KFK 327

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KFK 327
KFK 327 / Vagel Grip Dezember 2010 im Hafen von Rostock
KFK 327 / Vagel Grip Dezember 2010 im Hafen von Rostock
Schiffsdaten
Flagge Deutsches ReichDeutsches Reich (Reichskriegsflagge) Deutsches Reich
Deutsche Demokratische RepublikDDR (Dienstflagge der Hilfsschiffe der Volksmarine) DDR
DeutschlandDeutschland Deutschland
andere Schiffsnamen
  • SAS 300 GADUS
  • Seid Bereit (ab 1969)
  • Vagel Grip (ab 1990)
Schiffstyp Kutter
Klasse Kriegsfischkutter
Bauwerft Ernst Burmester Schiffswerft KG, Swinemünde
Baunummer 190 [1]
Stapellauf 1943
Indienststellung 1943
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
24,30 m (Lüa)
Breite 6,50 m
Tiefgang max. 2,80 m vorn, 3,25 m achtern m
Verdrängung Konstruktion: 110 t, Leergewicht: 77,68 t
 
Besatzung bis 1990 4-5 Pers.

ab 1990 2-3 Pers., Fahrgäste 18 Pers.

Maschinenanlage
Maschine 1 Buckau Wolf Dieselmotor, umsteuerbar, Modell R6 DV 136, 360/min
Maschinen-
leistung
200 PS (147 kW)
Höchst-
geschwindigkeit
10,5 kn (19 km/h)
Propeller 1 Festpropeller auf starre Welle, Hydraulik-Wendegetriebe J 1510/2 von Reintjes

KFK 327 ist ein deutscher Kriegsfischkutter und gehört damit zur größten Schiffsbauserie der deutschen Seefahrt. Er wurde 1943 auf der Burmester Werft gebaut.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebaut wurde der Kutter 1943 auf der Ernst Burmester Schiffswerft KG in Swinemünde-Ostswine und diente während des Zweiten Weltkrieges. KFK 327 wurde unter der Kennung Vs 250 (Vorpostensicherungsboot) von der 2. Sicherungsflottille (Stettin) im Bereich „Pommern-Küste und Insel Rügen“ zum Einsatz gebracht. Am 8. März 1945 sank der Kutter vor Sassnitz nach einer Seeminenexplosion.[2][3]

Fischereidienst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Kriegsende wurde der Kutter gehoben und bis in die 1960er Jahre unter der Kennung SAS 300 GADUS als Fischerei- und als Fischereiforschungsschiff genutzt. Der KFK wurde in der Ostsee vorwiegend ab Rügen (Sassnitz) und Usedom eingesetzt. 1969 wurde das Schiff von den Fischern aus Karlshagen dem Haus der Pioniere in Rostock geschenkt.[4]

Betrieb als Jugendausbildungsschiff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter dem Namen Seid Bereit wurde das Schiff im Ostseeraum um Rostock von 1969 bis 1989 als Ausbildungsschiff für Jugendliche und angehende Matrosen im Rahmen der Jugendorganisation Pionierorganisation Ernst Thälmann in der DDR genutzt. Unter dem Namen Vagel Grip wurden ab 1989 die Ausbildungs- und Erlebnisfahrten für Jugendliche durch den Verein Förderverein Jugendschiff "LIKEDEELER" e.V. fortgesetzt, der das Schiff wegen Seeuntüchtigkeit an die Stadt Rostock zurückgab. Seit dem 1. Mai 2003 wurde das Schiff darauf durch die Stadt Rostock bewirtschaftet und mit einem Betreibervertrag dem Verein Vagel Grip zur Nutzung überlassen.[5] 2005 sollte der Kutter abgewrackt werden. Er wurde vom Verein Freunde des Traditionskutters Vagel Grip e. V. übernommen und auf einer Werft überholt. Als Eigentümer des Schiffes ist 2011 nach Pressemeldungen der Ostsee-Zeitung die Ostsee Touristik AG verzeichnet.

Unfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der KFK 327 ist im Verlauf seiner Geschichte mehrfach gesunken. Zuerst sank er am 8. März 1945 durch eine Mine, wurde nach Kriegsende gehoben und in der Wolgaster Horn-Werft instand gesetzt. Am 25. Juli 2010 sank der Kutter in Warnemünde am Alten Strom. Er wurde nach kurzer Zeit gehoben und in eine Werft nach Rostock gebracht. Es wurden Untersuchungen und Instandsetzungen durchgeführt. Das Schiff wurde in den Rostocker Stadthafen verlegt und sank am 15. Januar 2011 erneut. Die Behörden von Rostock erwogen Ende Februar 2011 wegen austretender Gefahrenstoffe eine Not-Bergung anzuordnen.[6][7] Im April 2011 wurde das Schiff schließlich geborgen[8] und am früheren Fähranleger in Rostock-Oldendorf an Land abgestellt. Dazu wurde in Ortbeiratratsitzungen am 24. und 29. Mai berichtet, dass zunächst für eine sichere Lagerung gesorgt wurde und „dass der Kutter bis Dezember 2012 entfernt werden soll.“[9][10] Der Sachstand zum Jahr 2013 ist unbekannt.

Abwrackung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mai 2014 ist das Ende des Schiffes besiegelt. Es wird direkt am Fähranleger in Rostock-Oldendorf zerlegt.[11]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erich Gröner, fortgeführt von Dieter Jung und Martin Maass: Die deutschen Kriegsschiffe 1815-1945; ; Band 8/2 Vorpostenboote, Hilfsminensucher, Küstenschutzverbände (Teil 2), Kleinkampfverbände, Beiboote, Bernard & Graefe Verlag, Bonn, 1993, ISBN 3-7637-4807-5
  • Herwig Danner, Kriegsfischkutter, Mittler & Sohn Verlag, 2001, ISBN 978-3-8132-0729-3

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kriegsfischkutter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Vagel Grip offizielle Website Freunde des Traditionskutters Vagel Grip e.V.

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Baufortschrittsbuch der Ernst Burmester Schiffswerft KG, Swinemünde-Ostswine
  2. Jürgen Rohwer, Gerhard Hümmelchen; Bibliothek für Zeitgeschichte (Hrsg.): Chronik des Seekrieges 1939–1945. Württembergische Landesbibliothek, Stuttgart 2007, 2. Sicherungsflottille
  3. Rostocker Journal, 15. Januar 2011, Artikel ›Vagel Grip‹ schon wieder gesunken (eingesehen am 22. Februar 2011)
  4. Vagel Grip Historie (offizielle Webseite des Schiffsseignervereins)
  5. Elke Thiers, Ostseezeitung, Re. Rö, Artikel: Ausgebremst (eingesehen am 22. Februar 2011)
  6. Ostseezeitung, Andreas Meyer, 19. Februar 2011, Artikel: „Vagel Grip“: Jetzt verliert der Kutter Diesel (eingesehen am 25. Februar 2011)
  7. Ostseezeitung, Thomas Niebuhr, 1. März 2011, Artikel: „Vagel Grip“: Weg freigesägt und Leck gestopft (eingesehen am 4. März 2011)
  8. Schwimmkran hebt gesunkenen Kutter. In: Ostsee-Zeitung, 21. April 2011.
  9. Auszug der Ortsbeiratssitzung vom 24. Mai 2012 (eingesehen am 12. Januar 2013)
  10. Auszug der Ortsbeiratssitzung vom 29. Mai 2012 (eingesehen am 12. Januar 2013)
  11. Ostseezeitung, 21. Mai 2014