Jugend mit einer Mission

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Jugend mit einer Mission (JMEM)
Youth With A Mission (YWAM)
JMEM Logo.gif
Gründung 1960 (YWAM)
Gründer Loren Cunningham
Aktionsraum Weltweit
Schwerpunkt Mission
Freiwillige Über 18.000
Motto Gott kennen und ihn bekannt machen
Website www.jmem.de

Jugend mit einer Mission (JMEM, ausgesprochen: „Jottmem“) ist eine christlich-missionarische Organisation, die zur charismatischen Bewegung[1] gehört. JMEM ist der deutschsprachige Zweig der 1960[2] von Darlene und Loren Cunningham gegründeten Missionsgesellschaft Youth With A Mission (YWAM).[3] Die deutschsprachige JMEM-Arbeit begann im Zusammenhang mit den Olympischen Sommerspielen 1972.[4]

Dem Missionswerk wurde in der Vergangenheit immer wieder vorgeworfen eine stark vereinfachte christlich-fundamentalistische Weltsicht zu verbreiten und junge Menschen auf lebensgefährliche Missionseinsätze zu schicken.[5]

Die amerikanische Mutterorganisation Youth With A Mission und ihre Ländergliederungen arbeiten weltweit unter dem Motto „Gott kennen und ihn bekannt machen“ konfessionsübergreifend mit über 18.000 freiwilligen Mitarbeitern[6] in über 180 Ländern an mehr als 1100 Standorten in den Bereichen Evangelisation, Schulung und karitative Dienste.[7]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegründet 1960, hatte JMEM bis zum Jahr 1970 insgesamt 40 Vollzeitbeschäftigte. In jenem Jahr kamen 1.000 Freiwillige von JMEM nach München, um einen Missionseinsatz („Outreach“) für die Olympischen Sommerspiele 1972 vorzubereiten, dem ersten von vielen weiteren „YWAM Olympic Outreaches“.

1977 mietete YWAM das Pacific Empress Hotel in Kailua-Kona auf der Insel Hawaii und fing mit Renovierungsarbeiten an, um es in den Campus einer Universität umzubauen, die ursprünglich den Namen Pacific and Asia Christian University trug. Heute heißt sie University of the Nations (UofN).

In Deutschland ist Jugend mit einer Mission heute in Hurlach/Bayern, Hainichen und Herrnhut/beide Sachsen, Altensteig und Freiburg im Breisgau/beide Baden-Württemberg, Frankfurt am Main/Hessen, Köln/Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Berlin sowie Erfurt und Bad Blankenburg/beide Thüringen vertreten.

Theologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

"Gott hat seinen Nachfolgern eine Berufung und eine Verantwortung gegeben, das Evangelium dorthin zu bringen, wo es noch nie gehört und angenommen werden konnte." schreibt das Missionswerk JMEM über seinen Auftrag.[8]

Die Vereinigung vertritt die Auffassung, dass allein durch den christlichen Glauben die Erlösung des Menschen erfolgen kann. Alle nicht-christlichen Religionen werden als heidnische Vorstufen bis zur Bekehrung zum Christentum angesehen. Dabei wird davon ausgegangen, dass die zu bekehrenden Menschen zwar Religionen hatten, aber wenn sie von Jesus Christus erfahren, diese für ein konservatives Christentum im Verständnis des JMEM aufgeben werden. Die Anbetung von hinduistischen Göttern wird als Anbetung des Teufels und von Dämonen bezeichnet. JMEN vertritt eine Radikal-Evangelikale Theologie, die sich ausdrücklich auf die Bibel als Fundament (Bibeltreue) und wörtlich inspiriertes Wort Gottes beruft.

Wie andere Evangelikale Missionen spricht JMEM vom "10/40 Window", auch als "Resistant Belt" bezeichnet: In der Weltgegend zwischen dem 10. und 40. Grad Nördlicher Breite lebt die Mehrheit aller Muslime, Hindus und Buddhisten. In diesen Bereichen geben es "Festungen des Satans" ("strongholds of Satan) und dort lebten die durch das Wort Gottes "bisher Unerreichten" Menschen. In den Ländern zu denen auch Pakistan, Afghanistan und andere streng muslimische Länder gehören, will JMEM sein ganzes Engagement widmen.[9]

Arbeitsfelder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihr Aufgabenfeld teilt Jugend mit einer Mission in drei Bereiche ein:[7]

Evangelisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

YWAM organisiert weltweit Kurzzeit-Missionseinsätze, bei denen hauptsächlich junge Christen ihren Glauben an Jesus Christus bezeugen oder vorleben. Eine Beschränkung auf bestimmte Altersgruppen gibt es jedoch nicht. Heute arbeiten Mitarbeiter jeglichen Alters aus über 140 Ländern an internationalen Missionsprojekten mit.[7]

Bereits seit der Gründung liegt der Schwerpunkt der Arbeit darauf, junge Menschen für ein Leben mit Jesus und für die Mitarbeit am Missionsauftrag zu begeistern.[10] Die Organisation versteht sich daher auch als „internationale Bewegung junger Christen, die sich dazu berufen wissen, Jesus Christus zu dienen und das Evangelium vom Reich Gottes ganzheitlich zu leben und zu verkünden“.[7]

Die Verbreitung und Verkündigung des Evangeliums in allen Sprachen an alle Völker und alle Menschen der Welt. Die Botschaft von Jesus Christus soll zeitgemäss und verständlich weitergeben werden, so dass die Menschen von heute sie verstehen und annehmen können.

