Osman Kavala

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Osman Kavala (vorne rechts) beim Gedenken zum 100. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern 2015 am Taksim-Platz

Osman Kavala (* 1957 in Paris) ist ein türkischer Unternehmer und Mäzen. Er sitzt seit 2017 in Untersuchungshaft für seine vermeintliche Rolle bei regierungskritischen Protesten. Kurz nach seinem Freispruch 2020 wurde er erneut verhaftet.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kavala besuchte das Robert College[1] in Istanbul und studierte an der University of Manchester Wirtschaftswissenschaft.[2] Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1982 übernahm er das Familienunternehmen Kavala Companies.[3] Seine Ehefrau ist Wirtschaftsprofessorin.[4]

Seit 2002 widmet er sich vor allem der von ihm gegründeten Stiftung Anadolu Kültür, deren Vorsitzender er ist. Anadolu Kültür betreibt Kulturzentren in vernachlässigten Regionen der Türkei und fördert die kulturelle Zusammenarbeit mit Ländern der Europäischen Union. Kavala ist auch als Sponsor von Amnesty International bekannt. Er ist Gründungs- sowie Direktoriumsmitglied der Open-Society-Stiftung und unterstützt den ungarischstämmigen Philanthropen George Soros wegen seines Einsatzes für Bürgerrechte und seiner Einwanderungspolitik. Erdogan nannte Kavala den “roten Soros der Türkei”, was eine Anspielung an die vielen antisemitischen Verschwörungstheorien ist, die in der Türkei zirkulieren.[5][6][4]

Am 18. Oktober 2017 wurde Kavala am Flughafen Istanbul ohne Nennung von Gründen festgenommen. Er hatte sich zuvor in Gaziantep mit Mitarbeitern des Goethe-Instituts getroffen. Auch deutschsprachige Medien berichteten ausführlich über seine Verhaftung. Die regierungsnahe Tageszeitung Daily Sabah brachte ihn einige Tage nach der Festnahme mit einer angeblichen „Gülenistischen Terrorgruppe“ namens FETÖ in Verbindung und behauptete, er sei Milliardär.[7] Seine Untersuchungshaft[8] wurde 2018 offiziell damit begründet, er sei der Organisator der Proteste am Gezi-Park, an denen 2013 mehr als 3,5 Millionen Menschen teilnahmen.[9] Am 24. Juni 2019 begann im Gerichtsgebäude der Strafvollzugsanstalten Silivri der Strafprozess gegen ihn und weitere 15 Angeklagte. Den Beschuldigten wurde im Zusammenhang mit den Protesten ein Umsturzversuch vorgeworfen.[10] Die Staatsanwaltschaft forderte „lebenslange Haft unter erschwerten Bedingungen“.[11] Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) nahm sich seines Falles an und gab 2018 bekannt, dass er ihn in einem beschleunigten Verfahren behandeln werde.[12] Im Dezember 2019 forderte der EGMR Kavalas Freilassung.[13]

Am 18. Februar 2020 wurde Kavala mangels Beweisen überraschend freigesprochen.[14] Wenige Stunden später erließ die Staatsanwaltschaft Istanbul einen neuen Haftbefehl gegen Kavala, aber nicht gegen die anderen Freigesprochenen. Sie behauptet, Kavala hätte sich am Putschversuch in der Türkei 2016 beteiligt. Kavala bleibt weiterhin inhaftiert.[15][16] Gegen die Richter, die Kavala freigesprochen haben, wird ermittelt.[17]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 2019 erhielt Kavala den European Archaeological Heritage Prize der Europäischen Vereinigung von Archäologen für seinen unermüdlichen Einsatz für die Erforschung, den Schutz und Erhalt der kulturellen Vielfalt der Türkei. Ausgezeichnet wurde insbesondere das Engagement für das Kulturerbe von Minderheiten und der Einsatz für türkisch-armenische Projekte.[18]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statement by the Classmates of Osman Kavala – Solidarity with Osman Kavala. Abgerufen am 21. September 2018 (britisches Englisch).
  2. ECtHR to Hear Case of Osman Kavala in Accelerated Procedure. In: Bianet – Bagimsiz Iletisim Agi. (bianet.org [abgerufen am 21. September 2018]).
  3. Osman Kavala, Founder/Partner. Website der International Peace and Reconciliation Initiative (IPRI), abgerufen am 25. Oktober 2017.
  4. a b Christiane Schlötzer: Osman Kavala, der „Soros der Türkei“. In: sueddeutsche.de, 12. November 2017.
  5. Anthony Barnett: Osman Kavala, Turkish democracy on the anvil. In: openDemocracy.org, 3. November 2017.
  6. Frank Nordhausen: Osman Kavala. Der ‚rote Soros‘. In: Frankfurter Rundschau, 20. Oktober 2017.
  7. Detained tycoon Osman Kavala linked to FETÖ coup attempts. In: Daily Sabah, 25. Oktober 2017.
  8. Türkischer Intellektueller fordert seine Freilassung. In: deutschlandfunkkultur.de, 31. Oktober 2018, abgerufen am 31. Oktober 2018.
  9. spiegel.de 7. Februar 2018: Osman Kavala in Haft: Alles, woran es der Türkei mangelt.
  10. Prozess gegen Kulturmäzen Osman Kavala beginnt. In: ZEIT Online, 24. Juni 2019, abgerufen am gleichen Tag.
  11. Prozess gegen Osman Kavala begonnen. In: deutschlandfunk.de, 24. Juni 2019, abgerufen am 25. Juni 2019.
  12. ECtHR to Hear Case of Osman Kavala in Accelerated Procedure. In: Bianet – Bagimsiz Iletisim Agi. (bianet.org [abgerufen am 21. September 2018]).
  13. Europäischer Gerichtshof fordert Freilassung von Osman Kavala. zeit.de, 10. Dezember 2019, abgerufen am 19. Februar 2020.
  14. Hasan Gökkaya: "Niemand hat mit diesem Freispruch gerechnet". zeit.de, 18. Februar 2020, abgerufen am 19. Februar 2020.
  15. Neuer Haftbefehl gegen Osman Kavala erlassen; Spiegel Online vom 18. Februar 2020
  16. FAZ.net: Ein niederträchtiges Manöver
  17. dpa: Nach Kavala-Freispruch in Türkei: Ermittlung gegen Richter. In: Zeit Online. 19. Februar 2020, abgerufen am 19. Februar 2020.
  18. Heritage Prize 2019. Abgerufen am 4. Oktober 2019.