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Königsstadt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Berlin 1789, mit Königsstadt (graues Gebiet)
Die erweiterte Königsstadt 1831–1920

Königsstadt (davor Georgenvorstadt, Königsvorstadt, Königsviertel) war ein Stadtteil von Berlin bis 1920. Er lag in den späteren Ortsteilen Mitte, Prenzlauer Berg und Friedrichshain.

Historische Stadtteile von Berlin (Stand 1920) innerhalb des heutigen Ortsteils Mitte.[1] Die Grenzen variierten im Lauf der Zeit.
I0000Alt-Berlin
II 000Alt-Kölln (Spreeinsel)
III000Friedrichswerder
IV000Dorotheenstadt
V 000Friedrichstadt
XI000Luisenstadt
XII 00Neu-Kölln
XIII00Stralauer Vorstadt
XIV 0 Königsstadt
XV 00Spandauer Vorstadt
XVI 0 Rosenthaler Vorstadt
XVII 0Oranienburger Vorstadt
XVIII0Friedrich-Wilhelm-Stadt
Die Stadtteile VI–X und XIX–XXI sowie große Teile der Stadtteile V, XI, XIII, XIV, XVI und XVII liegen außerhalb des heutigen Ortsteils Mitte.

Die Königsstadt verlief trichterförmig vom Alexanderplatz zwischen den Fernhandelsstraßen Prenzlauer Straße und Prenzlauer Allee nach Norden, der Landsberger Straße nach Nordosten und dazwischen die Neue Königstraße (Bernhard-Weiß-Straße, Otto-Braun-Straße, Greifswalder Straße) nach Nordnordosten. Die ältere (innere) Königsstadt reichte etwa bis zur Friedenstraße.

Die Grenze zur Stralauer Vorstadt verlief um 1800 entlang der Contrescarpe (Alexanderstraße), Sandgasse (Jacobystraße), Kurzen Straße, Baumgasse (später: Elisabethstraße) bis zur Palisadenbewehrung (Palisadenstraße). Die Grenze im Westen zur Spandauer Vorstadt zog sich entlang der Prenzlauer Straße bis zum Prenzlauer Tor der Berliner Zollmauer (in Höhe der Tor- und Mollstraße). Im Nordosten reichte die Königsstadt anfänglich bis zum Bernauer Tor (später: Neues Königstor) der Zollmauer. (Die Berliner Zollmauer führte meist so um das Weichbild, dass die Friedhöfe entsprechend dem Preußischen Landrecht außerhalb blieben (ALR II 11 § 184), hier lag sie am Süd- und Ostrand des Begräbnisplatzes der Marienkloster- und Nikolaigemeinde.)

Die Königsstadt grenzte im Westen an die Spandauer und Rosenthaler Vorstadt im Verlauf der ehemaligen Prenzlauer Straße und der Prenzlauer Allee. Die nördliche Grenze bildete die Ringbahn. Im Osten grenzte die Königsstadt an die Stralauer Vorstadt etwa im Verlauf Landsberger Allee, der ehemaligen Landsberger Straße, der Kurzen Straße und entlang der südlichen Gebäudekante des Polizeipräsidiums. Im Süden bildet die Stadtbahn die kurze Grenze zwischen Alt-Berlin und der Königsstadt.

Im Jahr 1831 wurden große vorgelagerte Flächen jenseits der Zollmauer nach Berlin eingemeindet. Die Königsstadt erstreckte sich seitdem zur neuen Berliner Stadtgrenze zu Weißensee und Wilhelmsberg bei Hohenschönhausen. (Auf dieser Gebietserweiterung entstanden unter anderem die erste kommunale Parkanlage Berlins, der Volkspark Friedrichshain, das Bötzowviertel und das Winsviertel.)

