Henri J. M. Nouwen

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Henri Nouwen

Henri Jozef Machiel Nouwen (* 24. Januar 1932 in Nijkerk; † 21. September 1996 in Hilversum) war ein niederländischer Priester, Psychologe und geistlicher Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nouwens Vater war der Rechtsanwalt Laurent Nouwen, seine Mutter hieß Maria Ramselaar. Dem Abitur Nouwens in Den Haag 1950 folgte 1951 das Studium der Theologie und Philosophie am Priesterseminar in Rijsenburg bei Utrecht. 1957 empfing er dort die Priesterweihe.

Von 1957 bis 1964 studierte Nouwen an der katholischen Radboud-Universität Nimwegen Psychologie, danach von 1964 bis 1966 an der Menninger Klinik, einem pastoralpsychologischen Institut in Topeka in Kansas. Von Januar 1966 bis 1968 lehrte er als Gastdozent für Psychologie an der University of Notre Dame in Indiana.

Nach seiner Rückkehr in die Niederlande war Nouwen am Pastoralinstitut in Amsterdam tätig und promovierte an der Nimweger Fakultät in Theologie. In Utrecht lehrte er zwischen 1968 und 1970 Pastoralpsychologie und Spiritualität. Von 1971 bis 1981 forschte und lehrte er schwerpunktmäßig an der Yale-Universität in New Haven auf den Gebieten Mystik, Spiritualität, praktische Pastoral und Pastoralpsychologie.

Im Jahr 1974 zog Nouwen sich für sieben Monate in die Abtei Genesee der Trappisten zurück. Von den in dieser Zeit gewonnenen Eindrücken berichtete er in dem Buch Ich hörte auf die Stille.

1978 war Nouwen fünf Monate als Gastdozent am Päpstlichen Nordamerika-Kolleg in Rom tätig. 1981 verließ Nouwen die Yale-Universität, um für ein halbes Jahr in Lateinamerika das Leben mit den Armen kennenzulernen. Zudem wollte er mit Gustavo Gutiérrez, dem Mitbegründer und Namensgeber der Befreiungstheologie, in Kontakt treten. 1983 folgte er dem Ruf der Harvard University und lehrte Theologie an der Harvard Divinity School in Cambridge.

1985 erhielt Nouwen den Thomas Merton Award für Frieden und soziale Gerechtigkeit. Neue Eindrücke gewann er 1983 durch den Besuch der 1964 gegründeten Arche des Kanadiers Jean Vanier, einer Lebensgemeinschaft von Menschen mit und ohne Behinderung in Frankreich. Diese Erfahrung veranlasste ihn im Sommer 1985, die Harvard University zu verlassen und ein Jahr in der Arche in Trosly-Breuil zu leben. Mitte 1986 besuchte er das Haus der verstorbenen französischen Mystikerin Marthe Robin in Châteauneuf-de-Galaure im Département Drôme. Ende 1986 fand er in der Arche-Gemeinschaft Daybreak in Richmond Hill bei Toronto in Kanada ein bleibendes Zuhause, wo er als geistlicher Leiter bis zu seinem unerwarteten Tod 1996 wirkte.

1996 reiste Nouwen nach St. Petersburg, um einen Film über das Gemälde von Rembrandt Die Rückkehr des verlorenen Sohnes zu drehen. Bei einem Zwischenhalt in den Niederlanden starb er in Hilversum an einem Herzinfarkt.[1]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seinem Tod wurden eine Gesellschaft, eine Stiftung in Rotterdam sowie ein Archiv und eine Forschungsstelle an der Universität Toronto eingerichtet, um sein umfangreiches Werk weiter zu erforschen und zu veröffentlichen.[2]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nouwen ist ein international stark beachteter Schriftsteller geistlicher Literatur. In seinen mehr als 40 Büchern verstand er es, fachwissenschaftliche Kenntnisse mit christlicher Spiritualität zu verbinden. Seine Bücher leben nicht zuletzt von der Wahrnehmung und Widerspiegelung eigener geistlicher Erfahrungen und den daraus abgeleiteten existentiellen Entscheidungen. Einzelne unveröffentlichte Texte – vor allem Tagebücher – wurden auch noch nach seinem Tod publiziert, wobei unklar bleibt, ob sie alle zur Veröffentlichung vorgesehen waren. Viele seiner Werke erfuhren zahlreiche Auflagen und wurden in mehrere Sprachen übersetzt, in Deutsch sind erschienen: [3]

  • Ich hörte auf die Stille. Sieben Monate im Trappistenkloster. Herder Verlag, Freiburg 1978, 1997 (und 2012, ISBN 978-3-451-06395-4; viele Auflagen)
  • Feuer, das von innen brennt. Herder, Freiburg 1981, ISBN 978-3-451-19427-6.
  • Das geteilte Leid. Herder Freiburg, 1983 (Neuauflage 1986, ISBN 978-3-451-19714-7; mit Donald P. McNeill und Douglas A. Morrison)
  • Gebete aus der Stille. Den Weg der Hoffnung gehen. Herder, Freiburg 1983 (Neuauflage 2014, ISBN 978-3-451-06575-0)
  • Wohin willst du mich führen. Notizen aus Lateinamerika. Herder, Freiburg 1983 (Neuauflage 1989, ISBN 978-3-451-19885-4)
  • Zeit, die uns geschenkt ist. Aelterwerden in Gelassenheit. Herder, Freiburg 1983 (Neuauflage 1991, ISBN 978-3-451-19760-4)
  • Der dreifache Weg. Drei Bewegungen spirituellen Lebens. St. Benno-Verlag, Leipzig 1984 (Herder, Freiburg 1992, ISBN 978-3-451-20019-9; Neuer Titel: Die dreifache Spur. Orientierung für ein spirituelles Leben. Herder, Freiburg 2012, ISBN 978-3-451-33416-0)
  • Geheilt durch seine Wunden. Wege zu einer menschlichen Seelsorge. Herder, Freiburg 1987 (Neuauflage 1994, ISBN 978-3-451-20853-9)
  • Suche nach Einklang. Von der geistlichen Kraft der Erinnerung. Dienst und Gebet in Erinnerung an Jesus Christus. Herder, Freiburg 1988 (Neuauflage 1992, ISBN 978-3-451-20253-7; 1999. ISBN 978-3-451-08774-5)
  • Gottes Clown sein. Reflektionen, Einsamkeit, Ehelosigkeit. Gebet und Kontemplation. Herder, Freiburg 1989 (Neue Untertitel: Vom Beten und Dienen. 1992, ISBN 978-3-451-20544-6; Spiritualität und Dienst. 2014, ISBN 978-3-451-06574-3)
  • Jesus, Sinn meines Lebens. Briefe an Marc. Herder, Freiburg 1988, ISBN 3-451-21329-X. (Deutsche Erstausgabe)
  • Nachts bricht der Tag an. Tagebuch eines geistlichen Lebens. Herder, Freiburg 1989, 1992 und 1999, ISBN 978-3-451-21443-1.
  • Der Spiegel des Jenseits. Gedanken um Tod und Leben. Herder, Freiburg 1990, ISBN 978-3-451-21869-9
  • Im Haus des Lebens. Von der Angst zur Liebe. Herder, Freiburg 1990 und 1993 (Neuer Titel: Dem Leben neu begegnen. Wege aus der Angst. Claudius, München, 2011, ISBN 978-3-532-62423-4)
  • Zeige mir den Weg. Ein Begleiter durch die Fasten- und Osterzeit. Herder, Freiburg 1990 (Neuauflage 2008, ISBN 978-3-451-29357-3)
  • Bilder göttlichen Lebens. Herder, Freiburg 1991.
  • Er trägt unsere Last. Herder, Freiburg 1991, ISBN 978-3-451-21840-8.
  • Schöpferische Seelsorge. Herder, Freiburg 1989 (Neuauflage 1991, ISBN 978-3-451-21544-5)
  • Sterben, um zu leben. Abschied von meiner Mutter. Herder, Freiburg, 1991 (Claudius Verlag, München 2011, ISBN 978-3-532-62418-0)
  • Nähe. Sehnsucht nach lebendiger Beziehung. Essays über Pastoralpsychologie. Herder, Freiburg 1992, ISBN 978-3-451-22591-8.
  • In ihm das Leben finden. Herder, Freiburg 1993, ISBN 978-3-451-19549-5.
  • Seelsorge, die aus dem Herzen kommt. Herder, Freiburg 1993 (Neuauflage 2000, ISBN 978-3-451-21442-4)
  • Die Gabe der Vollendung. Mit dem Sterben leben. Herder, Freiburg 1994, 1995 (und 1998, ISBN 978-3-451-23326-5)
  • Du bist der geliebte Mensch. Religiös leben in einer säkularen Welt. Herder, Freiburg 1995 (Neuauflage 2006, ISBN 978-3-451-29282-8)
  • Nimm sein Bild in dein Herz. Geistliche Deutung eines Gemäldes von Rembrandt. Herder, Freiburg 1991, ISBN 978-3-451-22404-1.
  • Eintauchen in die Stille. Herder, Freiburg 1995, ISBN 978-3-451-23609-9.
  • Die Kraft seiner Gegenwart. Leben aus der Eucharistie. Herder, Freiburg 1996, ISBN 978-3-451-23469-9.
  • In ihm das Leben finden. Drei Meditationen über christliches Leben. Herder, Freiburg 1996.
  • Leben im hier und jetzt. Jahreslesebuch. Herder, Freiburg 1996 und 2005.
  • Mit offenen Händen. Unser Leben als Gebet. Herder, Freiburg 1996, ISBN 978-3-451-23782-9.

Posthum erschienene Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hörbücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Henri Nouwen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zeitschrift AufAtmen 1-1997, Bundes-Verlag, Witten
  2. Henri Nouwen, Biografie von Susanne Niebler. Abgerufen am 4. August 2019.
  3. Henri Nouwen-Stiftung. Abgerufen am 4. August 2019.