Internationale Marxistische Tendenz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.
Logo Internationale Marxistische Tendenz

Die Internationale Marxistische Tendenz (IMT) (auch: Internationale Marxistische Strömung oder International Marxist Tendency), bis 2006 als Komitee für eine Marxistische Internationale (KMI) bekannt, ist eine internationale – dem Selbstverständnis nach revolutionär-sozialistische − Vereinigung, die 1993 von Ted Grant und Alan Woods gegründet wurde und dem trotzkistischen Lager zuzuordnen ist. Sie gruppiert sich um die Website In Defence of Marxism und propagiert marxistische Ideen.

Geschichte und Programmatik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die IMT sieht den größten Unterschied zu anderen trotzkistischen Organisationen darin, dass sie "sektiererisches Verhalten" ablehnt. Ein solches Verhalten drückt sich nach Auffassung der IMT insbesondere in Abspaltungen linker Strömungen von den sogenannten traditionellen Massenorganisationen der Arbeiterklasse (Gewerkschaften, Sozialdemokratie, teilweise auch Kommunistische Parteien) aufgrund von – aus Perspektive der IMT – rein „subjektiv“-organisationspolitischen oder ideologischen Erwägungen aus. Die Strömung arbeitet in allen Ländern, in denen ihr eine solche Arbeitsweise möglich erscheint, auf der Grundlage eines „vorbereitenden Entrismus“ innerhalb der Strukturen der Sozialdemokratie und der ehemaligen kommunistischen Parteien mit. Andere trotzkistische Organisationen kritisieren die Vorgehensweise der Strömung als opportunistisch.

Die IMT ging ursprünglich aus einer Spaltung innerhalb des 1974 gegründeten Committee for a Workers’ International (CWI) hervor. Wesentliche Gründe hierfür war neben der Auffassung vom fortgeschrittenen Verbürgerlichungsprozess der Sozialdemokratie der Mehrheit des CWI eine unterschiedliche Einschätzung der internationalen Lage nach dem Fall der Berliner Mauer. Diese Differenzen führten 1991 zu einer Spaltung innerhalb des britischen Militant und auf internationaler Ebene 1992 zum Bruch zwischen einer Mehrheit um Militant-Generalsekretär Peter Taaffe und einer Minderheit um Ted Grant.[1]

Während die Sektionen des CWI die Taktik des Entrismus nun einzustellen und eigenständige Organisationen zu gründen begannen, setzten die Mitglieder der späteren IMT die Arbeit innerhalb der Sozialdemokratie, verschiedenen Linksparteien oder (ex-)kommunistischen Parteien fort. Je nach nationaler Sektion kommt es zu einer höheren oder niedrigeren Gewichtung dieser Arbeit im Vergleich zu offener Arbeit.

Die Strömung war in Teilen der Linken lange unter dem Namen Komitee für eine Marxistische Internationale (KMI) bekannt. Weder intern noch in der Außendarstellung der Gruppe hatte dieser Name im Sinne einer Selbstbezeichnung jemals Bedeutung. Die Selbstbezeichnung "der Strömung" lautet seit dem Weltkongress im Juli/August 2006 offiziell Internationale Marxistische Tendenz. Dieser Name wird durchgängig verwendet.

Sektionen der IMT[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sektion Name Deutsche Übersetzung
Argentinien El Militante Militant
Belgien Unité Socialiste Sozialistische Einheit
Bolivien Lucha de Clases Klassenkampf
Brasilien Esquerda Marxista Marxistische Linke
Dänemark Revolution Revolution
Deutschland Der Funke – Marxistische Linke Der Funke – Marxistische Linke
El Salvador Bloque Popular Juvenil Einheitsfront der Jugend
England und Wales Socialist Appeal Sozialistischer Aufruf
Frankreich Révolution Revolution
Griechenland Επανάσταση τάση

Epanastasi Tási

Kommunistische Tendenz
Indonesien Militan Militant
Iran مبارزه طبقاتی

Mobarezeye Tabagathi

Klassenkampf
Irland Fightback Gegenschlag
Italien Sinistra classe rivoluzione Linke, Klasse, Revolution
Jugoslawien Marksistička Organizacija Crveni Rote Marxistische Organisation
Kanada Fightback Gegenschlag
Marokko رابطة العمل الشيوعي

Rabitat Aleamal Alshshuyuei

Kommunistische Liga
Malaysia Pembebasan Befreiung
Mexiko La Izquierda Socialista Sozialistische Linke
Neuseeland Socialist Appeal Sozialistischer Aufruf
Niederlande Vonk Der Funke
Nigeria Workers' Alternative Arbeiteralternative
Österreich Der Funke Der Funke
Pakistan لال سلام

