Jukebox

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Dieser Artikel befasst sich mit der klassischen Definition einer Jukebox. Für den deutschen PayTV-Sender siehe Jukebox TV.
Jukeboxen der 1940er Jahre

Eine Jukebox ist ein Automat, der durch den Einwurf von Münzen (früher ein oder zwei Groschen) Musik abspielt. Im Deutschen ist auch der Begriff „Musikbox“ gebräuchlich. In der Informationstechnik bezeichnet der Begriff Massenspeichergeräte, wie sie z. B. von der amerikanischen Firma FileNet hergestellt wurden. Der Begriff Jukebox kommt aus dem kreolischen Sprachraum und leitet sich von „jook“ bzw. „juke“ ab, das humorvoll obszöne Musik, Tanz oder Sprache bezeichnet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vorgänger der Jukebox, auch scherzhaft „Groschengrab“ genannt, war der automatische Phonograph, ein Musikautomat, der Musik von einer Wachswalze abspielte. Die Geräte wurden ab 1889 in größeren Mengen produziert, nachdem Louis Glass am 23. November 1889 im Restaurant Palais Royal in San Francisco einen solchen öffentlich vorgeführt hatte.[1] Die ersten Phonographen konnten nur kurze, meistens zweiminütige, Stücke in schlechter Tonqualität abspielen. Das änderte sich später durch die Erfindung der Schellack-Platte, die die Länge auf rund drei bis dreieinhalb Minuten steigerte.

In den 1930er und frühen 1940er Jahren wurde offiziell die Bezeichnung Coin-Operated Phonograph (dt. münzbetriebener Phonograph) verwendet; erst ab 1946 setzte sich mit dem Modell AMI A (Mother of Plastic) der Begriff Jukebox durch. Im Jahre 1936 war die Rudolph Wurlitzer Company mit einer Jahresproduktion von fast 45.000 Geräten in den USA Marktführer. Seit den 1940er Jahren wurde die Vinylplatte als haltbareres Speichermedium genutzt, Ende der 1940er Jahre kamen bereits die ersten Single-Schallplatten (Drehzahl: 45/min) auf den Markt. Durch die in Deutschland stationierten GIs wurde die Jukebox in den 1950er Jahren auch im deutschsprachigen Raum populär. Der Durchbruch gelang im Zuge des Rock ’n’ Roll mit Interpreten wie Elvis Presley oder Bill Haley.

Die klassischen Jukeboxen der 1940er Jahre – auch „Golden Age“ genannt – stammten überwiegend von US-amerikanischen Herstellern wie Rudolph Wurlitzer Company, J. P. Seeburg, Rock-Ola, Evans oder Automatic Musical Instrument Corp. (AMI). Das Design war durch große, farbige und beleuchtete Pilaster aus Plexiglas gekennzeichnet. Bei einigen Modellen war die Wechselmechanik nicht sichtbar (Seeburg).

AMI Continental (1960)

Zwischen 1941 und 1947 produzierte die Mills Novelty Company spezielle Film-Jukeboxen, auf denen kurze Musikfilme die sog. Soundies abgespielt werden konnten. Das aufkommende Fernsehen verhinderte aber eine weitere Verbreitung dieser Geräte.[2]

Rock-Ola Capri II (1964) in Funktion
Wurlitzer 3500 Zodiac (1971)

In den 1950en Jahren – dem „Silver Age“ – wurden zunehmend Stilelemente des Fahrzeugdesigns übernommen (Heckflossen, Panoramascheiben, Rücklichter usw.) Bevorzugte Materialien waren Chrom und Glas.

Deutsche Hersteller wie Tonomat, Wiegandt, NSM-Löwen, und Bergmann produzierten seit Anfang der 1950er Jahre. In der DDR begann die Produktion Ende 1959. Das Aussehen dieser Geräte erinnerte in der Regel mehr an Möbelstücke im Stil der Zeit. Es gab jedoch auch Ausnahmen wie die Modelle Telematic und Panoramic der Firma Tonomat. Auch in der DDR wurden Musikboxen hergestellt.[3]

Anfang der 1960er Jahre wurde in Hüllhorst die Deutsche Wurlitzer als Tochtergesellschaft der Wurlitzer Company (USA) eröffnet. Auch die Firma Harting, deren Jukeboxen bis dahin von Theo Bergmann (Hamburg) vertrieben wurden, gründete Mitte der 1960er Jahre eine deutsche Niederlassung. Geändertes Freizeitverhalten und die Allgegenwart persönlicher Medienspieler, beginnend mit der Einführung der Kompaktkassette führten jedoch bald zum Niedergang der Branche.

Seit dem Rock'n Roll Revival der 1980er Jahre gibt es in Deutschland eine aktive Sammlerszene. Die europaweit größte Messe ist die Rock Around The Jukebox, eine zweitägige Veranstaltung, die seit 1988 jährlich im Autotron in Rosmalen stattfindet. Restaurierte Jukeboxen sind u. a. im Rockmuseum Munich und im Deutschen Museum in München zu sehen.

