Jürgen Rohwer

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Jürgen Rohwer (* 24. Mai 1924 in Friedrichroda; † 24. Juli 2015 in Weinstadt) war ein deutscher Bibliothekar und Militärhistoriker, der sich insbesondere mit dem Seekrieg im Zweiten Weltkrieg und danach beschäftigte. Er war dreißig Jahre lang Direktor der Bibliothek für Zeitgeschichte in Stuttgart, ab den 1970er Jahren war er zudem Honorarprofessor an der Universität Stuttgart. Rohwer war verheiratet und Vater von zwei Söhnen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rohwer wurde 1924 im Land Thüringen als Sohn eines praktizierenden Arztes und dessen Frau geboren. Er besuchte von 1934 bis 1942 die Gelehrtenschule des Johanneums in Hamburg und trat nach dem Abitur 1942[1] als Offizieranwärter (Crew VI/42) in die Kriegsmarine ein. Er diente auf dem Zerstörer Z 24, dem Sperrbrecher 104 und dem Minensuchboot M 502.[1] Mit Ende des Zweiten Weltkrieges wurde er im Internierungsraum Dithmarschen als Leutnant zur See entlassen.[1]

Obwohl zunächst an der Universität Hamburg eingeschrieben, verdiente er sich von 1945 bis 1947 seinen Lebensunterhalt als Bauarbeiter.[1] 1948 setzte er die Studien in Geschichte, Geographie und Staatsrecht fort. Er lebte in dieser Zeit bei den Eltern von Peter Tamm, mit dem er in der Folge eine enge Freundschaft pflegen sollte.[1] Unter der Federführung des Fregattenkapitäns a.D. Günter Hessler wirkte Rohwer im Auftrag der britischen Admiralität und des US-Navy Department (Marineministerium) an der Ausarbeitung Der U-Boot-Krieg im Atlantik 1939-1945 mit. Das Werk wurde 1949 abgeschlossen.[2] Jürgen Rohwer wurde 1954 bei Egmont Zechlin an der Philosophischen Fakultät mit der Dissertation Das deutsch-amerikanische Verhältnis 1937 bis 1941 zum Dr. phil. promoviert.

Er war von 1954 bis 1959 Geschäftsführer beim Arbeitskreis für Wehrforschung[1], dem er bis 1991 als Präses angehörte. Ab 1958 war er Hauptschriftleiter der Marine-Rundschau, was er bis 1986 blieb.[3] Ab 1959 war er Direktor der Bibliothek für Zeitgeschichte in Stuttgart, die sich unter seiner Leitung zu einer bedeutenden Einrichtung mit internationaler Anerkennung entwickelte. Auf Initiative und mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) wurde ab 1972 eine große Sammlung mit Materialien aus den Neuen Sozialen Bewegungen[4] aufgebaut. 1989 wurde er pensioniert, danach war er Kuratoriumsvorsitzender. Seit 1971 war Rohwer Honorarprofessor für Geschichte an der Universität Stuttgart.

Rohwer knüpfte bereits nach dem Krieg über Ubootkameradschaft und die Marinemesse Hamburg Kontakte mit dem Naval Historical Team (NHT) in Bremerhaven, später auch zum Äquivalent in Brunsbüttel.[1] Gleich nachdem in den 1970er-Jahren die Rolle der Enigma insbesondere im U-Boot-Krieg im Zweiten Weltkrieg bekannt geworden war, war Rohwer an der Erforschung beteiligt. Mit Eberhard Jäckel gab er auch einen Sammelband über die Planung des Holocaust an den Juden durch die Nationalsozialisten heraus. Er gab ferner die Memoiren von Karl Dönitz, Zehn Jahre und zwanzig Tage heraus, die er gemeinsam mit Hans Meckel, dem ehemaligen Kommandanten von U 19 und Assistenten von Otto Kranzbühler im Nürnberger Prozess, kommentierte und erläuterte. 1966 veröffentlichte Rohwer die Monographie über die Sowjetflotte im Zweiten Weltkrieg von Nikolai Alexejewitsch Piterskij.[5]

Von 1985 bis 1991 war er Vorsitzender des Komitees der Bundesrepublik Deutschland für die Geschichte des Zweiten Weltkrieges und von 1985 bis 1991 Vizepräsident der Internationalen Kommission für Militärgeschichte. 1993 war er Gründungsmitglied und bis 1999 Vorsitzender des Arbeitskreises Geschichte der Nachrichtendienste bzw. der International Intelligence History Association (IIHA).[1] Danach wurde er Ehrenpräsident.[1] Ab 1975 war er überdies Mitglied des US Naval Institute (USNI) in Annapolis, Maryland[6] und ab 1977 des International Institute for Strategic Studies (IISS) in London.

