Jahrtausendturm

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Jahrtausendturm

Der Jahrtausendturm in Magdeburg ist mit 60 Metern Höhe das höchste Holzgebäude Deutschlands. Der Entwurf und das klünstlerische Gesamtkonzept des Turms stammen vom Schweizer Baugestalter Johannes Peter Staub.

Der Jahrtausendturm wurde anlässlich der Bundesgartenschau 1999 im Magdeburger Elbauenpark errichtet. Darin befindet sich eine Ausstellung zur Entwicklung der Wissenschaften, mit vielen anschaulichen, teils interaktiven Experimenten. Unter anderem kann man durch ein astronomisches Fernrohr die Uhr des Magdeburger Domes ablesen. Ein Foucaultsches Pendel, das in der Turmspitze aufgehängt ist, demonstriert die Rotation der Erde.

Der Turm war ursprünglich nur für die Zeit der Gartenschau konzipiert. Erst später wurde entschieden, den Turm und die Ausstellung darin dauerhaft zu betreiben.[1]

Konstruktionsdetails[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenansicht des Jahrtausendturms

Der Turm ist schief konstruiert und enthält sechs Etagen. Diese sind durch ein Treppenhaus im Inneren und eine begehbare spiralförmige Rampe an der Außenhaut erreichbar.

Die Neigung der Rampe ist größer als die für Rollstuhlfahrer zulässigen 6 Prozent, aus diesem Grund ist die Rampe für Rollstuhlfahrer gesperrt.

  • Höhe: 60 m
  • Ovale Grundfläche: 70 × 50 m²
  • Verbautes Holzvolumen: 5500 m³
  • Umbauter Raum: 61.000 m³
  • Bespannung mit Folie: 5000 m²
  • Ausstellungsfläche: 8030 m²
  • Höhe bis zur Aussichtsebene: 43 m
  • Stufen bis zur Aussichtsebene: 243
  • Länge der Außenrampe: 450 m

Während der Nutzung zeigten sich Baumängel, insbesondere an Durchdringungen konstruktiver Elemente durch die Folienbespannung, die zu Feuchtigkeitsschäden führten. Bereits seit der Inbetriebnahme regnete es durch.[1] In den Jahren 2015 und 2016 wurden der Turm und die wegen verfaulter Bretter bereits gesperrte Rampe saniert, die Sanierungskosten betrugen etwa 2 Millionen Euro.[2]

Ausstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Jahrtausendturm zur Sommersonnenwende bei Sonnenuntergang

Im Inneren des Turms befindet sich eine 6.000 Jahre in die Vergangenheit reichende, chronologisch geordnete Ausstellung über wissenschaftliche Errungenschaften der Menschheit. Sie beginnt im untersten Geschoss und führt den Besucher bis hinauf in die fünfte Etage.

Die Ausstellung wurde von Georg Müller (Schweiz), Georg Kniebe, Heiner Ehrensperger (Schweiz) und Brigitte Küchler (Schweiz) entworfen und gestaltet.

Die Ausstellungsetagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erste Ebene: Frühe Hochkulturen und Anfänge der Menschheitsgeschichte. Begehbares römisches Haus (u. a. mit Peristyl), Taltempel der ägyptischen Pyramiden und dem Aufgang (Gang der Erleuchtung). Veranschaulichung von physikalischen und mathematischen Problemen der frühesten Zeit.
  • Zweite Ebene: Mittelalter (500–1500). Antike Weltsysteme und Medizin, einfache Maschinen und das frühe Arabien.Anschauliche Darstellung der goldenen Regel der Mechanik (schiefe Ebene mit Fass, Flaschenzug). Die größte Attraktion ist die Vorführung des Impulserhaltungssatzes. Hierzu werden acht, jeweils 60 Kilo schwere Metallkugeln die an ca. vier Meter langen Stahlseilen hängen, in Bewegung gesetzt.
  • Dritte Ebene: Frühe Neuzeit (1500–1650). Mechanik, Vakuum, Magnetismus, Mathematik, Alchemie, Medizin und der Weltbildwandel. Wichtige Kriege, die großen Entdeckungsreisen und Erfindungen (z. B. Buchdruck, Teleskop). Man kann sich die Funktionsweise eines Linear-Axial-Getriebes und ein Drehspindelhemmungs-Uhrwerk von Leonardo da Vinci anschauen, der Erdapfel von Martin Behaim und Keplers Weltbild sind weitere interessante Exponate dieser Ebene. Von den Mitarbeitern bekommt man die Rollversuche von Galileo Galilei auf der schiefen Ebene und den freien Fall eines Kunststoffballs und einer Feder in einer Vakuumröhre vorgeführt. Danach werden Versuche von Otto von Guericke, er war seiner Zeit Bürgermeister von Magdeburg, dem größten Wissenschaftler seiner Heimatstadt gezeigt. Die Mitarbeiter demonstrieren den berühmten Magdeburger Halbkugelversuch, man kann sich die Funktionsweise des von Guericke erfunden Wasserbarometers erklären lassen und kann im Selbstversuch den pneumatischen Lastenkran, den der ehemalige Bürgermeister von Magdeburg entworfen hat, ausprobieren.

Vergleichbare Holztürme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Jahrtausendturm von Magdeburg – so wurde die Welt verändert. 1999, Stuttgart, ISBN 3-7725-1867-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Matthias Fricke: Der "Jahrtausendturm" wird für die Stadt zu einem baulichen Jahrhundertproblem. In: Magdeburger Volksstimme vom 29. Mai 2012, abgerufen am 11. Mai 2017
  2. Michaela Schröder: Turm-Sanierung ist gestartet. In: Magdeburger Volksstimme vom 9. Mai 2015, abgerufen am 11. Mai 2017

Koordinaten: 52° 8′ 20″ N, 11° 39′ 59″ O