Kloster Marienthal (Westerwald)

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Das Kloster Marienthal war ein Franziskanerkloster im Westerwald im heutigen Landkreis Altenkirchen in Rheinland-Pfalz. Heute ist Marienthal ein Ortsteil von Seelbach bei Hamm (Sieg). Am 30. Juni 2011 zählte er 55 Einwohner.[1]

Kloster Marienthal (Westerwald), Luftaufnahme (2017)
Das ehemalige Franziskanerkloster beherbergt heute die Klostergastronomie Marienthal

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wallfahrtsort Marienthal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte des Klosters geht zurück bis in die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts. Nach der Gründungslegende soll ein Hirte ein Bildnis der Muttergottes geschnitzt und an der Stelle aufgestellt haben, an der um 1460 die erste Kapelle errichtet wurde. Die älteste Erwähnung der Wallfahrtsstätte ist aus dem Jahr 1428.[2] Um 1460 ist auch das heute verehrte Gnadenbild entstanden.[3] Die Betreuung der Kapelle und der Pilger erfolgte in der Zeit von Mönchen des Zisterzienserklosters Marienstatt (heute Streithausen im Westerwaldkreis).[4]

Den Namen „Marienthal“ („Mergendaell“) erhielt die Kapelle 1489, als der Kölner Weihbischof Johann Spender einen neuen Altar in der Pilgerkapelle einweihte. Weil die Kapelle zu klein wurde, wurde in der Zeit von 1494 bis 1503 eine dreischiffige gotische Kirche errichtet und unter das Patrozinium der Schmerzhaften Mutter gestellt. 1502 wurde der Glockenturm mit einem hohen Spitzdach hinzugefügt, 1511 erhielt die Kirche eine 1.800 Pfund schwere Glocke, die 1828 an die Florinskirche in Koblenz verkauft wurde.[4][5]

Marienthal lag in der Grafschaft Sayn, die Grafen von Sayn führten von 1561 an die lutherische und 1605 die reformierte Konfession ein.[6] Wallfahrten zur Kirche fanden seitdem nicht mehr statt.

Klostergründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Klostergründung im Marienthal erfolgte 1666 durch Graf Salentin Ernst von Manderscheid.

Salentin Ernst (1630–1705) war katholisch und hatte 1651 Ernestine von Sayn-Wittgenstein (1626–1661) geheiratet, die Erbin des Hachenburger Teils der Grafschaft Sayn. Von 1652 an übernahm Salentin Ernst zusammen mit Ernestine die Regentschaft über die Grafschaft Sayn-Hachenburg.[2] Ernestine starb 1661, Salentin Ernst heiratete 1662 die protestantische Christina Elisabeth von Erbach (1641–1692). Wegen der gemischten Ehe bekam er eine Dispens. Aus Dankbarkeit stiftete Salentin Ernst 1666 das Kloster Marienthal. Bereits vorher, an Palmsonntag im Jahre 1664, wurde in der Wallfahrtskirche der erste katholischer Gottesdienst gefeiert, betreut wurde die Kirche von Franziskanern der Thüringischen Ordensprovinz, zunächst aus dem Kloster Hachenburg.[5]

Der Bau des Klosters verzögerte sich, was auch durch die besonderen Lage der Kirche und des Klosters begründet war. Marienthal lag im 17. Jahrhundert direkt an der Grenze zwischen den beiden Grafschaften Sayn-Hachenburg und Sayn-Altenkirchen, gehörte aber noch zum Kirchspiel Hamm in der Grafschaft Sayn-Hachenburg. In beiden Grafschaften bestanden lutherische und reformierte Pfarreien nebeneinander, in Sayn-Hachenburg wurde inzwischen der katholische Glaube wieder zugelassen, in Sayn-Altenkirchen dagegen nicht.[5] Der Grundstein wurde Anfang Februar 1668, noch vor der kurfürstlichen Genehmigung, gelegt.

Aus dem Jahr 1688 wurde eine Altarweihe durch den Trierer Weihbischof Johannes Petrus Verhorst berichtet. Da Graf Salentin Ernst diese nicht genehmigt hatte, befahl er den Franziskanern, Marienthal binnen 14 Tagen zu verlassen, was die Minderbrüder jedoch durch inständiges Bitten abwenden konnten. Im Jahre 1701 bestätigte der Kölner Erzbischof die Klostergründung. Schon 1703 begann man den ersten Klosterbau durch einen neuen, dreigeschossiger Fachwerkneubau auf der Anhöhe über dem Ort zu ersetzen, 1704 wurde das Kloster von den Franziskanern bezogen. Wegen Baufälligkeit wurden 1756 der Fachwerkbau durch einen Bruchsteinbau ersetzt. Der Bau wurde vom Franziskanerbruder Cornelius Schmitt aus Wessobrunn, die Stuckarbeiten wurden von Wessobrunner Stuckateuren ausgeführt.[4][5][7]

