Jardin des Tuileries

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Jardin des Tuileries (deutsch: Tuileriengarten) ist ein im französischen Stil gehaltener ehemaliger Schlosspark in Paris.

Palais des Tuileries und Jardin des Tuileries Ende des 17. Jahrhunderts
Ansicht der heutigen Gärten, im Vordergrund die Skulptur „Der gute Samariter“ von François-Léon Sicard, Marmor 1896; im Hintergrund die Skulptur „Maman“ von Louise Bourgeois. Foto: Palagret
Arc de Triomphe du Carrousel

Die Parkanlage erstreckt sich vom Place de la Concorde im Westen bis zum Louvre im Osten und ist im Süden von dem rechten Ufer der Seine, im Norden von der Rue de Rivoli begrenzt. Der Große Garten wurde zur Zeit der Erbauung des 1871 abgebrannten Palais des Tuileries auf dessen Westseite für die französische Königin italienischer Herkunft Katharina von Medici zunächst im Stil der italienischen Renaissance angelegt und 1564 erstmals urkundlich erwähnt. Unter Leitung des aus Florenz stammenden Gartenintendanten der Tuilerien, Bernard de Carnessequi, schufen die Gärtner Pierre de Villers, Bastien Tarquin und Pierre Le Nostre die etwa 15 Hektar große Anlage, unterteilt von sechs Längsalleen mit Bergahorn, Ulmen und Fichten sowie acht Queralleen. In den Quartieren wuchsen Obstbäume, Safran und Küchengewächse. 1567 entstand der Medici-Brunnen, der sein Wasser über ein Aquädukt aus Saint-Cloud erhielt. 1570/71 entstanden ein Labyrinth und eine Grotte von Bernard Palissy, die nicht mehr vorhanden sind. Die erste Umgestaltung ließ Heinrich IV. ab 1594 vornehmen. Pierre Le Nostre bearbeitete die Parterres nach Entwürfen von Claude Mollet, André Tarquin die Baumgärten. 1599 wurden 1.000 Alleebäume angekauft und Maulbeerplantagen angelegt. In den Parterres wurde das königliche Monogramm H dargestellt. 1605 entstand auf der Nordseite ein fast 600 m langer Laubengang. 1602-08 wurde an der Seine zur Bewässerung des Gartens ein Pumpwerk errichtet, das unter dem Namen Samaritaine Aufsehen erregte. In diesem Zusammenhang entstand 1607 das Große Bassin. 1609 wurde das Parterre durch Jean Le Nostre erneut modernisiert. Es bestand nun nur noch aus Broderiefeldern. Nach dem sogenannten Großen Plan wurde außerdem 1600 auf der Ostseite des Palais ein Neuer Garten angelegt, der aus acht quadratischen Parterrefeldern bestand und als königlicher Privatgarten diente. Hier legte Claude Mollet die Parterres an, die 1600 von Olivier de Serres publiziert wurden.

Unter Ludwig XIV. erfolgte auf Anweisung des Ministers Colbert die nächste Umgestaltung durch den Gartenarchitekten André Le Nôtre. Er legte 1666-72 auf der Westseite des Palais, wo bis dahin eine Straße war, eine Terrasse an, entwarf das Parterre neu, wobei der große Brunnen in der Mittelachse und die beiden kleinen seitlich entstanden, verbreiterte den Mittelweg zu einer breiten Kastanienallee und schuf am Ende des Gartens das große achteckige Becken und die hufeisenförmigen Rampen, die zur großen Terrasse, die den Garten umlief, hinaufführten.

Im Zuge des von François Mitterrand 1981 initiierten Umbaus des Louvre wurde der Tuileriengarten restauriert und dabei so weit wie möglich wieder in den Zustand des 17. Jahrhunderts versetzt.

In seinem westlichen Bereich blieben die frühere Orangerie und das ehemalige Ballhaus Jeu de Paume aus der Mitte des 19. Jahrhunderts erhalten. Die Orangerie beherbergt das Musée de l'Orangerie mit Werken des Impressionismus, des Spätimpressionismus und der École de Paris, das Ballhaus die Galerie nationale du Jeu de Paume für Ausstellungen zeitgenössischer Fotografie und Videokunst.

Der Garten selbst beherbergt ebenfalls Kunstwerke, unter anderem den Baum der Vokale von Giuseppe Penone, die Nachbildung eines umgestürzten Baumes aus Bronze.

Der Garten ist Motiv in Manets Gemälde Musik im Tuileriengarten (1862). Modest Mussorgski wurde 1874 zu seiner Komposition Bilder einer Ausstellung durch die Betrachtung von Gemälden angeregt. Eines darunter zeigte den Tuileriengarten.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Gabriel Thouin: Plans raisonnés de toutes les espèces de jardins. C. Tchou-Bibliothèque des introuvables, Paris 2004, ISBN 2-84575-209-1 (Nachdruck der Ausgabe Lebègue, Paris 1820).
  • Geneviève Bresc-Bautier ; Denis Caget ; Emmanuel Jacquin: Jardins du Carrousel et des Tuileries. Paris, 1996

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Die Tuilerien-Gärten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.8638888888892.3261111111111Koordinaten: 48° 51′ 50″ N, 2° 19′ 34″ O