Ingrid Lohmann

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Ingrid Lohmann (* 1953 in Wesel am Niederrhein) ist Professorin für Ideen- und Sozialgeschichte der Erziehung an der Universität Hamburg.[1]

Leben und wissenschaftlicher Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur studierte Lohmann an der Universität Münster Erziehungswissenschaft, Sozialwissenschaft, Philosophie und Psychologie und schloss das Studium 1977 mit dem Ersten Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien sowie 1978 mit dem Diplom in Pädagogik ab.[2] Von 1978 bis 1985 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem mathematikhistorischen Forschungsprojekt an der Universität Bielefeld. Im Jahr 1983 promovierte sie bei Herwig Blankertz mit der Dissertation Lehrplan und Allgemeinbildung in Preußen, einer Fallstudie zur Lehrplantheorie Friedrich Schleiermachers.

1985 bis 1991 war sie Hochschulassistentin an der Universität Hamburg, wurde dort 1992 mit der Studie Bildung, bürgerliche Öffentlichkeit und Beredsamkeit. Zur pädagogischen Transformation der Rhetorik zwischen 1750 und 1850 habilitiert und erlangte dadurch die Venia legendi für Historische und Systematische Erziehungswissenschaft. Seitdem ist sie ebenda Hochschullehrerin an der Fakultät (vormals Fachbereich) für Erziehungswissenschaft.

Seit 2017 leitet sie das Projekt „Das Wissen über Türken und die Türkei in der Pädagogik. Analyse des diskursiven Wandels, 1839–1945“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Forschungsschwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihre Forschungsschwerpunkte sind: Beziehungen zwischen pädagogischem und ökonomischem Diskurs in der Neuzeit, jüdische Bildungsgeschichte in Deutschland, Kritik der Privatisierung und Kommerzialisierung des Bildungs- und Wissenschaftsbereichs, Diskursanalysen zur deutschen Bildungsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts in transnationaler und postkolonialer Perspektive.[3]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ingrid Lohmann ist Mitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin sowie in den Wissenschaftlichen Beiräten von Attac Deutschland,[4] von Bildungsgeschichte. International Journal for the Historiography of Education (IJHE), der Datenbank Library of the Haskala[5] sowie der DFG-Kollegforschungsgruppe Maimonides Centre for Advanced Studies – Jewish Scepticism[6] der Universität Hamburg. Sie war langjähriges Mitglied der Deutschen Gesellschaft für die Erforschung des 18. Jahrhunderts (DGEJ), der Vereinigung für Jüdische Studien (VJS), im Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (BdWi), in der Rosa-Luxemburg-Stiftung, von 2006 bis 2012 Vorstand und von 2010 bis 2012 stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE).

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lehrplan und Allgemeinbildung in Preußen. Eine Fallstudie zur Lehrplantheorie F. E. D. Schleiermachers (= Europäische Hochschulschriften. Reihe 11. Pädagogik. Band 186). Lang, Frankfurt am Main/Bern/New York 1984, ISBN 3-8204-5159-5, urn:nbn:de:0111-opus-93323 (Zugleich: Dissertation. Universität Münster 1983).
  • Bildung, bürgerliche Öffentlichkeit und Beredsamkeit. Zur pädagogischen Transformation der Rhetorik zwischen 1750 und 1850 (= Internationale Hochschulschriften). Waxmann, Münster/New York 1993, ISBN 3-89325-135-9 (Zugleich: Habilitationsschrift. Universität Hamburg).
  • Bildung am Ende der Moderne. Beiträge zur Kritik der Privatisierung des Bildungswesens. Universität Hamburg, DIPF, Frankfurt am Main 2014, DNB 1080943633, urn:nbn:de:0111-opus-94767.

