Kölnische Franziskanerprovinz

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Logo der früheren Kölnischen Franziskanerprovinz von den Heiligen Drei Königen

Die Kölnische Franziskanerprovinz von den Heiligen Drei Königen (Colonia) war eine Ordensprovinz der Franziskaner. Sie wurde erstmals 1239 gegründet und bestand mit einer Unterbrechung infolge der Säkularisation bis 2010, als sie mit den drei anderen deutschen Provinzen zur Deutschen Franziskanerprovinz fusionierte. Vor der Fusion erstreckte sie sich über das westliche Ruhrgebiet, das Rheinland, die Eifel, den Hunsrück und das Saarland bis zur Pfalz und damit in etwa über das Gebiet der einstigen preußischen Rheinprovinz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Colonia schaute auf eine lange, fast 800-jährige Geschichte zurück: Schon im Jahr 1222 kamen die ersten Franziskaner nach Köln, das daraufhin zum Zentrum der ursprünglich einzigen deutschen Provinz Teutonia wurde. Weil sich die franziskanische Bewegung auch in Deutschland mit erstaunlicher Schnelligkeit entfaltete, wurde die Teutonia bereits 1230 in eine rheinische (Provincia Rheni) und eine sächsische Provinz (Provincia Saxonia) geteilt. Eine weitere Neuumschreibung der deutschen Provinzen erbrachte beim Generalkapitel des Ordens 1239 in Rom die Teilung der rheinischen in die Provincia Argentina (Oberdeutsche Provinz, Straßburg) und die Provincia Colonia (Niederdeutsche Provinz).[1]

Das Generalkapitel von 1260 legte die Einteilung der Colonia in sieben Kustodien fest: Köln, Trier, Hessen, Westfalen, Holland, Deventer und Brabant. 1282 hatte die Provinz bereits 80 Klöster und war damit nach der Aquitanischen die zweitgrößte Provinz des ganzen Ordens. 1519 bildete die Provinz auf ihrem Provinzkapitel in Middelburg drei Kustodien: eine Holländische, eine Brabantische und eine Rheinische Kustodie.[2]

Die kölnische Provinz hatte am Ende des 18. Jahrhunderts, vor der Säkularisation, um die tausend Brüder in 38 Klöstern.[3] Die französische Besatzungsregierung hob 1802 die linksrheinischen Klöster der Provinz auf, die rechtsrheinischen fielen 1804 einem Erlass der bayrisch-pfälzisch-bergischen Regierung zum Opfer.[4] Die Provinz war zivilrechtlich aufgehoben, kirchenrechtlich bestand sie aber weiter. Der Konvent in Hardenberg-Neviges blieb faktisch bestehen, und an mehreren Orten gelang es der Sächsischen Ordensprovinz in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Konvente wiederzugründen.

Am 17. April 1929 konnte die Kölnische Franziskanerprovinz wiederbelebt werden, indem die im Rheinland gelegenen Konvente der Sächsischen Provinz von dieser abgetrennt wurden, nachdem es „Spannungen“ zwischen dem westfälischen und dem rheinischen Teil der Saxonia gegeben hatte.[5] Ungeachtet ihres Namens Colonia befand sich der Sitz der Provinzleitung (Provinzialat) in Düsseldorf, nachdem die Saxonia nach der Trennung ihr Provinzialat von dort ins Kloster Werl verlegte.[6]

Die Patrone der Provinz waren die Heiligen Drei Könige, deren Gebeine – der Tradition zufolge – im Kölner Dom verehrt werden.

Am 1. Juli 2010 fusionierte die Kölnische Franziskanerprovinz mit den drei anderen deutschen Provinzen zur Deutschen Franziskanerprovinz von der Heiligen Elisabeth mit Sitz in München.

