Uničov

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Uničov
Wappen von Uničov
Uničov (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Olomoucký kraj
Bezirk: Olomouc
Fläche: 4827 ha
Geographische Lage: 49° 46′ N, 17° 7′ OKoordinaten: 49° 46′ 15″ N, 17° 7′ 17″ O
Höhe: 248 m n.m.
Einwohner: 11.579 (1. Jan. 2016)[1]
Postleitzahl: 783 81 - 783 91
Verkehr
Bahnanschluss: Šternberk–Lichkov
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 9
Verwaltung
Bürgermeister: Dalibor Horák (Stand: 2014)
Adresse: Masarykovo nám. 1
783 91 Uničov 1
Gemeindenummer: 505587
Website: www.unicov.cz

Uničov (deutsch Mährisch-Neustadt) ist eine Stadt mit 12.385 Einwohnern (1. Januar 2004) in Tschechien. Sie liegt 22 km nordwestlich von Olomouc an der Oskava, in die einen Kilometer oberhalb der Stadt die Oslava einmündet. Die Stadt befindet sich in 248 m ü. M. und gehört dem Okres Olomouc an.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptplatz mit Mariensäule
Das Rathaus

Uničov entstand im frühen 13. Jahrhundert.[2] Sie ist das älteste mit Stadtrechten ausgezeichnete Gemeinwesen in Mähren. Mährisch-Neustadt wurde nach zehnjährigem planmäßigen Aufbau im Jahre 1223 das Magdeburger Recht verliehen. Als königliche Stadt unterstand sie direkt dem böhmischen König.

Nach dem Tartarensturm von 1241 besiedelte der Bischof von Olmütz Bruno von Schauenburg als Vertrauter des böhmischen Königs Wenzel I. weite Teile Nordmährens mit Bau- und Handwerkern seiner norddeutschen Heimat, so auch Mährisch-Neustadt und dessen Umgebung. Zu dieser Zeit wurden hier deutsche Dörfer gegründet. Nachdem der tschechische Reformator Jan Hus im Jahre 1415 als Ketzer verbrannt worden war und sich seine empörten, meist tschechischen Anhänger gegen König Wenzel II. und die katholische Kirche auflehnten, entbrannte ein blutiger Bürgerkrieg. So stand schließlich auch ein hussitisches Heer am Tag vor Mariä Himmelfahrt im Jahre 1424 vor der königlichen Stadt und zündete die Vorstadt an. Die Bürger der Stadt flehten um göttliche Hilfe. Eine junge Frau namens Cordula gelobte, dass sie jährlich einen Wachsstock in der Länge der Stadtmauer ziehen würde, wenn die Stadt nur gerettet würde. Als die Stadt tatsächlich verschont wurde, konnten die Neustädter dies nur damit erklären, dass ihre Bitten erhört worden waren. In tiefer Dankbarkeit übertrugen sie das Gelübde der Cordula von Generation zu Generation. Dabei übernahmen angesehene Bürgersfrauen, die Wachsstockfrauen, die Aufgabe des Wachsstockziehens.

Ab 1941 wurde das Fest nicht mehr gefeiert. Bis 1944 war es von der nationalsozialistischen Stadtführung aus Verkehrssicherheitsgründen verboten, 1945 sorgte die Rote Armee dafür und ab 1946 die Vertreibung der Deutschen aus Uničov. Da diese vornehmlich in Mittelhessen angesiedelt wurden, feierten sie nun das Fest am Sonntag nach Mariä Himmelfahrt in Limburg in der Marienkirche der Pallottiner. Eine Nachfeier gibt es am darauffolgenden Sonntag in Naumburg. 1956 übernahm die Stadt Limburg die Patenschaft für die aus ihrer Heimat vertriebenen Mährisch Neustädter Deutschen. Seit den 2000er Jahren wird das Wachsstockfest auch von der katholischen Gemeinde in Uničov gefeiert.

1948 wurde in Uničov eine Maschinenfabrik gebaut.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Uničov gehören die Ortschaften Benkov (Pinke), Brníčko (Pirnik), Dětřichov (Dittersdorf), Dolní Sukolom (Salbnuß), Horní Sukolom (Aichen), Nová Dědina (Schröffelsdorf), Renoty (Einoth) und Střelice (Strelitz).

  • Benkov liegt westlich von der Stadt. Zwischen Benkov und Uničov liegen zwei Berge, der Šibeník (Galgenberg) und der Benkovský kopec (Berg von Benkov). Auf beiden befinden sich Stadtwasserwerke.
  • Brníčko liegt östlich der Stadt auf dem linken Ufer der Oskava. In der Gemarkung des Dorfes liegt das Werk UNEX a. s. Dieses Werk hat in der Vergangenheit Kräne, Bagger und andere große Maschinen produziert. Durch Brníčko führt an der Straße Nr. 444 von Uničov nach Šternberk. Dort befindet sich auch eine Eisenbahnhaltestelle.
  • Dětřichov liegt südlich der Stadt auf dem rechten Ufer der Oskava und oberhalb der Einmündung der Lukavice. In der Nähe befindet sich ein privater Flughafen für Kleinflugzeuge.
  • Dolní Sukolom liegt nordöstlich der Stadt auf dem linken Ufer der Oskava. Nahebei befindet sich das Freibad der Stadt Uničov.
  • Horní Sukolom liegt nördlich von Dolní Sukolom auf dem linken Ufer der Oslava.
  • Nová Dědina liegt nördlich der Stadt auf dem rechten Ufer von Oskava. In den 1980er-Jahren wurde hier ein neues Chemiewerk gebaut. Dieses Werk produzierte früher Medikamente für Tiere und stellt jetzt Tierfutter her.
  • Renoty liegt südlich der Stadt und westlich von Dětřichov.
  • Střelice liegt ebenfalls südlich der Stadt. Durch Střelice führt die Straße Nr. 449, die die Städte Litovel und Uničov verbindet.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Medel-Tor, rechts im Hintergrund die Pfarrkirche
Bürgerhäuser auf dem Hauptplatz, dahinter ist das Kloster zu sehen
Adlerbrunnen
  • Stadtbefestigung mit Basteien
  • Medel-Tor
  • Mariensäule
  • Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt
  • Minoritenkloster mit Kreuzerhöhungskirche
  • Rathaus
  • Städtisches Gefängnis, heute ein Museum
  • Adler- und Neptunbrunnen
  • Statue Josephs II.

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort wirkten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jan Březina, tschechischer Politiker, war von 1995 bis 1997 Bürgermeister

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Uničov – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2016 (PDF; 371 KiB)
  2. Matthias Raschendorfer: Wachsstockfest in Naumburg. Abgerufen am 21. August 2011