Usedom

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Usedom (Begriffsklärung) aufgeführt.
Usedom / Uznam
Seebad Ahlbeck mit Strand, Düne und Promenade
Seebad Ahlbeck mit Strand, Düne und Promenade
Gewässer Pommersche Bucht
Geographische Lage 53° 56′ N, 14° 5′ O53.93972222222214.08666666666769Koordinaten: 53° 56′ N, 14° 5′ O
Usedom / Uznam (Mecklenburg-Vorpommern)
Usedom / Uznam
Länge 66,4 km
Breite 23,9 km
Fläche 445 km²
Höchste Erhebung Golm
69 m
Einwohner 76.500
172 Einw./km²
Hauptort Świnoujście (Swinemünde)
Übersichtskarte
Übersichtskarte
Logo der Insel Usedom (Öffentlichkeitsarbeit der Usedom Tourismus GmbH[1])

Usedom (polnisch Uznam, wendisch Uznjöm/Uznjom) ist eine Insel in der Pommerschen Bucht in der südlichen Ostsee. Sie ist durch den Peenestrom und das Stettiner Haff vom Festland getrennt, und durch die Świna (Swine) von der Nachbarinsel Wolin.

Der größte Teil der Insel gehört zum deutschen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern (Landesteil Vorpommern). Im polnischen östlichen Teil liegt die zur Woiwodschaft Westpommern gehörende Hafenstadt Świnoujście (Swinemünde), wo über die Hälfte der Inselbevölkerung lebt.

Mit durchschnittlich 1906 Sonnenstunden im Jahr ist Usedom die sonnenreichste Gegend Deutschlands und der Ostsee, weshalb sie durch das Tourismus-Marketing der Insel als Sonneninsel beworben wird.[2] Der bis zu 70 m breite feine Sandstrand der Usedomer Ostseeküste erstreckt sich mit 42 km Länge[2] von Peenemünde im Nordwesten bis nach Świnoujście im Osten der Insel.

Während der Gründerzeit im 19. Jahrhundert entstanden auf der Insel zahlreiche Seebäder - seitdem ist Usedom durch den Tourismus geprägt. Zeugnisse dieser Zeit sind zahlreiche Villen im Stil der Bäderarchitektur sowie die Seebrücke Ahlbeck. Touristische Zentren der Insel sind im Nordwesten Karlshagen, Trassenheide und Zinnowitz, im Mittelteil der Insel die Bernsteinbäder Koserow, Loddin, Ückeritz und Zempin und im Osten die Kaiserbäder Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck sowie Świnoujście. Die Europa-Promenade, die längste Strandpromenade Europas, erstreckt sich über eine Länge von über zwölf Kilometern von Bansin bis Świnoujście.[3]

Geografie, Geologie und Klima[Bearbeiten]

Größe und Lage[Bearbeiten]

  • Fläche: 445 km² (Deutscher Anteil 373 km² – Polnischer Anteil 72 km²)
  • Einwohnerzahl: 76.500 (Deutscher Anteil 31.500 - Polnischer Anteil 45.000); 160 Einwohner/Quadratkilometer

Usedom, die nach Rügen zweitgrößte deutsche Insel, liegt an der südwestlichen Ostsee. Die Insel bildet das östliche Endglied der vorpommerschen Boddenausgleichsküste. Sie wird im Westen vom Peenestrom, im Osten von der Świna (Swine), im Süden vom Stettiner Haff und im Nordosten von der Ostsee (Pommersche Bucht) begrenzt. Nordwestlich von Usedom liegen die Inseln Rügen, Ruden und Greifswalder Oie, östlich Wolin. Der deutsche Teil der Insel gehört zum Landkreis Vorpommern-Greifswald im Land Mecklenburg-Vorpommern. Der polnische Teil gehört zur Stadt Świnoujście in der Woiwodschaft Westpommern.