Lal Salaam

Rotfront
Québec La Riposte Gegenschlag
Russland Враг Капитала

Brag Kapitala

Gegner des Kapitals
Schottland Revolution Revolution
Schweden Revolution Revolution
Schweiz Der Funke Der Funke
Spanien Lucha de Clases Klassenkampf
Südafrika Revolutionary Young Marxists Junge Revolutionäre Marxisten
Tschechische Republik Marxistická Alternativa Marxistische Alternative
Vereinigte Staaten Workers' International League Internationale Arbeiterliga
Venezuela Lucha de Clases Klassenkampf

Neben 33 vollwertigen Sektionen existieren außerdem Zellen der IMT in Honduras, Nicaragua und Kuba. Außerdem verfügt die Internationale mit der Marxist Student Federation über eine weltweite Vereinigung marxistischer Studenten.[2]

Darstellung der Arbeit einiger ausgewählter Sektionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Venezuela[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kampagne Hands Off Venezuela (HOV), die 2002 weltweit von der Tendenz gestartet wurde, setzt sich zum Ziel, dass in den Gewerkschaften der Industrienationen der „revolutionäre Prozess“ in Venezuela anerkannt wird, und tritt gegen mediale Verzerrungen dieses Prozesses auf. Diese Arbeit verlaufe in vielen Ländern bisher sehr erfolgreich. So sei es trotz ernsthafter Verhinderungsanstrengungen der venezolanischen und europäischen Politik, sowie diverser "linksradikaler" Organisationen zu der Großveranstaltung am 11. Mai 2006 in der Wiener Arena gekommen, der über 5000 Menschen beiwohnten und auf der Hugo Chávez eine Rede hielt. Unabhängig von konkreten Ergebnissen beim weltweiten Aufbau der "Hands Off Venezuela"-Strukturen rechnet sich die IMT-Strömung an, als einzige größere marxistische Kraft den sozialistischen Charakter des Prozesses der "Bolivarischen Revolution", sowie die Rolle Hugo Chávez' innerhalb dieser Bewegung von Beginn an "richtig", d.h. in seiner dialektischen Vielschichtigkeit angemessen erkannt und folgerichtig gegen alle Angriffe (mit)verteidigt zu haben. Daher hat die Kampagne - trotz ihrer politischen und ökonomischen Unabhängigkeit, sowie ihrer deutlichen Kritik insbesondere an Teilen der Außenpolitik Chávez' - die Rückendeckung des venezolanischen Präsidenten.

Alan Woods, dem - in gewählter Funktion - die Leitung der IMT obliegt, ist mit Chávez freundschaftlich verbunden und in Venezuela eine relativ bekannte Person. Gleichwohl ist es eine Falschmeldung, wenn gelegentlich behauptet wird, Woods sei offizieller und "professioneller" oder bezahlter Berater der venezolanischen Regierung. Gleichwohl bezieht sich Chávez - neben vielen anderen ideologischen Bezügen - seit dem Frühjahr 2007 auch positiv auf Trotzki. Dessen Schriften und Denken wurden Chávez durch die Arbeit der IMT und insbesondere durch Unterredungen mit Woods nähergebracht. Mit seinen gelegentlichen Bezugnahmen auf Trotzki erweist sich Chávez gemäß der Einschätzung der IMT keineswegs als Trotzkist, sondern diese Äußerungen sind demzufolge vielmehr der subjektive Ausdruck der objektiven historischen Tendenz in Richtung Sozialismus, die nach Auffassung der IMT in Lateinamerika derzeit zu beobachten ist. Ob sich diese Tendenz am Ende durchsetzen wird, hängt der IMT gemäß jedoch letztlich nicht von den Reden einzelner Politiker, sondern davon ab, ob es gelingt "das was in der Luft schwebt" zu einer organisierten politischen Strömung mit dem Ziel der Eroberung und Umgestaltung der politischen und ökonomischen Macht zu formieren.

