Josef Kliersfeld

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Josef Kliersfeld (* 2. Dezember 1908 in Stettin; † 10. September 1998[1]), nach 1949 Joseph Kalir, war ein deutscher Rabbiner und Professor für Religionswissenschaften.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Josef Kliersfeld wurde 1908 in Stettin geboren und zog mit seinen Eltern nach Hamborn (Duisburg). Die Schule brach er aus wirtschaftlichen Gründen zunächst ab, machte eine kaufmännische Lehre, engagierte sich in einem Hamborner Hechaluz-Verein und arbeitete als Möbelverkäufer. 1930 legte er dennoch mit seinem Weggefährten Hermann Ostfeld (dem späteren Rabbiner in Göttingen) das Abitur ab.[2] Er studierte Wirtschaftsgeschichte, Neuere Geschichte, Philosophie und Semitistik in Berlin und Würzburg und wurde 1933 für seine Dissertation Die Haltung Kaiser Wilhelms II zur Arbeiterbewegung und zur Sozialdemokratie in Würzburg promoviert. Im Jahr 1935 machte er sein Rabbinerexamen an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums und wurde 1936 als Nachfolger von Moritz David zum Rabbiner in Bochum berufen.[3]

1938 wurde Kliersfeld von einem befreundeten Offizier der Nationalsozialisten, Hans Wnuk, gebeten, einen längeren Urlaub in der Schweiz zu machen und so den anstehenden Repressalien durch die Nationalsozialisten zu entgehen.[1] Im gleichen Jahr wurde er verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht.[1] Auf Bitten seiner Frau Hilda bei Wnuk wurde er nach sechs Wochen entlassen und im Februar 1939 emigrierte Kliersfeld nach Palästina in die Region des heutigen Staates Israel. Gemeinsam mit seiner Familie, 1941 wurde seine Tochter Shila geboren[1] lebte er 16 Jahre dort. 1949 ein Jahr nach der Gründung des Staates Israel, änderte er seinen Namen in Joseph Kalir.[3]

1955 verließ er Israel und ging gemeinsam mit seiner Frau nach Schweden. Bis 1957 war er Rabbiner in Göteborg und reiste dann in die Vereinigten Staaten nach Boston, wo er Professor am Hebrew Teachers College in Brookline wurde. Von 1965 bis 1980 war er Rabbiner im Tempel Beth Shalom in Santa Ana und ging dann als Professor für Religionswissenschaften an die California State University, Fullerton.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Benjamin J. Hubbard: Joseph Kalir 1908–1998. Professor of religious studies, Emeritus. (PDF; 225 kB) California State University, Fullerton, 1995.
  2. Vgl. Josef Kliersfeld, in: Biographisches Handbuch der Rabbiner, hg. von Michael Brocke und Julius Carlebach, Teil 2, Band 1, München 2009, S. 335f. sowie Harald Lordick, Polnische Zionisten im Ruhrgebiet, in: Barbian u. a., Juden im Ruhrgebiet, Essen 1999, S. 533.
  3. a b Josef Kliersfeld. In: Günter Birkmann, Hartmut Stratmann, Thomas Kohlpoth: Bedenke vor wem Du stehst. 300 Synagogen und ihre Geschichte in Westfalen und Lippe. Klartext-Verlag, Essen 1998, ISBN 3-88474-661-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]