Injektionslipolyse

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Die Injektionslipolyse, auch Fettwegspritze ist eine Methode zur Behandlung von kleineren bis mittleren Fettdepots am Körper und im Gesicht ohne einen operativen Eingriff. Der Begriff "Injektionslipolyse" wurde 2003 In Deutschland von der Ärztin Margrit Lettko eingeführt und ist seitdem der Standardbegriff für diese Therapie weltweit.

Die Methode wurde früher auch zur Behandlung von Tränensäcken unter den Augen angewandt, wird aber in Deutschland vom Netzwerk-Lipolyse nicht empfohlen. Das Netzwerk-Lipolyse ist die Vereinigung, die die Therapie der Injektionslipolyse standardisiert hat und weltweit Ärzte ausbildet. Bei der Behandlung von Cellulite wird die Injektionslipolyse in einer besonderen Art und Weise eingesetzt, indem der Wirkstoff direkt unter die Haut injiziert wird.

Das injizierte Präparat (Handelsname Lipostabil N) ist eine Mischung von Phospholipiden aus Sojabohnen, zugelassen zur Behandlung von Hyperlipidämien und zur Vorbeugung oder Behandlung von Fettembolien in der Chirurgie.[1] Die Off-label-Anwendung soll die überzähligen Fettzellen zerstören.[2]

Der Wirkstoff wird heute in Spezialapotheken auf Rezept der behandelnden Ärzte hergestellt. Die Kombination von Phosphaditylcholin und Desoxycholsäure hat sich als besonders wirkungsvoll und trotzdem schonend erwiesen.

Nach Angabe der Anwender sind durch Anwendung der Fettwegspritze Umfangsreduktionen von 2 bis 4 cm an den behandelten Körperregionen möglich. Die Wirksamkeit dieser Behandlungsmethode wurde 2005 in einer Studie bestätigt.[3] Eine neuere Studie[4], publiziert 2013, die von der ASAPS (American Society of Aesthetic Plastic Surgery) beauftragt und von der FDA genehmigt wurde, hat ebenfalls einen Wirksamkeitsnachweis durch eine Halbseitenvergleichsstudie erbracht. Ist ein weiterreichender Effekt gewünscht, kann dieser mittels einer Fettabsaugung erzielt werden. Die Fettwegspritze stellt keine vollwertige Alternative zur Fettabsaugung dar, sondern ist für kleinere Fettpolster geeignet.

Wirkmechanismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich bestand die Vermutung, dass das im Lipostabil N enthaltene Polyenylphosphatidylcholin (PPC) verantwortlich für den Fettabbau ist. Diese Vermutung war insofern nicht abwegig, weil Lipostabil als Mittel gegen Fettembolien eingesetzt wurde. Als erster hat Adam Rotunda[5] von der UCLA (University of California) diese Hypothese in Frage gestellt. Seine Untersuchungen In Vitro zeigten, dass die enthaltene Desoxycholsäure (DOC) die Membran der Fettzellen zerstören kann. Dieser ersten Untersuchung folgten weitere der Universitäten Regensburg und Bochum, die diese Hypothese validieren konnten[6] [7].
Eine Frage zum Wirkmechanismus ist weiterhin offen, ob und wenn welche Funktion das PPC erfüllt. Es ist wissenschaftlich durchaus berechtigt zu fragen, was denn nach der Zerstörung der Fettzellen mit dem freigesetzten Fett passiert und ob PPC eine Wirkung auf den Abbauprozess hat. Aufgrund der umfangreichen Studienlage zum PPC kann davon ausgegangen werden, dass PPC hier positiv eingreift: Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass jeder geförderte Fettabbauprozess nach denselben Mechanismen verläuft, sei er zum Beispiel durch Ernährungsumstellung, Lipolyse oder wie in unserem Fall durch Lipodestruktion initiiert. Am Abbauprozess freigesetzter Fette sind Lipasen beteiligt, so die Lipoproteinlipase (LPL), aber auch Lipoproteine und hier insbesondere das HDL, das die Fette zur Verstoffwechselung in die Leber abtransportieren kann. In der Leber sorgen ebenfalls Enzyme wie die hepatischen Triglyzerid- und Phospholipasen für einen weiteren Abbau der Fette. Die freigesetzten Fettsäuren werden dann in den Mitochondrien unter Gewinnung energiereicher Moleküle (ATP) oxidiert. Wie erfolgreich dieser Prozess abläuft, hängt unter anderem davon ab, wie viel freigesetztes Fett zusätzlich zu dem mit der Nahrung aufgenommenen in den Blutkreislauf und von dort in die Leber gelangt. Sind größere Mengen vorhanden oder freigesetzt, kann die Funktionalität der Lipasen und der Transport in die Leber zur Verstoffwechslung durch Überlastung erheblich gestört werden. Hier haben die essentiellen Phospholipide des PPC ihre therapeutische Wirksamkeit vielfach bewiesen. PPC beeinflusst den oben beschriebenen Prozess maßgeblich positiv auf allen Ebenen.

Sicherheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DOC ist eine toxisch wirkende Substanz, die nicht ausschließlich Fettzellen zerstören kann. Insofern ist es nicht verwunderlich, wenn seit Beginn der Therapie die Anwender immer wieder zur Sicherheit der Therapie befragt wurden. Als erste Organisation hat die BACD (British Association of Cosmetic Doctors) eine statistische Auswertung vorgelegt [8]. Nur wenig später, ebenfalls in 2006 hat Diane Duncan [9]einen Fragebogen weltweit an viele Anwender versandt und eine sehr viel größere Datenbasis erhalten. Auch im weltweit agierenden NETZWERK-Lipolyse hat es mittlerweile 3 Mitgliederbefragungen gegeben, wovon die letzte in 2015 [10]durchgeführt wurde und die bislang größte Auswertung zur Sicherheit und Effektivität darstellt mit 29.889 Patienten und hochgerechnet 74.600 Behandlungen. Grundsätzlich kann zur Sicherheit gesagt werden, dass es sich um ein risikoarmes ästhetisches Verfahren handelt, will man den vorgelegten statistischen Auswertungen glauben. Im Lipolyse Report 2015 wurden alle Komplikationen zwischen 0 und 1 Promille angesiedelt. Fast alle Komplikationen waren reversibel. Es gab allerdings 2 Komplikationen, die nur teilweise reversibel waren: Abszesse und Nekrosen. Zwar können Abszesse bei jeder Injektion auftreten, im Fall der Injektionslipolyse nach dem Netzwerk Protokoll jedoch sollte darauf hingewiesen werden, dass bei Maximaldosierung immerhin 200 Injektionen gesetzt werden und somit die Gefahr erhöht wird. Insofern ist eine genaue Einhaltung der Sterilität wichtig. Ein Hauptgrund kann auch darin bestehen, dass die Patienten nach der Behandlung keine frisch gewaschene Kleidung anziehen, wie angeraten wird.
Nekrosen kommen nach dieser Statistik bei jedem 10.000sten Patienten oder jeder 25.000sten Behandlung vor. Die Ursachen wurden vom Netzwerk genauestens untersucht, denn jede Nekrose ist eine zu viel. Als Hauptursache kann die Verringerung der Mikrozirkulation im behandelten und nach der Behandlung angeschwollenen Areal angesehen werden: etwa Patienten, die stundenlange Autofahrten nach der Behandlung unternehmen oder Kompressionsmieder anziehen. Selbst enge Jeans können bereits eine Drucknekrose auslösen. Die Mikrozirkulation kann auch durch beispielsweise eine vorher durchgeführte Liposuktion mit einhergehender Vernarbung verringert werden. Dabei kann Injektionslipolyse sehr gut zur Korrektur von kleinen Arealen post Liposuktion eingesetzt werden. Eine weitere Ursache ist in mechanischer Beanspruchung des behandelten Gewebes zu sehen, etwa wenn nach einer Oberschenkelbehandlung in Radfahrerhosen im anschließenden Urlaub längere Wanderungen unternommen werden oder der Patient anschließend das Fitnessstudio aufsucht. Nekrosen sind immer ursächlich mit entweder ungenügender Patientenaufklärung oder Unvernunft seitens des Patienten assoziierbar. Allerdings sollte der Behandler, wie von einigen Autoren zu Recht empfohlen, ein sehr gutes Training durchlaufen, um Komplikationen möglichst zu vermeiden. Informiert werden sollte über die auftretenden Nebenwirkungen, die mit jeder Injektionslipolyse einhergehen. Diese sind: Schwellungen für 2-6 Tage, Rötungen, Juckreiz, Hämatome, moderate Schmerzen für ca. 3-4 Tage.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach örtlicher Desinfektion und Betäubung der zu behandelnden Stellen wird mittels dünner Injektionsnadeln (Außendurchmesser: 28–33 G, Länge: 6–12 mm) die Wirkstoffkombination von Phosphatidylcholin (PPC) und Desoxycholsäure (DOC) direkt in das Fettgewebe injiziert.[11] Dieser aus dem Öl der Sojabohne hergestellte Wirkstoff bewirkt, dass das Fett nach Zerfall der Fettzellen in der Leber abgebaut wird. Nur ein ganz geringer Teil wird über die Niere ausgeschieden.

Die Behandlung kann ambulant erfolgen. Als Nebenwirkungen treten immer vorübergehende Schwellungen für ca. zwei bis drei Tage, Rötungen und Brennen sowie blaue Flecken auf. Etwa 5 % der Patienten sprechen auf den Wirkstoff gar nicht und weitere 10–15 % nur vermindert an.

Legalität der Behandlung EU und USA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Methode wird aufgrund der fehlenden Erprobung und möglichen Risiken, insbesondere Nekrosen, kritisiert. Auftretende Nekrosen sind so gut wie immer auf einen Behandlungsfehler (keine Ausdehungsmöglichkeit des behandelten Gewebes) bzw. Patientenfehler (das Tragen von zu enger Kleidung z. B.) zurückzuführen.[12] Die zum Einsatz kommenden chemischen Agenzien (Phosphatidylcholin mit DOC) sind für diesen Einsatz nicht zugelassen und stellen daher einen „Off-Label-Use“ dar. Die Ampullen sind in der EU verschreibungspflichtig, in Deutschland sind die Ampullen nicht mehr verfügbar.
Deshalb hat sich die Situation innerhalb von EU und USA - die Wirkstoffkombination PPC/DOC betreffend - angeglichen. In beiden Kontinenten gibt es die legale und durchaus übliche Möglichkeit, eine Rezeptur durch eine dafür ausgestattete Apotheke herstellen zu lassen. In Deutschland wird dies mit dem Begriff Formula Magistralis oder Magistraliterrezeptur bezeichnet, in englischsprachigen Ländern lautet der Begriff Compounding. Beides meint dasselbe. In den USA hat die FDA Firmen vor irreführenden Angaben und vor dem Vertrieb nicht zugelassener Präparate gewarnt.[13]
2015 hat die FDA das Medikament Kybellafür die Behandlung des Doppelkinns in den USA zugelassen. Kybellaenthält nurmehr einen Wirkstoff, nämlich die Desoxycholsäure. Das Unternehmen Kythera, das die Zulassung erhielt, wurde 2016 von der Fa. Allergan gekauft.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gebrauchsinformation Lipostabil N i.v. 5ml, ENR: 0619194, Artesan Pharma 2009.
  2. K. Hoffmann: Injektionslipolyse - Fettpölsterchen einfach wegspritzen. In: Hautarzt. 61 (10), 2010, S. 847–855. doi:10.1007/s00105-010-1984-x
  3. K.-G. Heinrich: Efficacy of injections of phosphatidylcholine into fat deposits – a non-surgical alternative to liposuction in body-contouring. In: Indian J Plast Surg. Band 38, Nr. 2, 2005, S. 118–121.
  4. Reeds DN, Mohammed S, Klein S, Boswell CB, et al: Metabolic and structural effects of phosphatidylcholine and deoxycholate injections on subcutaneous fat: a randomized, controlled trial. In: Aesthet. Surg. J. Band 33, 2013, S. 411–413.
  5. Rotunda A Suzuki H, Moy RL, Kolodney MS: Detergent effects of sodium deoxycholate are a major feature of an injectable phosphatidylcholine formulation used for localized fat dissolution. In: Dermatol Surg. Band 30, Nr. 7, 2004, S. 1001–1008.
  6. Klein SM, Schreml S, Nerlich M, Prantl L: In vitro studies investigating the effect of subcutaneous phosphatidylcholine injections in the 3T3-L1 adipocyte model: lipolysis or lipid dissolution? In: Plast Reconstr Surg. Band 124, Nr. 2, 2009, S. 419–427.
  7. Bechara FG, Skrygan M, Kreuter A, Altmeyer P, et al: Cytokine mRNA levels in human fat tissue after injection lipolysis with phosphatidylcholine and deoxycholate. In: Plast Arch. Dermatol. Band 300, 2008, S. 455–459.
  8. Palmer M, Curran J, Bowler P: Clinical experience and safety using phosphatidylcholine injections for the localized reduction of subcutaneous fat: a multicentre, retrospective UK study. In: J. Cosmet. Dermatol. Band 5, 2006, S. 218–226.
  9. Duncan DI, Chubaty R: Clinical safety data and standards of practice for injection lipolysis: a retrospective study. In: Aesthet. Surg. J. Band 26, 2006, S. 575–585.
  10. Weidmann M, Lettko M, Prantl L: Injektionslipolyse. In: J Ästhet Chir. 2016, doi:10.1007/s12631-016-0047-2.
  11. P. Rittes: The Use of Phosphatidylcholine for Correction of Localized Fat Deposits. In: Aesth Plast Surg. Nr. 27, 2003, S. 315–318.
  12. Bewertung: Phospholipide aus Sojabohnen. In: Arznei-Telegramm Arzneimitteldatenbank. datiert 26. April 2011, abgerufen 14. Oktober 2014.
  13. FDA Issues Warning Letters for Drugs Promoted in Fat Elimination Procedure. Pressemitteilung 7. April 2010.
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