Puttenser Felde bis zur Hahnenstraße führt. Der teilweise mit Vorgärten versehene Straßenzug am Rande des Welfengartens weist verschiedene denkmalgeschützte Gebäude aus dem 19. und 20. Jahrhundert auf.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet nordöstlich von Schloss Montbrillant Anfang des 19. Jahrhunderts;
Plan der Stadt Hannover und Umgebung (Auszug); Militäringenieure Pentz und Bennefeld, 1807
Die von dem Bürgervorsteher Wilhelm Orgelmann errichtete Villa Im Moore 24 ist heute das älteste erhaltene Gebäude in der Straße
Gründerzeit-Eckdominante um 1900 mit ehemaligem Tante-Emma-Laden an der Ecke Asternstraße

Der Flurname, nach dem die heutige Straße benannt wurde, war schon zur Zeit des Kurfürstentum Hannover im Jahr 1750 erwähnt. Um 1770 verlief hier ein Gartenweg[2] für die sogenannten Gartenkosaken:[3] Hier besaß die schon seit 1649 in Hannover nachweisbare Familie Brauns vor dem Steintor,[4] im Steintorfeld[5] ausgedehnten Landbesitz „im sogenannten Moore“.[4] Im Gebiet des späteren Blumenviertels,[6] begründete die Familie Brauns etwa ab 1790[7] oder um 1800 [4] den zur Zeit des Königreichs Hannover größten Gartenbaubetrieb Norddeutschlands;[7] die Kunst- und Handelsgärtnerei Gebrüder Brauns.[8]

Der „Wohnpalast“ der 1920er Jahre: Im Moore 16 und 18;
Architekten Eduard Jürgens und Hans Mencke
Die frühere Städtische Mädchenschule mit dem Nordstädter Badehaus, heute Anna-Siemsen-Schule gegenüber der Lutherkirche

Der Architekt und Hase-Schüler[9] sowie Bürgervorsteher des 13. und nach dem Klagesmarkt bezeichneten Klagesmarktdistrikts,[10] Wilhelm Orgelmann baute sich 1881 – noch auf „freiem Felde“ – und in der späten Gründerzeit des Deutschen Kaiserreichs die dann von ihm selbst bewohnte und in den Backsteinformen[11] noch im Stil der Neogotik errichtete[12] großbürgerliche Villa unter der heutigen Adresse Im Moore 24,[11] zugleich das älteste erhaltene Gebäude in dem Straßenzug.[1]

Die Zentrale der ab 1892 so benannten Nebgen-Buden hatte ihren Sitz anfangs in der Straße Im Moore.[13]

Am 15. November 1911 verlegte die älteste Back- und Puddingpulverfabrik Deutschlands, Meine & Liebig, ihren Sitz in das Gebäude Im Moore 37a.[14]

