Joachim Hofmann-Göttig

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Joachim Hofmann-Göttig, im Juli 2010

Joachim Hofmann-Göttig (* 30. August 1951 in Leipzig) ist ein deutscher Politologe und Politiker (SPD). Vom 1. Mai 2010 bis 30. April 2018 war er Oberbürgermeister von Koblenz.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joachim Hofmann-Göttig wurde als Sohn von Martha und von Werner Hofmann geboren. In Marburg machte er Abitur. Zwischen Abitur und Beginn des Studiums 1971 volontierte Hofmann-Göttig bei einer Wochenzeitung. Er studierte Erziehungswissenschaften sowie Rechtswissenschaften im Hauptfach, Soziologie, Politikwissenschaft und Psychologie im Nebenfach. Neben dem Studium arbeitete er als Journalist für verschiedene Tages- und Wochenzeitungen sowie für den Schulfunk des Hessischen Rundfunks. Er leitete die Volkshochschul-Außenstelle Wetter im Landkreis Marburg-Biedenkopf. 1976 schloss er als Diplompädagoge ab und promovierte 1981 bei Wolfgang Klafki in Erziehungswissenschaften zum Dr. phil.

In den 1980er und 1990er Jahren machte er sich einen Namen mit zahlreichen Veröffentlichungen und Vorträgen zur Wahlforschung, insbesondere zum Wahlverhalten junger Menschen (Die jungen Wähler, 1984), der Geschichte des Frauenwahlverhaltens in Deutschland (Emanzipation mit dem Stimmzettel, 1986) und der demografischen Wählerbasis der neuen rechtsradikalen Parteien (Die neue Rechte, 1989). Er gründete und leitete viele Jahre den „Gesprächskreis Sozialwissenschaften“ der Friedrich-Ebert-Stiftung (Bonn) und arbeitete mit im Ausschuss für Wahlforschung der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft. 1998–2004 hatte er einen Lehrauftrag an der Justus-Liebig-Universität Gießen für Politische Wissenschaften (Politische Soziologie), wo er 2002 zum Honorarprofessor ernannt wurde. Von 2003 bis 2016 hatte er einen Lehrauftrag an der Universität Koblenz-Landau, Campus Koblenz, wo er 2004 zum Honorarprofessor für Soziologie (Bildungs-, Jugend- und Kultursoziologie, Politische Soziologie, Regierungslehre) ernannt wurde.

Hofmann-Göttig ist verheiratet und Vater zweier Töchter. [1]

Politischer Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einweihung der Schlossstufen vor dem Kurfürstlichen Schloss durch den Koblenzer Oberbürgermeister Joachim Hofmann-Göttig (stehend 3.v.l.) am 11. Juni 2010
Eröffnung der sanierten Löhrstraße durch Oberbürgermeister Joachim Hofmann-Göttig am 9. April 2011

1969 trat Hofmann-Göttig in die SPD ein und arbeitete zunächst bei den Jungsozialisten in Marburg, im Bezirksvorstand Hessen-Nord und im hessischen Landesvorstand. 1972 wurde er Gemeindevertreter in Simtshausen, 1974 ist er Kreistagsabgeordneter im Kreistag Marburg-Biedenkopf.

1975–1991 arbeitete er hauptberuflich in Bonn als wissenschaftlicher Referent für den SPD-Parteivorstand, als Schülerreferent von 1975–77, war Leiter des Europawahlkampfes 1979 und Referent für Bildungspolitik für die Bundestagsfraktion von 1977–79, sowie Leiter der Bund-Länder-Koordinierungsstelle, 1980–84; er arbeitete für die Hessische Landesvertretung (Presse- und Kulturreferent, 1984/85) und als Dienststellenleiter der saarländischen Landesvertretung (zugleich Presse- und Kulturreferent 1986–1991). Nebenberuflich leitete er das Sekretariat der Arbeitsgruppe Fortschritt ’90, die das Regierungsprogramm der SPD für die Bundestagswahl 1990 ausarbeitete.