Herausgeberschaften

  • Türken- und Türkeibilder im 19. und 20. Jahrhundert – Pädagogik, Bildungspolitik, Kulturtransfer, mit Julika Böttcher, (Klinkhardt) 2021, ISBN 978-3-7815-2436-1, urn:nbn:de:0111-pedocs-219281.
  • Jüdische Bildungsgeschichte in Deutschland (Waxmann) [1].
  • Jahrbuch für Pädagogik (Peter Lang).
  • Historische Bildungsforschung, mit Rita Casale und Eva Matthes, (Klinkhardt) [2].
  • Hamburger Schlüsseldokumente zur deutsch-jüdischen Geschichte des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden (IGdJ), Hamburg.
  • mit Martin Dust, Gerd Steffens (Red.): Events & Edutainment (= Jahrbuch für Pädagogik. 2016). Peter Lang, Frankfurt am Main 2016, urn:nbn:de:0111-pedocs-148219.
  • Naphtali Herz Wessely. Worte des Friedens und der Wahrheit. Dokumente einer Kontroverse über Erziehung in der europäischen Spätaufklärung (= Jüdische Bildungsgeschichte in Deutschland. Band 8). Eingeleitet und kommentiert von Ingrid Lohmann, mitherausgegeben von Rainer Wenzel und Uta Lohmann. Aus dem Hebräischen übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Rainer Wenzel. Waxmann, Münster/New York NY 2014, ISBN 978-3-8309-3136-2.
  • mit Sven Kluge, Gerd Steffens (Red.): Menschenverbesserung – Transhumanismus (= Jahrbuch für Pädagogik. 2014). Peter Lang, Frankfurt am Main 2014, ISBN 978-3-631-65764-5.
  • mit Sinah Mielich, Florian Muhl, Karl-Josef Pazzini, Laura Rieger, Eva Wilhelm: Schöne neue Bildung? Zur Kritik der Universität der Gegenwart (= Theorie Bilden. Band 24). Transcript, Bielefeld 2011, ISBN 978-3-8376-1751-1, urn:nbn:de:101:1-201511283744.
  • mit Andrea Liesner: Gesellschaftliche Bedingungen von Bildung und Erziehung. Eine Einführung (= Kohlhammer-Urban-Taschenbücher. Band 638). Kohlhammer, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-17-021211-4, urn:nbn:de:101:1-20130624534.
  • mit Andrea Liesner: Bachelor bolognese. Erfahrungen mit der neuen Studienstruktur. Barbara Budrich, Opladen/Farmington Hills, Mich. 2009, ISBN 978-3-86649-767-2, urn:nbn:de:101:1-20150214880.
  • mit Rainer Rilling: Die verkaufte Bildung. Kritik und Kontroversen zur Kommerzialisierung von Schule, Weiterbildung, Erziehung und Wissenschaft. Leske + Budrich, Opladen 2002, ISBN 978-3-8100-3348-2.
  • Chevrat Chinuch Nearim. Die jüdische Freischule in Berlin (1778–1825) im Umfeld preußischer Bildungspolitik und jüdischer Kultusreform. Eine Quellensammlung (= Jüdische Bildungsgeschichte in Deutschland. Band 1). 2 Bände. Unter Mitarb. von Britta L. Behm. Waxmann, Münster 2001, ISBN 3-89325-780-2.
  • mit Ingrid Gogolin: Die Kultivierung der Medien. Erziehungs- und sozialwissenschaftliche Beiträge (= Schriften der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft). Leske + Budrich, Opladen 2000, ISBN 3-8100-2471-6 (Beiträge teilw. deutsch, teilw. englisch).
  • mit Bernd Bekemeier, Hans Niels Jahnke, Michael Otte, Bernd Schminnes: Wissenschaft und Bildung im frühen 19. Jahrhundert. 2 Bände. Bd. 1 (= Materialien und Studien des Instituts für Didaktik der Mathematik [IDM] der Universität Bielefeld. Band 27). Bielefeld 1982, DNB 840336845.