Die Seeseite der Insel ist durch eine relativ gerade verlaufende Ausgleichsküste mit sanft abfallender Schorre geprägt. Im Nordosten ist die Küste flach, ab Koserow dominiert Steilküste, mit dem Streckelsberg in Koserow als höchstem Punkt. Die dem Festland zugewandte Seite der Insel ist durch das Achterwasser, eine vom Peenestrom gespeiste große Lagune der Ostsee, stark gegliedert und weist einige Halbinseln und Buchten auf. Ins Achterwasser hineinragende Halbinseln sind der Lieper Winkel, der Gnitz und die Halbinsel Cosim. Buchten des Achterwassers sind die Krumminer Wiek, der Krienker See, der Balmer See und der Nepperminer See. Weiterhin befinden sich im Achterwasser einige kleine Inseln: Böhmke, Balmer Werder und, durch einen Damm mit dem Gnitz verbunden, Görmitz.

Durch das Zurückweichen der Seeküste ist das Achterwasser zwischen Ückeritz und Zinnowitz nur noch durch eine schmale Nehrung von der offenen Ostsee getrennt. Die schmalste Stelle liegt zwischen Koserow und Zempin. Sie ist nur etwa 300 m breit und wurde in den vergangenen Jahrhunderten mehrmals von Sturmhochwassern der Ostsee überspült, wie bei Ostseesturmhochwasser 1872. Durch Küstenschutzmaßnahmen wie Buhnen, das Anspülen von Sand oder Brandungsmauern wurde und wird versucht, den Uferrückgang und Landverlust aufzuhalten.

Großer Krebssee

Der nordwestliche Teil der Insel ist weitgehend flach, der südöstliche Teil von sanfter Hügellandschaft geprägt („Usedomer Schweiz“). Die höchsten Erhebungen Usedoms sind der Streckelsberg in Koserow sowie im Osten der Insel der Lange Berg, der Zirowberg, der Kückelsberg und der Golm. Diese Erhebungen bilden die alten Inselkerne. Zwischen diesen erstreckt sich flaches Schwemmland, bei dem es sich entstehungsgeschichtlich um von Meeresströmungen angelagertes Sediment handelt. In diesen Senken liegen, „oft versteckt und schwer zugänglich in dichtem Unterholz, kleine und größere Torfe, Moore, Sümpfe, schilfumstandene Seen, seerosenüberwachsene Tümpel.“[4] Die großen Seen im Osten der Insel sind der Schmollensee und der Gothensee. Zwischen diesen beiden sind der Große und der Kleine Krebssee gelegen. Südlich davon, inmitten des Thurbruchs, einem ausgedehnten Niedermoor, befindet sich der Kachliner See. Östlich des Gothensees liegt der Wolgastsee. Weitere kleinere Seen sind der Schloonsee in Bansin, der Wockninsee bei Ückeritz und der Kölpinsee im gleichnamigen Loddiner Ortsteil.

Steilufer im Westen der Halbinsel Gnitz

Geologie[Bearbeiten]

Die Insel ist Teil eines Endmoränenbogens, dessen Fortsetzung die Insel Wolin ist. Die Möräne entstand an der Stirn des zurückschmelzenden skandinavischen Eises der Weichseleiszeit vor etwa 15.000 Jahren. Die Schmelzwässer flossen nach Süden in einen Eisstausee, der das Stettiner Haff bildet und durch die ehemaligen Schmelzwassertäler wird das Haff entwässert. Mit dem Ansteigen des Ostseespiegels am Ende der letzten Eiszeit kam es durch Strandversatz zur Bildung einer Ausgleichsküste, die in Form der langen Sandstrände bestehen.

Die oberflächennahen Schichten der Insel sind ausschließlich erdgeschichtlich junge (quartäre) Ablagerungen. In 50 bis 100 Meter Tiefe steht die Oberkreide an.[5]

Findlingsgarten beim Forsthaus Neu Pudagla

Auf Usedom gibt es die für ehemalige Vergletscherungsgebiete typischen Findlinge. Durch ihre ortsfremden Gesteinsarten sind sie ein direkter Nachweis für die Vergletscherung, denn die teilweise mehrere Kubikmeter großen und einige Tonnen schweren Gesteine stammen ausnahmslos aus Skandinavien und vom Grunde der Ostsee und können nur durch Eis transportiert worden sein. Die Findlinge weisen häufig Erosionsformen durch den Eistransport in Form von Kratzern und Schliffflächen auf.

