Tägerwilen

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Tägerwilen
(mit Tägermoos)
Wappen von Tägerwilen (mit Tägermoos)
Staat: SchweizSchweiz Schweiz
Kanton: Kanton ThurgauKanton Thurgau Thurgau (TG)
Bezirk: Kreuzlingen
BFS-Nr.: 4696i1f3f4
Postleitzahl: 8274
UN/LOCODE: CH TWN
Koordinaten: 727163 / 279695Koordinaten: 47° 39′ 20″ N, 9° 7′ 53″ O; CH1903: 727163 / 279695
Höhe: 420 m ü. M.
Höhenbereich: 394–573 m ü. M.
Fläche: 11,56 km²
Einwohner: 4642 (31. Dezember 2018)[1]
Einwohnerdichte: 402 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
36,2 %
Gemeindepräsident: Markus Thalmann
Website: www.taegerwilen.ch
Tägerwilen, gegen Norden

Tägerwilen, gegen Norden

Lage der Gemeinde
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Tägerwilen (früher auch Taegerweilen oder Tägerweilen geschrieben) ist eine politische Gemeinde und eine Ortschaft[3] im Bezirk Kreuzlingen des Kantons Thurgau in der Schweiz. Bis 2002 war Tägerwilen eine Einheitsgemeinde.[4]

Geographie und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Tägerwilen Dorf

Das Gemeindegebiet grenzt an Kreuzlingen, Wäldi, Ermatingen und Gottlieben, ausserdem an den Seerhein, der den Obersee mit dem Untersee verbindet, sowie mit dem Tägermoos an Konstanz. Tägerwilen vom Dorfbach durchflossen, der hier von links den Allmendbach aufnimmt.

Die Ortschaft entstand an der Strasse zwischen Konstanz und Ermatingen. Heute kreuzen die Hauptstrassen 13 und 16 in Tägerwilen. Durch den Ort führt die Seelinie sowie die Mittelthurgaubahn Wil–Kreuzlingen, die heute von Thurbo betrieben wird. Tägerwilen ist auch mit der Buslinie 907 der Stadt Kreuzlingen und dem Postbus 920 an den öffentlichen Verkehr angeschlossen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Castell

In Tägerwilen fanden sich Spuren einer neolithischen Siedlung aus der Zeit um 4000 vor Christus. Im siebten oder achten Jahrhundert liessen sich an den Dorfbächen, nahe der Römerstrasse Konstanz–Winterthur, die Alemannen in Tägerwilen nieder. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 990 als Tegirwilare. Die Geschichte Tägerwilens ist stark mit derjenigen des benachbarten Konstanz verbunden. Amtleute des Bischofs von Konstanz begründeten auch die Burg und das später daneben gebaute Schloss Castell.

Im Frühmittelalter gehörte Tägerwilen zur Konstanzer Bischofshöri, ab etwa 1300 vorwiegend zur Herrschaft Castell. Bis 1816 gehörte auch die Burg Girsberg zu Tägerwilen. Die Offnung von 1447 nennt ein eigenes Gericht. Im Schwabenkrieg 1499 bzw. nach der Schlacht im Schwaderloh wurde das Dorf niedergebrannt und die Burg Castell zerstört. Danach bildete die Herrschaft mit dem Gericht Siegershausen die Vogtei Gottlieben. Die Freisitze Castell, Girsberg, Hochstrass, Hertler, Okenfiner und Pflanzberg verfügten selbst über die niedere Gerichtsbarkeit, ab 1766 nur noch Schloss Castell und Girsberg.[5]

Luftbild aus dem Jahr 1931

Die Pfarrei Tägerwilen schied schon früh – um 900, urkundlich belegt aber erst ab dem 12. Jahrhundert – aus dem bischöflichen Gebiet aus. Die Kirche mit dem Patrozinium von Kosmas und Damian wurde 1455 neu erbaut, das Beginen­haus stammt aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Während der Reformation trat das ganze Dorf 1528 zusammen mit Konstanz zum neuen Glauben über. Trotzdem blieb die Kollatur beim Bischof von Konstanz.[5]

Neben Ackerbau und Viehzucht wurde auch Reb- und Obstbau betrieben, wichtig war der grosse Bürgerwald. In Tägerwilen gab es neun Mühlen, ein Siechenhaus und ab ca. 1610 eine Schule. Die Familie von Scherer auf Schloss Castell stiftete 1801 eine Mädchenarbeitsschule und 1837 die erste kantonale Kleinkinderschule. Sie finanzierte 1822 auch den Bau eines Armenhauses und dessen Betrieb. Nach der Eröffnung der Bahnlinien Etzwilen–Konstanz 1875 und Konstanz–Wil 1911 dehnte sich das Dorf in Richtung der Bahnhöfe aus. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden zahlreiche Gewerbebetriebe, unter anderem ein Automobilhersteller. 2005 boten Industrie und Gewerbe einen Viertel der Arbeitsplätze in der Gemeinde, während die Landwirtschaft noch 10 % stellte.[5]

