Junius Frey

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Sigmund Gottlob Junius Brutus Frey, geb. Moses Dobruški; konv. und nob. Franz Thomas Edler von Schönfeld (* 12. Juli 1753 in Brünn; † 5. April 1794 in Paris) war ein judenchristlicher Alchemist und Neffe von Jakob Frank [1], der bis zu dessen Tode 1791 als zukünftiger Anführer des Frankismus galt. Er mutierte zum deutschsprachigen Dichter, Freimaurer und K.u.K. Heereslieferant in Wien, und dann als Jakobiner zum Agitator in der Französischen Revolution, infolge der er im Alter von vierzig Jahren als Denunziationsopfer im Prozess gegen Georges Danton 1794 verurteilt und hingerichtet wurde.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jakob Franks Cousine, Schöndl (Katharina) Dobruška, lebte in Brünn und unterstützte mit offenem Herzen Sabbatianer. [2] Sie gebar 1753 in Brünn ihren Sohn Moses Dobruški, der später die Nachfolge seines Onkels Jakob Frank als religiöser Anführer des Frankismus antreten sollte. Moses Vater Salomon Dobruški war ein reicher Jude und Hauptpächter des K.u.K. Tabakgefälls. Er wollte, dass sein Sohn Moses ein gelehrter Rabbi wird und ließ ihn demgemäß im Talmud unterrichten, zugleich trug der Vater Sorge, dass in seiner Erziehung alles beseitigt wurde, was die Zukunft seines Sohnes als Rabbi vereiteln könnte.

Moses aber fiel zu, dass er mit einem Juden zusammen kam, der die hebräische Dicht- und Redekunst bzw. die orientalischen Sprachen studierte, und lernte von ihm alles. Das Studium des Talmuds interessierte ihn nicht mehr, sondern des Humanismus und bestand einen harten Kampf gegen seinen Vater, der schließlich sein Einverständnis gab. Mit Eifer studierte Moses die alten Klassiker und deutschen Poeten. Unter letzteren fesselte ihn zunächst Salomon Gessner, an dem er eben solches Gefallen fand, dass er nun auch die anderen deutschen Dichter kennen lernen wollte. Es gelang ihm, seinen Vater zu bewegen, dass er ihm eine Summe von 1.500 Gulden zur Anschaffung von Büchern gewährte. Moses trieb nun mit allem Eifer neben dem Studium der deutschen Sprache, in welcher er sich selbst in der Dichtung versuchte, auch jenes der übrigen lebenden Sprachen, und zwar der englischen, französischen und italienischen, und bekannte sich am 17. Dezember 1773 zu Prag öffentlich zum Katholizismus und ließ sich auf den Namen Franz Thomas Schönfeld taufen. Als Versuch seines eigenen Schaffens gab er: „Etliche Gedichte zur Probe“ (Wien 1773) heraus.

Da es seit der Vertreibung der Juden im Jahre 1454 in Brünn keine größere jüdische Ansiedlung mehr gab, musste dort mit keiner starken traditionellen Opposition gerechnet werden, und Moses' Onkel Jakob (Frank) hatte nach seiner Befreiung durch die Russen vom 21. Januar 1773 entschieden, hier in der Stadt Brünn seine neue, militärisch organisierte Kompanie aufzubauen.

Es folgten eine Reihe von Publikationen aus Junius Freys Feder: „Schäferspiele“ (Prag 1774); – „Theorie der schönen Wissenschaften“ (Prag 1774); – „Ueber die Poesie der alten Hebräer“ unter dem Titel: „Seferhascha-hua“ (Prag 1774); – „Ein Schäfergedicht in eben dieser Sprache“; – „Eine hebräische poetische Uebersetzung des Pythagoras goldener Sprüche“ (Prag 1775) und „Gebet oder christliche Ode in Psalmen“ (Wien 1775).

Am 25. Juli 1778 wurde Moses Dobruški alias Franz Thomas Schönfeld in Wien zusammen mit seinen beim Militär beschäftigten Geschwistern Karl Schönfeld, k. k. Unterlieutenant und Joseph Schönfeld, Fähnrich, sowie zusammen mit seinen weiteren Geschwistern Maximilian, Leopold und Emanuel Schönfeld in den erbländischen Adelstand erhoben, und aus dem Adelsdiplome ist zu erfahren, dass Moses Dobruški alias Franz Thomas Edler von Schönfeld Mitvorsteher der berühmten Garelli’schen Bibliothek war, die seinerzeit von Michael Denis geleitet wurde.

