Jean Vanier

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Jean Vanier (2012)

Jean Vanier, CC, GOQ (* 10. September 1928 in Genf, Schweiz) ist ein kanadischer katholischer Theologe und Philosoph. Er ist der Gründer der Arche (L’Arche), einer internationalen ökumenischen Organisation, welche Gemeinschaften gründet, in denen Menschen mit und ohne geistige Behinderung in christlicher Weise zusammenleben. Gleichzeitig hat er 1971 zusammen mit Marie-Hélène Mathieu die ebenfalls weltweite Bewegung Glaube und Licht begründet. In den 1.612 Gruppen in 81 Ländern treffen sich Menschen mit Behinderung, deren Familien und Freunde regelmäßig zum Austausch, Gebet und Feiern.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jean Vanier ist ein Sohn des späteren Generalgouverneurs von Kanada, Georges Vanier. Er wuchs in Kanada, England und Frankreich auf. Als er fünfzehn Jahre alt war, trat er der Marine bei. Zuletzt diente er auf dem kanadischen Flugzeugträger HMCS Magnificent. 1950 nahm er von der Marine Abschied, um in einer Kommunität bei Paris zu leben. Vanier begann ein Theologie- und Philosophiestudium in Paris. Nach Abschluss des Doktorats (Doktorarbeit über Aristoteles) lehrte er ab 1962 am St. Michaels College an der Universität von Toronto.

1964 nahm Vanier mit Père Thomas Philippe zwei geistig behinderte Männer (Raphaël und Philippe) in ein Häuschen in Trosly-Breuil, einem französischen Dorf bei Compiègne, dem ersten Haus der Arche, auf. Er entdeckte „die Tiefe ihres Leidens und ihren Schrei nach wahrhaftiger Beziehung, aber auch ihre Freude an der Gemeinschaft mit Menschen“ (Zitat Vanier). Er wollte ihnen helfen und merkte auf einmal, wie sie ihm halfen. 1965 übernahm Vanier die Leitung des Behindertenheimes in Val Fleuri, wo 32 Männer mit einer geistigen Behinderung lebten. Er veränderte das Heim dahin, dass Behinderte und Nichtbehinderte in Hausgemeinschaften miteinander lebten, woraus die Arche-Bewegung entstand. 1969 wurden erste Archegemeinschaften ausserhalb Frankreichs, „Daybreak“ im kanadischen Toronto und „Asha Niketan“ im indischen Bangalore, gegründet. In den 1970er Jahren wurden Strukturen, gemeinsame Leitlinien und eine Charta der Archegemeinschaften entwickelt.

1981 nahm Jean Vanier ein Sabbatjahr und übergab seine Leitungsfunktion an andere Mitverantwortliche. Seither gibt er seine Erfahrungen im Zusammenleben mit geistig behinderten Menschen weltweit in Vorträgen und Veröffentlichungen weiter.[1]

In Deutschland existieren drei Arche-Gemeinschaften in folgenden Städten: Tecklenburg, Ravensburg und Landsberg am Lech. Weltweit gibt es über 135 Archen in 30 Ländern auf allen fünf Kontinenten. In der kanadischen Arche Daybreak verbrachte der Psychologe und Schriftsteller Henri Nouwen seine letzten zehn Lebensjahre.[2]

Für 2015 wurde Vanier der mit 1,1 Millionen Pfund Sterling dotierte Templeton-Preis zugesprochen.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In Gemeinschaft leben. Meine Erfahrungen. Herder, Freiburg im Breisgau 1993, ISBN 3-451-23244-8.
  • Weites Herz. Dem Geheimnis der Liebe auf der Spur. Neufeld, Schwarzenfeld 2010, ISBN 978-3-937896-92-2.
  • Von den Wunden des Herzens. Wegbegleiter durch Zeiten der Depression. Neufeld, Schwarzenfeld 2011, ISBN 978-3-86256-015-8.
  • Ziemlich verletzlich, ziemlich stark: Wege zu einer solidarischen Gesellschaft. Zusammen mit Philippe Pozzo di Borgo und Laurent de Cherisey. Hanser, Berlin 2012, ISBN 978-3-446-24155-8.
  • Ich und Du: dem anderen als Mensch begegnen. Neufeld, Schwarzenfeld 2013, ISBN 978-3-86256-036-3.
  • Zeichen der Zeit: Für eine Kirche, die Hoffnung schenkt. Edition Wortschatz, Schwarzenfeld 2016, ISBN 978-3-943362-37-4.
  • Von Liebe, Hoffnung und den letzten Dingen. Erinnerungen vom Gründer der Arche. Herder, Freiburg im Breisgau 2017, ISBN 978-3-451-32072-9.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kathryn Spink: Jean Vanier und die Arche. Die Geschichte einer außergewöhnlichen Berufung. Die Biografie zum 80. Geburtstag. Neufeld, Schwarzenfeld 2008, ISBN 978-3-937896-66-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jean Vanier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Website Arche Im Nauen
  2. Martina Werle und Sandro Göpfert: Begegnung mit Jean Vanier, Zeitschrift AufAtmen 2/2017, Seiten 48–51