Im Usedomer Gesteinsgarten beim Forstamt Neu Pudagla, das eng mit dem Institut für Geographie und Geologie zusammenarbeitet, sind die wichtigsten Gesteinsarten der Findlinge ausgestellt. Als geologische Besonderheiten gelten beispielsweise ein Nexösandstein mit einem Volumen von etwa 2,3 m³ und parallelen Gletscherschrammen auf der Oberfläche, ein Konglomerat, bestehend aus verschiedenen gerundeten Geröllen der Brandungszone eines Strandes und ein Skolithussandstein mit fossilen Wurmgängen. Der älteste Findling ist etwa zwei Milliarden Jahre alt, der größte wiegt rund sieben Tonnen.

Naturschutzgebiete[Bearbeiten]

Landschaft auf der Halbinsel Gnitz
Mümmelkensee

Schon zu DDR-Zeiten waren einige Flächen Usedoms zu Naturschutzgebieten (NSG) sowie Landschaftsschutzgebieten (LSG) erklärt worden, die nach und nach erweitert wurden. Im Dezember 1999 wurde die gesamte Insel einschließlich der zum Festland hin liegenden Gewässer sowie einem kleinen Streifen vom Festland im Bereich des Seebades Lubmin und der Stadt Lassan offiziell zum Naturpark Insel Usedom erklärt.

Naturschutzgebiete (NSG) auf Usedom:

Klima[Bearbeiten]

Usedom ist die sonnenreichste Region Deutschlands. Der Ort Zinnowitz verzeichnet mit einer durchschnittlichen jährlichen Sonnenscheindauer von 1917 Stunden die meisten Sonnenstunden aller Messstellen des Deutschen Wetterdienstes.[6] Der Mittelwert in Deutschland liegt bei 1550 Stunden Sonnenschein pro Jahr.[7]

Der Jahresniederschlag in Zinnowitz liegt mit 560 mm im unteren Drittel der Messstellen des Deutschen Wetterdienstes. Nur 13 % zeigen niedrigere Werte an. Der trockenste Monat ist der Februar und am meisten regnet es im Juli. Im niederschlagreichsten Monat fällt 2,1 mal mehr Regen als im trockensten. Die jahreszeitlichen Niederschlagsschwankungen liegen im unteren Drittel. In nur 15 % aller Orte schwankt der monatliche Niederschlag weniger.

Orte[Bearbeiten]

Die Grundzentren des deutschen Teils von Usedom sind Zinnowitz im Westen und Heringsdorf im Osten. Das Mittelzentrum für den nördlichen Teil der Insel ist die Stadt Wolgast, für den südlichen Teil Anklam.[8] Für den östlichen Abschnitt der Ostseeküste hält zudem die direkt an die Gemeinde Heringsdorf grenzende Stadt Świnoujście Angebote eines Mittelzentrums bereit. Einzige deutsche Gemeinde mit historischem Stadtrecht ist die Stadt Usedom im Süden der Insel.

Inselgemeinden mit über eintausend Einwohnern (Stand: Dezember 2013) sind zudem Benz, Karlshagen, Koserow, Loddin, Trassenheide, Ückeritz und Zempin. Die Stadt Greifswald fungiert als Oberzentrum für die Insel Usedom.

Von touristischer Bedeutung sind die meisten Orte auf Usedom, insbesondere an der Ostseeküste, aber auch im ruhigen Achterland und am Ufer des Stettiner Haffs. Für ländliche Orte sind häufig traditionelle Häuser mit Reetdächern sowie Putz-, Feldstein- und Backsteinfassaden typisch, in den mondänen Seebädern an der Ostseeküste herrscht feingliedrige Bäderarchitektur vor, und zwar auch bei jüngeren Neubauten.[9] Sehenswert sind auch die Bauten entlang der Swine in Świnoujście, insbesondere der Festung Swinemünde.