Zusammen mit Ephraim Joseph Hirschfeld, der nicht konvertierte, trat Moses Dobruški alias Franz Thomas Edler von Schönfeld dem Orden der Ritter und Brüder St. Johannis des Evangelisten aus Asien in Europa (auch Asiatische Brüder genannt) bei, einer Gesellschaft der Freimaurer, über die zwischen 1783 und 1790 in Mitteleuropa viel gesprochen wurde. Sie war eine der ersten Freimaurerlogen auf deutschem Boden, die Juden aufnahm. Dem Illuminatenorden trat er ebenfalls bei.

Als Neffe von Jakob Frank sei ihm nach dem Tod des religiösen Oberhauptes 1791 die Führung des Frankismus angetragen worden, die er jedoch ablehnte. [3]

Fasziniert von der Französischen Revolution und dem radikaldemokratisch egalitären System des jakobinischen Frankreichs reiste Moses Dobruški alias Franz Thomas Edler von Schönfeld 1792 über Strasbourg nach Paris, wo er unter dem Namen Sigmund Gottlob Junius Brutus Frey Jakobiner wurde.

Im Jahre 1793 hatte Junius Frey ein bahnbrechendes Werk veröffentlicht: die Philosophie sociale. Es ist kein Zufall, dass sich sein auf Deutsch geschriebenes Werk als ein Grundstein des früheren soziologischen Denkens entpuppt. Wie von Helmut Plessner unterstrichen, war "...Soziologie ursprünglich eine Heilslehre, ein Mittel, die durch die Französische Revolution desorganisierte Gesellschaft zu reorganisieren, und zwar in einem progressiven und nicht in einem restaurativen Sinne". Die Philosophie sociale von Junius Frey zeigt, wie eine komplexe jüdische Biografie in die Theorisierung einer neuen sozialen Ordnung mündet. Als Denunziationsopfer im Prozess gegen Danton wurde er 1794 jedoch festgenommen, verurteilt und zusammen mit Danton unter der Guillotine hingerichtet.

Nachwirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Junius Frey wurde vom Häretiker zum Jakobiner. Und Andreas Lehnardt, Professor für Judaistik der Universität Mainz, sagt: "Wenn es einen Avatar der Soziologie des Judentums gibt, dann ist er Junius Frey". [4] Kennzeichnend für Junius Frey war die hohe soziale Mobilität. In verschiedenen religiös-kulturellen Kreisen beheimatet, wechselte er mühelos vom jüdischen Kulturkreis in die Herrschafts- und Sozialordnung des aufgeklärten Absolutismus und schließlich unter dem Namen Junius Frey in das radikaldemokratisch egalitäre System des jakobinischen Frankreichs, wo er als Denunziationsopfer im Prozess gegen Danton verurteilt und hingerichtet wurde.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Junius Frey: Philosophie sociale, Paris 1793 (in Deutsch geschrieben)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Constantin von Wurzbach: Schönfeld, Franz Thomas. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 31. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1876, S. 150 f. (Digitalisat).
  • Lucien-Junius Frey: Philosophie sociale. Dédiée au peuple françois, Paris: Froullé 1793
  • Andreas Lehnardt: Judaistik im Wandel. Ein halbes Jahrhundert Forschung und Lehre..., Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston, 2017, S. 148
  • Helmut Plessner: Diesseits der Utopie. Ausgewählte Beiträge zur Kultursoziologie, Frankfurt/M, Diederichs 1966, S. 14
  • Gershom Scholem, Le tre vite di Moses Dobrushka, hrsg. von Saverio Campanini, Adelphi, Mailand, 2014
  • Susanne Wölfle-Fischer, Junius Frey (1753-1794). Jude, Aristokrat und Revolutionär, Frankfurt am Main et al., 1997, ISBN 3-631-31166-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Neffe 2. Grades von Jakob Frank
  2. S. Krauss: Schöndl Dobruschka. Festschrift für Armand Kaminka, Wien 1937, S.143-148
  3. Vgl. Encyclopaedia Judaica (Jerusalem), S. 69 und Duker, S. 308, Anm. 121 und 122. Paul Arnsberg spricht davon, dass sich Dobruschki in den Diadochenkämpfen nicht habe durchsetzen können (Vgl. S. 30)
  4. Andreas Lehnardt: Judaistik im Wandel, Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston, 1.Aufl. 2017, S.148