Julius Lips

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Grabstein von Julius Lips und seiner Frau Eva auf dem Leipziger Südfriedhof, im Juni 2007

Julius Ernst Lips (* 8. September 1895 in Saarbrücken; † 21. Januar 1950 in Leipzig) war ein deutscher Ethnologe und Soziologe. Er wurde vom NS-Regime entrechtet, emigrierte nach Frankreich und von dort aus in die USA.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1914 bis 1916 war er Soldat im Ersten Weltkrieg. Lips studierte anschließend Rechts-, Human-, Wirtschaftswissenschaften und Psychologie an der Universität Leipzig und beendete sein Studium mit den Graden Dr. phil. (1919) und Dr. jur. utr. (1925). 1925 heiratete er Eva Lips, geborene Wiegandt (1906–1988). Ab 1925 unternahm er Reisen innerhalb Europas und nach Amerika. Er war anschließend Angestellter am Museum für Ethnologie in Köln. Von 1926 bis 1933 war er Mitglied der Fakultät der Universität Köln. 1926 habilitierte er sich bei Fritz Graebner über Fallensysteme der Naturvölker und wurde Privatdozent in Völkerkunde und Soziologie. Von 1929 bis 1933 war Lips Professor für Völkerkunde und Soziologie an der Universität Köln und seit 1928 Nachfolger Graebners als Direktor des Kölner Museums für Völkerkunde (heute Rautenstrauch-Joest-Museum).

Gegner der Nationalsozialisten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Julius Lips weigerte sich, die Ethnologie in den Dienst der nationalsozialistischen Rassenlehre zu stellen. Am 28. März 1933 beantragte er die Beurlaubung aus politischen Gründen und legte sein Amt nieder.[1] Am 13. Oktober 1933 entließ der Oberbürgermeister Kölns Lips als Museumsdirektor gemäß § 4 des Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums mit Verlust der Bezüge und Pensionsansprüche.[1] Am 27. Dezember 1933 entzog der Preußische Innenminister ihm die Lehrerlaubnis; anschließend wurde ihm die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt und sein Vermögen beschlagnahmt.[1] Lips nahm 1933 eine Gastprofessur an der Sorbonne und am Musée de l´Homme (Paris) wahr.[1] 1938 erkannte die Universität Leipzig ihm den Doktorgrad ab.

Emigration[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1934 emigrierte Lips von Paris in die USA, wo er zunächst durch Vermittlung von Franz Boas eine bis 1937 befristete Lehrstelle an der Columbia University erhielt. Von 1937 bis 1939 war er Leiter des Instituts für Anthropologie an der Howard University in Washington, D.C. Er gründete an dieser bedeutendsten „schwarzen“ Universität der USA den Lehrstuhl für Völkerkunde. Bis 1938 unternahm er jährliche Reisen nach Europa, vor allem nach Paris. Ab 1940 war er Mitglied der Fakultät der New School for Social Research in New York.

Widerstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lips nahm an Einheitsfrontversuchen ähnlich dem Lutetia-Kreis in Frankreich teil. 1937 betätigte er sich im Bund Freiheitlicher Sozialisten. 1944 war er Mitglied des Council for a Democratic Germany. 1947 forschte er mit seiner Frau Eva Lips bei den Naskapi in Labrador und bei den Ojibwa.

Rückkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1948 kehrte er über Kopenhagen nach Deutschland zurück. Trotz des Angebotes, seine Lehrtätigkeit in Köln wieder aufnehmen zu können, entschied er sich 1949 für den Ruf nach Leipzig, weil er eine Zusammenarbeit mit den nationalsozialistisch belasteten Wissenschaftlern in Köln ablehnte. Er wurde Professor für Völkerkunde und vergleichende Rechtssoziologie an der Universität Leipzig, 1949 deren Rektor. Er spezialisierte sich auf Urrecht und wirtschaftliche Humanwissenschaften, mit Forschungsschwerpunkt auf verschiedene Indianerstämme. Seit 1949 war er ordentliches Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften. Nach seinem Tod im Jahre 1950 übernahm seine Frau die Herausgabe seiner Werke. Das Leipziger Institut erhielt nach seinem Tode den Namen Julius Lips-Institut für Völkerkunde und Vergleichende Rechtssoziologie.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • The Savage Hits Back, Or The White Man Through Native Eyes. Dickson, London 1937 (bei Internet Archive)
    • deutsche Fassung, mit Eva Lips: Der Weiße im Spiegel der Farbigen. Seemann, Leipzig 1983; Hanser, München 1984
  • Tents in the Wilderness. 1942
    • deutsch: Zelte in der Wildnis. Indianerleben in Labrador. 1946, häufige Neuaufl. bis 1985, auch mit Nachw. von Eva Lips und mit Illustr.
  • The Origin of Things. 1947
    • deutsch: Vom Ursprung der Dinge. Eine Kulturgeschichte des Menschen. 1951
  • Die Erntevölker, eine wichtige Phase in der Entwicklung der menschlichen Geschichte. Rektoratsrede am 31. Oktober 1949 in der Kongresshalle zu Leipzig. Akademie-Verlag, Berlin 1953

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rolf HerzogLips, Julius. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 14, Duncker & Humblot, Berlin 1985, ISBN 3-428-00195-8, S. 672 f. (Digitalisat).
  • Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933/International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945, Bd. 1: Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben, München 1980; Bd. 2: The Arts, Sciences, and Literature, München 1983; Bd. 3: Gesamtregister, München 1983
  • Klemens Wittebur: Die deutsche Soziologie im Exil 1933- 1945. Lit, Münster 1991 (Dissertation 1989) S. 37–39
  • Lothar Pützstück: Symphonie in Moll. Julius Lips und die Kölner Völkerkunde. Pfaffenweiler 1995
  • Ingrid Kreide-Damani (Hg.): Ethnologie im Nationalsozialismus. Julius Lips und die Geschichte der "Völkerkunde". Beiträger Andre Gingrich, Volker Harms, Lydia Icke-Schwalbe, Ingrid Kreide-Damani, Wolfgang Liedtke, Gudrun Meier, Udo Mischek, Dietrich Treide. Wiesbaden 2010 ISBN 978-3-89500-774-3
  • Matthias Krings: Julius E. Lips, in: Hauptwerke der Ethnologie. Hgg. Karl-Heinz Kohl, Christian Feest. Kröner, Stuttgart 2001, S. 263–268
  • GERMAN AND JEWISH INTELLECTUAL ÉMIGRÉ COLLECTION Partial Finding Aid for the PAUL LESER/JULIUS LIPS PAPERS, 1920–1984 M. E. Grenander Department of Special Collections & Archives University Libraries, University at Albany, State University of New York 1400 Washington Avenue, Albany, New York 12222
  • Kurzbiografie zu: Lips, Julius. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 1, Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.
  • „Der Wilde schlägt zurück“. Kolonialzeitliche Europäerdarstellungen der Sammlung Lips. Begleitpublikation zur gleichnamigen Ausstellung. Ed. Imorde, 2018 ISBN 3942810409

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d pdf