Jobticket

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Jobtickets sind Strecken- oder Zeitnetzkarten eines Sondertarifes (Monats- oder Jahresfahrkarten), die Unternehmen oder Behörden bei einem regionalen oder überregionalen Verkehrsunternehmen erwerben und die sie entgeltlich oder unentgeltlich an ihre Mitarbeiter für deren Fahrten mit dem öffentlichen Personennahverkehr weitergeben.[1] Zumeist erhalten die Unternehmen oder Behörden von den Verkehrsunternehmen Sonderkonditionen in Form von Tarifrabatten und ggf. Leistungserweiterungen (z.B. Mitnahmemöglichkeiten), die ihren Mitarbeitern zugute kommen.

Details[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Jobticket gehört bei einzelnen Unternehmen zum kontinuierlichen Verbesserungsprozess bezüglich der Umweltbilanz. Es wird von Unternehmen zur Verbesserung des durch seine Angestellten verursachten Verkehrsgeschehens eingesetzt. So können Staus und Stellplätze verringert werden. In einzelnen Kommunen, z.B. Dresden, entfällt bei Teilnahme am Jobticket die Nachweispflicht für Einzelstellplätze.[2]

Einem Jobticket liegt ein Beförderungs(rahmen)vertrag zwischen einem Verkehrsunternehmen des öffentlichen Personenverkehrs oder eines Verkehrsverbundes und einem Unternehmen oder einer Behörde zugunsten deren Mitarbeiter zu Grunde. Meist können nur diese Mitarbeiter Jobtickets erhalten; Leiharbeitnehmer, freie Mitarbeiter oder Praktikanten sind in der Regel vom Bezug eines Jobtickets ausgeschlossen.[3] Es ist personengebunden und darf nicht an andere weitergegeben werden.[4] Soweit das Jobticket vom Arbeitgeber nicht unentgeltlich an die Mitarbeiter ausgegeben wird, behält dieser das Tarifentgelt vom Arbeitnehmergehalt ein und übernimmt die Abrechnung gegenüber dem Verkehrsunternehmen.[5]

Der Rabattierung von Jobtickets gegenüber Zeitfahrausweisen des Allgemeintarifs, die von jedermann erworben werden können, liegen je nach Verkehrsunternehmen und ausgehandeltem Vertrag unterschiedliche Modelle zu Grunde, wobei manche Verkehrsunternehmen auch mehrere Rabattierungsvarianten und -kombinationen daraus anbieten:

Großkundenrabatt: Das Unternehmen oder die Behörde verpflichtet sich eine Mindestanzahl an Zeitfahrausweisen zu erwerben. Die Höhe des vom Verkehrsunternehmen gewährten Rabatts ist abhängig von der Anzahl an abgenommenen Tickets und ggf. weiterer Faktoren wie Anteil von Jobtickets zur Größe der Gesamtbelegschaft, der Höhe eines vom Arbeitgeber seinen Mitarbeitern gewährten freiwilligen Zuschusses oder dem Anteil von ÖPNV-Neukunden. Beim Jobticket der Deutschen Bahn ist derzeit beispielsweise eines Mindestabnahmemenge von 20 Jobtickets erforderlich, für die ein Rabatt von 5 % gewährt wird.[6] Bei einer Abnahmemenge von mehr als 2000 Jobtickets wird ein Rabatt von 13 % gewährt. Der Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau (naldo) räumt Unternehmen bspw. einen zusätzlichen Rabatt von 5 % ein, wenn diese zum Jobticket einen freiwilligen Zuschuss von mindestens 10 Euro beisteuern.[7] Bei dieser letzten Rabattierungsvariante sind steuerrechtliche Aspekte zu beachten (sh. Steuerrecht).

