Anton Joseph Binterim

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Anton Joseph Binterim – Portrait aus dem Jahre 1834

Anton Joseph (Josef) Binterim (* 19. September 1779 in Düsseldorf; † 17. Mai 1855 in Düsseldorf-Bilk) war ein römisch-katholischer Priester, Theologe und Kirchenhistoriker sowie Abgeordneter in der Preußischen Nationalversammlung.

Leben[Bearbeiten]

Anton Joseph Binterim, Sohn des Düsseldorfer Schneidermeisters Johann Peter Binterim, trat 1796 der Ordensgemeinschaft der Franziskaner in der Kölnischen Ordensprovinz bei und erhielt den Ordensnamen Flosculus. Er studierte Philosophie und Physik im Franziskanerkloster Bethanien in Düren sowie Theologie in Aachen. 1802 empfing er in Köln-Deutz die Priesterweihe durch den Kölner Weihbischof Clemens August von Merle; 1804 schied er wegen der Säkularisation der Klöster aus dem Orden aus, verstand sich aber zeitlebens als dem Franziskanerorden eng verbunden.[1]

1821 wurde er durch die Julius-Maximilians-Universität Würzburg zum Doktor der Theologie promoviert. 1848 wurde er Mitglied der Prager Universität. 1852 erhielt er die Ehrendoktorwürde des Kirchenrechts der Katholischen Universität Löwen.

1824 wurde Anton Joseph Binterim durch Papst Leo XII. mit dem Orden vom Goldenen Sporn, dem zweithöchsten Orden für Verdienste um die römisch-katholische Kirche, geehrt. 1826 wurde er Mitglied der Katholischen Akademie in Rom.

1848 wurde er in die Preußische Nationalversammlung gewählt.

Ein zwischen Burghofstraße und Suitbertusstraße gelegener Straßenzug in Bilk ist nach ihm benannt.[2] Wesentliche Teile des Nachlasses von A. J. Binterim befinden sich im Hermann-Smeets-Archiv der Bilker Heimatfreunde in Düsseldorf.[3]

Wirken[Bearbeiten]

Kirche Alt St. Martin

Anton Joseph Binterim wirkte von 1805 bis zu seinem Tode 1855 als Pfarrer von St. Martin in Bilk, Düsseldorf. Er wurde mit seinem kirchenhistorischen Forschungsarbeiten über das Erzbistum Köln und den Franziskanerorden bekannt[4] und gilt als „Gründungsvater“ des 1854 ins Leben gerufenen Historischen Vereins für den Niederrhein.[5]

Binterim war entschiedener Gegner der Lehre der Hermesianer. Für seine polemischen Äußerungen zu kirchlichen Zeitfragen, wie der interkonfessionellen Ehe (Kölner Wirren), geriet er in Konflikt mit der preußischen Staatsgewalt und wurde 1839 wegen seines öffentlichen Eintretens gegen die Inhaftierung des Kölner Erzbischofes Clemens August zu einer Festungsstrafe verurteilt und in der Zitadelle Wesel inhaftiert.[1]

Schriften[Bearbeiten]

  • Sechste Rede bey dem eilfhundertjährigen Jubelfeste des heiligen Bischofes Suitbertus, Apostels hiesiger Gegend und der benachbarten Länder : vorgetr. d. 11. des Monats Julius 1817 in d. Pfarrkirche zu Kaiserswerth. Stahl, Düsseldorf ca. 1817 (Digitalisat)
  • Antonii Josephi Binterim Epistolae catholicae de probationibus theologicis. Schreiner, Dusseldorpii 1820 (Digitalisierte Ausgabe)
  • Die alte und neue Erzdiözese Köln. Mainz 1828–31, 4 Bde.; mit Joseph Hubert Mooren zusammen bearbeitet
  • Denkwürdigkeiten der christkatholischen Kirche. Mainz 1825–32, 7 Bde.
  • De libertate conjugis infidelis, factae fidelis, si infidelis alter recuset cohabitare pacifice nec sine contumelia creatoris : quaestio retractata. Hergt, Confluentibus 1834 (Digitalisat)
  • Kurze Beschreibung der jetzigen Pfarrkirche zu Bilk mit ihren Gemälden von dem Pfarrer daselbst Binterim. Düsseldorf, 1835 (Digitalisierte Ausgabe)
  • Pragmatische Geschichte der deutschen National-, Provinzial- und Diözesansynoden. Mainz 1835–48, 7 Bde.
  • Der katholische Bruder- und Schwesterbund zu einer rein katholischen Ehe : Gedr. als Ms. - 1838. Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
  • Des Herrn Erzbischofs von Cöln Clemens August, Freiherrn Droste zu Vischering Schrift Über den Frieden unter der Kirche und den Staaten : mit einer Rechtfertigung gegen den Verf. der Personen und Zustände aus den politischen Wirren in Preußen u. mit mehrern noch unbekannten Documenten / erläutert und gegen die Angriffe der Gegner vertheidigt von Anton Joseph Binterim. - Mainz : Halenza, 1844. Digitalisierte Ausgabe
  • Beleuchtung des von der Kreissynode Duisburg herausgegebenen Katechismus der Unterscheidungslehren der evangelisch-protestantischen und der römisch-katholischen Kirche. - Düsseldorf : Roschütz, 1844. Digitalisierte Ausgabe
  • An matrimonio mixto, cujus ante conjugationem cautiones pollicitae sunt ecclesiasticae, parochus catholicus benedicere possit etiam tunc, quando nupturientes modo coram ministro protestantico matrimonialter contraxerunt?. Selbstverl., Düsseldorf 1846 (Digitalisat)
  • Dissertatio altera sive discussio iterata quaestionis : an matrimonio mixto, cujus ante conjunctionem cautiones sunt pollicitae ecclesiasticae, parochus catholicus (salva conscientia) benedicere possit etiam tunc, quando nupturientes modo coram ministro protestantico matrimonialiter contraxerunt?. Schaub, Düsseldorf 1847. (Digitalisat)
  • Die Wünsche und Vorschläge der katholischen Geistlichkeit Düsseldorfs an den Hochwürdigsten Herrn Erzbischof von Köln. - Düsseldorf : Engels, 1848. Digitalisierte Ausgabe

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b * Johann Friedrich von Schulte: Binterim, Anton Joseph. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 2, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 652.
  2. duesseldorf.de - Stadtplanansicht Binterimstraße
  3. Hermann Smeets Archiv Düsseldorf Bilk
  4. Meyers Konversationslexikon: „Binterim, Anton Joseph“, eingesehen am 1. November 2009
  5. Finger, Heinz: Anton Josef Binterim – der „geistige Vater“ des Hist. Vereins für den Niederrhein. In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein insbesondere das alte Erzbistum Köln. Festschrift zum 150-jährigen Bestehen. Heft 207, Köln 2004, S.33f