19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund des Reichsdeputationshauptschlusses wurde das Kloster 1803 säkularisiert. Unter der nassauischen Regierung wurde das Kloster 1813 geräumt, 1815 kam es in preußischen Besitz. Die Klostergebäude wurden 1836 für 1.315 Taler versteigert, die Klosterkirche schenkte der preußische König Friedrich Wilhelm III. 1838 den Katholiken von Marienthal. Baron Everhard von Geyr-Schweppenburg ließ Kirche und Kloster renovieren und übereignete das Kloster 1853 dem Erzbischöflichen Stuhl zu Köln. Die Kirche wurde 1839 teilweise abgerissen und als Barockkirche, kleiner und ohne Turm, wieder aufgebaut.[4][5]

Von 1853 bis 1864 waren Lazaristen, von 1864 bis 1872 Spiritaner in Marienthal tätig. In einem Reiseführer aus dem Jahre 1865 wird „ehemaligen Franciskaner-Kloster Marienthal“ wie folgt beschrieben:[8]

„Von der alten Kirche steht nur der Chorbau in Spitzbogenstil, der, wie das Klostergebäude, jetzt wiederhergestellt ist, Kirche und Kloster gehören dem Erzstifte Köln[9], welches, unterstützt von der Regierung, die Domäne angekauft hat und als Strafort für Geistliche, Demeriten-Asyl (Demeritenhaus), unter Leitung von Lazaristen benutzt. Seitdem der Chorbau der halbzerstörten Kirche dem Gottesdienste wiedergegeben ist, sie wie vordem ein vielbesuchter Wallfahrtsort.“

Franziskaner der Sächsischen Franziskanerprovinz (ab 1929: Kölnische Provinz) übernahmen das Kloster im Jahre 1892 wieder, sie blieben bis 1974.

20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gnadenbild aus dem 15. Jahrhundert wurde 1911 restauriert und geweiht. Seit 1969 steht es in einer Seitenkapelle.

Die Kirche wurde 1969 umgebaut und renoviert. Dabei wurden alte Fresken und ein altes Gewölbe entdeckt. 1978 wurde ein Anbau am Klostergebäude errichtet.

Die ersten Franziskaner verließen 1971 das Kloster, eine Betreuung der Pilger durch die Franziskaner wurde noch bis 1974 weitergeführt. Von 1979 bis 2007 war ein Pater vom „Orden des Heiligen Michael“ aus Polen in der seelsorgerischen Betreuung tätig. Seit 2008 haben Priester des Erzbistums Köln die Wallfahrtsseelsorge übernommen.[5]

Mirakelbücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Jahren 1487 bis 1492 beschrieb ein Mönch aus Marienstatt das Marienthaler Wunderbüchlein, auch Marienthaler Mirakelbuch genannt, in dem 81 Wunderheilungen aufgeführt sind.[2][4]

Auch aus dem nur zwei Kilometer entfernten Hilgenroth, das vom 15. bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts ebenfalls ein beliebter Marien-Wallfahrtsort war, ist ein Mirakelbuch überliefert. Das Hilgenrother Mirakelbuch wurde in der Zeit 1427 bis 1430 geschrieben, in ihm sind mehr als hundert Wunderheilungen beschrieben.

Marienthal heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges Kloster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als die Franziskaner Marienthal 1974 verließen, richtete die Erzdiözese Köln in den Räumlichkeiten des Klosters zunächst eine Nebenstelle ihrer Landvolkshochschule in Rhöndorf ein. Seit 1982 wurde das Haus vom Erzbistum als Bildungsstätte „Haus Marienthal“ betrieben, das für Tagungen und Kurse zur Verfügung stand. In den Jahren 1997 bis 2013 war hier auch der Sitz der Geschäftsstelle des „Bildungswerks der Erzdiözese Köln in der Region Rheinland-Pfalz“, welcher zu Beginn des Jahres 2014 nach Bonn verlegt worden ist. Wegen Mängeln im Brandschutz, deren Behebung für einen weiteren Betrieb in dieser Form als unwirtschaftlich angesehen wurde, stellte das Erzbistum Köln Ende 2014 den Tagungsbetrieb ein. Im Jahr 2015 konnte man einen Pächter für das Haus gewinnen, der seit Mai 2016 dort die Klostergastronomie Marienthal betreibt. Seit 2017 ist die ehemalige Hauskapelle des Klosters eine Außenstelle des Standesamts der Verbandsgemeinde Hamm/Sieg.