Name der Insel[Bearbeiten]

Der Name „Uznoimia civitas“ wurde um 1125 von dem hier missionierenden Bischof Otto von Bamberg erstmals bezeugt, und er bezieht sich auf die gleichnamige Kleinstadt im Südwesten der Insel. Vielleicht liegt Uznoimia das slawische Wort znoj für umströmt zugrunde. Der Name wandelt sich zu Uznoimi, Uznoim (1175), Uznam, Uznom, Uzdem hin zum Usedum im Jahr 1420.[10] Regionale Sagen verballhornten den Namen in einer Art „Volksetymologie“ zum Ausruf „O so dumm!“.[11]

Geschichte[Bearbeiten]

Frühgeschichte und Mittelalter[Bearbeiten]

Zeugnis früher Besiedlung auf Usedom: Burgwall Neppermin, im 9./10. Jahrhundert entstanden

Vereinzelte archäologische Siedlungs-Funde datieren bis in das Mesolithikum zurück. Zahlreich sind die Funde aus dem Neolithikum, mehr als 500 aufgefundene Siedlungsplätze deuten auf eine rege Besiedlung der Insel hin. Allerdings ist nur bei Lütow auf der Halbinsel Gnitz ein Großsteingrab erhalten geblieben. In der Bronzezeit profitierte Usedom von seiner Lage am Oderweg, der eine wichtige nordsüdliche Handelsroute vom Mittelmeer in den skandinavischen Raum war. Der Burgwall auf dem Golm ist ein Bodendenkmal aus der Übergangszeit von der Jungbronzezeit zur Frühen Eisenzeit.[12] Als nördlichster Ort einer entlang der Oder gelegenen Gruppe von Befestigungsanlagen angesehen, wird er der Lausitzer Kultur zugeschrieben. Seit den 1970er Jahren wird in diesem Zeitraum für die Inseln Usedom und Wolin von einer eigenständigen Kultur ausgegangen, der Usedom-Wolliner Gruppe.[13] Viele archäologische Funde belegen, dass die Inselbewohner den im Altertum begehrten Bernstein, der an den Küsten Usedoms gefunden wird, gegen Gebrauchsgegenstände und Schmuck aus Bronze ein tauschten. So wurde im Jahr 1975 nahe Ückeritz bei Grabungsarbeiten eine aus 110 Einzelteilen bestehende Ausschmückung eines Pferdegespanns gefunden, die mit dem bronzezeitlichen Sonnenkult in Verbindung gebracht wird. In der Zeit der Völkerwanderung wichen die germanischen Stämme der Odermündung einer wendisch-slawischen Besiedelung, aus der die meisten Ortsnamen auf der Insel stammen, und die im lokalen Brauchtum nachwirkt. In der wendischen Epoche war die Insel bereits dicht und wohlorganisiert besiedelt. Bauliche Relikte aus jener Zeit sind zum Beispiel die Burgwälle bei Neppermin, Mellenthin und Stolpe.[14]

Seit dem 10. Jahrhundert gab es beim späteren Ort Usedom eine slawische Burgsiedlung. Die „Urbs Osna“ wurde um 1115/1119 von den Dänen zerstört. „Urbs Osna“ wird im Zusammenhang mit der Eroberung des Landstriches durch den ersten Herzog von Pommern, Wartislaw I. und mit der von ihm veranlassten Missionierung durch Bischof Otto von Bamberg erwähnt. Letzterer ließ am Pfingstsonntag des Jahres 1128 die wendischen Großen auf dem Burgwall zusammenkommen und bekehrte diese zum Christentum.[15] An die Übernahme des Christentums durch die Slawen der Insel und des angrenzenden vorpommerschen Festlandes erinnert ein 1928 auf dem Burgwall von Usedom errichtetes Kreuz.