Zu den jüngeren – ebenfalls denkmalgeschützten – Gebäuden in der Straße im Moore zählt die gegenüber der Lutherkirche errichtete frühere „Städtische Mädchenschule“: Die heutige Anna-Siemsen-Schule wurde während der Weimarer Republik um das Jahr 1930 vom hannoverschen Stadtbauamt nach Entwürfen von Karl Elkart errichtet[15] Bevor sich die Nordstädter eigene Badezimmer in den Wohnungen leisten konnten, waren ein Teil des Schulgebäudes auch als „Nordstädter Badehaus“ bekannt für seine Wannen- und Duschbäder; für die Frauen im Erdgeschoss, für die Männer im ersten Stock.[16]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Im Moore (Hannover) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Gerd Weiß: Ortskarte 3 / 03 03 Nordstadt / 13 Hainholz / 11 Vahrenwald, sowie Im Moore, in: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen, Stadt Hannover, Teil 1, Band 10.1, hrsg. von Hans-Herbert Möller, Niedersächsisches Landesverwaltungsamt – Institut für Denkmalpflege, Friedr. Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbH, Braunschweig 1983, ISBN 3-528-06203-7, S. 34f., 107f; sowie Nordstadt im Addendum zu Teil 2, Band 10.2: Verzeichnis der Baudenkmale gem. § 4 (NDSchG) (ausgenommen Baudenkmale der archäologischen Denkmalpflege), Stand: 1. Juli 1985, Stadt Hannover, Niedersächsisches Landesverwaltungsamt – Veröffentlichungen des Instituts für Denkmalpflege, S. 6f.
  2. Helmut Zimmermann: Im Moore, in ders.: Die Straßennamen der Landeshauptstadt Hannover. Verlag Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1992, ISBN 3-7752-6120-6, S. 127
  3. Klaus Mlynek: Gartenkosaken, in: Stadtlexikon Hannover, S. 203
  4. a b c Wilma Norkus-Bünte: Wilhelm Bünte. Ein Musikerleben, in: Hannoversche Geschichtsblätter, Neue Folge 26 (1972), Heft 1/2, S. 99–118; hier: S. 103ff.; eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  5. Eva Benz-Rababah: Steintorfeld, in: Stadtlexikon Hannover, S. 602
  6. Anette Schröder: Vom Nationalismus zum Nationalsozialismus. Die Studenten der Technischen Hochschule Hannover von 1925 bis 1938 ( = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen, Bd. 213), zugleich Dissertation 2001 an der Universität Hannover, Hannover: Hahnsche Buchhandlung, 2003, ISBN 978-3-7752-6013-8 und ISBN 3-7752-6013-7, S. 173
  7. a b Helmut Zimmermann: Die Straßennamen der Landeshauptstadt Hannover. Verlag Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1992, ISBN 3-7752-6120-6, S. 29, 79, 161, 180, v. a. S. 247
  8. Ludwig Hoerner: in ders.: Agenten, Bader und Copisten. Hannoversches Gewerbe-ABC 1800–1900. Hrsg.: Hannoversche Volksbank, Reichold, Hannover 1995, ISBN 3-930459-09-4, S. 35, 261f.; eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  9. Günther Kokkelink, Monika Lemke-Kokkelink: Baukunst in Norddeutschland / Architektur und Kunsthandwerk der Hannoverschen Schule 1850–1900. Schlütersche, Hannover 1998, ISBN 3-87706-538-4, S. 142, v. a. S. 555
  10. Indiana Tribüne, Volume 22, Number 58, Indianapolis, Marion County, 16 November 1898, page 2: Digitalisat des US-amerikanischen Staates Indiana
  11. a b Claudia Gröschel, Ingo Bultmann: Rundgang 10: Nordstadt, in Ingo Bultmann, Thomas Neumann, Jutta Schiecke (Hrsg.): Hannover zu Fuss. 18 Stadtteilrundgänge durch Geschichte und Gegenwart, Hamburg: VSA-Verlag, 1989, ISBN 978-3-87975-471-7 und ISBN 3-87975-471-3, S. 141–159; hier: S. 146
  12. o. V.: Orgelmann, Wilhelm in der Datenbank Niedersächsische Personen (Neueingabe erforderlich) der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek in der Version vom 5. Oktober 2005, zuletzt abgerufen am 7. Juni 2018
  13. Waldemar R. Röhrbein: Nebgen-Buden, in: Stadtlexikon Hannover, S. 464
  14. Paul Siedentopf (Hauptschriftleiter): Meine & Liebig, Hannover, Im Moore 37 a / Älteste Back- und Puddingpulverfabrik Deutschlands. In ders.: Das Buch der alten Firmen der Stadt Hannover im Jahre 1927, unter Mitwirkung von Karl Friedrich Leonhardt (Zusammenstellung des Bildmaterials), Jubiläums-Verlag Walter Gerlach, Leipzig 1927, S. 89
  15. Gerd Weiß: Der Bereich um die Lutherkirche, in: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland ..., S. 106f.
  16. Claudia Gröschel, Ingo Bultmann: Rundgang 10: Nordstadt ..., hier: S. 148

Koordinaten: 52° 23′ 3,6″ N, 9° 43′ 14,8″ O