Aufsätze

  • Über den Beginn der Etablierung allgemeiner Bildung. Friedrich Schleiermacher als Direktor der Berliner wissenschaftlichen Deputation. In: Zeitschrift für Pädagogik. Band 30, Nr. 6, 1984, S. 749–773.
  • Allgemeinbildung – Metawissen – Urteilskraft. In: Allgemeine Bildung. Analysen zu ihrer Wirklichkeit, Versuche über ihre Zukunft. Hrsg. von Heinz-Elmar Tenorth. Beltz, Weinheim 1986, S. 215–230.
  • Über die Anfänge bürgerlicher Gesprächskultur. Moses Mendelssohn (1729–1786) und die Berliner Aufklärung. In: Pädagogische Rundschau. Band 46, Nr. 1, 1992, S. 35–49.
  • Die Juden als Repräsentanten des Universellen. Zur gesellschaftspolitischen Ambivalenz klassischer Bildungstheorie. In: Ingrid Gogolin, Marianne Krüger-Potratz, Meinert A. Meyer (Hrsg.): Pluralität und Bildung. Leske + Budrich, Opladen 1998, S. 153–178.
  • http://www.bildung.com/ – Strukturwandel der Bildung in der Informationsgesellschaft. In: Ingrid Gogolin, Dieter Lenzen (Hrsg.): Medien-Generation. Beiträge zum 16. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft. Leske + Budrich, Opladen 1999, ISBN 3-8100-2256-X, S. 183–208, doi:10.1007/978-3-322-93349-2_11 (die Webadresse ist Teil des Aufsatztitels).
  • Cognitive Mapping im Cyberpunk – Wie Jugendliche Wissen über die Welt erwerben. In: Petra Mayerhofer, Christoph Spehr (Hrsg.): Out of this world! Beiträge zu Science-Fiction, Politik & Utopie (= Argument. Sonderband. N. F., AS 288). Argument-Verlag, Hamburg 2002, ISBN 3-88619-288-1, S. 171–184.
  • Tora und Vernunft. Erneuerung der Religion als Medium der Verbürgerlichung in der jüdischen Aufklärung. In: Zeitschrift für Erziehungswissenschaft. 9. Jg., Heft 2, 2006, S. 203–218.
  • Erziehung und Bildung im antiken Israel und im frühen Judentum. In: Johannes Christes, Richard Klein, Christoph Lüth (Hrsg.): Handbuch der Erziehung und Bildung in der Antike. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2006, S. 183–222.
  • mit Christine Mayer: Dimensions of 18th Century Educational Thinking in Germany: Rhetoric and Gender Anthropology. In: History of Education. Band 37, Nr. 1, 2008, ISSN 0046-760X, S. 113–139, doi:10.1080/00467600701254024.
  • Gott und Natur, Arbeit und Eigentum – Zur Konzeption naturwissenschaftlichen Unterrichts in der späten Aufklärung. In: Dieter Kirchhöfer, Christa Uhlig (Hrsg.): Naturwissenschaftliche Bildung im Gesamtkonzept von schulischer Allgemeinbildung. Peter Lang, Frankfurt am Main/Bern 2009, S. 159–174.
  • Euchels Bildungskonzeption. Interkulturelle Koexistenz, Reichtumskritik und Einbruch der Wirklichkeit in eine Erzählung. In: Marion Aptroot, Andreas Kennecke, Christoph Schulte (Hrsg.): Isaac Euchel. Der Kulturrevolutionär der jüdischen Aufklärung. Wehrhahn, Hannover 2010, S. 167–195.
  • Das Motiv des Bilderverbots bei Moses Mendelssohn. In: Das achtzehnte Jahrhundert. Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für die Erforschung des achtzehnten Jahrhunderts. Band 36, Nr. 1, 2012, ISSN 0722-740X, S. 33–42.
  • mit Benjamin Begemann, Julika Böttcher, Markus Claas u. a.: Wie die Türken in unsere Köpfe kamen. Das Türkei-Bild in der deutschen Pädagogik zwischen 1820 und 1930. In: Zeitschrift für Erziehungswissenschaft. Band 16, Nr. 4, 2013, S. 751–772.
  • Deutsche Pädagogik im Ersten Weltkrieg – Skizze einer Diskursanalyse. In: Pädagogik in Zeiten von Krieg und Terror. Jahrbuch für Pädagogik 2017. Redaktion: David Salomon, Jürgen-Matthias Springer, Anke Wischmann. Peter Lang, Berlin 2018, ISSN 0941-1461, S. 15–59, urn:nbn:de:0111-pedocs-165742.
  • Lieber Türken als Levantiner. Deutsche Kolonialinteressen an der Türkei und die Stimme der Pädagogik im langen 19. Jahrhundert. - In: Lohmann, Ingrid; Böttcher, Julika (Hrsg.): Türken- und Türkeibilder im 19. und 20. Jahrhundert. Pädagogik, Bildungspolitik, Kulturtransfer. Bad Heilbrunn: Klinkhardt 2021, S. 43–72, urn:nbn:de:0111-pedocs-219311.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag Ingrid Lohmann auf der Website der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg, abgerufen am 26. Januar 2021.
  2. Lebenslauf auf inkrit.de. Mai 2009, abgerufen am 25. März 2018 (PDF; 111 kB).
  3. Ingrid Lohmann auf der Website der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg, abgerufen am 27. August 2020.
  4. Mitglieder des wissenschaftlichen Beirates. In: attac.de. Attac, abgerufen am 6. Juni 2018.
  5. Homepage. In: haskala-library.net, abgerufen am 12. Dezember 2018.
  6. Maimonides Centre for Advanced Studies. In: maimonides-centre.uni-hamburg.de, abgerufen am 12. Dezember 2018.