Grundbetragsrabatt: Bei diesem Modell verpflichtet sich der Arbeitgeber dazu dem Verkehrsunternehmen einen Grundbetrag in Abhängigkeit von der Größe der Belegschaft zu bezahlen, unabhängig davon, wieviele Mitarbeiter tatsächlich ein Jobticket beziehen. Beim Verkehrsverbund Rhein-Neckar beläuft sich der Grundbetrag derzeit auf 9,50 Euro bis 11 Euro pro Beschäftigten, gestaffelt nach Unternehmensgröße. Als Gegenleistung können die Mitarbeiter Jobtickets zu einem deutlich rabattierten Tarif beziehen.[8]

Unternehmen mit einer kleinen Zahl von Mitarbeitern und/oder Jobticketbeziehern können meist keinen Vertrag mit Verkehrsunternehmen abschließen. Manche Verkehrsunternehmen lassen jedoch Verbünde mehrerer Unternehmen oder Dachverbände (wie die IHK) als Vertragspartner zu, um die jeweils notwendige Mindestzahl (meist mindestens 20 bis 50 Ticketbezieher oder Mitarbeiter) zu erreichen.[9]

Steuerrecht in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die unentgeltliche oder verbilligte Überlassung von Jobtickets für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte ist steuerrechtlich ein Sachbezug. Dieser ist steuerfrei, wenn der „Vorteil“, also das, was der Arbeitgeber zahlt – gegebenenfalls nach Abzug des Anteils, den der Arbeitnehmer beisteuert – 44 Euro im Kalendermonat nicht übersteigt. Wird diese Grenze überschritten, ist der gesamte Sachbezug zu versteuern (§ 8 Abs. 2 EStG).

Eine steuerliche Besonderheit stellt das Job-Ticket als Jahreskarte dar. Grundsätzlich geht die Finanzverwaltung davon aus, dass mit Ausgabe der Jahreskarte der gesamte Vorteil in einem Monat zugeflossen ist und nicht Monat für Monat der Wert der Fahrberechtigung zufließt. Dann übersteigt der geldwerte Vorteil die Nichtaufgriffsgrenze von 44 Euro und wird damit steuer- und sozialversicherungspflichtig. Anders kann sich dies darstellen, wenn vorab mit dem Verkehrsverbund vereinbart wurde, dass die Jahreskarte nur dann Monat für Monat genutzt werden darf, wenn auch das Entgelt Monat für Monat bezahlt worden ist, also wenn die Jahreskarte nur aus Gründen der Kostenersparnis ausgegeben wird. Einige Finanzämter sind bei einer solchen vertraglichen Regelung, die man sich auch durch eine Anrufungsauskunft bestätigen lassen kann, bereit, einen monatlichen Zufluss anzunehmen.

Am 14. November 2012 entschied der Bundesfinanzhof, dass der geldwerte Vorteil einer vergünstigten Jahresnetzkarte stets im ersten Geltungsmonat zufließt.[10] Damit wird der gesamte Arbeitgeber-Zuschuss eines Jahres auf diesen einen Kalendermonat umgerechnet, so dass schon bei einem monatlichen Zuschuss von 3,67 Euro der gesamte geldwerte Vorteil versteuert werden muss.

Alternativ besteht bisher die Möglichkeit, das Jobticket pauschal mit 15 % zu versteuern, wenn der Zuschuss nicht höher ist als die Beträge, die der Arbeitnehmer als Werbungskosten geltend machen kann (§ 40 Abs. 3 EStG). In diesem Fall ist der Zuschuss für das Jobticket auch sozialversicherungsfrei. Allerdings entschied der Bundesfinanzhof am 19. September 2012, dass diese Pauschalversteuerung nur bei freiwilligen Leistungen angewendet werden darf, die „zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn“ erbracht werden, und urteilte, dass dies nur Leistungen sein können, die nicht durch Gehaltsumwandlung entstanden sind und die vom Arbeitgeber jederzeit einseitig wieder entzogen werden können.[11] Da auf Leistungen, die in einem Tarifvertrag, einer Betriebsvereinbarung oder im Arbeitsvertrag vereinbart bzw. durch betriebliche Übung entstanden sind, ein Rechtsanspruch besteht, gehören sie nach dieser Auffassung zum „ohnehin geschuldeten Arbeitslohn“, so dass ein Jobticket in diesen Fällen nicht sozialversicherungsfrei und pauschal versteuert ausgegeben werden kann. Der Bundesfinanzhof verwies darauf, dass es Aufgabe des Gesetzgeber sei, hier Änderungen vorzunehmen.

