Isradipin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Strukturformel
Struktur von Isradipin
Vereinfachte Strukturformel –
Gemisch von zwei Atropisomeren
Allgemeines
Freiname Isradipin
Andere Namen

4-(4-Benzofurazanyl)-1,4-dihydro-2,6-dimethyl-3,5-pyridindicarboxylsäuremethyl-1-methylethylester (IUPAC)

Summenformel C19H21N3O5
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 75695-93-1
EG-Nummer 630-420-5
ECHA-InfoCard 100.158.721
PubChem 3784
DrugBank DB00270
Wikidata Q414873
Arzneistoffangaben
ATC-Code

C08CA02

Wirkstoffklasse

Antihypertonikum

Wirkmechanismus

Calciumantagonist

Eigenschaften
Molare Masse 371,39 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

168–170 °C (Racemat)[1]

  • S(+) 142 °C[1]
  • R(−) 140 °C[1]
Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [2]
keine GHS-Piktogramme
H- und P-Sätze H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Isradipin ist ein Arzneistoff aus der Klasse der Calciumantagonisten vom Dihydropyridin-Typ, der als Antihypertonikum verwendet wird. Als besonderes Strukturmerkmal weist es einen Benzo-Oxadiazol-Ring (veraltet Benzo-Furazan) auf.

Isradipin wird über den Darm gut aufgenommen, unterliegt aber einem ausgeprägten First-Pass-Effekt, so dass die Bioverfügbarkeit mit 15–24 % angegeben wird.[3] Nach 0,4 bis 2,5 h ist eine maximale Plasmakonzentration erreicht; die Halbwertszeit beträgt etwa 9 h.[1] Das Enzym Cytochrom P450 3A4 ist am Abbau beteiligt.[3]

Darstellung und Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Isradipin wird nach Heitzmann[4] aus 2,1,3-Benzoxadiazol durch Umsetzung mit LDA in Dimethylformamid und Erhitzen des entstehenden 2,1,3-Benzoxadiazol-Aldehyds mit Aminocrotonsäuremethylester und Acetessigsäureisopropylester in Isopropanol in guter Ausbeute erhalten. Die kristalline, gelbe Substanz besteht aus einem Gemisch der (S)-(+)- und der (R)-(−)-Form, das bei 168–170 °C schmilzt und sich unter Licht- und Lufteinwirkung und beim Erwärmen zersetzt. Deshalb wird es dunkel bei 2–8 °C unter Stickstoffatmosphäre gelagert.[2]

Stereochemie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Isradipin enthält ein Stereozentrum und besteht aus zwei Enantiomeren, genauer Atropisomeren. Hierbei handelt es sich um ein Racemat, also ein 1:1-Gemisch von (R)- und der (S)-Form:[5]

Enantiomere von Isradipin
(R)-Isradipin Structural Formula V1.svg
CAS-Nummer: 84260-63-9
(S)-Isradipin Structural Formula V1.svg
CAS-Nummer: 84260-64-0

Wirkungen, Resorption und Elimination[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der dem Nifedipin ähnliche Calciumantagonist mit hoher Affinität zu Calciumkanälen in der glatten arteriellen Gefäßmuskulatur bewirkt sehr selektiv eine Tonussenkung der glatten Gefäßmuskulatur. In Studien konnte gezeigt werden, dass die Substanz neben der vasodilatatorischen auch eine natriuretische (natriumausscheidende) Wirkung besitzt und sich eine linksventrikuläre Hypertrophie bei Isradipin-Therapie zurückbildet. Bei oraler Gabe wird der Arzneistoff zu 90–95 % im Darm resorbiert und zu 97 % an Plasmaeiweiß gebunden. Im Tierversuch war Isradipin in der Lage, die Blut-Hirn-Schranke zu durchdringen. Beim Einsatz in der Humanmedizin wird der Stoff vollständig metabolisiert und zu 60–65 % über die Nieren und zu 25–30 % über die Faeces ausgeschieden.[1]

Handelsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monopräparate

Lomir (A, CH), Vascal (D)[6][7][8]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e H. Hager, F. von Bruchhausen, P. Surmann, W. Blaschek, E. Nürnberg: Hagers Handbuch Der Pharmazeutischen Praxis, 1999, Springer-Verlag, ISBN 3-540-52640-4.
  2. a b Datenblatt Isradipine bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 25. Mai 2011 (PDF).
  3. a b Eintrag zu Isradipin in der DrugBank der University of Alberta.
  4. M. Heitzmann (Sandoz AG), CH 661270, 1987, zit. nach CA 108:94566n.
  5. Rote Liste Service GmbH (Hrsg.): Rote Liste 2017 – Arzneimittelverzeichnis für Deutschland (einschließlich EU-Zulassungen und bestimmter Medizinprodukte). Rote Liste Service GmbH, Frankfurt/Main, 2017, Aufl. 57, ISBN 978-3-946057-10-9, S. 193.
  6. Rote Liste online, Stand: Oktober 2009.
  7. AM-Kom. d. Schweiz, Stand: Oktober 2009.
  8. AGES-PharmMed, Stand: Oktober 2009.