In Hessen wurde Hofmann-Göttig 1985 zum Ministerialrat verbeamtet, im Saarland 1990 zum Ministerialdirigenten ernannt. Ab 1991 war Joachim Hofmann-Göttig Staatssekretär in der Landesregierung von Rheinland-Pfalz, stets im Kultusbereich ab 2006 ausschließlich für Kulturangelegenheiten zuständig. Hier war er maßgeblich am Anerkennungsverfahren der Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal als UNESCO-Welterbe beteiligt. Daneben waren seine Hauptprojekte der Ausbau der Landesstiftung Villa Musica mit der Akademie für Kammermusik im Schloss Engers (Neuwied)[2], der Ausbau des Bahnhof Rolandseck (Remagen) zum bundesweit beachteten Arp Museum Bahnhof Rolandseck[3] und die Generalsanierung und Ausbau der Wiege der Demokratie, dem Hambacher Schloss (Neustadt a.d.W.)[4]. Zwischenzeitlich war seine Zuständigkeit von 2001 bis 2006 auf den Bereich der Bildung beschränkt worden.[5] Hofmann-Göttig war mit einer 19-jährigen Amtszeit dienstältestester Staatssekretär im Geschäftsbereich der Kultusministerkonferenz in Deutschland.

In seiner Wahlheimat Koblenz bekleidet Joachim Hofmann-Göttig Ehrenämter. Dort trat er als unabhängiger Bewerber zur Urwahl des Oberbürgermeisters 2009 an und gewann die Wahl. Vom 1. Mai 2010 bis zum 30. April 2018 war Joachim Hofmann-Göttig Oberbürgermeister der Stadt Koblenz.

Für kontroverse Diskussionen sorgte seine 2010 durch die Landesregierung vorgenommene Versetzung in den einstweiligen Ruhestand als Kulturstaatssekretär vor dem Amtsantritt als Oberbürgermeister der Stadt Koblenz. Dadurch entstanden ein Ruhegehaltsanspruch parallel zur Oberbürgermeister-Besoldung und eine Freistellung des Landes hinsichtlich der späteren Versorgungsansprüche.[6]

Koblenzer Oberbürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 27. September 2009 wurde Hofmann-Göttig mit 54,4 % der Stimmen zum Koblenzer Oberbürgermeister gewählt und setzte sich damit gegen seinen Konkurrenten Peter Labonte (CDU) durch.[7] Er schied als Staatssekretär aus der Landesregierung aus und trat sein Amt am 1. Mai 2010 an. Er war Aufsichtsratsvorsitzender der BUGA GmbH, welche die Bundesgartenschau 2011 unter dem Motto Koblenz verwandelt veranstaltete.[8] Daneben engagierte er sich für den Erhalt des Justizstandortes Koblenz.[9]

Unter seiner Verantwortung wurden die Rhein-Mosel-Halle im September 2012[10] und das Kulturgebäude (Forum Confluentes) auf dem Zentralplatz im Juni 2013[11] der Öffentlichkeit übergeben.

Er war Verhandlungsführer des Bieterkonsortiums bestehend aus der Stadt Koblenz, Stadtwerken, EVM und THÜGA beim Ankauf der RWE-Mehrheitsanteile an dem regionalen Stromversorger KEVAG.[12] Er war Aufsichtsratsvorsitzender von KEVAG und EVM und trug Mitverantwortung für die zum 1. Juli 2014 vollzogene Fusion zur evm AG, dem größten kommunalen Energieversorger in Rheinland-Pfalz,[13] dessen Aufsichtsratvorsitzender er seither ist.

In den Jahren 2016 und 2017 ist er zugleich Vorsitzender des Aufsichtsrats der Thüga-Holding. Er war Verhandlungsführer der kommunalen Seite bei der Fusion zwischen drei kirchlichen und zwei kommunalen Krankenhäusern zum Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein, einem Maximalversorger, das bundesweit in der Größe einzigartig in gleichen Anteilen von kirchlichen Stiftungen und Kommunen getragen wird. Seit dem 16. Dezember 2015 ist er Aufsichtsratsvorsitzender des Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein.[14]

Neben den großen Wirtschaftsprojekten machte sich Hofmann-Göttig als Kämmerer einen Namen als Haushaltssanierer. Koblenz konnte als einziges Oberzentrum in Rheinland-Pfalz für das Jahr 2018 einen ausgeglichenen Haushaltsentwurf durch den Stadtrat bringen.[15] Ein weiterer Schwerpunkt seiner Amtstätigkeit lag auf dem respektvollen Umgang mit Minderheiten, bei einem Migrantenanteil in der Bevölkerung von 30 Prozent ein zentrales Thema des Binnenklimas in Koblenz.[16][17][18]

Während seiner Kandidatur zum Oberbürgermeister (2009) und über die gesamte Amtszeit (2010-2018) wurde Hofmann-Göttig von einem überparteilichen Unterstützerkreis begleitet.[19]