Steuerrecht in Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um die Einführung von Jobtickets durch Unternehmen zu fördern, wurde das Einkommensteuergesetz zuletzt per 1. Januar 2013 geändert. Soweit ein Arbeitgeber einem Mitarbeiter ein Jobticket unentgeltlich zur Verfügung stellt, wird der damit gewährte Sachbezug steuer- und nebenkostenfrei gestellt.[12] Dies gilt allerdings nur, wenn das Jobticket sich auf die Beförderung des Mitarbeiters zwischen Wohn- und Arbeitsstätte bezieht (Streckenzeitkarte), da es sich steuerrechtlich dann um sogenannten Werksverkehr handelt. Nur im Falle, dass das Verkehrsunternehmen keine Streckenzeitkarten anbietet, werden auch Netzkarten als steuerfreier Sachbezug anerkannt.[13]

Soweit der Mitarbeiter sich finanziell am Erwerb des Jobtickets in irgendeiner Form beteiligt (z.B. auch durch Gehaltsumwandlung), ist dieser Anteil steuerpflichtiger Arbeitslohn. Allerdings kann die Beteiligung bis zur Höhe der geltenden Pendlerpauschale wiederum als Werbungskosten steuerlich geltend gemacht werden.[14]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. BMF - Bundesministerium für Finanzen: Standardsuche - Findok Internet. In: findok.bmf.gv.at. Abgerufen am 4. Dezember 2016.
  2. Jobticket - DVB | Dresdner Verkehrsbetriebe AG. In: www.dvb.de. Abgerufen am 4. Dezember 2016.
  3. Ziff. 2.1.1 der Tarifbedingungen der Deutschen Bahn zum Erwerb und Nutzung von Job Tickets; siehe https://www.bahn.de/p/view/mdb/bahnintern/agb/job-ticket/mdb_234338_bedingungen_db_job-ticket_01_10_2016.pdf
  4. ebd.
  5. Heilbronner · Hohenloher · Haller Nahverkehr GmbH (HNV).: Großkunden-ABO & JobTicket. In: www.h3nv.de. Abgerufen am 4. Dezember 2016.
  6. Deutsche Bahn AG, Unternehmensbereich Personenverkehr, Marketing eCommerce: Informationen zum DB Job-Ticket im Abo. In: www.bahn.de. Abgerufen am 4. Dezember 2016.
  7. Job-Ticket - naldo.de. In: www.naldo.de. Abgerufen am 4. Dezember 2016.
  8. Verkehrsverbund Rhein Neckar: VRN | Job-Ticket-Vereinbarung. In: www.vrn.de. Abgerufen am 4. Dezember 2016.
  9. Verkehrsverbund Rhein-Sieg GmbH: JobTicket. In: VRS - VRS. (vrsinfo.de [abgerufen am 4. Dezember 2016]).
  10. BFH, Urteil vom 14. November 2013, Az. VI R 56/11, Volltext
  11. BFH, Urteil vom 19. September 2012, Az. VI R 54/11, Volltext
  12. § 26 Ziff. 5 EStG vgl. https://www.jusline.at/26_Leistungen_des_Arbeitgebersdie_nicht_unter_die_Einkuenfte_aus_nichtselbstaendiger_Arbeit_fallen_EStG.html
  13. Jobticket - WKO.at. In: wko.at. Abgerufen am 5. Dezember 2016.
  14. BMF - Bundesministerium für Finanzen: Standardsuche - Findok Internet. In: findok.bmf.gv.at. Abgerufen am 5. Dezember 2016.
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