Jerzy Urban

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Jerzy Urban (* 3. August 1933 in Łódź als Jerzy Urbach; auch unter den Pseudonymen Jerzy Kibic, Jan Rem und Klakson tätig) ist ein polnischer Schriftsteller und Journalist.

Leben[Bearbeiten]

Urban wurde in eine assimilierte jüdische Familie geboren und wuchs während des Zweiten Weltkrieges in Lwów auf. Sein Vater war im Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbund aktiv und gehörte der Polnischen Sozialistischen Partei an, worauf er nach dem Kriegsende Mitglied des Landesnationalrates wurde. Urban selbst studierte nach dem Abitur zunächst Rechtswissenschaft und Journalistik an der Universität Warschau, wurde jedoch dieser aus politischen Gründen verwiesen, weil er sich während des in Polen nach dem Kriegsende herrschenden Stalinismus in mehreren politischen Jugendbewegungen engagiert hatte.

Nach seiner Exmatrikulation fand Urban zuerst eine Anstellung als Redakteur für die Zeitung Nowa Wieś und schrieb anschließend für die Zeitschrift Po prostu, die auf Initiative von Władysław Gomułka, dem damaligen Vorsitzenden der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei, 1957 trotz der Entstalinisierung in Polen geschlossen wurde. Ab 1961 arbeitete er schließlich kurzzeitig für das Politikmagazin Polityka. Journalistische Aktivitäten wurden ihm jedoch aus politischen Gründen spätestens ab 1963 gänzlich verboten. Erst 1970 kehrte er zu seiner journalistischen Tätigkeit zurück und war zwischen 1981 und 1989 Regierungssprecher unter General Wojciech Jaruzelski. Nach dem Systemwechsel in Polen gründete Urban 1990 die Zeitschrift Nie, deren Eigentümer und Chefredakteur er bis heute ist.

Urban ist bekennender Atheist und gilt als antiklerikal sowie politisch links, kritisiert jedoch auch Vertreter linker Parteien in Polen zumeist scharf. Er ist der Mentor des ehemaligen Abgeordneten und Publizisten Andrzej Rozenek.

Papstkritik[Bearbeiten]

2002 sorgte Urban für Aufsehen, als er Johannes Paul II. während eines seiner Besuche in Polen in einem Artikel scharf kritisierte. Die Jugendorganisation der Partei Recht und Gerechtigkeit brachte ihn daraufhin vor Gericht. Er verteidigte hierbei seine Äußerungen, indem er darauf aufmerksam machte, dass ein Atheist die Religion ebenso kritisieren dürfe, so wie ihre Anhänger vor dem Papst in Ekstase verfallen dürften. Das Wiener International Press Institute verteidigte Urban und die von ihm in Anspruch genommene Pressefreiheit. Es warf dem Gericht vor, Zensur durch die Hintertür zu betreiben, um die Trennung von Religion und Staat in Polen auszuhebeln. Eine ähnliche Haltung für Urban nahmen auch Reporter ohne Grenzen ein. Trotz internationaler Proteste von Menschenrechtsgruppen wurde Urban zu einer Geldstrafe verurteilt.[1]

Er brachte daraufhin den Fall vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Dieser schloss das Verfahren 2011 jedoch, weil Urban zuvor nicht alle möglichen und nötigen Maßnahmen ergriffen hatte, das Verfahren beispielsweise vor den Polnischen Verfassungsgerichtshof zu bringen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Skorupski, Jan Stanisław:...um die Polen zu verstehen: Die längste Ballade der Welt; meine Gespräche mit... Jerzy Urban (u. a.), Aufbau-Verlag, Berlin 1991, ISBN 3-7466-0045-6

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.rp-online.de/public/article/gesellschaft/medien/76169/Verleger-wegen-Papstbeleidigung-verurteilt.html