Johann Meier (Geistlicher)

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Johann Meier (* 7. Oktober 1923 in Falkenstein; † 13. Juli 1992 daselbst) war ein deutscher römisch-katholischer Priester und Internatsdirektor der Grundschule der Regensburger Domspatzen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johann Meier nahm von Juli 1942 bis April 1945 als Wehrmachtssoldat am Zweiten Weltkrieg teil. Nach dem Studium an der staatlichen Philosophisch-theologischen Hochschule in Regensburg empfing er am 29. Juni 1951 die Priesterweihe. In der Folge wirkte er als Kaplan in Vohburg an der Donau. Am 1. September 1953 trat Meier die Stelle des Präfekten an der Regensburger Dompräbende an, wo ein Teil der Internatsschüler des Musikgymnasiums der Regensburger Domspatzen untergebracht waren. Im Jahre 1957 wurde er zum Seminarleiter der Grundschule des Musikgymnasiums in Etterzhausen und zum Direktor der „Stiftung Etterzhausen der Regensburger Domspatzen“ ernannt, die als Schulträger wirkte. Im Oktober 1958 stieg Johann Meier zum Direktor des „Schul- und Musikinternats der Regensburger Domspatzen in Etterzhausen“ auf.[1] Diese Position bekleidete er auch nach dem Umzug des Schulinternats nach Pielenhofen von 1981. Im Januar 1992 wurde Meier in den Ruhestand verabschiedet.

Kritik an Internatsdirektor Meier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zusammenhang mit der Berichterstattung über sexuelle Übergriffe in kirchlichen Einrichtungen meldeten sich im März 2010 ehemalige Internatsschüler zu Wort und beschuldigten Meier der jahrelangen körperverletzenden Übergriffe und der sadistischen Strafen.[2] Laut dem Zwischenbericht eines vom Bistum beauftragten Rechtsanwalts vom Januar 2016 konnten bislang zwölf Knaben ermittelt werden, die in Etterzhausen und Pielenhofen sexuell missbraucht, und 216, die körperlich misshandelt worden waren.[3] Der ehemalige Domkapellmeister Georg Ratzinger, der seinerzeit im Kuratorium der Schulstiftung gesessen hatte, gab in einem Interview von Anfang März 2010 an, nichts von den brachialen Methoden Meiers gewusst und nicht über sexuelle Übergriffe in den Einrichtungen der Domspatzen gesprochen zu haben.[4]

In einer Festschrift zum 50-jährigen Gründungsjubiläum des Musikgymnasiums hingegen würdigte Ratzinger das Werk Meiers. Demnach sei nach beinahe 40 Jahren selbstloser Tätigkeit dessen Erziehungsstil in der modernen Zeit nicht mehr verstanden worden.[5]

Im Zuge der Aufarbeitung von Übergriffen in Domspatzen-Internaten forderten ehemalige gewaltbetroffene Schüler über Bischof Voderholzer, Meier den päpstlichen Ehrentitel „Monsignore“ posthum abzuerkennen. Laut der Rechtsauffassung des Vatikans könne eine Aberkennung aber nur bei lebenden Personen erfolgen. Die Forderung blieb somit folgenlos.[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schematismus des Bistums Regensburg. 1968, S. XI.
  2. Die Männer mit dem Schlüsselbund Bericht der Süddeutschen Zeitung vom 9. März 2010.
  3. Mehr Missbrauchsfälle bei den Domspatzen Bericht der Mittelbayerischen Zeitung vom 8. Januar 2016.
  4. Ratzingers Beichte. Bericht der Süddeutschen Zeitung vom 9. März 2010.
  5. Domspatzendirektor Meier und seine (Ex-)Freunde. Recherche auf regensburg-digital vom 15. Dezember 2015.
  6. Monsignore kirchlich entsorgt. Bericht auf regensburg-digital vom 18. Februar 2016.