Münsterlingen

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Münsterlingen
Wappen von Münsterlingen
Staat: SchweizSchweiz Schweiz
Kanton: Kanton ThurgauKanton Thurgau Thurgau (TG)
Bezirk: Kreuzlingen
BFS-Nr.: 4691i1f3f4
Postleitzahl: 8596, 8597
UN/LOCODE: CH SCG (Scherzingen)
Koordinaten: 734877 / 277395Koordinaten: 47° 38′ 0″ N, 9° 14′ 0″ O; CH1903: 734877 / 277395
Höhe: 405 m ü. M.
Höhenbereich: 395–507 m ü. M.
Fläche: 5,46 km²
Einwohner: 3476 (31. Dezember 2018)[1]
Einwohnerdichte: 637 Einw. pro km²
Website: www.muensterlingen.ch
Münsterlingen aus der «Zeppelinperspektive»

Münsterlingen aus der «Zeppelinperspektive»

Lage der Gemeinde
Mühlweiher (BW)Bommer WeierEmerzer WeierBiessenhofer WeierUntersee (Bodensee)BodenseeMainauBodenseeDeutschlandBezirk ArbonBezirk FrauenfeldBezirk WeinfeldenAltnauBottighofenErmatingenGottliebenGüttingenKemmentalKreuzlingenLangrickenbachLengwilMünsterlingenRaperswilenSalensteinTägerwilenTägermoosWäldiKarte von Münsterlingen
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Münsterlingen ist eine Ortschaft[3] und seit 1994 eine politische Gemeinde im Bezirk Kreuzlingen des Kantons Thurgau in der Schweiz. In Münsterlingen befinden sich das Kantonsspital Münsterlingen und die Psychiatrische Klinik Münsterlingen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Münsterlingen liegt am Bodensee zwischen Bottighofen und Altnau südöstlich von Kreuzlingen und zählt 3476 Einwohner. Der Dorfkern befindet sich am südlichen Bodenseeufer, das Gelände des Klosters Münsterlingen schliesst östlich daran an.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das neue Kloster Münsterlingen in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Links sind die Reste des alten Klosters zu sehen.

Der Legende nach soll das Kloster Münsterlingen um 986 von einer Schwester des Abts Gregor von Einsiedeln gegründet worden sein und der heiligen Walburga geweiht. 1125 würde Münsterlingen erstmals als Munsterlin urkundlich erwähnt. Papst Innozenz IV. bestätigte 1254 die Augustinerregel.[4]

1288 konnte sich das Frauenkloster von der Vogtei der Herren von Klingen loskaufen. Es baute die Immunität für den Klosterbezirk aus und begann, eine Gerichtsherrschaft über ihre Höfe zu errichten. 1460 kam Münsterlingen unter die Kastvogtei der sieben im Thurgau regierenden eidgenössischen Orte und unterstand fortan deren hohen Gerichtsbarkeit. 1524 hielt die Reformation Einzug. 1549 wurde das Klosterleben mit Benediktinerinnen vom Kloster Engelberg wieder hergestellt.[4] 1617/18 errichtete das Kloster als Patronatsherr eine reformierte Kirche in Scherzingen.[5] 1709 bis 1716 liess das Kloster weiter landeinwärts ein neues Konventsgebäude und eine neue Klosterkirche errichten.[4]

Münsterlingen und Scherzingen, 1954

1486 bis 1621 erwarb Münsterlingen die Gerichtsherrschaft von Landschlacht. Durch die Gerichtsherrschaft erhielt Münsterlingen 1509 vertraglich im thurgauischen Gerichtsherrenstand Einsitz. Das Kloster behielt die niedere Gerichtsbarkeit unter anderem in Münsterlingen, Landschlacht, Uttwil, einem Teil von Schönenbaumgarten und Belzstadel bis 1798. Mit der Säkularisation des Besitzes jenseits des Bodensees sowie etlichen Missernten von 1805 bis 1817 geriet die klösterliche Ökonomie in Schwierigkeiten.[4]