Die Burg wurde um 1159 wieder aufgebaut, und zugleich entstand ein Marktort. Bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts war der Ort eine der Lieblingsresidenzen der Herzöge von Pommern. Danach verlor er diese Bedeutung zugunsten von Wolgast und Stettin. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts begann nach jahrzehntelangen Kämpfen zwischen den slawischen Einwohnern und den Dänen die Einwanderung deutscher Siedler. Es entstanden neue Dörfer mit Hufenverfassung und Dreifelderwirtschaft. Adlige deutscher und slawischer Herkunft ließen sich zu Lehnsrecht nieder. An der Stelle der slawischen Großsiedlung Usedom entstand die deutsche Stadt Usedom, die 1298 lübisches Stadtrecht erhielt. Um 1155 wurde in der Nähe von Usedom das Prämonstratenserkloster (Kloster Grobe) gegründet, das 1308 nach Pudagla verlegt wurde. Das Kloster Grobe brachte während des Mittelalters beträchtliche Teile der Insel in seinen Besitz. Es wurde während der Reformation dem Herzogtum Pommern 1535 eingegliedert und in ein herzogliches Amt umgewandelt.

17. bis 18. Jahrhundert[Bearbeiten]

Usedom (Stadt), ältester Ort der Insel (Stich 1652 nach Merian)

Nach dem Dreißigjährigen Krieg fiel Usedom zusammen mit dem übrigen Vorpommern und dem gesamten Odermündungsgebiet einschließlich der Nachbarinsel Wollin an Schweden und wurde Teil von Schwedisch-Pommern. Der schwedische König herrschte dort jedoch nur als Herzog von Pommern, und das Gebiet blieb Teil des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Zwischen 1648 und 1720 war die Insel Usedom mehrfach Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen Brandenburg-Preußen und Schweden. Im Ergebnis des Großen Nordischen Krieges (1700–1721) kam die bereits seit 1713 zusammen mit anderen vorpommerschen Gebieten unter preußischem Sequester stehende Insel endgültig an Preußen.

Wirtschaftspolitische Bestrebungen der preußischen Krone führten in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zum Ausbau der bisher nur schwer passierbaren Swine und 1764 an deren Mündung zur Gründung von Swinemünde. Der neue Schifffahrtsweg machte die Zufahrt nach Stettin von der noch von Schweden kontrollierten alten Route über den Peenestrom an Wolgast vorbei unabhängig.

Die Villa Oechsler (erb. 1883) im Ostseebad Heringsdorf

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Swinemünde um 1895

Bei den preußischen Verwaltungsreformen wurde 1818 aus den beiden Inseln Usedom und Wollin der Landkreis Usedom-Wollin mit Swinemünde als Kreisstadt gebildet. 1824 beziehungsweise 1825 begann der Badebetrieb in den Orten Swinemünde und Heringsdorf, denen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts Koserow, Zinnowitz und Ahlbeck folgten. Die große Zeit der Seebäder begann erst nach der Reichsgründung 1871. Durch den Bau der Kaiserfahrt in der Swinemündung wurde das Dorf Kaseburg zur Insel zwischen dem Kanal und der Swine.

Der ansteigende Badetourismus vor allem aus dem relativ nahen Berlin veranlasste den Bau der von der Bahnlinie Berlin–Prenzlau–Stralsund bei Ducherow abzweigenden Bahnstrecke Ducherow–Heringsdorf–Wolgaster Fähre. Davon ist bis Swinemünde außer dem gleislosen Bahndamm und einigen Bahnhofsgebäuden nur noch die Ruine der stählernen Hubbrücke Karnin erhalten.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Bis 1945[Bearbeiten]

In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg war die Verwaltung des Ostseebads Zinnowitz bestrebt, den Ort zum „judenfreien Bad“ zu machen, so dass bereits 1928 in einem Reiseführer jüdische Gäste vor dem Besuch von Zinnowitz gewarnt wurden. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurden jüdische Urlauber vollständig von den Stränden der Insel verdrängt.[16]