Dazu nutzen sie kreative Möglichkeiten wie Musik, Video, Websites, Pantomime, kulturelle Aufführungen, Sport- & Freizeitangebote. Sie wollen Menschen aller Altersgruppen in unterschiedlichsten Situationen ihres Lebens an allen Orten der Erde erreichen.

Schulung von Mitarbeitern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.

Hier geht es darum, neue Mitarbeiter zu schulen und zu lehren, wie das Evangelium verbreitet werden kann.

Die University of the Nations (UofN) wurde 1978 von YWAM gegründet und unterhält mittlerweile Schulen in über 190 Ländern auf allen Kontinenten. Die meisten Schulen der UofN bieten ein dreimonatiges, theoretisches Seminar und anschließend einen 2- bis 3-monatigen praktischen Einsatz an.

Auf der Grundlage von biblisch-christlichen Werten möchten sie Menschen in der Entwicklung ihrer Persönlichkeit und ihrer Fähigkeiten weiterbringen, so dass sie ihren Platz in der Gesellschaft und Kirche, in Weltmission und im Gemeindeleben bewusst einnehmen und ausfüllen können. Schulung, Jüngerschaft, die aus Beziehungen lebt, und praktische Anwendung des Erlernten gehören für sie untrennbar zusammen.

In JMEMs Universität, der University of the Nations (UofN), können Christen in Fachbereichen wie Wissenschaft und Technik, Sprachen, Entwicklungshilfe und christlichen Diensten einen Abschluss erreichen.

Die Jüngerschaftsschule (engl.: Discipleship Training School [DTS]) ist die Grundvoraussetzung für jeden Vollzeit-JMEM-Mitarbeiter und dient gleichzeitig als Einstiegs-Programm zu allen anderen Fortbildungsmöglichkeiten.

Jährlich nehmen an einem der weltweiten Schulungsorte ca. 20.000 Studenten an UofN-Kursen teil.

Karitative Dienste (Mercy Ministries)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Praktische (Entwicklungs)Hilfe und karitative Projekte werden unter diesem Sammelbegriff zusammengefasst. Die Entwicklungshilfeprojekte werden oft in Zusammenhang mit den Schulungen durchgeführt (z. B. führt die Seminargruppe des Seminars für eine medizinische Grundausbildung zusammen mit Ärzten dann Einsätze in Gebieten durch, die keine medizinische Infrastruktur haben). Eines der bekanntesten Konzepte sind Krankenhausschiffe, die YWAM unter dem Namen Mercy Ships betrieb. Mercy Ships ist inzwischen eigenständig, arbeitet aber immer wieder mit YWAM zusammen.

Strukturen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

YWAM ist dezentral organisiert, und jedes Zentrum ist völlig eigenständig.

Der JMEM Deutschlandverband ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein. Im Vorstand sind als Vorsitzender Frank Bauer (Hurlach), Sokol Hoxha (Hurlach) und James Whitear (Hamburg). YWAM International wird heute von Lynn Green, Ian Muir und John Dawson geleitet.

JMEM ist Mitglied der Deutschen Evangelischen Allianz.

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

JMEM finanziert sich (wie das internationale Werk) aus Spenden, Seminar- und Schulungsgebühren, Mieten, Stiftungszuwendungen und auch Fördermitteln. Im Umgang mit den Spenden werden die Spendengrundsätze der Evangelischen Allianz zugrunde gelegt.[11][12]

YWAM-Mitarbeiter werden nicht zentral von YWAM bezahlt, sondern finanzieren sich durch sogenannte Unterstützerkreise, bestehend aus Einzelpersonen und Gemeinden.[11]

Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es hat in der Vergangenheit immer wieder Vorwürfe gegeben, einige YWAM-Leiter hätten eine autoritäre Persönlichkeit und hätten so Untergebene eingeschüchtert.

Von Vertretern des Volks der Akha in Thailand wurde den Mitarbeitern von JMEM fehlender Respekt für andere Kulturen vorgeworfen.

Ferner führt die Überkonfessionalität von JMEM immer wieder zu Kontroversen um die Lehre zwischen JMEM und einzelnen Konfessionen. Gleichzeitig bleibt festzuhalten, dass eine sehr große Mehrheit der Mitarbeiter selbst aus einem konfessionellen Hintergrund kommt und das Thema Einheit unter den Christen ein zentraler Leitgedanke von JMEM ist. So ist es auch in deren Grundwerten[13] beschrieben.