Zur Oberbürgermeisterwahl im Jahr 2017[20] trat Hofmann-Göttig nicht mehr an, da er die in der Gemeindeordnung festgelegte Altersgrenze überschritt.[21]

JoHo-Schängel-Stiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schild vor der Geschäftsstelle der JoHo-Schängel-Stiftung in der Mainzer Straße 61 in Koblenz

Joachim Hofmann-Göttig gründete im Dezember 2010 die JoHo-Schängel-Stiftung. Stiftungszweck ist die Unterstützung von Projekten in seiner Heimatstadt Koblenz.[22] Um den Koblenz-Bezug der Stiftung zu unterstreichen, fand der Schängel Eingang in den Stiftungsnamen. Die Stiftungsgeschäfte werden verantwortet von einem fünfköpfigen Vorstand mit dem Hauptstifter Joachim Hofmann-Göttig als Vorstandsvorsitzendem.

Die Stiftung wird finanziert über Spenden, darunter vor allem die Einnahmen aus der vierzehntägigen Foto-Kolumne des Hauptstifters für die Heimatzeitung Blick aktuell - Koblenz.[23] Die Stiftung schüttet jährlich Projektmittel von im Durchschnitt 6-8.000 Euro aus.[24]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Schülerarbeit der Jungsozialisten (1976)
  • Politik und Schülerpresse. Ölschläger, München (1981)
  • Die jungen Wähler. Campus-Verlag, Frankfurt u. a. (1984)
  • Emanzipation mit dem Stimmzettel. 70 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland. (1986)
  • Die neue Rechte (1989)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Joachim Hofmann-Göttig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lebenslauf@1@2Vorlage:Toter Link/www.mbwjk.rlp.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF; 26 kB) in: Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz
  2. Starke Lobby für die Villa Musicain kulturland.rlp.de, 07. November 2017
  3. Arp-Museum in Rolandseck wird sehr gut angenommen in kulturland.rlp.de, 2. Oktober 2008
  4. Hambacher Schloss bilanziert Rekordbesuch in Staatszeitung, 23. November 2009
  5. Rheinpfalz vom 22. November 2008. Artikel: "Falscher Partner, sturer Wille" von Karin Dauscher unter der Rubrik 'zur Person'
  6. Streit um Pension des Koblenzer OB in Focus, 13. November 2017
  7. Hofmann-Göttig wird neuer Stadtchef in Koblenz in: Rhein-Zeitung, 27. September 2009
  8. BUGA Koblenz 2011 GmbH schließt auch wirtschaftlich mit positivem Ergebnis ab (Memento des Originals vom 21. Oktober 2011 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.buga2011.de in: buga2011.de, 19. Oktober 2011
  9. OLG als Lehrstück für Demokratie in: Rhein-Zeitung, 29. September 2011
  10. Rhein-Mosel-Halle: Eröffnung am 26. September in: Rhein-Zeitung, 17. August 2012
  11. Jetzt können alle Koblenzer kommen: Kulturbau ist eröffnet in: Rhein-Zeitung, 20. Juni 2013
  12. Verkauf ist durch: Koblenzer Kevag wird komplett kommunal in: Rhein-Zeitung, 21. Dezember 2012
  13. EVM und KEVAG geben neuen Markennamen bekannt@1@2Vorlage:Toter Link/www.evm.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. in: Pressemitteilung evm, 13. März 2014
  14. Nach offenen Personalfragen: Klinikum blickt optimistisch in das neue Jahr in: Rhein-Zeitung, 21. Dezember 2015
  15. [1] in Rhein-Zeitung, 15. Dezember 2017
  16. Bürgerforum Mitreden über Europa in Europäisches Parlament, 07. April 2017
  17. Die Bundesländer im Vergleich in Mediendienst Integration, 21. Dezember 2012
  18. Neujahrsempfang Beirat für Integration und Migration in Focus, 08. Februar 2018
  19. Unterstützer- und Beraterkreis von Oberbürgermeister Joachim Hofmann-Göttig in www.hofmanngoettig.de
  20. Wahltermine auf der Seite der Stadt Koblenz
  21. Kandidatur: David Langner will der nächste OB werden, Artikel in der Rhein-Zeitung Koblenz, 5. Oktober 2016
  22. Satzung der JoHo-Schängel-Stiftung (PDF; 336 kB)
  23. Übersicht Foto-Kolumnen in www.hofmanngoettig.de
  24. JoHo-Schängel-Stiftung fördert in diesem Jahr mit 11.900 Euro 16 Vorhaben in "Blick aktuell", 21.04.2016