Kuba[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2003 besteht auch Kontakt mit kubanischen Trotzkisten. Die Bezeichnung Kubas als stalinistische Diktatur wurde fallen gelassen, da der Organisation im Zusammenhang mit ihrer Venezuela-Arbeit klar wurde, in Hinsicht auf die kubanische Revolution in der Vergangenheit eine nach ihrer heutigen Ansicht falsche Position vertreten zu haben. Gemäß der Maxime Ted Grants, dass es nicht verwerflich ist, Fehler zu begehen, sondern dass es vielmehr politisch schädlich ist, sich diese nicht eingestehen und die eigene Linie nicht entsprechend korrigieren zu wollen, veränderte die Gruppe ihre Einschätzung des kubanischen Staates und der Person Fidel Castros. Die Delegierten des IMT-Weltkongresses 2006 bestätigten diese neue Linie mit überwältigender Mehrheit und verabschiedeten - in Anbetracht der Krankheit Castros und der damit einhergehenden politischen Weichenstellungen - eine Solidaritätsbotschaft in Verteidigung des kubanischen Staates. Dieser wird jedoch auch weiterhin als "deformierter Arbeiterstaat" gesehen. Seither verteidigt die Strömung uneingeschränkt die Errungenschaften der kubanischen Revolution (verstaatlichte Industrie, Planwirtschaft, Außenhandelsmonopol, ein ihrer Ansicht nach im Vergleich zu Lateinamerika und den USA vorbildliches Gesundheits-, Sozial- und Bildungswesen), wirbt jedoch gleichzeitig inner- und außerhalb Kubas, für die Einleitung eines Prozesses der proletarischen Demokratisierung jenes deformierten Arbeiterstaates, u.a. weil nur auf diesem Weg die genannten "Errungenschaften der Revolution" wirklich verteidigt werden könn(t)en. Die Verteidigung der kubanischen und der venezolanischen Revolutionen gegen „US-amerikanische Aggression“ und „innere Feinde“ ist eines der Hauptanliegen der Tendenz.

Pakistan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Pakistan ist die dortige Sektion der IMT unter dem Namen Lal Salaam (Rotfront) aktiv und arbeitete seit den späten 1970ern bis April 2016 unter dem Namen Tabqati Jeddojudh (Klassenkampf) innerhalb der Pakistanischen Volkspartei (PPP). Gemessen an ihrer Mitgliederzahl gehört Pakistan neben Brasilien, Großbritannien und Italien zu den größten Sektionen der Internationale. Die pakistanischen IMT-Genossen verfügen über einigen Einfluss innerhalb der kämpferischen Gewerkschaftsbewegung sowie innerhalb einflussreicher linker Jugendverbände in der Region Kaschmir.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zeitschrift Der Funke ist das seit 1992 bestehende Organ der Internationalen Marxistischen Tendenz in Deutschland, welche als Reaktion auf Ausschlüsse ihrer Mitglieder aus der damaligen CWI-Gruppe Voran entstand. Heute orientieren die Mitglieder neben offener Arbeit auch regional weiterhin auf Jugendgruppen der Partei Die Linke namens Linksjugend ['solid].

Neben Wiesbaden als Hauptsitz der deutschen Sektion existieren weitere Ortsgruppen in Bremen, Braunschweig, Gießen und bei Stuttgart. Die gesamte Mitgliedschaft ist insgesamt in über 15 deutschen Großstädten vertreten.

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gruppe Der Funke in Österreich orientiert sich weiterhin auf die SPÖ und dabei aber hauptsächlich nur noch auf deren Jugendorganisation Sozialistische Jugend Österreich (SJ) und einer Mitarbeit in der Fraktion sozialdemokratischer GewerkschafterInnen (FSG) im ÖGB aktiv. Bei den steirischen Landtagswahlen 2015 wurde jedoch zur Wahl der KPÖ Steiermark aufgerufen[3]. Die österreichische IMT-Sektion besteht gleichfalls seit 1992 und entstand als Abspaltung von der CWI-Gruppe Vorwärts. Gruppen existieren nach eigenen Angaben in Oberösterreich (Linz), Vorarlberg (Bregenz und Feldkirch), Wien, Niederösterreich (Mostviertel) und der Steiermark (Graz).

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die IMT-Sektion in der Schweiz trat mit ihrer Publikation Der Funke erstmals am 1. Mai 2007 an die Öffentlichkeit. Sie ist vor allem bei den Jungsozialisten (JUSO) und in der Gewerkschaft Unia und auch in den Universitäten tätig. Ortsgruppen wurden in Winterthur, Basel, Zürich, Bern, Genf, Luzern und dem Thurgau aufgebaut.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eric Wegner: CWI und IMT: Die Militant-Tendenz und ihre Nachfolger. Revolutionär Sozialistische Organisation, Wien 2009, ISBN 3-901831-26-6 (Marxismus 30).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. John Evers: „Zur Geschichte des Vorwärts“. In: „Trotzkismus in Österreich“. Arbeitsgruppe Marxismus (AGM), Wien 1996, S. 249
  2. Website der Marxist Student Federation. Abgerufen am 07.04.2016.
  3. „Der Funke“ ruft zur Wahl der KPÖ Steiermark auf. Abgerufen am 5. Juli 2016.