V 2 beim Start von der Heeresversuchsanstalt Peenemünde (1943)

Im Zweiten Weltkrieg befanden sich in Peenemünde die Heeresversuchsanstalt Peenemünde, ein Testgelände für Raketen, die Erprobungsstelle der Luftwaffe Peenemünde-West und in Swinemünde ein Marinestützpunkt. Diesen Anlagen galten die Luftangriffe der Royal Air Force und der United States Army Air Forces der Jahre 1943 bis 1945, wobei der Angriff auf Swinemünde in den Mittagsstunden des 12. März 1945 zu vielen Toten vor allem unter den sich dort stauenden Flüchtlingen aus dem Osten führte.[17] Die Toten wurden in Massengräbern auf der Erhebung Golm bei Kamminke, direkt an der heutigen Grenze, beigesetzt. Dort befindet sich eine Gedenkstätte. Im Jahr 2005 eröffnete der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge eine internationale Jugendbegegnungsstätte.

Inschrift (Zitat aus der DDR-Nationalhymne) in der Kriegsgräberstätte auf dem Golm

1945 bis 1990[Bearbeiten]

Auf der Potsdamer Konferenz wurde mit der Festlegung der deutsch-polnischen Grenze die Unterstellung Swinemündes unter polnische Verwaltung beschlossen. Die offizielle Übergabe durch den Landrat des Kreises Usedom-Wollin – ab da nur noch Kreis Usedom – erfolgte am 6. Oktober 1945 im Beisein von Vertretern der sowjetischen Besatzungsmacht. 1950 erkannte die DDR im Görlitzer Abkommen die neue Grenze an. 1990 folgte mit dem Deutsch-polnischer Grenzvertrag die Anerkennung durch die Bundesrepublik.

Von 1945 bis 1949 bestand der bei Deutschland verbliebene Teil der Insel in administrativer Hinsicht als Kreis Usedom in der Sowjetischen Besatzungszone, vom 1949 bis 1952 in der DDR weiter. Sitz der Kreisverwaltung war vom Oktober 1945 bis März 1946 Bansin, danach Ahlbeck, wohin bereits im Oktober 1945 die vorher in Swinemünde ansässige sowjetische Kreiskommandantur verlegt worden war. Mit der Verwaltungsreform vom Sommer 1952 entstand aus dem Kreis Usedom und Teilen des angrenzenden Festlandes, die vorher zum Kreis Greifswald gehört hatten, der neue Kreis Wolgast mit Sitz der Kreisverwaltung in der gleichnamigen Stadt. 1994 wurde dieser Kreis mit den Kreisen Anklam und Greifswald zum Landkreis Ostvorpommern zusammengeschlossen, dessen Sitz die Stadt Anklam war. Seit der Kreisgebietsreform 2011 gehört die Insel zum Landkreis Vorpommern-Greifswald.

Der Fremdenverkehr blieb nach dem Zweiten Weltkrieg neben Landwirtschaft und Fischerei wichtigster Wirtschaftszweig. 1953 wurden die meisten privaten Hotels und Pensionen in der „Aktion Rose“ beschlagnahmt beziehungsweise enteignet. Volkseigene Betriebe aus der ganzen DDR, der Feriendienst des FDGB und staatliche Institutionen übernahmen die Einrichtungen.

Viele Inselbewohner fanden als Pendler Arbeit in Wolgast auf der Peene-Werft, die in der Zeit der DDR hauptsächlich Rüstungsaufträge erledigte. Daneben war das Militär ein wichtiger Arbeitgeber. Im Norden der Insel übernahm die NVA von der Roten Armee die alten Militäranlagen in Peenemünde und Karlshagen, die zu einem Marine- und Luftwaffenstützpunkt wurden. Einheiten der NVA gab es auch in Pudagla. Einheiten der Roten Armee waren in Garz stationiert, wo es von 1988 bis 1990 auch ein Fliegerausbildungsgeschwader der NVA gab.