Niederlassungen der wiedererrichteten Provinz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannte Mitglieder der Provinz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Provinzialminister der wiedererrichteten Provinz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1929–1938 P. Suitbert Boemer; † 16. Oktober 1938[7]
  • 1938–1941 P. Servatius Schittly
  • 1941–1947 P. Cantius Stenz; † 1952
  • 1947–1953 P. Antonellus Engemann
  • 1953–1962 P. Edmund Kurten
  • 1962–1974 P. Michael Nordhausen; † 17. Juni 2003
  • 1974–1980 P. Landolf Wißkirchen; † 9. Oktober 2002
  • 1980–1989 P. Herbert Schneider
  • 1989–1990 P. Alexander Gerken
  • 1990–1997 P. Peter Schorr
  • 1997–2004 P. Klaus-Josef Färber; † 6. April 2015
  • 2004–2010 P. Franz-Leo Barden

Zeitschriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wissenschaft und Weisheit. (1934–1994)
  • Wissenschaft und Weisheit. Franziskanische Studien zu Theologie, Philosophie und Geschichte. (seit 1994, gemeinsam herausgegeben von der Kölnischen und der Sächsischen Franziskanerprovinz)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Konrad Eubel OFMConv: Geschichte der Kölnischen Minoriten-Ordensprovinz. J. & W. Boisserée, Köln 1906 (Veröffentlichungen des historischen Vereins für den Niederrhein, Bd. 199)
  • Patricius Schlager OFM: Beiträge zur Geschichte der Kölnischen Franziskaner-Ordensprovinz im Mittelalter. Bachem-Verlag, Köln 1904.
  • Patricius Schlager OFM: Geschichte der kölnischen Franziskaner-Ordensprovinz während des Reformationszeitalters. Manz-Verlag, Regensburg 1909.
  • Herbert Schneider OFM: Die Franziskaner im deutschen Sprachgebiet. Leben u. Ziele. Werl/Westfalen: Dietrich-Coelde-Verlag, 1985.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Willibald Kullmann: Die Sächsische Franziskanerprovinz, ein tabellarischer Leitfaden ihrer Geschichte. Düsseldorf 1927, 9.14-20.
    Dieter Berg (Hrsg.): Spuren franziskanischer Geschichte. Werl 1999, S. 37.
  2. Dieter Berg (Hrsg.): Spuren franziskanischer Geschichte. Werl 1999, S. 19.57.251.
    Bernd Schmies: Aufbau und Organisation der Sächsischen Franziskanerprovinz und ihrer Kustodie Thüringen von den Anfängen bis zur Reformation. In: Thomas T. Müller, Bernd Schmies, Christian Loefke (Hrsgg.): Für Gott und die Welt. Franziskaner in Thüringen. Text- und Katalogband zur Ausstellung in den Mühlhäuser Museen vom 29. März bis 31. Oktober 2008. Ferdinand Schöningh, Paderborn/München/Wien/Zürich 2008, ISBN 978-3-506-76514-7, S. 38–49, hier S. 41.
  3. Willibald Kullmann: Anton Joseph Binterims Pfarrkonkurs. Ein Beitrag zur Geschichte des Studienwesens der Kölnischen Franziskanerprovinz in der Aufklärungszeit. In: Franziskanische Studien 27 (1940), S. 1–21, hier S. 3 Anm. 6;
    o.N. (Willibald Kullmann): Unsere Toten, I. Teil. Düsseldorf 1941 (Totenbuch der Köln. Franziskanerprovinz), S. XVII-XX.
  4. Dieter Berg (Hrsg.): Spuren franziskanischer Geschichte. Werl 1999, S. 443.447.
  5. dombibliothek-koeln.de, An Initiativen und Ideen mangelte es nie (75 Jahre Colonia), Artikel in: Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln vom 24. September 2004, abgerufen am 6. Mai 2015.
  6. Dieter Berg (Hrsg.): Spuren franziskanischer Geschichte. Werl 1999, S. 555.
  7. Unsere Toten. II. Teil. (Sondernummer von Rhenania Franciscana) Düsseldorf 1941, S. 140.