Alte Georgenkirche der Georgenvorstadt

Seit dem 13. Jahrhundert bestand vor dem Oderberger Tor (später Georgentor) das Georgenhospital für Reisende und Kranke an der Fernstraße nach Norden. In der umliegenden Gegend gab es Felder, Wiesen und Wälder, die meist Berliner Bürgern gehörten.[2] Im 15. Jahrhundert waren einzelne ärmere Hütten in diesem Gebiet bekannt, spätestens 1571 gab es bereits eine Gastwirtschaft vor dem Georgentor an der Bernauer Straße. In den Jahren 1639 und 1641 wurde das Gebiet vor der Stadtmauer für eine bessere Verteidigung im Dreißigjährigen Krieg freigeräumt.

Ab etwa 1660 gab es Schützenplätze für Bürger-Schützenvereine und das Militär westlich der Bernauer Straße. Ab etwa 1690 wurde eine intensivere Bebauung in verschiedenen Gebieten. (nördlich des Georgenkirchplatzes und um die Elisabethstraße) auf Anordnung von Kurfürst Friedrich Wilhelm gefördert.[3] Ab etwa 1702 hieß sie Königsvorstadt, nach der Umbenennung des Georgentores in Königstor nach der Rückkehr des neu gekrönten Königs Friedrichs I. aus Königsberg. 1716 wurde eine hölzerne Bestesigung im Nordosten (etwa entlang der jetzigen Mollstraße) gezogen. Um 1720 gab es schon zahlreiche bewohnte Häuser Häuser besonders in der Nähe des Königstores.[4]


1831 wurde die Königsvorstadt in ihrem Umfang auf etwa das zehnfache vergrößert, bis vor Weißensee und weit bis zur Landsberger Allee. In den folgenden Jahren wurde dieses Gebiet intensiv bebaut. 1873 wurde der Name Königsstadt dafür zum amtlichen Verwaltungsbegriff.

1920 wurde bei der Bildung von Groß-Berlin die Verwaltungsstruktur grundlegend geändert, der älteste südliche Teil der Königsstadt kam zu Mitte, ein kleiner nordöstlicher Teil zu Friedrichshain und der nördliche Teil zu Prenzlauer Berg.[5]

Alexanderplatz 1951, Blick nach Nordosten, mit Neue Königstraße (links) und Landsberger Straße (rechts), es sind noch einige Gebäude erhalten

Von 1943 bis 1945 wurde die Königsstadt wegen ihrer Nähe zur Stadtmitte durch Bombenangriffe und Straßenkämpfe schwer beschädigt. Die Trümmer wurden danach weggeräumt, es blieben aber noch einige Gebäude wie das Minolhaus stehen. Die Ruine der Georgenkirche wurde 1949 gesprengt. Für die umfassende Neugestaltung des Gebietes um den Alexanderplatz bis zur Mollstraße und Otto-Braun-Straße wurden danach fast alle bestehenden Gebäude beseitigt. Wegen des teils neuen Zuschnitts der Straßen und der starken Bebauung mit moderner Architektur ist die einstige städtebauliche Einheit des historischen Kerns der Königsstadt nicht mehr zu erkennen.

Die Einwohnerzahl des Stadtteils Königsviertel (so der amtliche Name der Königsstadt seit 1873) stieg von 41.713 im Jahr 1867 bis auf 197.518 im Jahr 1910.[6]

Historische Gebäude und Anlagen

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Innere Königstadt

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Blick vom Alexanderplatz nach Nordosten, mit Turmspitze der St. Bartholomäuskirche, Neue Königstraße (zwischen den Häusern), St. Georgenkirche und Landsberger Straße
Bestehende Gebäude

Innerhalb der inneren Königsstadt (zwischen Alexanderplatz, Prenzlauer Allee, Mollstraße und Friedenstraße) sind nur sehr wenige Gebäude von vor 1945 erhalten geblieben (fast vollständige Liste).