Einige führende Vertreter der amerikanischen JMEM gelten weiterhin als Exponenten der auch in charismatischen Kreisen umstrittenen „geistlichen Kriegsführung“.[14] Helge Stadelmann und Alexander Seibel subsumieren zudem die JMEM unter die Vertreter des Torontosegens.[15]

Auseinandersetzung um JMEM Herrnhut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ansiedlung eines JMEM-Schulungszentrum 2004[16] in Ruppersdorf bei Herrnhut stieß auf den Widerstand der Herrnhuter Brüdergemeine, die mögliche Konflikte und eine Okkupation ihrer Tradition befürchtete.[17] Die Auseinandersetzung führte dann zu einem Artikel im Nachrichtenmagazin Der Spiegel,[18] welcher später von JMEM kritisiert wurde, ohne dabei jedoch die Meinungsverschiedenheiten mit der Brüderunität zu bestreiten.[19]

Auseinandersetzung um Kindstötung bei brasilianischen Indigenas[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der von JMEM produzierte Film Hakani berichtet darüber, dass es bei brasilianischen Indigenas eine verbreitete Praxis der Kindstötung gäbe, und fordert daher die Einführung eines Gesetzes, welche es staatlichen Stellen erlaube, im Falle eines Verdachts „schädlicher traditioneller Praktiken“, Kinder aus indigenen Gemeinschaften oder Familien zu entfernen. Indigene Aktivisten und die Menschenrechtsorganisation Survival International werfen JMEM in diesem Falle Einmischung in die Lebensweise der indigenen Bevölkerung vor.[20]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Loren Cunningham: Bist du es, Herr? 6. Auflage, One Way, Wuppertal 1994, ISBN 3-931822-56-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eigene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritische[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. die Mitgliedschaft bei der Arbeitsgemeinschaft Pfingstlich-Charismatischer Missionen.
  2. Loren Cunningham: Bist du es, Herr? 4. Aufl., Jugend mit einer Mission, Frankfurt 1989, S. 49.
  3. Im Folgenden wird von Youth With A Mission (YWAM) gesprochen, wenn es um die weltweite Organisation geht, und von Jugend mit einer Mission (JMEM), wenn sich Aussagen speziell auf den deutschsprachigen Zweig beziehen.
  4. Geschichte auf www.jmem.de (abgerufen am 24. Oktober 2012).
  5. NDR: Bischof distanziert sich von "Jugend mit einer Mission". In: ARD Homepage. 23. Oktober 2009, abgerufen am 31. Januar 2016.
  6. Frequently Asked Questions. YWAM, abgerufen am 20. März 2016 (englisch).
  7. a b c d Wir über uns auf www.jmem.de (abgerufen am 22. Oktober 2012)
  8. Homepage von JMEM, Kategorie "Mission" [1], abger. 31. Jan. 2016
  9. YWAM Orlando: YWAM ORLANDO'S COMMITMENT TO REACHING THE UNREACHED. In: YWAM Orlando. Abgerufen am 31. Januar 2016.
  10. JMEM international auf www.jmem.de (abgerufen am 24. Oktober 2012).
  11. a b Finanzen auf www.jmem.de (abgerufen am 24. Oktober 2012).
  12. Vgl. Abschnitt „Grundsätze für die Verwendung von Spendenmitteln“ in: Werke und Einrichtungen. Deutschen Evangelischen Allianz, archiviert vom Original am 10. November 2013, abgerufen am 20. März 2016.
  13. Die Grundwerte von Jugend mit einer Mission auf www.jmem.de (abgerufen am 19. Mai 2016).
  14. Thomas Kern: Geistliche Kriegsführung. Fundamentalistische Gesellschafts- und Glaubensvorstellungen auf religio.de (abgerufen am 24. Oktober 2012).
  15. Helge Stadelmann, Alexander Seibel: Neue Praktiken innerhalb der pfingstlich-charismatischen Bewegungen. vigi-sectes.org, archiviert vom Original am 6. März 2014, abgerufen am 12. Oktober 2012.
  16. Claudia Keller: Mit Jesus an die Front. In: Die Zeit, 19. Dezember 2007 (abgerufen am 24. Oktober 2012).
  17. Andreas Tasche: Die Brüdergemeine Herrnhut und das geplante Zentrum von „mission-live“ in Herrnhut (PDF; 11 kB) auf www.brueder-unitaet.de, 15. April 2003 (abgerufen am 24. Oktober 2012).
  18. Stefan Berg: Frontsoldaten des Herrn. Der Spiegel, 24. Oktober 2004, abgerufen am 20. März 2016.
  19. Keith Warrington: Stellungnahme. mission-life.de, 2004, archiviert vom Original am 8. Oktober 2007, abgerufen am 24. Oktober 2012.
  20. Artikel Video entfacht Debatte über Kindstötung bei brasilianischen Ritualen auf www.tagesanzeiger.ch, 23. Mai 2009 (abgerufen am 24. Oktober 2012).