John Sieg

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Porträtfoto
Benennung der Straße nach John Sieg, Juni 1972
Stolperstein, Jonasstraße 5a, in Berlin-Neukölln

John Sieg (* 3. Februar 1903 in Detroit (USA); † 15. Oktober 1942 in Berlin) war Journalist und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus in Deutschland. Er gehörte zum Kern der „Roten Kapelle“. Pseudonym Siegfried Nebel.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

John Sieg wurde in den USA geboren, lebte jedoch ab 1912 nach dem Tod des Vaters bei seinem Großvater in Deutschland. 1920 wurde er in Deutschland eingebürgert. Anfang der 1920er Jahre erfolgte seine Ausbildung zum Lehrer. 1924 kehrte er in die USA zurück. Dort arbeitet er bis 1928 in Automobilfabriken und studiert an Abendcolleges. Ab Februar 1928 lebte er als freier Autor in Berlin. Im gleichen Jahr heiratet er die Sekretärin Sophie Wloszczynski (14. Mai 1893 – 13. Mai 1987). Ab 1929 veröffentlichte er Artikel in der von Adam Kuckhoff geleiteten Zeitung Die Tat. Nach Eintritt in die KPD im gleichen Jahr arbeitete er im Feuilleton der Zeitung Die Rote Fahne mit. Hier lernte er Wilhelm Guddorf und Martin Weise kennen. Von März bis Juni 1933 war er durch die SA inhaftiert. Nach der Entlassung arbeitete er im kommunistischen Widerstand in Berlin-Neukölln und wurde hier zum Kristallisationspunkt verschiedener Gruppen. Seit Mitte der 1930er Jahre hatte er enge Kontakte zu Arvid Harnack und Adam Kuckhoff. Er beteiligte sich an Flugblattaktionen und politischem Informationsaustausch. Ab 1937 arbeitete er bei der Deutschen Reichsbahn, zuletzt als Fahrdienstleiter am S-Bahnhof Papestraße.

Zusammen mit Herbert Grasse, Otto Grabowski und anderen gab er die illegale Zeitung Die innere Front heraus und gehörte zusammen mit Wilhelm Guddorf und Adam Kuckhoff zum organisatorischen Zentrum der Berliner Gruppen der Roten Kapelle.

Er wurde am 11. Oktober 1942 zusammen mit seiner Frau verhaftet. Die Verhöre in der Gestapo-Zentrale Prinz-Albrecht-Straße trieben ihn am 15. Oktober 1942 zum Suizid: Er erhängte sich in seiner Zelle; bereits im Frühjahr 1942 hatte er Freunden erklärt, er sei im Falle der Festnahme zum Selbstmord entschlossen, um niemanden zu verraten.

Sophie Sieg, die ebenfalls im Oktober 1942 verhaftet worden war, wurde ohne Gerichtsverhandlung im Juni 1943 ins KZ Ravensbrück überführt, aus dem sie am 30. April 1945 durch die Rote Armee befreit wurde.[1]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Coppi junior, Jürgen Danyel, Johannes Tuchel: Die Rote Kapelle im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Hentric, Berlin 1994, ISBN 3-89468-110-1.
  • Alfred B. Gottwaldt: Innere Front. Erinnerungen an John Sieg, Reichsbahngehilfe und Widerstandskämpfer. In: Eisenbahn Geschichte. Nr. 26 (Februar/März 2008), S. 57–59.
  • Regina Griebel, Marlies Coburger, Heinrich Scheel: Erfasst? Das Gestapo-Album zur Roten Kapelle. Audioscop, Halle/S. 1992, ISBN 3-8838-4044-0.
  • Gert Rosiejka: Die Rote Kapelle. „Landesverrat“ als antifaschistischer Widerstand. ergebnisse, Hamburg 1986, ISBN 3-925622-16-0.
  • Helmut Schmidt (Hrsg.): John Sieg. Einer von Millionen spricht. Dietz Verlag Berlin 1989, ISBN 3-320-01392-0.
  • Sieg, John. In: Hermann Weber, Andreas Herbst: Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945. 2., überarb. und stark erw. Auflage. Karl Dietz Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-320-02130-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: John Sieg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. bda-koepenick.de
  2. John-Sieg-Straße. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)