Ehemalige Gebäude

In der inneren Königstadt gab es zahlreiche weitere wichtige Gebäude und Einrichtungen

Äußere Königsstadt

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Erhaltene Gebäude

In der erweiterten Königsstadt (seit 1831, bis vor Weißensee, und zur Landsberger Allee) sind viele historische Gebäude von vor 1945 erhalten geblieben

  • Kirchhof an der St. Georgenkirche, 13. Jahrhundert bis etwa 1830, nicht erhalten
  • Gräberfeld zwischen Mollstraße/Gollnowstraße und Lietzmannstraße, 16. Jahrhundert
  • Domfriedhof, Elisabethstraße, 18./19. Jahrhundert, nicht erhalten
  • Alter Schützen-Kirchhof, Keibelstraße, 18. Jahrhundert, nicht erhalten[7]
  • Friedhof der Märzgefallenen, Volkspark Friedrichshain, 1848
  • Friedhof St. Georgen und Parochialgemeinde, Greifswalder Straße
  • Friedhof St. Georgen, Friedenstraße

Bezeichnung für Einrichtungen

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Einige Einrichtungen trugen den Namensbestandteil Königstädtisch oder Königstadt

  • Königstädtisches Theater
  • Königstädtisches Gymnasium, 1876–1945
  • Königstädtisches Lyzeum in der Greifswalder Straße 25, Neubau von Ludwig Hoffmann[8], jetzt Kurt-Schwitters-Schule, einer integrierten Sekundarschule mit gymnasialer Oberstufe, und weitere Nutzer
  • Königstädtische Realschule, Keibelstraße
  • Brauerei Königstadt, Saarbrücker Straße (westlich hinter der Königstadt der Königsstadt)[9]

Die Bezeichnung Königstadt tragen folgende gegenwärtige Bauwerke und Einrichtungen im Namen:

  • Gewerbehof der ehemaligen Königsstadtbrauerei in der Saarbrücker Straße,
  • Bürogebäude der Königstadt-Terrassen an der Schönhauser Allee
  • das Königstadt-Carrée, 2011, Mollstraße/Otto-Braun-Straße
  • das Jugendhaus Königstadt in der Saarbrücker Straße.
Commons: Königsstadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Historische Stadttheile und Stadtbezirke. In: Berliner Adreßbuch, 1920, Teil 2, S. 73. Kartengrundlage: Bezirksamt Mitte von Berlin.
  2. Gernot Jochheim, Der Berliner Alexanderplatz, Ch. Links, Berlin 2007, S. 14—28; mit einigen Informationen zur Entwicklung der Königsstadt; siehe auch Schriften von Maritta Tkalec
  3. Friedrich Nicolai, Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam, Berlin 1786, S. 28 (auch 1779, S. 23); mit kurzen Informationen zur Entwicklung der Königsstadt
  4. Dusableau-Plan von 1723 (unten links, gesüdete Karte), auch auf späteren Karten von Berlin
  5. Pharus Plan Berlin 1921 (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2019. Suche im Internet Archive )  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  6. Friedrich Leyden: Groß-Berlin. Geographie der Weltstadt. Hirt, Breslau 1933 (Entwicklung der Bevölkerungszahl in den historischen Stadtteilen von Alt-Berlin, S. 206)
  7. Ferdinand Meyer, Ein verschollener Kirchhof in Berlin, in Der Bär. Illustrirte Berliner Wochenschrift, 1885, S. 623–626
  8. Baudenkmale Greifswalder Straße 25, Königstädtisches Lyzeum mit Lehrerwohnhaus, Turnhallengebäude und Hofmauer,von Ludwig Hoffmann
  9. Martin Albrecht, Stefan Klinkenberg: Die Brauerei Königstadt. Industriegeschichte in Berlin-Prenzlauer Berg. Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-605-5.; Das großflächige Gelände der alten Brauerei Baudenkmalskomplex der Brauerei Königstadt, Saarbrücker Straße 20/21, 23/24; 1885–1906 von A. Rohmer, Alterthum & Zadek Schönhauser Allee 12/Straßburger Straße

Koordinaten: 52° 31′ N, 13° 25′ O