1839 übernahm der Kanton Thurgau einen Gebäudeflügel und eröffnete darin 1840 das Kantonsspital. 1848 hob er das Kloster auf. 1849 betraute er den Arzt Ludwig Binswanger mit der Behandlung der psychisch Kranken. 1893/94 erhielt diese Abteilung eigene Gebäude am See. 1972 war der rund 70 Millionen Franken teure Neubau des Kantonsspitals Münsterlingen nach langen Auseinandersetzungen bezugsbereit.[4]

Auf den 1. Januar 1994 wurde im Rahmen der thurgauischen Gemeindereorganisation die politische Gemeinde Münsterlingen gebildet. Sie besteht aus den beiden früher eigenständigen Ortsgemeinden Landschlacht und Scherzingen der früheren Munizipalgemeinde Scherzingen. Den Namen und das Wappen hat die Gemeinde von der alten Klosteranlage Münsterlingen erhalten.[4]

1999 wurden das Kantonsspital und die Psychiatrische Klinik Münsterlingen in die Spital Thurgau AG integriert. 2005 stellte der dritte Wirtschaftssektor 97 % der Arbeitsplätze, die Klinik und das Spital beschäftigten allein 877 Personen.[4]

→ siehe auch Artikel Kloster Münsterlingen
→ siehe auch Abschnitt Geschichte im Artikel Landschlacht TG
→ siehe auch Abschnitt Geschichte im Artikel Scherzingen TG
→ siehe auch Artikel Seekrieg auf dem Bodensee 1632–1648

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

GW-TG-Muensterlingen.svg

Blasonierung: In Rot ein weisses Tatzenkreuz.[6]

Nachdem 1994 die politische Gemeinde Münsterlingen gebildet worden war, bestimmte die Gemeindeversammlung 1996 das Wappen des ehemaligen Klosters Münsterlingen zum Gemeindewappen.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung im Gebiet der heutigen Gemeinde Münsterlingen[7]
Bevölkerungsentwicklung
1850 1900 1950 1990 2000 2010 2018
Politische Gemeinde Münsterlingen[7] 2599 2867 3476
Ortsgemeinde Landschlacht[8] 1260 1666 2385 3652
Ortsgemeinde Scherzingen[5] 285 705 1228 1470

Von den insgesamt 3476 Einwohnern der Gemeinde Münsterlingen im Jahr 2018 waren 1294 bzw. 37,2 % ausländische Staatsbürger. 1096 (31,5 %) waren evangelisch-reformiert und 1006 (28,9 %) römisch-katholisch. Die Ortschaft Münsterlingen zählte zu diesem Zeitpunkt 139 Bewohner.[3]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In früherer Zeit wurde an den umliegenden Hängen Wein kultiviert, heute wird vor allem Ackerbau und Weidewirtschaft betrieben. Die 1886 gegründete Weinkellerei Rutishauser erzielte 2010 knapp 40 Millionen Franken Umsatz und füllte circa drei Millionen Flaschen Wein ab.[5] Im Jahr 2016 bot Münsterlingen 2290 Personen Arbeit (umgerechnet auf Vollzeitstellen). Davon waren 1,2 % in der Land- und Forstwirtschaft, 1,8 % in Industrie, Gewerbe und Bau sowie 97,0 % im Dienstleistungssektor tätig.[2] Wichtigste Arbeitgeber sind das Kantonsspital und die Psychiatrische Klinik.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Münsterlingen verläuft die Hauptstrasse Schaffhausen–Rorschach. Im Schienenverkehr verfügt Münsterlingen über drei Bahnhöfe an der Seelinie: Münsterlingen-Scherzingen, Münsterlingen Spital und Landschlacht. Eine Buslinie bindet Münsterlingen an die Stadtbusnetze der nahe gelegenen Städte Kreuzlingen und Konstanz an.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inneres der Sankt-Remigius-Kirche in Münsterlingen mit Johannes-Büste (2011)

Kloster Münsterlingen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das (vom Kanton Thurgau übernommenen) Kloster Münsterlingen hat eine Barockkirche. Mit dem am anderen Seeufer gelegenen Hagnau am Bodensee gibt es den Brauch, bei der sogenannten Seegfrörne die Büste des Heiligen Johannes über den zugefrorenen See in die jeweilige Partnergemeinde zu tragen. Seit 1963 steht sie wieder in der ehemaligen Klosterkirche St. Remigius zu Münsterlingen.[9]

Das Kloster Münsterlingen ist im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz aufgeführt.

Leonhardskapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leonhardskapelle
Fresken im Innenraum

Die St. Leonhardskapelle ist neben der Sylvesterkapelle im Überlinger Stadtteil Goldbach eine der ältesten romanischen Kapellen im Bodenseeraum. Die ältesten Teile sind vor dem Jahr 1000 entstanden und sie wurde seit dem 11. Jahrhundert mit Fresken ausgemalt, besonders gut erhalten sind der Passionszyklus (2. Hälfte 15. des Jahrhunderts) und der datierte Leonhardszyklus von 1432. Die westliche Kapellenhälfte mit dem Eingang ist romanisch und aus groben Feldsteinen errichtet. Die andere Kapellenhälfte ist gotisch und wurde Ende des 14. Jahrhunderts angebaut. Die Kapelle ist mit gotischen Maßwerkfenstern ausgestattet.

Weitere Bauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfkirche Scherzingen
  • Zwischen Dorf und See verläuft die Eisenbahnlinie Kreuzlingen–Romanshorn. Unterhalb der Bahnlinie auf einem Parkgelände am See liegen die Gebäude der 1839 gegründeten, privatisierten Psychiatrischen Klinik, ehemals Psychiatrisches Kantonsspital und der Stiftung Mansio (hervorgegangen aus den ehemaligen kantonalen IV-Betrieben, vorübergehend als Stiftung Kompass aufgetreten); oberhalb des Klosters liegt das frühere allgemeinmedizinische Kantonsspital Münsterlingen, heute Spital Thurgau AG. «Münsterlingen Seeseite» ist in der örtlichen Umgangssprache ein Euphemismus für die Psychiatrische Klinik.
    Die psychiatrische Anstalt in Münsterlingen kam seit 2013 in die öffentliche Kritik, weil Heimkinder aus dem katholischen Kinderheim Fischingen Anfang der 1970er Jahre dort illegitimen Medikamentenversuchen ausgesetzt waren.[10]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jürg Ganz: Münsterlingen. (Schweizerische Kunstführer, Nr. 206). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1977, ISBN 978-3-85782-206-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Münsterlingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2019, abgerufen am 22. Dezember 2019.
  2. a b Thurgau in Zahlen 2019. Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau (PDF-Datei; 1,8 MB), abgerufen am 28. April 2020.
  3. a b Ortschaften und ihre Wohnbevölkerung. Ausgabe 2019. Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau (Excel-Tabelle; 0,1 MB), abgerufen am 28. April 2020.
  4. a b c d e f g Erich Trösch: Münsterlingen. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  5. a b c Erich Trösch: Scherzingen. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  6. a b Gemeindewappen. Auf der Webseite des Staatsarchivs des Kantons Thurgau, abgerufen am 8. Dezember 2019
  7. a b Bevölkerungsentwicklung der Gemeinden. Kanton Thurgau, 1850–2000 und Wohnbevölkerung der Gemeinden und Vorjahresveränderung. Kanton Thurgau, 1990–2018. Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau (Excel-Tabellen; jeweils 0,1 MB), abgerufen am 28. April 2020.
  8. Erich Trösch: Landschlacht. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  9. Friedrich Meichle: Seegfrörne und Eisprozession in Vergangenheit und Gegenwart. In: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung. Nr. 81. Thorbecke, Lindau/Konstanz 1963, S. 145–170.
  10. Menschenversuche - Wie viel Skrupel braucht die Forschung?, Bericht des SWR2 vom 30. Mai 2015, abgerufen 10. Juni 2015