Jeanette Hofmann

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Jeanette Hofmann (2017)

Jeanette Hofmann (geboren 1960 in Mannheim) ist eine deutsche Politikwissenschaftlerin. Sie beschäftigt sich mit politischen Fragen des Internets und der Digitalisierung der Gesellschaft.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur 1980 in Essen studierte Jeanette Hofmann Politikwissenschaft bis zu ihrem Diplom 1986 am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin. Dort wurde sie auch 1992 promoviert. Nach Arbeiten zur Technikpolitik und zur Techniksoziologie, die in dieser Zeit entstanden, wandte sie sich Mitte der 1990er-Jahre dem Internet zu, das damals zunehmend an gesellschaftlicher Bedeutung gewann, und begleitet seitdem netzpolitische Fragen, insbesondere Themen der Wissensgesellschaft, aus politikwissenschaftlicher Sicht.

Nach einer Reihe von Postdoc-Stellen (1993–2003) und einer viel beachteten Kandidatur für das Direktorium der Internet-Verwaltung ICANN (2000, in Konkurrenz zu dem obsiegenden Kandidaten des Chaos Computer Clubs Andy Müller-Maguhn und Winfried Schüller von der Deutschen Telekom)[2] wurde Hofmann 2003 auf einen Lehrstuhl an der Universität Duisburg-Essen berufen, den sie aber nur ein Jahr lang innehatte. Schon 2004 kehrte sie für drei Jahre zurück an das Wissenschaftszentrum Berlin (WZB), bevor sie – wiederum für einen Zeitraum von drei Jahren – an die London School of Economics (LSE) zum Centre for Analysis of Risk and Regulation ging. Dem Institut an der LSE ist sie bis heute als Research Associate verbunden. Zugleich stieß sie aber – wiederum beim WZB – zu einer Forschergruppe zum Thema „Kulturelle Quellen von Neuheit“, der sie von 2010 bis 2013 angehörte. In dieser Zeit war sie auch als Sachverständige in die Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft des Deutschen Bundestags berufen.

Im April 2012 war Jeanette Hofmann eine der vier Gründungsdirektoren des Alexander von Humboldt Instituts für Internet und Gesellschaft, dem damals wegen des Geldgebers der Anschubfinanzierung so genannten „Google-Instituts“,[3] in dessen Leitung sie seitdem das Wissenschaftszentrum Berlin vertritt. In der vielfach kritisierten Finanzierung durch Google sah sie seinerzeit keinen Interessenkonflikt, solange das Institut seine „Forschungsagenda selbst bestimmen“ könne. Außerdem sei Google „nur einer von vielen Partnern“ gewesen, „die dem neuen Institut helfen werden, auf die Füße zu kommen.“[4] Seit 2013 leitet Hofmann zudem die Projektgruppe Politikfeld Internet beim Wissenschaftszentrum Berlin. Seit 2014 ist sie Honorarprofessorin für Internetpolitik am Zentralinstitut für Weiterbildung der Universität der Künste Berlin. Im Januar 2017 wurde sie zur „Sonderprofessorin“ für Internetpolitik an der Freien Universität Berlin berufen.[5] Seit September 2017 ist Hofmann Principal Investigator zweier Forschungsgruppen („Demokratie und Digitalisierung“, „Quantifizierung und gesellschaftliche Regulierung“) am Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft.

Jeanette Hofmann ist im zeitlichen Verlauf Mitglied zahlreicher zivilgesellschaftlicher und politischer Gremien gewesen, beispielsweise hatte sie am UN-Weltgipfel zur Informationsgesellschaft mitgewirkt.[6] Sie ist Mitglied des Beirats der Grünen Akademie der Heinrich-Böll-Stiftung.[7]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jeanette Hofmann: Implizite Theorien in der Politik. Interpretationsprobleme regionaler Technologiepolitik. Westdeutscher Verlag, Opladen 1993, ISBN 3-531-12494-3.
  • Jeanette Hofmann (Hrsg.): Wissen und Eigentum. Geschichte, Recht und Ökonomie stoffloser Güter. Bundeszentrale für Politische Bildung, Bonn 2006, ISBN 3-89331-682-5 (bpb.de – veröffentlicht unter CC-by-nc-nd/2.0/de).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jeanette Hofmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Lebenslauf folgt den Angaben auf den Webpräsenzen der Institute und der privaten Website der Betroffenen.
  2. Christian Persson: ICANN: Europa schickt das Enfant Terrible. In: heise online. 11. Oktober 2000, abgerufen am 12. Mai 2018.
  3. Corinna Visser: Berlin bekommt ein Google-Institut. In: Der Tagesspiegel Online. 27. Oktober 2011 (tagesspiegel.de [abgerufen am 12. Mai 2018]).
  4. Astrid Maier: Wie Forscher die Digitalisierung zum Guten beeinflussen möchten. WirtschaftsWoche online 7. Juni 2017, 11:57 Uhr. Zitiert nach Genios, abgerufen am 12. Mai 2018.
  5. Jeanette Hofmann neue Sonderprofessorin. In: Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der FU Berlin. 27. Januar 2017, abgerufen am 12. Mai 2018.
  6. Prof. Dr. Jeanette Hofmann ist Direktorin des Humboldt Instituts für Internet und Gesellschaft., in: Schader Stiftung, 13. Juli 2015, abgerufen am 12. Mai 2018.
  7. Beirat, Koordination und Mitglieder der Grünen Akademie, abgerufen am 12. Mai 2018.