Kölner Ei

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Das Kölner Ei ist eine Schienenbefestigung, die Körperschall reduziert, der die Ursache des sekundären Luftschalls in Gebäuden neben oder über Bahnstrecken ist.

Kölner Ei
Ausstellungsexemplar im Kölnischen Stadtmuseum

Der Name „Kölner Ei“ wird abgeleitet von der charakteristischen ovalen Form der Schienenbefestigung.

Das „Kölner Ei“ besteht aus zwei Metallteilen, der Rippenplatte und dem Rahmen, die durch Vulkanisation auf NR-Basis (Naturkautschuk Elastomers) miteinander verbunden sind. Aufgrund seiner Festigkeit, Haltbarkeit, Korrosionsbeständigkeit und Wirtschaftlichkeit wurde Sphäroguss als das am besten geeignete Material für alle Metallkomponenten gewählt. Wegen der guten Federeigenschaften, der hohen Lebensdauer und des optimalen Verhältnisses der statischen zur dynamischen Steifheit wird eine Mischung auf NR-Basis (Naturkautschuk Elastomers) benutzt.

Die Schiene wird auf der Rippenplatte befestigt. Der Rahmen wird mit Ankerschrauben durch bestimmte Applikationen, die außen am Rahmen sitzen, befestigt. Die Rippenplatte wird durch den einvulkanisierten Elastomerring getragen, der sich andererseits auf dem Rahmen abstützt. Diese Anordnung bewirkt, dass vertikale Kräfte in Schub-Druckkomponenten aufgeteilt werden. Dadurch ergibt sich die ausgezeichnete akustische Effektivität des „Kölner Eis“. Außerdem wird die Spurweite aufgrund der Konstruktion zuverlässig beibehalten. Bei Überlastungen senkt sich die Rippenplatte maximal bis zum Anschlag auf den Beton. Damit es hier nicht zu einem harten Anschlag kommt, hat die Rippenplatte an der Unterseite ein anvulkanisiertes Elastomer-Profil. Dadurch bleibt die horizontale Stabilität erhalten – ein beträchtlicher Sicherheitsgewinn, insbesondere in den Bögen. Der Elastomerring, der Rahmen und Rippenplatte verbindet, dämpft nicht nur die Schwingungen, sondern bietet zudem eine hervorragende elektrische Isolation. Durch Anpassung der Elastomerhärte kann die vertikale Steifigkeit den Kundenwünschen angepasst werden.

Das „Kölner Ei“ wird normalerweise mit zwei Befestigungen geliefert, die diagonal angeordnet sind. Weil die Ankerschrauben außen am Rahmen sitzen, kann eine kraftschlüssige Verbindung zwischen Untergrund und Schienenlager hergestellt werden. Dadurch werden die Ankerschrauben nur auf Zug beansprucht. Das ist bei vielen anderen Lagern nicht der Fall.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das „Kölner Ei“ wurde von Hermann Ortwein, ehemals Mitarbeiter der Firma Clouth Gummiwerke in Köln-Nippes, entwickelt und am 30. Juni 1978 zum Patent angemeldet. Es erhielt die Ordnungsnummer 1403C. Das „Kölner Ei“ wurde erstmals 1978 auf der Strecke EbertplatzLohsestraße eingebaut. Aufgrund der hervorragenden Ergebnisse bei der (Körperschallreduzierung) wurde das „Kölner Ei“ kurze Zeit später auf 1500 Meter Länge im Gleis der KVB (Kölner Verkehrsbetriebe) eingebaut. Viele weitere Streckenabschnitte folgten.

Die schwingungsdämpfende Schienenbefestigung kommt weltweit zum Einsatz, so in Marseille, Washington, Boston, Sydney und London. In der Erfinderstadt Köln liegen ca. 14.000 Exemplare vom „Kölner Ei“ im Schienennetz.

Ortwein selbst ist Geschäftsführer der Firma ORTEC GmbH, die Systeme zur Schalldämmung von Bahnschienen entwickelt und vertreibt. Bei den heutigen Systemen werden die Schienen von drei Seiten in Naturkautschuk gelagert. Derartige Lager wurden im November 2013 in der Unterquerung des Kölner Doms durch die Nord-Süd-Stadtbahn zur Dämpfung von Vibrationen und Erschütterungen, die zuvor in der Kathedrale spür- und messbar waren, eingesetzt.[1]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Spezialdämpfer auf Domstrecke eingebaut in: Kölnische Rundschau, 23. November 2013, online, abgerufen am 27. November 2013