Jakobikirche (Rostock)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Rostocker Hafen mit Jacobikirche um 1900
Rostocker Jakobikirche um 1920 (Südseite mit Kapellenanbauten)
Wandbild von St. Jakobi im Friedhofsweg in Rostock

Die Jakobikirche von Rostock (Schreibweise um 1900 auch Jacobikirche) war eine der vier Hauptkirchen und ein Wahrzeichen der Stadt. Sie stand zwischen der Apostelstraße und der Pädagogienstraße und war die jüngste der einst vier großen Rostocker Stadtpfarrkirchen. Sie wurde nach Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg trotz Wiederaufbaufähigkeit bis 1960 vollständig abgerissen.

Die Stadt Rostock setzte sich ursprünglich aus drei Teilstädten, der Alt-, Mittel- und Neustadt zusammen, in denen jeweils sowohl ein Marktplatz und (mindestens) eine Kirche errichtet wurden. Die Jakobikirche war Pfarrkirche der Rostocker Neustadt im Westen.

Bereits Ende des 13. Jahrhunderts, um 1280, gehörte nachweislich ein erster Ziegelhof vor dem Bramower Tor zu St. Jakobi. Daher wird als Baubeginn der Kirche etwa 1300 angenommen. Nach einer recht langen Bauzeit wurde St. Jakobi erst in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts zum allergrößten Teil fertiggestellt.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Jakobikirche war eine dreischiffige Backsteinbasilika mit geradem Chorabschluss zur Pädagogienstraße hin. Als Zeichen für Reichtum und Ansehen der Hansestadt Rostock wurde die mit Zugeständnissen an das volkstümliche Bauempfinden errichtete Kirche prächtiger als die drei anderen Rostocker Hauptpfarrkirchen gestaltet. Ein rechteckiger Chor, Bündelpfeiler, Blendwerke, und 30 Altäre aus der vorreformatorischen Zeit gehörten zur Ausstattung dieser Kirche. Einmalig in Rostock waren ihre Triforen. Das dreischiffige, sechs Joch große Gebäude war kreuzrippengewölbt, hatte aber keine Querschiffe. An der Südseite wurden in der spätgotischen Zeit prächtige Kapellen angefügt. Die schönste Kapelle wurde dem nicht weit entfernten Kröpeliner Tor nachempfunden.

Turmhelm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ähnlich der Petri- und Nikolaikirche war die Jakobikirche ursprünglich mit einem gotischen Spitzhelm bekrönt, der 1462 einstürzte. Erst 1589 wurde der neue, geschwungene Kupferhelm fertiggestellt, der über zwei Galerien verfügte. Der Turmhelm der Jakobikirche wurde bei den britischen Bombenangriffen Ende April 1942 vernichtet.

Domkollegiatstift St. Jakobi[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Rostocker Domfehde

In der Zeit zwischen 1484 und 1571 war St. Jakobi ein Domkollegiatstift. Die Ernennung dazu, die von Papst Innozenz VIII. veranlasst wurde, ging nicht unblutig aus, denn die städtischen Interessen kollidierten stark mit denen der mecklenburgischen Landesfürsten. Infolgedessen kam es 1486 zur Domfehde, die mit der Niederlage Rostocks 1491 und der Hinrichtung der Rädelsführer endete. Rostock wurde 1487 mit dem Kirchenbann belegt, worauf die Universität die Stadt verlassen musste. Ein Jahr später kehrte sie allerdings in die Stadt zurück. Der Rostocker Frühhumanist Hinrich Boger verarbeitete die Fehde in einem seiner Gedichte und wurde dann selbst Domdekan und Pfarrer an St. Jakobi.

Zeit des Zweiten Weltkrieges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überreste des Chors der Jakobikirche 1949

Bei den britischen Bombenangriffen am 26. April 1942 wurden große Teile der Jakobikirche zerstört. Das Turmmassiv brannte völlig aus, und die Innenausstattung, unter anderem die von Rudolf Stockmann entworfene Renaissancekanzel von 1582, das Kruzifix aus dem 15. Jahrhundert, die Epitaphien aus dem 16. Jahrhundert und viele Gemälde, gingen für immer verloren. Die Dachkonstruktion wurde zerstört, allerdings das Gewölbe nur beschädigt. Es stürzte aber nicht ein, wie es bei St. Petri und St. Nikolai geschehen war. Ebenfalls vernichtet wurden die nördlich der Kirche befindlichen gotischen Jakobikirchhäuser an der Straße Bei der Jakobikirche. 1943 wurde die Ruine von St. Jakobi statisch gegen Einsturz gesichert und mit einem Notdach versehen.

Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mai 1947 brach nach einer rücksichtslosen Sprengung des benachbarten Luftschutz-Großbunkers „Blücher“ an der Langen Straße durch die sowjetische Besatzungsmacht das Hochschiff mit Pfeilern und Gewölbe in sich zusammen. Auch die südlichen Kapellenanbauten und große Teile der Seitenschiffsmauern wurden stark in Mitleidenschaft gezogen. Der massive Turm sowie Reste des Chores und der Seitenwände blieben als Ruine noch lange stehen. Ein Wiederaufbau oder zumindest eine Sicherung stand im Gegensatz zur seit 1953 betriebenen sozialistischen Neugestaltung des Stadtzentrums. Eine Kirchenruine in direkter Nachbarschaft mit der Langen Straße, die das neue sozialistische Rostock demonstrieren sollte, war damit unvereinbar. 1957 wurden die Seitenschiffreste, 1959 der Chorkomplex und 1960 der Turmstumpf abgerissen bzw. gesprengt.[1] Der ehemalige Platz der Kirche wurde offiziell als „Klaus-Störtebeker-Platz“ Standort von Imbissbuden. Eine erneute Bebauung erfolgte in der Zeit der DDR nicht.

Jakobikirchplatz heute (Blick nach Osten, mit Turmspitze der Marienkirche)

Heute erinnert ein Gedächtnisplatz zwischen Apostelstraße, Bei der Jakobikirche und Pädagogienstraße an den gewaltigen Bau von St. Jakobi. Die Kolonnaden auf der Nordseite verdeutlichen die Höhe des einstigen nördlichen Seitenschiffes. An der Nordwestecke der Anlage ist eine erhaltene Grabplatte der Jakobikirche aufgestellt. Der Grundriss der Kirche ist darüber hinaus in Stein in den Boden eingelassen, Bronzeplatten in der Erde verweisen auf den ehemaligen Standort der Orgel, des Altars, des Fürstenstuhls und der Portale. Sie stammen aus der Werkstatt der Firma fittkau metallbau + kunstschmiede aus Berlin.[2]

Geistliche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Reformation amtierten jeweils drei Geistliche an St. Jakobi. Diese trugen bis ins 19. Jahrhundert die Amtsbezeichnungen Diaconus, Archidiaconus und (Haupt)pastor. In der Regel rückte der Diaconus auf die freiwerdende Stelle des Archidiaconus auf und dieser auf die Stelle des Pastors.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Arno Krause: „Rostock (Stadtkreis)“ in „Schicksale deutscher Baudenkmale im zweiten Weltkrieg“. Hrsg. Götz Eckardt, Henschel-Verlag, Berlin 1978. Band 1. S. 59–61
  2. Referenzen von fittkau metallbau + kunstschmiede, abgerufen am 19. Februar 2013

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jakobikirche (Rostock) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 54° 5′ 21″ N, 12° 7′ 56″ O