Jakow Dschugaschwili

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Jakow Iossifowitsch Dschugaschwili

Jakow Iossifowitsch Dschugaschwili (russisch Яков Иосифович Джугашвили, georgisch იაკობ ჯუღაშვილი / Iakob Dschughaschwili; * 18. März 1907 in Badsi, Gouvernement Kutais, Russisches Kaiserreich; † 14. April 1943 im Konzentrationslager Sachsenhausen, Deutsches Reich) war ein sowjetischer Artillerieoffizier und der älteste Sohn von Josef Stalin und dessen erster Frau Ketewan Swanidse.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Tod seiner Mutter wuchs er zunächst bei Verwandten auf. Anfang der 1920er Jahre zog Jakow wieder in den Haushalt des Vaters, der 1919 Nadeschda Allilujewa geheiratet hatte. Nachdem er 1925 die 16-jährige Priestertochter Soja Gunina heiraten wollte, kam es zu einem Eklat infolgedessen sich Jakow ins Herz schießen wollte. Noch später betitelte Stalin seinen Sohn als „Straßenlümmel“ und „Erpresser“ und verspottete ihn aufgrund seines gescheiterten Suizidversuchs. Nach der Schule besuchte Jakow die Arbeiterfakulät und ging mit 23 Jahren zum Dserschinski-Transportinstitut.[1] Ohne Unterstützung seines Vaters wurde er 1935 Ingenieur und arbeitete zunächst in dem Moskauer Stalin-Automobilwerk, bevor er die Artillerie-Akademie der Roten Armee besucht.[2] 1936 hatte Dschugaschwili die jüdische Tänzerin Julia (auch: Judith) Melzer aus Odessa geheiratet. Beider Tochter war die spätere Historikerin Galina Dschugaschwili,[3] beider Sohn der spätere Oberst der Sowjetarmee Jewgeni Dschugaschwili.[4]

Deutsche Propaganda in russischer Sprache 1941: „Vergieße nicht Dein Blut für Stalin! Er ist schon nach Samara geflohen! Sein eigener Sohn hat sich ergeben! Wenn schon Stalins Sohn sich selber rettete, dann bist du nicht verpflichtet Dich für ihn zu opfern!“

Nach dem Eintritt in die Rote Armee als Freiwilliger 1937, wurde Jakow Dschugaschwili 1940 Oberleutnant und erhielt 1941 das Kommando über das 14. Haubitzenregiment des 14. Panzerdivision.[1] Am 16. Juli 1941 wurde er von der deutschen Wehrmacht gefangen genommen. Eine zu Propagandazwecken genutzte Fotografie zeigt ihn in Gegenwart deutscher Soldaten; zudem wurde im Rundfunk das Vernehmungsprotokoll in russischer Sprache verlesen, in dem er den Zustand der sowjetischen Armee und ihre Führung stark kritisierte. Das Angebot, ihn gegen den Generalfeldmarschall Friedrich Paulus auszutauschen, lehnte Stalin laut der Legende mit der Begründung ab, dass „er nicht bereit sei, Feldmarschälle gegen Soldaten zu tauschen“. In einigen sowjetischen Quellen wurde die Gefangennahme als Propagandalüge bezeichnet. Stalin ließ seine Schwiegertochter, Julia Dschugaschwili, inhaftieren und seine Enkeltochter in einem staatlichen Erziehungsheim unterbringen, da sie durch Jakows angebliche Desertion als politisch unzuverlässig galten.

Inhaftiert wurde er von zunächst im Offizierslager (Oflag) XIII D in Hammelburg und daraufhin im Oflag XC in Lübeck-Vorwerk.[5] Zuletzt wurde er im Sonderlager A für alliierte Kriegsgefangene des Konzentrationslager Sachsenhausen bei Oranienburg festgesetzt. Dort wurde er zusammen mit einem Neffen des sowjetischen Außenministers Molotow, Leutnant Wassilij Kokorin, sowie mit vier Briten irischer Herkunft – Thomas Cushing, William Murphy, Patrick O'Brien und Andrew Walsh – in einer Baracke kaserniert. Am Abend des 14. April 1943 kam er zu Tode, als er in vermutlich selbstmörderischer Absicht in den elektrisch geladenen Lagerzaun lief. Ob er dabei vom Wachpersonal erschossen wurde[6][7] oder durch Strom starb,[8] blieb ungeklärt. Gerichtsmediziner stellten vor Ort fest, dass eine Kugel in den Kopf eingedrungen war, der Tod sei aber bereits vorher durch einen Stromschlag eingetreten. Kurz darauf wurde die Leiche verbrannt und die Urne mit den Ermittlungsunterlagen und den Totenschein an das Reichssicherheitshauptamt versandt. Acht Tage später erhielt Joachim von Ribbentrop eine „Geheime Reichssache“ von Heinrich Himmler mit den Worten: „Lieber Ribbentrop. Anliegend übersende ich Dir einen Bericht über die Tatsache, dass der Kriegsgefangene Jakob Dschugaschwili, Sohn von Stalin, bei einem Fluchtversuch im Sonderlager A in Sachsenhausen bei Oranienburg erschossen worden ist.“[1]

2013 berichtete Der Spiegel über bisher unveröffentlichte Unterlagen des Zentralarchiv des Verteidigungsministeriums in Podolsk, in denen auf 389 Seiten Informationen über die Rolle Jakow Dschugaschwilis während seiner Gefangennahme, dessen Biographie im Schatten seines übermächtigen Vaters sowie die Umstände seines Suizids gesammelt wurden. Bereits 1968 tauchten im Washingtoner State Department Dokumente der Gestapo auf, wonach er unter anderem Opfer einer Haftpsychose geworden sei und sein Tod einem Selbstmord gleiche.[1] Gestützt wird die These durch den Zeugenbericht des ehemaligen Mithäftling Cushing. Dieser berichtete unter anderem von einer Wesensveränderung nach im Lager über Lautsprecher in englischer und russischer Sprache übertragenen Propagandasendungen, dass laut Stalin Hitler keine russischen Gefangenen habe: „Er hat nur russische Verräter, und die werden wir erledigen, wenn der Krieg vorbei ist“ sowie der Verleugnung, dass Jakow sein Sohn sei.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Christian Neef: Zeitgeschichte: „Erschießen Sie mich!“, Der Spiegel 7/2013 vom 9. Februar 2013
  2. Stalins Sohn - "Schaffte es nicht einmal, sich zu erschießen", einestages vom 22. Juni 2016, abgerufen am gleichen Tag
  3. „Nicht alle kommen als Helden zurück“. In: Der Spiegel. Nr. 39, 1988, S. 184–190 (online).
  4. Benjamin Bidder: Stalin-Enkel verklagt russische Vorzeige-Zeitung. Spiegel online, 15. September 2009, abgerufen am 17. April 2012.
  5. Stalin lehnte den Austausch ab, Der Spiegel 40/1967 vom 25. September 1967
  6. Historical Notes: The Death of Stalin's Son Time Magazine, 1. März 1968, englisch, gesichtet 16. September 2011 (kostenpflichtig)
  7. Schieß doch. In: Der Spiegel. Nr. 9, 1969, S. 74–75 (online).
  8. a b Thomas Cushing: Stalins Sohn fühlte sich verstoßen. In: Der Spiegel. Nr. 13, 1968, S. 92–95 (online).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jakow Dschugaschwili – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien