Joseph Lemling

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Joseph Lemling um 1860

Joseph Lemling (* 17. Januar 1825 in Marmagen; † 28. Dezember 1894 ebenda) war ein deutscher Fotograf und Pionier der Fototechnik, Verfasser zahlreicher Fachschriften zur Fototechnik und -praxis. Er entwickelte 1846 die ersten fotografischen Positiv-Verfahren mit Jodsilberpapier.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joseph Lemling (auch Lemmling) wurde am 17. Januar 1825 in Marmagen geboren. Seine Eltern waren der Händler Joseph Lemling aus Sülm/Eifelkreis Bitburg-Prüm und Anna Maria Romag aus Schwammert bei Müllenborn/Landkreis Vulkaneifel. Joseph Lemling heiratete 1872 Gertrud Heihs aus Urft (heute Kall-Urft) und hatte mit ihr drei Kinder. Er lebte in Marmagen, wo seine Eltern einen Krämerladen betrieben, und unterhielt in seinem Wohnhaus „In den Höfen“ eine eigene Fotowerkstatt. Er starb am 28. Dezember 1894 in Marmagen.

Mit einer solchen Daguerreotypie-Kamera machte Joseph Lemling um 1850 die ersten fotografischen Aufnahmen der Eifel
Gemünd (Eifel) 1855 Daguerreotypie von Josef Lemling
Mit Hilfe des von ihm weiter entwickelten Photoverritverfahrens reproduzierte Lemling das Bild seiner Tochter Caroline zweifach auf eine Kachel

Seine Tätigkeit als Fotograf begann Lemling nach eigenen Angaben bereits 1846 als 21-Jähriger.[1] Sie führte ihn auf teils längere Reisen u. a. nach Berlin, Wien bis hin nach Teheran, wo er als Fotograf des Schahs von Persien über eine Fotowerkstatt im Regentenpalast verfügte. Bereits 1857 bot er seine Dienste als Fotograf in einer Anzeige im „Unterhaltungsblatt und Anzeiger für den Kreis Schleiden“ an.

Joseph Lemling publizierte seine Entdeckungen und Erfahrungen auf dem Gebiet der fotografischen Positiv-Verfahren in zahlreichen Veröffentlichungen. Als renommierter Fotograf versuchte er dabei, „das geistige und künstlerische Niveau eines zum rein handwerklichen Gewerbe gewordenen Standes zu heben“.[2] Er „garnierte“ seine Fachbeiträge mit aphoristischen Reimen, was ihm den Beinamen „Dichterphotograph“[3] einbrachte. Selbst nannte er sich „Erfinder neuer optitechnischer und mechanischer Gravier- und Druckverfahren“.[4] Die von den Fachkollegen als Anmaßung empfundene Rigorosität seiner Darstellungsweise brachte ihm schon zu Lebzeiten heftige Kritik ein.[5]

Zu den wenigen erhaltenen Fotografien von Joseph Lemling zählen die nebenstehende Aufnahme von Gemünd (Urftbrücke), die sich in Privatbesitz befindet,[6] und zwei im Heimatmuseum des Eifelkreises Bitburg-Prüm erhaltene Ansichten der Eifelstädte Bitburg und Prüm. Sie sind die ältesten bekannten Aufnahmen der Eifel und stammen aus den 1850er Jahren.[7]

Entdeckungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joseph Lemling gilt als einer der frühen Pioniere auf dem Gebiet der fotografischen Positiv-Verfahren.[8] Seit 1845 experimentierte er mit verschiedenen Entwicklungspapieren und entdeckte, dass mit der Verwendung von Jodsilberpapier eine höhere Haltbarkeit der Fotografien zu erzielen sei. Erstmals berichtete er darüber in einem Aufsatz im Photographischen Journal von 1858.[9]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Titelseite der populärsten Schrift von Josef Lemling
  • Der Praktische Photograph. Neuhoff, Braunschweig 1862.
  • Der Forscher auf dem Gesamtgebiet der praktischen Photographie. Heuser, Neuwied / Leipzig 1865.
  • Neue Resultate und Consequenzen für die Praxis der Photographie, Lithographie, des Kupferdrucks etc. Neuwied / Leipzig, J.H. Heuser' schen Buchhandlung, 1866.
  • Die Photoverrotypie. Die photographischen Fortschritte der neuesten Zeit. Ein Handbuch für alle denkenden und vorwärts strebenden Photographen, Porzellan- und Glasmaler, Xylographen, Lithographen etc. Frethloh. Lüdenscheid 1869.
  • Die Photoverrotypie. Die Photoverrotypie. Gründliche und leicht fassliche Anleitung zur Erlernung des unter den Namen: Lichtdruck, Glasdruck etc. in ein tiefes, geheimnisvolles Dunkel gehüllten photographischen Gelatinedrucks, eine der wichtigsten und nützlichsten Entdeckungen und Verbesserungen für Photographen und Lithographen etc., auf eigene Erfahrungen begründet. Voigtländer. Lüdenscheid 1870.
  • Der Freund des Photographen. Heuser, Neuwied 1875.
  • Die Photographie im Dienste der Industrie. Heuser, Neuwied / Leipzig 1884.
  • Die neuesten Entdeckungen und Erfahrungen im Gesamtgebiet der praktischen Photographie. Heuser, Neuwied / Leipzig 1886.
  • Der Photochemiker und die Hausindustrie. Gründliche Mitteilungen über die wichtigsten und unentbehrlichsten optisch-chemischen Hilfsmittel, mit Berücksichtigung der bewährten Fortschritte der Moment-Photographie, Vergrösserung und Landschafterei auf Papier zur Erzielung brauchbarer Originalien für meine praktisch bewährten Gravir- und Druckverfahren, welche allen Künsten, Wissenschaften u.s.w., besonders aber der Klein- und Hausindustrie zu ihrem Aufschwunge durchaus nöthig sind, aus den Notizen eigener Erfahrung gesammelt, II. Bändchen. W. Knapp, Halle a.S. 1888.

Lemling war zudem regelmäßiger Mitarbeiter folgender fotografischer Zeitschriften:[10]

  • Photographisches Journal, hrsg. v. Wilhelm Horn, 1858.
  • Photographisches Wochenblatt, hrsg. v. Wilhelm Horn, 1875.
  • Photographische Korrespondenz von 1877-1884.
  • Eders Jahrbuch von 1888-1891.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Baier: Quellendarstellungen zur Geschichte der Fotografie. Fotokinoverlag, Leipzig 1964.
  • Alois Lemling: Der Dichterphotograph Joseph Lemling. In: Heimatkalender des Eifelkreises Bitburg 2007.
  • Burkhard Kaufmann: Alois Lemling. In: Heimatkalender des Eifelkreises Bitburg 2007.
  • Erich Stenger: Aus der Frühgeschichte der Photographie: Joseph Lemling, der Dichterphotograph. In: Photobörse 1928, Vol. 10.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Joseph Lemling. In: Adolf Hinrichsen: Das literarische Deutschland, 1891.
  2. Wolfgang Baier: Quellendarstellungen zur Geschichte der Fotografie. Fotokinoverlag, Leipzig 1964, S. 527 ff.
  3. Erich Stenger: Aus der Frühgeschichte der Photographie: Joseph Lemling, der Dichterphotograph. In: Photobörse 1928, Vol. 10.
  4. Joseph Lemling: Die Photographie im Dienste der Industrie. Heuser, Neuwied und Leipzig 1884.
  5. Wolfgang Baier: Quellendarstellungen zur Geschichte der Fotografie. Fotokinoverlag, Leipzig 1964, S. 528.
  6. Wilhelm Günther: Gemünder Stadtgeschichte im Spiegel alter Bilder. In: Heimatkalender des Kreises Schleiden 1968. Schleiden 1967.
  7. Burkhard Kaufmann: Alois Lemling. In: Heimatkalender des Eifelkreises Bitburg. 2007, S. 183 ff.
  8. Wolfgang Baier: Quellendarstellungen zur Geschichte der Fotografie. Fotokinoverlag, Leipzig 1964, S. 187.
  9. Photographisches Journal. Herausgegeben von Wilhelm Horn. Jahrgang IX, 1858, S. 27.
  10. Alois Lemling: Der Dichterphotograph Joseph Lemling. In: Heimatkalender des Eifelkreises. Bitburg 2007.