2004 wurde anlässlich seines 80. Geburtstages durch die Deutsche Gesellschaft für Schiffahrts- und Marinegeschichte (DGSM) in den Räumen der Württembergischen Landesbibliothek, Stuttgart, ein Festkolloquium ausgerichtet, und zeitgleich eine Festschrift[7] veröffentlicht.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Herausgeber: Seemacht heute, Beiträge führender amerikanischer und deutscher Fachleute. Mit einem Geleitwort von General Heusinger. Oldenburg, Stalling, 1957
  • mit Hans-Adolf Jacobsen (Herausgeber, im Auftrag des Arbeitskreises für Wehrforschung): Entscheidungsschlachten des Zweiten Weltkrieges, Frankfurt am Main, Verlag für Wehrwesen Bernard und Graefe, 1960 (englische Ausgabe Putnam 1965, mit Vorwort von Cyril Falls)
  • Herausgeber: U-Boote. Eine Chronik in Bildern. Oldenburg, Stalling, 1962
  • Versenkung der jüdischen Flüchtlingstransporter Struma und Mefkure im Schwarzen Meer (Februar 1942, August 1944) – historische Untersuchung, Bernard und Graefe Verlag für Wehrwesen, 1965
  • 66 Tage unter Wasser. Atom-U-Schiffe und Raketen. Oldenburg, Stalling 1964
  • mit Gerhard Hümmelchen: Chronik des Seekrieges 1939 –1945, (herausgegeben vom Arbeitskreis für Wehrforschung und der Bibliothek für Zeitgeschichte) Stalling: Oldenburg 1968, englische Ausgaben: London 1972/74, 1992, 2005
  • U-Boot-Erfolge der Achsenmächte 1939–1945 Hg. Bibliothek für Zeitgeschichte. J. F. Lehmann, München 1968 (engl. Ausgaben 1983 & 1999, russ. Ausgabe 2004)
  • Herausgeber der vollständig überarbeiteten und erweiterten deutschen Fassung von Elmer B. Potter, Chester W. Nimitz: Seemacht. Eine Seekriegsgeschichte von der Antike bis zur Gegenwart, Bernard & Graefe: München 1974
  • Superpower Confrontation on the Seas: Naval Strategy since 1945, Beverly Hills, Sage Publications 1975
  • Geleitzugschlachten im März 1943, 1975 (englische Ausgabe: The critical convoy battles of March 1943: the battle for HX.229/SC122, Annapolis, Naval Institute Press 1977, London, Allan 1977)
  • mit Claude Huan: La marine sovietique, Paris 1978
  • mit Eberhard Jäckel (Herausgeber): Funkaufklärung und ihre Rolle im 2. Weltkrieg, Stuttgart, Motorbuch-Verlag 1979 (Internationale Tagung in Bonn-Bad Godeberg und Stuttgart 15- 18. November 1978)
  • mit Eberhard Jäckel (Herausgeber): Kriegswende Dezember 1941, Bernard und Graefe 1984
  • mit Eberhard Jäckel (Herausgeber): Der Mord an den Juden im 2. Weltkrieg – Entschlussbildung und Verwirklichung, DVA, Stuttgart 1985, Fischer TB 1987
  • Unruhige Welt. Konflikt- und Kriegsursachen seit 1945, Bernard & Graefe, Koblenz 1989, ISBN 3-7637-5869-0.
  • Herausgeber: Rüstungswettlauf zur See 1930–1941 (im Auftrag der Internat. Kommission für Militärgeschichte und der Bibliothek für Zeitgeschichte), Bernard und Graefe, München 1991
  • mit Marlene Hiller, Eberhard Jäckel (Herausgeber): Städte im 2. Weltkrieg – ein internationaler Vergleich, Klartext: Essen 1991
  • Herausgeber: Feindbilder und Militärstrategien seit 1945 (Tagung des Arbeitskreises für Wehrforschung, Bonn/Bad Godesberg 1990), Edition Temmen: Bremen 1992
  • Der Krieg zur See 1939-1945, Urbes: Gräfelfing vor München, 1992 (englische Ausgabe: War at Sea, Naval Institute: Annapolis 1996)
  • Allied Submarine Attacks of World War II, Greenhill: London 1997 (Lizenzausgabe bei Bernard und Graefe: München 1997)
  • mit Mikhail S. Monakov: Stalin’s Ocean-Going Fleet: Soviet naval strategy and ship building programs 1935-1953, Cass: London 2001
  • Vor 53 Jahren. Die erste HiTaTa. Motive, Hintergründe und Erlebnisse In: Jens Graul, Dieter Hartwig (Hrsg.): Von den Historikern für die Flotte. Die 50. Historisch-Taktische Tagung der Flotte (= Kleine Schriftenreihe zur Militär- und Marinegeschichte. Bd. 21). Winkler, Bochum 2010, ISBN 978-3-89911-151-4.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k Jan Heitmann: Prof. Dr. Jürgen Rohwer zum 80. Geburtstag. In: Schiff & Zeit/Panorama maritim 59 (2004), S. 44 f.
  2. Dieter Hartwig: Großadmiral Karl Dönitz Legende und Wirklichkeit. Ferdinand Schöningh, Paderborn (u.a.) 2010, ISBN 978-3-506-77027-1, Seite 340
  3. Kurze Geschichte der Marine-Rundschau bis zum Rücktritt Rohwers als Schriftleiter
  4. vormals "Dokumentationsstelle für unkonventionelle Literatur"
  5. Oldenburg: G. Stalling, 581 S.
  6. www.usni.org
  7. Marinegeschichte - Seekrieg - Funkaufklärung. Festschrift für Jürgen Rohwer, siehe Literatur