Jura (Schiff, 1854)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Jura
DS Jura.jpg
Schiffsdaten
Flagge SchweizSchweiz (Schweizerflagge zur See) Schweiz
BayernBayern Bayern
Schiffstyp Raddampfer
Eigner Société des Bateaux à vapeur du lac du Neuchâtel
Lindauer Dampfschiffahrts-Inspektion
Bauwerft Escher-Wyss, Zürich
Indienststellung 7. November 1854
Verbleib 1864 gesunken
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
46,3 m (Lüa)
Breite 10,25 m
Tiefgang max. 0,9 m
Maschinenanlage
Maschine Dampfmaschine
Maschinen-
leistung
45 PS (33 kW)
Höchst-
geschwindigkeit
10 kn (19 km/h)
Propeller 2 Schaufelräder
Transportkapazitäten
Zugelassene Passagierzahl 400

Die Jura war ein Glattdeck-Schaufelraddampfer in Holzbauweise, der für den Schiffsverkehr auf dem Neuenburgersee gebaut, nach siebenjähriger Dienstzeit an den Bodensee verkauft wurde und 1864 nach einer Kollision mit der Stadt Zürich sank.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Jura wurde 1854 von der Maschinen-Fabrik Escher-Wyss in Zürich erbaut. Am 7. September desselben Jahres wurde das Schiff von der Société des Bateaux à vapeur du lac du Neuchâtel auf dem Neuenburgersee in Dienst gestellt.

1861 wurde das Schiff zum Verkauf ausgeschrieben und von der Lindauer Dampfschiffahrts-Inspektion als Ersatz für das nach einer Kollision gesunkene Dampfschiff Ludwig erworben. Für den Transport an den Bodensee wurde das Schiff demontiert und mit mehreren Fuhrwerken verfrachtet. Das Schiff hatte eine Gesamtlänge von 46,30 Meter. Die Länge in der Wasserlinie betrug 41,30 Meter. Es war 10,25 Meter breit und der Tiefgang betrug etwa 90 Zentimeter. Angetrieben wurde die Jura von einer Dampfmaschine mit 45 PS, die ihr eine Höchstgeschwindigkeit von 18,5 km/h verlieh. Die höchstzulässige Passagierkapazität betrug 400 Personen.

Der Untergang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 12. Februar 1864 befuhr die Jura die Kurslinie von Konstanz über Romanshorn nach Lindau. Trotz Nebelausguck, Signalhörnern und dem Versuch eines Ausweichmanövers konnte gegen 11 Uhr die Kollision mit der Stadt Zürich nicht vermieden werden. Vor Münsterlingen riss der Bug der Stadt Zürich das Vorschiff der Jura auf und der Nebelausgucker des bayerischen Schiffs wurde zerquetscht. Einem anderen Schiffsjungen wurde der Arm abgerissen.[1] Innerhalb von nur vier Minuten versank die Jura. Die restlichen Besatzungsmitglieder und Passagiere konnten sich auf die Stadt Zürich retten.[2]

Da die Stadt Zürich keine drei Jahre zuvor bereits die Ludwig durch Kollision versenkt hatte, und nur wenige Monate nach dem Untergang der Jura im Lindauer Hafen mit der Stadt Lindau kollidierte, wurde das Schiff besonders in Bayern sehr unbeliebt.

Entdeckung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Februar 1953 entdeckte Ludwig Hain vor Bottighofen auf der Suche nach einem im Zweiten Weltkrieg abgestürzten Flugzeug das Wrack des Schiffes auf ca. 39 Meter Tiefe. Danach ging das Wrack wieder in Vergessenheit, bis es 1976 von Hans Gerber wiederentdeckt wurde.[3] Das inzwischen bei Tauchern als bekanntestes Süßwasserwrack Europas geltende Schiff steht nahezu eben auf dem Kiel auf dem Seegrund. Der Bug ist mit Schlamm bedeckt, der nach Baggerarbeiten für den Kreuzlinger Hafen an dieser Stelle verklappt wurde.

Gegenstände aus der Jura[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus der Jura wurden die 47 Kilogramm schwere Schiffsglocke, Flaschen, ein Manometer und der Schriftzug des Schiffes geborgen.[4]

Bergungspläne und Industriedenkmal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Bergung hätte ihren Reiz, denn bei der Jura handelt es sich um das älteste vorhandene Dampfschiff der Welt. Mit ihr wäre ein Schiff aus dem späten Biedermeier verfügbar, aus einer Epoche, aus der es kaum technische Denkmäler gibt.

Die Stiftung Historische Schifffahrt Bodensee mit Sitz im schweizerischen Tägerwilen hat die Absicht, das Schiff zu bergen und zu restaurieren. Dabei wird das Kostenvolumen mit rund 3,5 Mio. Euro überschlagen, denn das Schiff mit Holzrumpf und klappbarem Schornstein ist in einem schlechten Zustand. Daran sind auch souvenirsüchtige Sporttaucher schuld, aber auch die bereits oben erwähnte Verklappung von Schlamm über dem Wrack, die Berufsschifffahrt, Fischerei und natürlich auch der Zahn der Zeit.

Am 7. Dezember 2004 hatte der Regierungsrat des Kanton Thurgau die Jura als „Unterwasser-Industriedenkmal“ unter Schutz gestellt und das Amt für Archäologie in Frauenfeld ermächtigt, über eine Bergung oder Untersuchung zu bestimmen.[5] Vor weiterer Zerstörung soll das Schiff mit Absicherungen geschützt werden, die in Zusammenarbeit mit dem Amt für Archäologie, den Sporttauchverbänden aus Österreich, Deutschland und der Schweiz sowie der Wasserschutzpolizei erarbeitet werden.

Ausstellungen zur Jura[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Exkurs: Weitere historische Schiffe auf dem Bodensee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das restaurierte oder gar rekonstruierte Schiff würde zusammen mit der Hohentwiel aus dem Jahre 1913 und dem 12 Personen fassenden Dampfschiff Gustav Prym aus dem Jahre 1916 die Entwicklung der Schifffahrt auf dem Bodensee darstellen. Die Oldtimer-Flotte wird ferner ergänzt durch die Konstanz, die 1928 erbaute älteste europäische Autofähre auf einem Binnengewässer.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerischer Kurier. In: 8. Jahrgang, Nr. 47. 17. Februar 1864, abgerufen am 21. November 2013 (Google Books).
  2. Volksbote. für den Bürger und Landmann. In: No. 37. 16. Februar 1864, abgerufen am 21. November 2013 (Google Books).
  3. Hans Gerber: Technische Angaben & Suche. Abgerufen am 21. November 2013.
  4. Michèle Vaterlaus: Die Glocke der gesunkenen Jura taucht wieder auf. In: Südkurier vom 27. August 2016.
  5. Dr. Hansjörg Brem: Ein Wrack erregt die Gemüter. Das Dampfschiff Jura vor Bottighofen/TG, Schweiz. In: NAU 13. Amt für Archäologie des Kanton Thurgau, 2006, S. 97-98, abgerufen am 21. November 2013 (PDF; 84 kB).
  6. Das Seemuseum in Kreuzlingen

Koordinaten: 47° 39′ 0″ N, 9° 13′ 0″ O