Stadt Zürich (Schiff, 1855)

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Stadt Zürich
Stadt Zürich
Stadt Zürich
Schiffsdaten
Flagge SchweizSchweiz (Schweizerflagge zur See) Schweiz
Schiffstyp Raddampfer
Heimathafen Romanshorn
Eigner Schweizerische Nordostbahn
Bauwerft Escher Wyss & Cie., Zürich
Stapellauf 1855
Außerdienststellung 1917/1919
Verbleib Verschrottet
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
49,5 m (Lüa)
Breite 9,8 m
Tiefgang max. 1,58 m
Verdrängung 175,5 t
Maschinenanlage
Maschine Dampfmaschine
Maschinen-
leistung
300 PS (221 kW)
Transportkapazitäten
Zugelassene Passagierzahl 300

Die 1855 erbaute Stadt Zürich war ein Dampfschiff, das auf dem Bodensee verkehrte. Sie erhielt den Beinamen „Teufelsschiff“, weil sie immer wieder in Kollisionen verwickelt war und einem Bonmot zufolge mehr deutsche Schiffe versenkte als die dänische Flotte im Deutsch-Dänischen Krieg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Zürich gehörte wie ihr Schwesterschiff, die Thurgau, zu den größten und stärksten Glattdeckdampfern, die Mitte der 1850er Jahre ihren Dienst auf dem Bodensee aufnahmen. 1870 erfolgte ein erster Umbau.[1] 1884 wurde das Schiff zum ersten Halbsalondampfer der schweizerischen Nordostbahnflotte umgebaut und hieß fortan nur noch Zürich. Es wurde bis in die Zeit des Ersten Weltkrieges genutzt.[2] Nach dem Abbruch der Zürich in Romanshorn[3] wurden die Schaufeln auf dem Raddampfer Pilatus aus Luzern weiterverwendet.[4]

Unglücksfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kollision mit der Königin von Württemberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 10. März 1860 rammte sie vor Friedrichshafen den rechten Radkasten der Königin von Württemberg. Menschen kamen dabei nicht zu Tode, es entstand allerdings ein erheblicher Sachschaden.

Versenkung der Ludwig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor der heutigen alten Rheinmündung kollidierte die Stadt Zürich fast genau ein Jahr nach diesem ersten Unglücksfall, am 11. März 1861 gegen 18.15 Uhr, bei Dunkelheit und Schneetreiben mit dem Dampfer Ludwig. Ludwig war zwar – als erstes Schiff auf dem Bodensee – mit einer eisernen Rumpfschale ausgestattet, jedoch schon relativ betagt. Der Kapitän, der an dem Unglückstag den Transferdienst zwischen Lindau und Rorschach versehen sollte, hatte die Abfahrt wegen eines heftigen Unwetters auf den späten Nachmittag verschoben, um den schwersten Sturmböen zu entgehen. Dies hatte aber zur Folge, dass bei schlechter Sicht nach dem Kompass gefahren werden musste. Die weiße Bugleuchte der aus Rorschach kommenden Stadt Zürich wurde von der Besatzung der Ludwig für einen Teil der Rorschacher Hafenbeleuchtung gehalten; auf der Stadt Zürich nahm man offenbar den eisernen Dampfer überhaupt nicht wahr, sondern stellte nur nach der Kollision fest, dass das Bugspriet gebrochen war und Wasser ins Schiff eindrang. Die Stadt Zürich kehrte deshalb umgehend in den Rorschacher Hafen zurück, während die Ludwig, unbemerkt von ihrem Kollisionspartner, innerhalb weniger Minuten sank. Dreizehn Menschen und elf Stück Vieh kamen bei diesem Unglück ums Leben. Damit war die Versenkung der Ludwig durch die Stadt Zürich das bis zu diesem Zeitpunkt schwerste bekannte Schiffsunglück, das sich je auf dem Bodensee ereignet hatte. Eine Konsequenz aus den Untersuchungen der Katastrophe war eine Verbesserung der Signalordnung: Außer dem weißen Buglicht musste fortan auch ein grünes Steuerbord- und ein rotes Backbordlicht geführt werden.[5]

Versenkung der Jura[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem das bayerische Schiff Ludwig untergegangen war, wurde als Ersatz die Jura angekauft, die bislang auf dem Neuenburgersee im Einsatz gewesen war. Sie wurde demontiert, auf Fuhrwerken an den Bodensee gebracht und dort wieder zusammengebaut und in Dienst genommen. Am 12. Februar 1864, einem nebligen Wintertag, sollte die Jura von Konstanz nach Romanshorn und Lindau fahren. Aus der Gegenrichtung kam jedoch die Stadt Zürich. Obwohl jedes der beiden Schiffe durch einen Nebelausguck gesichert wurde und die Dampfpfeifen Signal gaben, ließ sich ein Zusammenstoß nicht vermeiden. Die Jura war am Beidrehen, als der Bug der Stadt Zürich sich in ihr Vorschiff bohrte. Dabei kam der Nebelausguck der Jura ums Leben. Ein Servierfräulein und der Maschinist der Jura gingen mit dem Dampfer, der innerhalb von vier Minuten sank, unter. Die übrige Besatzung und sämtliche Passagiere der Jura konnten sich auf die Stadt Zürich retten, die mit eingedrücktem Bug, aber ungefährdet nach Romanshorn weiterfahren konnte.

Kollision mit der Stadt Lindau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenige Monate nach der Versenkung der Jura schlitzte die Stadt Zürich im Lindauer Hafen der Stadt Lindau einen Radkasten auf. Ein bayerischer Korrespondent schlug daraufhin sarkastisch vor, das Schiff nach Dänemark zu verkaufen, da es bereits mehr deutsche Schiffe versenkt habe als die gesamte dänische Kriegsflotte.[6]

Kollision mit der Buchhorn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1909 gab es einen weiteren Zwischenfall, bei dem der Schraubendampfer Buchhorn gerammt wurde. Es entstand nur geringfügiger Schaden.

Die Zürich um 1900 in Rorschach

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl F. Fritz, Reiner Jäckle, Das goldene Zeitalter der Schaufelraddampfer auf dem Bodensee, Erfurt 2013, ISBN 978-3-95400-308-2
  • Karl F. Fritz, Abenteuer Dampfschiffahrt auf dem Bodensee, Meersburg ²1990, ISBN 3-927484-00-8

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stadt Zürich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Laut www.bodenseeschifffahrt.de wurde das Schiff schon damals umgetauft, Karl F. Fritz datiert dagegen die Umbenennung 14 Jahre später.
  2. Karl F. Fritz 1990, S. 28
  3. www.schiffe-schweiz.ch
  4. www.bodenseeschifffahrt.de
  5. Karl F. Fritz 1990, S. 33.
  6. Karl F. Fritz 1990, S. 34