Kloster- und Wallfahrtskirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die heutige Wallfahrtskirche wurde 1839 gebaut, von der ursprünglichen um 1500 errichteten Kirche ist nur der Ostteil im Original erhalten. Die beiden Westjoche wurden um 1970 barockisierend rekonstruiert. Der hohe einschiffige Kirchenraum ist mit Stichkappengewölbe und Rocailleschmuck versehen.[3] Die beiden Glocken der Kirche sind von 1880 und 1950.

Innenausstattung

Der barocke Hochaltar wurde erst 1968 hier aufgestellt, er stammt aus Windorf an der Donau. Das Hochaltarbild „Maria Immaculata“ wurde 1841 von Clementine von Geyr-Schweppenburg gemalt. An der Rückseite des Kirchenraums steht eine Barockorgel.

Das Gnadenbild

Das 105 cm große Gnadenbild der „schmerzhaften Mutter“ stammt aus dem 15. Jahrhundert. Sie wird einem Künstler der „Kölner Schule“ zugerechnet. Das Gnadenbild steht in einer Nebenkapelle auf der rechten Seite der Wallfahrtskirche.

Wallfahrtsort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marienthal ist weiterhin ein Wallfahrtsort. Die Hauptzeiten der Wallfahrt sind von Mai bis zur ersten Oktoberhälfte. Das Hochfest mit Lichterprozession findet am ersten Samstag nach dem 15. September, dem Tag des Gedächtnisses der Schmerzen Mariens, statt.

Umgebung/Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Klosterbereich stehen zwei Fachwerkhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert, welche wie die Kirche als Kulturdenkmäler ausgewiesen sind.[10]

Links des Marienthaler Bachs liegt auf einer Anhöhe der Marienthaler Kreuzweg; er wurde in den Jahren von 1853 bis 1869 errichtet.

Der Haltepunkt ist einer von drei Stationen in Deutschland mit Klosterbezug im Namen, neben Stift Keppel-Allenbach im Siegerland und Kloster Oesede bei Osnabrück.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andachtsbüchlein für Pilger zum Gnadenort Marienthal nebst einer gedrängten Geschichte der Kirche des Klosters u. des Gnadenbildes : Maria, du schmerzhafte Mutter, ... bitt für uns! ; mit e. Stahlstich. - Linz a. Rh. : Krumscheid, nicht vor 1853. Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
  • Jakob Wirtz: Fünfhundert Jahre Marienthal bei Hamm an der Sieg. 2. Auflage, Werl 1928.
  • Gabriel Busch (Hrsg.): Hilgenroth/Marienthal. Zwei Wallfahrtsorte, Siegburg 1982.
  • Daniel Schneider: Die Entwicklung der Konfessionen in der Grafschaft Sayn im Grundriss, in: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen 58 (2015), S. 74–80.
  • Daniel Schneider: Die Geschichte der Ortsgemeinde Obererbach (Westerwald). Die Ortschaften Hacksen, Niedererbach, Obererbach und Koberstein vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Obererbach 2009, ISBN 978-3-00-027494-7 (2 Bände, mit zahlreichen Bezügen zu Marienthal).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kloster Marienthal (Westerwald) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile
  2. a b c Hellmuth Gensicke: Landesgeschichte des Westerwaldes. 3. Auflage. Historische Kommission für Nassau, Wiesbaden 1999, Seiten 125, 343, 345, 440 , ISBN 3-922244-80-7
  3. a b Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler - Rheinland-Pfalz, Saarland. Deutscher Kunstverlag, München 1984, Seite 951, ISBN 3-422-00382-7
  4. a b c d e Chronik Marienthal (PDF; 91 kB)
  5. a b c d e f Homepage Kloster- und Wallfahrtskirche „Zur Schmerzhaften Mutter“ Marienthal, Westerwald – Geschichtlicher Abriss
  6. Zur konfessionellen Entwicklung vgl. Daniel Schneider: Die Entwicklung der Konfessionen in der Grafschaft Sayn im Grundriss, S. 74–80.
  7. Christian Plath: Zwischen Gegenreformation und Barockfrömmigkeit. Mainz 2010, S. 119ff.
  8. Ernst Weyden: Das Siegthal: ein Führer von der Mündung bis zur Quelle des Flusses und durch seine Seitenthäler , 1865, Seite 241
  9. Hinweis auf einen Fehler des Reisebuchautoren aus 1885: Das Erzstift Köln wurde 1803 aufgelöst
  10. Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Kreis Altenkirchen, Seite 20 (PDF; 1,4 MB)

Koordinaten: 50° 44′ 11″ N, 7° 40′ 17″ O