Produktion von Musikboxen in der DDR[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Musikbox Polyhymat 80 C aus DDR-Produktion, Mitte der 1960er Jahre

In der DDR begann die Produktion von Musikboxen 1960, nachdem die zuvor aus den USA importierten Geräte verbraucht waren. Grundlage war ein Beschluss vom 1. Dezember 1959, nachdem Musikboxen in der DDR erforderlich seien. Auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1960 wurde das erste Gerät vom Typ 80 A, hergestellt von der Firma KG Görner, präsentiert. Im Gegensatz zu den Westfabrikaten verfügte diese Musikbox über eine beidseitige Vertikalabspielung der 40 Singleplatten, es konnten also 80 verschiedene Lieder oder Schlager per Knopfdruck abgespielt werden. Die Geräte wurden auch nach Schweden an einen Händler exportiert. Allerdings konnten in der Zeit insgesamt nur weniger als 50 Geräte produziert werden, weil die Kapazität des Werks nicht ausreichte. 1962 ging daher die Produktion einer verbesserten Konstruktion an das Funkwerk Erfurt über. Die Musikbox galt nun als Konsumgut. Das neue Modell, Typ 80 B, verfügte über eine Röhren-Verstärker-Endstufe von 10 Watt und war damit in der Lage auch größere Räume mit Musik hinreichend zu beschallen. Das in dem Bild dargestellte Modell Polyhymat 80 C erhielt aber kein Gütezeichen, weil beispielsweise der Fremdspannungsabstand und störende Rumpelgeräusche nicht den Anforderungen entsprachen. Das Design der 1960er Jahre wurde mit dem Nachfolgemodell 80 D erreicht. Am 12. März 1966 verließ der 1000. Polyhymat das Funkwerk Erfurt. Stereofonie gab es mit dem Modell 80 E. Eine völlige Neukonstruktion war 1967 der Polyhymat 80 F. Wie im Westen seit Jahrzehnten üblich, wurde wieder die Horizontalabspielung der Platten eingeführt. Das Plattenmagazin verfügte nunmehr über 80 Singles, der Verstärker hatte jetzt designmäßig hervorgehobene Zwei-Wege-Lautsprecherboxen und dafür ein schlichteres Gehäuse. Doch zur Serienproduktion kam es nicht mehr, denn nun sollten im Funkwerk Erfurt Halbleiter hergestellt werden. In der DDR wurden etwa 1500 Musikboxen hergestellt, die noch bis zum Ende der DDR durch das Herstellerwerk gewartet wurden.[4]

Aufbau und Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besondere technische Herausforderungen lagen in der Münzprüfung, im Auswahlmechanismus und in der Abspieleinheit.[5] Eine Jukebox enthält zwischen 8 und 120 Schellackplatten, Singles, seltener Kassetten und ab 1982 auch Compact Discs, aus denen man nach Münzeinwurf über eine Tastatur oder eine Wählscheibe einen oder mehrere Titel auswählen kann.

Seeburg M100B Select-o-matic (1951), Detail

Bis Anfang der 1960er Jahre dominierte die einsehbare Greif- und Abspielautomatik; danach verschwand sie zunehmend hinter den Titelhaltern oder einer bunt bedruckten Glasscheibe. Die Musikwiedergabe erfolgte über eingebaute Röhrenverstärker und Lautsprecher; diese Bauteile wurden bei deutschen Geräten häufig von Fremdfirmen wie Philips oder Klein und Hummel zugekauft. Seit Anfang der 1970er Jahre kamen auch Transistorverstärker zum Einsatz.

Jukeboxen in der Informationstechnik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Kontext moderner IT-Systeme bezeichnet der Begriff Jukebox ein Archivierungssystem für digitale Daten, das oft umfangreichen Anforderungen aus Bereichen wie Datensicherheit, Fälschungssicherheit (unveränderbare Speichermedien wie WORM, Ultra Density Optical und MiniDisc) und Verfügbarkeit der Daten genügen muss.

Man unterscheidet zwischen starren und beweglichen Jukeboxen, da je nach Typ der Roboterarm (Picker) entweder nur in der Vertikalen (nach oben und nach unten) oder auch in der Horizontalen (dreh- oder fahrbar) beweglich ist.

Weiterhin ist eine Unterscheidung nach Format der Medien unumgänglich. So gibt es Jukeboxen für fast alle automationsgerechten Medien. Zudem muss klar zwischen einer Jukebox und einem Autoloader unterschieden werden – ein Autoloader ist in der Regel nicht für größere Mengen Medien ausgelegt und eventuell auch nur auf Batchverarbeitung (kein individueller, wahlfreier Zugriff auf Medien) ausgelegt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Jukebox – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Musikbox – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Jukeboxes – Sammlung von Bildern, Videos und AudiodateienVorlage:Commonscat/Wartung/P 2 fehlt, P 1 ungleich Lemma

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gert J. Almind: Jukebox History 1888–1913 der Danish Jukebox Archives (englisch).
  2. https://www.youtube.com/watch?v=RR9GB1P-rAc Soundies auf einer restaurierten Mills Panoram
  3. http://www.jukebox-world.de/Forum/Archiv/DDR/DDR.htm Musikboxen der DDR.
  4. Internetseite jukebox-world.de mit einem Abriss der Geschichte des Polyhymats
  5. http://www.jitterbuzz.com/jukeboxes_mechanics.html Mechanik der Jukeboxen (englisch).