Jean Wyllys

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Jean Wyllys

Jean Wyllys de Matos Santos (* 10. März 1974 in Alagoinhas, Bahia) ist ein brasilianischer Politiker, Autor und Journalist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wyllys studierte an der Fakultät für Kommunikation der Universidade Federal da Bahia und schloss mit einem Magister in Literatur und Linguistik ab. Nach seinem Studium erhielt er eine Anstellung als Hochschullehrer an der Escola Superior de Propaganda e Marketing (ESPM) und dann an der Universidade Veiga de Almeida (UVA) in Brasilien. Er schrieb Kolumnen für den Correio da Bahia und veröffentlicht seit 2001 seine crônicas in Buchform.

2005 nahm Wyllys an der fünften brasilianischen Ausgabe des Programmes Big Brother Brasil (BBB5) auf dem Fernsehsender Rede Globo teil und gewann diese.[1] Dadurch erlangte er landesweit Bekanntheit. Er ist Mitglied der linken Partei Partido Socialismo e Liberdade. Als Abgeordneter für den Bundesstaat Rio de Janeiro war er von Februar 2011 bis Januar 2019 Mitglied im brasilianischen Nationalkongress in Brasília.[2] Seine Positionen entsprechen grundsätzlich dem politisch linken Spektrum. Er setzte sich stark für die Diversität und politischen Rechte von Minderheiten in Brasilien ein und unterstütze so unter anderem das Recht auf gleichgeschlechtliche Ehe und das Recht auf Abtreibung. Wyllys sieht im War on Drugs eine historische Ungerechtigkeit des globalen Nordens gegen Lateinamerika, weswegen er eine Liberalisierung zumindest einiger Drogen wie Marihuana forderte.[3] Außerdem trat er für die Aufnahme von Flüchtlingen ein, ebenso wie er sich für Quoten bei der Vergabe von öffentlichen Stellen in Bezug auf Geschlecht und Abstammung stark machte. 2016 diskutierte er bei der Abstimmung über die Amtsenthebung von Dilma Rousseff mit dem damaligen Abgeordneten Jair Bolsonaro. Wyllys stimmte gegen Rousseffs Amtsenthebung, Bolsonaro dafür. Nach der Abstimmung kam es zu einer Auseinandersetzung, die damit endete, dass Wyllys Bolsonaro ins Gesicht spuckte.[4]

Wyllys lebte offen homosexuell in Brasilien.[5] Am 14. März 2018 wurde die mit Wyllys befreundete Stadträtin von Rio de Janeiro, Marielle Franco, eine offen lesbisch lebende, schwarze und linke Politikerin, auf offener Straße ermordet. Nach zunehmenden Morddrohungen gegen ihn und später auch seine Familie – in E-Mails wurde ihm angekündigt, er wäre der Nächste – verließ er das Land im Januar 2019.[6][7] Er legte sein Mandat nieder und übergab es an den ebenfalls offen homosexuell lebenden Abgeordneten David Miranda.[8] Über die Weitergabe seines Mandats an Miranda kursierten viele Gerüchte und Fake News. Wyllys gab an, dass er den Politiker und Journalisten Ratinho wegen Verbreitung von Fake News anzeigen werde.[9] Wyllys machte zunächst keine Angaben zu seinem Aufenthaltsort und hielt sich in Europa, unter anderem in Madrid auf. Bei einem Auftritt in Portugal wurde er mit Eiern beworfen, weitere konkret geplante Attacken gegen ihn konnten verhindert werden.[10]

Wyllys machte im Frühjahr 2019 bekannt, dass er sich auf Einladung der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin niederlassen würde.[11] Seit März 2019 kommentiert Wyllys aus seinem Exil heraus regelmäßig die brasilianische Politik in einem Blog.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Aflitos. Crônicas e contos. Casa de Palavras da Fundação Casa de Jorge Amado, Salvador, Bahia 2001, ISBN 85-7278-063-7 (Prêmio Copene de Literatura, heute Prêmio Braskem, Odebrecht).
  • Ainda Lembro. crônicas e experiências vividas no BBB5. Editora Globo, São Paulo 2005.
  • Tudo ao mesmo tempo agora. Crônicas e perturbacoes. Giostro Editora. 2009, ISBN 978-85-60157-10-5.
  • Tempo bom tempo ruim. Identidades, políticas, afetos. Companhia das Letras, São Paulo 2014, ISBN 978-85-65530-64-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jean vence o "BBB 5" e leva para casa R$ 1 milhão Artikel auf folha.uol.com.br vom 29. März 2005. Auf deutsch: Jean gewinnt BBB5 und erhält 1 Million Reais. Zuletzt aufgerufen am 30. April 2019.
  2. Camera dos Deputados: Seminário LGBT discute casamento civil de homossexuais (portugiesisch)@1@2Vorlage:Toter Link/www2.camara.gov.br (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  3. Jean Wyllys propõe legalização da produção e venda de maconha Jean Wyllys schlägt eine Legalisierung der Produktion und des Verkaufs von Marihuana vor. Artikel auf globo.com vom 21. März 2014. Zuletzt abgerufen am 2. Juli 2019.
  4. Morddrohungen gegen Politiker in BrasilienJean Wyllys: "Meine Freunde in Brasilien sind in Gefahr!" Beitrag auf Deutschlandfunk Nova vom 9. April 2019. Zuletzt abgerufen am 2. Juli 2019.
  5. Veja:Jean Wyllys (portugiesisch) (Memento des Originals vom 12. Dezember 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/veja.abril.com.br
  6. Schwuler Abgeordneter verlässt nach Todesdrohungen das Land Artikel auf spon.de vom 29. Januar 2019. Zuletzt aufgerufen am 2. Juli 2019.
  7. Marian Blasbergg, Jens Glüsing: Der Sprengmeister, Der Spiegel (Hamburg), 26. Oktober 2019, 96–100.
  8. Preto e gay”: saiba quem é David Miranda, suplente de Jean Wyllys auf Metropoles.com (Brasilianisches Portugiesisch), abgerufen am 26. März 2019.
  9. Jean Wyllys vai processar Ratinho por propagação de fake news Jean Wyllys wird Ratinho wegen der Verbreitung von Fake News anzeigen. Artikel auf redebrasilatual.com.br vom 20. Juni 2019. Zuletzt abgerufen am 2. Juli 2019.
  10. Homem que planejou atacar Jean Wyllys em Portugal é identificado Der Mann, der plante Jean Wyllys in Portugal anzugreifen wurde identifiziert. Bericht auf blogdacidadania.com.br vom 27. Februar 2019. Zuletzt abgerufen am 2. Juli 2019.
  11. "Aus Brasilien geflohener schwuler Politiker lässt sich in Berlin nieder"auf Queer.de, abgerufen am 26. März 2019.