Die Gemeinde Tägerwilen verwaltet auch das Tägermoos, eine staatsrechtliche Kuriosität: Die 1,54 km² liegen zwar im Kanton Thurgau, sind jedoch durch einen Staatsvertrag von 1831 als Gemarkung der deutschen Grenzstadt Konstanz zugeordnet. Die angegebenen Zahlen zu Fläche und Einwohnerzahl von Tägerwilen enthalten auch die Zahlen des Tägermooses.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tägerwilen-blazon.svg

Blasonierung: In Rot ein weisser Dolch mit schwarzem Griff.[4]

Das Gemeindewappen wird seit Anfang des 17. Jahrhunderts geführt. Rot und Weiss erinnern an den Bischof von Konstanz, dem das Dorf bis 1798 gehörte.[4]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung der Gemeinde Tägerwilen[6]
Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1634 1695 1850 1900 1950 1980 1990 2000 2010 2018
Einwohner 482 611 1192 1188 1516 2224 2618 3273 3926 4635
Quelle [5] [6]

Von den insgesamt 4635 Einwohnern der Gemeinde Tägerwilen im Jahr 2018 waren 1678 bzw. 36,2 % ausländische Staatsbürger. 1664 (35,9 %) waren evangelisch-reformiert und 1295 (27,9 %) römisch-katholisch. Die Ortschaft Tägerwilen zählte zu diesem Zeitpunkt 4571 Bewohner. 64 Personen lebten in der Ortschaft Kreuzlingen,[3] die über die Gemeindegrenze auf Tägerwiler Territorium übergreift.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2016 bot Tägerwilen 2996 Personen Arbeit (umgerechnet auf Vollzeitstellen). Davon waren 3,6 % in der Land- und Forstwirtschaft, 19,3 % in Industrie, Gewerbe und Bau sowie 77,1 % im Dienstleistungssektor tätig.[2]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberhalb des Orts Tägerwilen stehen das Schloss Ober-Castell und die Ruine Unter-Castell.

Das heutige Aussehen von Schloss Castell, das sich in Privatbesitz befindet, entstand zwischen 1878 und 1894 durch Max von Scherer. Erbaut wurde es 1725 anstelle eines älteren Gebäudes aus dem Jahr 1585, das seinerseits ein älteres Bauwerk ersetzt hatte. Das Schloss – eine der bedeutendsten historistischen Schlossanlagen der Schweiz – steht gegenüber den Ruinen der aus dem 12. Jahrhundert stammenden Burg Castell, die von dem Konstanzer Bischof Ulrich I. von Kyburg-Dillingen als Sitz für die Ministerialen Schenk von Castell erbaut wurde. Die Burg wurde während des Schwabenkrieges 1499 von den Eidgenossen zerstört.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Giger, Erich König, Margrit Surber: Tägerwilen – Ein Thurgauer Dorf im Wandel der Zeit. Tägerwilen 1999.
  • Paul Bär: Tägerwilen – Ein Blick in die Vergangenheit. Kreuzlingen 1988.
  • Regine Abegg, Peter Erni, Alfons Raimann: Die Kunstdenkmäler des Kantons Thurgau, Band VIII: Rund um Kreuzlingen. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 125). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 2014, ISBN 978-3-03797-116-1, S. 316–387.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Tägerwilen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2019, abgerufen am 22. Dezember 2019.
  2. a b Thurgau in Zahlen 2019. Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau (PDF-Datei; 1,8 MB), abgerufen am 28. April 2020.
  3. a b Ortschaften und ihre Wohnbevölkerung. Ausgabe 2019. Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau (Excel-Tabelle; 0,1 MB), abgerufen am 28. April 2020.
  4. a b c Gemeindewappen. Auf der Webseite des Staatsarchivs des Kantons Thurgau, abgerufen am 8. Dezember 2019
  5. a b c d Peter Giger: Tägerwilen. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  6. a b Bevölkerungsentwicklung der Gemeinden. Kanton Thurgau, 1850–2000 und Wohnbevölkerung der Gemeinden und Vorjahresveränderung. Kanton Thurgau, 1990–2018. Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau (Excel-Tabellen; jeweils 0,1 MB), abgerufen am 28. April 2020.