Jakob Püterich von Reichertshausen

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Autorenbild im Cgm 9220

Jakob Püterich von Reichertshausen (andere Schreibweisen des Nachnamens: Pueterich, Pütrich; * 1400; † 21. Februar 1469) war ein deutscher Dichter, Büchersammler und herzoglich-bayerischer Rat und Amtsträger.

Jakob III. Püterich, Sohn von Jakob II., entstammte dem Münchner Patriziergeschlecht der Pütrichs, das bereits im 14. Jahrhundert in den Landadel erhoben worden war (Sitz in Reichertshausen)[1] Er war in verschiedenen Funktionen für die Herzöge von Bayern-München tätig und zählte zu den vertrautesten Räten Herzog Albrechts III., dem er auch als versierter Diplomat diente.

Seine Bedeutung für die deutsche Literaturgeschichte liegt in seinem einzigen erhaltenen literarischen Werk, dem 1462 in Titurel-Strophen gereimten Ehrenbrief an die literarisch interessierte Mechthild von der Pfalz. Er huldigt der Adressatin, teilt ihr ein Verzeichnis des bayerischen Turnieradels mit und berichtet ausführlich über seine eigene große Bibliothek von 164 Bänden und über die Bücher Mechthilds.

Da Jakob Püterich die Werke moderner Autoren geringschätzte und stattdessen die mittelhochdeutsche Klassik rühmte und sogar eine Art Pilgerfahrt zum Grab des von ihm verehrten Wolfram von Eschenbach nach Wolframs-Eschenbach unternahm, ordnet man ihn traditionell einem als Ritterrenaissance (auch: Ritterromantik) bezeichneten literarischen Phänomen der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zu. Während man dabei früher den nostalgischen, rückwärtsgewandten und letztendlich erfolglosen Versuch einer Wiederbelebung des mittelalterlichen Rittertums im Auge hatte, sieht man nun stärker die modernen Aspekte, die wie bei frühhumanistischen Positionen der Zeit die erkenntnisfördernde Rolle des diskursiven Austausches und die Reflexion der historischen und poetischen Distanz thematisieren und propagieren. Die Stellung Püterichs in diesem Rahmen ist noch zu präzisieren.[2]

Als einzige Überlieferung des Ehrenbriefs galt eine 1997 für die Bayerische Staatsbibliothek erworbene Handschrift aus der Zeit um 1600 (Cgm 9220[3]), bis Klaus Graf 2015 die mutmaßliche Vorlage dieses Manuskripts in der sogenannten Trenbach-Chronik (1590) des Niederösterreichischen Landesarchivs auffand.[4][5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Christoph Adelung: Jacob Püterich von Reicherzhausen. Ein kleiner Beytrag zur Geschichte der deutschen Dichtkunst im Schwäbischen Zeitalter. Breitkopf, Leipzig 1788 (Digitalisat München, Oxford); siehe dazu auch eine Rezension in der Allgemeinen Literatur-Zeitung, 1788, Sp. 278–280 (Digitalisat)
  • Gustav RoethePütrich von Reichertshausen, Jakob. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 26, Duncker & Humblot, Leipzig 1888, S. 744–746.
  • Der Ehrenbrief des Püterich von Reichertshausen. Hrsg. von Fritz Behrend/Rudolf Wolkan. Weimar 1920 (Ausgabe und Schwarzweiß-Faksimile) (Digitalisat)
  • Willi Straßer: Der turnierfähige Adel des Chamer Umlandes im Ehrenbrief des Püterich von Reichertshausen (1462). In: Die Oberpfalz 56 (1968), S. 267–273.
  • Christelrose Rischer: Literarische Rezeption und kulturelles Selbstverständnis in der deutschen Literatur der „Ritterrenaissance“ des 15. Jahrhunderts. Untersuchungen zu Ulrich Füetrers „Buch der Abenteuer“ und dem „Ehrenbrief“ des Jakob Püterich von Reichertshausen. Stuttgart u. a. 1973 (Dissertation München 1971).
  • Martha Mueller: Der Ehrenbrief Jakob Pütrichs von Reichertshausen, die Turnierreime Johann Hollands, der Namenkatalog Ulrich Fuetrers: Texte mit Einleitung und Kommentar. Dissertation City University of New York 1985 (mit Ausgabe).
  • Klaus Grubmüller: Püterich, Jakob, von Reichertshausen. In: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. 2. Auflage. Bd. 7 (1989), Sp. 918–923.
  • Helmuth Stahleder: Beiträge zur Geschichte Münchner Patriziergeschlechter im Mittelalter. Die Wilbrecht, Rosenbusch, Pütrich. In: Oberbayerisches Archiv 114 (1990), S. 227–281, hier S. 269.
  • Gerda Maria Lucha: Kanzleischriftgut, Kanzlei, Rat und Regierungssystem unter Herzog Albrecht III. von Bayern-München 1430-1460. Frankfurt am Main u. a. 1993, S. 288–290.
  • Alois Schmid: Püterich von Reichertshausen, Jakob (III.) (um 1400–1469). In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 7, LexMA-Verlag, München 1995, ISBN 3-7608-8907-7, Sp. 335.
  • Andrea Klein: Der Literaturbetrieb am Münchner Hof im fünfzehnten Jahrhundert. Göppingen 1998, S. 100–113.
  • Bayerische Staatsbibliothek Jakob Püterich von Reichertshausen. Der Ehrenbrief. Cgm 9220. München 1999 (mit Farbfaksimile des Ehrenbriefs).
  • Andrea Klein: Jakob Püterich von Reichertshausen. Herzoglicher Rat, Büchersammler, Dichter. In: Amperland 36 (2000), S. 181–185. Online-Angebot
  • Bernd Bastert: Püterich v. Reichertshausen, Jakob (III.). In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 20, Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-00201-6, S. 763 f. (Digitalisat).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aus der Geschichte der Gemeinde Reichertshausen, auf reichertshausen.de, abgerufen am 19. Mai 2016.
  2. Z.B. Peter Strohschneider: Ritterromantische Versepik im ausgehenden Mittelalter. Studien zu einer funktionsgeschichtlichen Textinterpretation der „Mörin“ Hermanns von Sachsenheim sowie zu Ulrich Fuetrers „Persibein“ und Maximilians L „Teuerdank“. Frankfurt/Main, Bern, New York 1986. Dazu zustimmend: Jan-Dirk Müller, Rezension zu: Peter Strohschneider, Ritterromantische Versepik im ausgehenden Mittelalter. In: IASL 14 (1989), S. 87–92.
  3. http://www.handschriftencensus.de/8840. Online beim MDZ.
  4. Handschriftensammlung des Ständischen Archivs im Niederösterreichischen Landesarchiv, Signatur: HS StA 0327
  5. Klaus Graf: Fiktion und Geschichte: Die angebliche Chronik Wenzel Grubers, Greisenklage, Johann Hollands Turnierreime und eine Zweitüberlieferung von Jakob Püterichs Ehrenbrief in der Trenbach-Chronik (1590). In: Frühneuzeit-Blog der RWTH vom 10. Februar 2015.