Königsstadt

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Königsstadt (auch Königsviertel, Königsvorstadt, Georgenvorstadt) war seit 1873 die offizielle Bezeichnung eines historischen Stadtteils Berlins. Seine Lage erstreckte sich über die später eingeführten Ortsteile Mitte, Prenzlauer Berg und Friedrichshain.

Lage und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Königsstadt im Nordosten des historischen Berlins (Karte von 1789)
Die Königsstadt 1831–1920
Bebauter Teil der Königsstadt, 1875
Die alte Georgenkirche der Georgenvorstadt/Königsstadt

Die Königsstadt entstand vor dem alten Königstor (bis 1701: Georgentor; noch früher: Oderberger Tor) der mittelalterlichen Berliner Stadtmauer sowie der memhardt'schen Festungsanlage aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Sie war ursprünglich als Georgenvorstadt bekannt und hatte sich um das dort gelegene, 1272 erstmals urkundlich erwähnte Georgenhospital gebildet. Diese kleinste der drei nördlichen Vorstädte des mittelalterlichen Berlins lag südöstlich der Spandauer Vorstadt und nordwestlich der Stralauer Vorstadt.

Die Bezeichnungen Königsstadt und Königstor wurden gebräuchlich, nachdem der erste preußische König Friedrich I. nach seiner Krönung in Königsberg 1701 durch Vorstadt und dieses Tor in seine Residenz eingezogen war.[1]

Die Grenze zur Stralauer Vorstadt verlief um 1800 entlang der Contrescarpe (Alexanderstraße), Sandgasse (Jacobystraße), Kurzen Straße (sie existiert nicht mehr), Baumgasse (später: Elisabethstraße, existiert nicht mehr) bis zum früheren Standort der Palisadenbewehrung (nunmehr: Palisadenstraße). Die Grenze im Westen zur Spandauer Vorstadt zog sich entlang der Prenzlauer Straße (seit 1969: Karl-Liebknecht-Straße) bis zum Prenzlauer Tor der Berliner Zollmauer (in Höhe der Tor- und Mollstraße). Im Nordosten reichte die Königsstadt anfänglich bis zum Bernauer Tor (später: Neues Königstor, seit 1910: Platz am Königstor) der Zollmauer. Die Berliner Zollmauer führte meist so um das Weichbild, dass die Friedhöfe entsprechend dem Preußischen Landrecht außerhalb blieben (ALR II 11 § 184), hier lag sie am Süd- und Ostrand des Begräbnisplatzes der Marienkloster- und Nikolaigemeinde.

Das fächerförmige Straßenmuster der Königsstadt wurde bestimmt von den Fernhandelsstraßen, die nach Prenzlau (Prenzlauer Straße, später: Karl-Liebknecht-Straße und Prenzlauer Allee) sowie Altlandsberg (Landsberger Straße, jene nicht mehr existente westliche Verlängerung der Landsberger Allee) führten. Zwischen beiden lag die Straße nach Bernau (Bernauer Straße, später: Neue Königsstraße, seit 1995: Otto-Braun-Straße fortgesetzt in der Greifswalder Straße). Alle drei Ausfallstraßen begannen auf dem Platz vor dem Königstor, seit 1805: Alexanderplatz.

Im Jahr 1831 wurden große vorgelagerte Flächen jenseits der Zollmauer nach Berlin eingemeindet. Die Königsstadt erstreckte sich seitdem zur neuen Berliner Stadtgrenze zu Weißensee und Wilhelmsberg bei Hohenschönhausen. Auf dieser Gebietserweiterung entstanden unter anderem der Volkspark Friedrichshain, das Bötzowviertel und das Winsviertel. Die Einwohnerzahl des Stadtteils Königsviertel (so der amtliche Name der Königsstadt seit 1873) stieg von 41.713 im Jahr 1867 bis auf 197.518 im Jahr 1910.[2]

Bei der Bildung von Groß-Berlin im Jahr 1920 kam der größte Teil der Königsstadt zum Bezirk Prenzlauer Berg. Das Gebiet zwischen dem Alexanderplatz und der Mollstraße (damals an der Linienstraße) kam zum Bezirk Mitte, während der Volkspark Friedrichshain und das Viertel um die Petersburger Straße dem Bezirk Friedrichshain zugeordnet wurden.[3]

Aufgrund der schweren Schäden im Zweiten Weltkrieg, des anschließend teils neuen Zuschnitts der Straßen und der starken Bebauung mit moderner Architektur, die nicht den traditionellen Berliner Blockstrukturen folgt, ist die einstige städtebauliche Einheit des historischen Kerns der Königsstadt nordöstlich des Alexanderplatzes nicht mehr zu erkennen. Die Bezeichnung Königsstadt und Königsviertel war viele Jahre aus dem allgemeinen Sprachgebrauch verschwunden, lediglich einige historische Bauten behielten es in ihrem Namen. Mit der Fertigstellung eines neuen Hochhaus-Komplexes an der Ecke Moll-/Otto-Braun-Straße Ende 2010 wurde der historische Name auf diese Ecke übertragen, die nun Königstadt-Carrée heißt.

Historische Orte und Gebäude der Königsstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den Namen Königsstadt – auch Königstadt – tragen folgende Bauwerke und Einrichtungen im Namen:

  • Gewerbehof der ehemaligen Königsstadtbrauerei in der Saarbrücker Straße,
  • das verklinkerte Bürogebäude der Königstadt-Terrassen an der Schönhauser Allee von den Architekten Thomas Müller und Ivan Reimann,
  • das Königstadt-Carrée, das an der Otto-Braun-Straße /Ecke Mollstraße errichtet wurde,
  • das Jugendhaus Königstadt in der Saarbrücker Straße.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Nicolai, Karlheinz Gerlach (Hrsg.): Beschreibung der königlichen Residenzstadt Berlin, darunter Die Königsvorstadt, sonst auch Königsstadt, S. 75 ff., Verlag Philipp Reclam jun., Leipzig 1987, ISBN 3-379-00195-3.
  • Jan Feustel: Spaziergänge in Friedrichshain. Haude und Spener, Berlin 1994, ISBN 3-7759-0357-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Königs(vor)stadt 1738 (BERLIN die praechtigst. u. maechtigste Hauptstatt. Reprint Matth. Seutter, Augsp.), 1760 (Abriß der Königlichen Residentz=Stadt BERLIN. Reprint Johann David Schleuen d. Ä.) und um 1789 (Königsstadt auf der Karte von 1789), 1738 und 1760 gesüdete Karten.
  2. Friedrich Leyden: Groß-Berlin. Geographie der Weltstadt. Hirt, Breslau 1933 (darin: Entwicklung der Bevölkerungszahl in den historischen Stadtteilen von Alt-Berlin, S. 206)
  3. siehe dazu Berlin-Mitte um 1921 auf Pharus Plan Berlin (Grosse Ausgabe mit Vororten). Pharus Verlag G.m.b.H., Berlin SW 68, Linden-Strasse 3
  4. Baudenkmale Greifswalder Straße 25, Königstädtisches Lyzeum mit Lehrerwohnhaus, Turnhallengebäude und Hofmauer, 1913–1914 von Ludwig Hoffmann
  5. Baudenkmalskomplex der Brauerei Königstadt, Saarbrücker Straße 20/21, 23/24; 1885–1906 von A. Rohmer, Alterthum & Zadek Schönhauser Allee 12/Straßburger Straße

Koordinaten: 52° 31′ N, 13° 25′ O