1990 bis 2004[Bearbeiten]

Nach 1990 wurden im Zuge der Wiedervereinigung Deutschlands alle Armeestandorte auf Usedom aufgelöst. Die Peene-Werft entließ einen Großteil ihrer ursprünglich 4000 Beschäftigten. Das Hotelgewerbe litt in den Anfangsjahren unter ungeklärten Eigentumsfragen. Die Zahl der Übernachtungen in Usedomer Unterkünften ging nach 1990 zunächst drastisch zurück, zumal viele Einrichtungen nicht mehr dem international, vor allem im Westen üblichen Standard entsprachen.[18] Auch die Erdölförderung in Lütow wurde kontinuierlich reduziert. In Peenemünde waren nach inoffiziellen Statistiken zeitweilig 75 Prozent der Menschen arbeitslos.[19]

Nach einigen Rückschlägen[20] erholte sich die Wirtschaft auf Usedom, insbesondere die Tourismusbranche. Lange Zeit wurde die Möglichkeit, jenseits der deutsch-polnischen Grenze preisgünstig einzukaufen, (auch wegen des damit verbundenen höheren Verkehrsaufkommens auf dem deutschen Teil der Insel) von den deutschen Usedomern negativ bewertet.[21]

Seit 1990 versuchen Planer, im deutschen Teil Usedoms ökonomische Belange (worunter zunächst nur die Förderung der ostdeutschen Wirtschaft auf Usedom verstanden wurde) und ökologische Belange in Einklang miteinander zu bringen.[22]

21. Jahrhundert[Bearbeiten]

Im Jahr 2000 bilanzierte ein 1946 aus dem nahen Misdroy (Międzyzdroje) vertriebener Fischer aus Bansin, er habe sich über das Ende der DDR gefreut, und über die offene Grenze nach Polen. Nun aber sei es ihm genug. "Wir haben unsere Hauptstadt Swinemünde verloren […] Wir durften uns unter Honecker nicht mal Pommern nennen. Ob wir beim Beitritt Polens [zur EU] etwas gewinnen, ist doch sehr fraglich."

Auf Usedom wurden ab 1990 Werftarbeiter zu Hotelpagen, Bauern zu Kellnern umgeschult. Obwohl viele 2000 wieder einen Arbeitsplatz besaßen, sahen sie sich als Verlierer der deutschen Einheit. Ihre gelernte Arbeit haben sie eingebüßt, viele der Häuser in den Seebädern sind von Alteigentümern übernommen worden, die großen Hotels gehören Auswärtigen. Heute lebt Usedom vom Tourismus. Jugendliche fanden 2000 fast nur noch in Hotels und Gaststätten Arbeit, die ihrer Ansicht nach nicht gut bezahlt wird.[23]

Aus der Sicht der Gäste ist im deutschen Teil der Insel Usedom, dessen Tourismus heute ein noch stärkerer Wirtschaftsfaktor als zu DDR-Zeiten ist, der Tourismus attraktiv wegen der Reminiszenzen an die Vergangenheit vor 1933, insbesondere in alten Badeorten, zum Beispiel den Kaiserbädern als Bezeichnung für Ahlbeck, Bansin und Heringsdorf.

Tourismus[Bearbeiten]

Mit den Ostseebädern Karlshagen, Trassenheide, Zinnowitz, Zempin, Koserow, Kölpinsee, Ückeritz und den drei Kaiserbädern (Heringsdorf, Bansin und Ahlbeck) auf deutscher Seite sowie Świnoujście in Polen besitzt die Insel eine große Bedeutung für den Fremdenverkehr beider Länder. Neben den Sandstränden an der Ostsee locken vor allem die Bäderarchitektur sowie die Befestigungsanlagen und der Hafen von Świnoujście mit seinem regen Schiffsverkehr Besucher an die Küste. In den genannten Orten befinden sich zahlreiche Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen und Campingplätze. Hinzu kommen Freizeiteinrichtungen wie Meerwasserbäder, eine Schmetterlingsfarm (Trassenheide), Bauernhöfe und Handwerksbetriebe (Strandkorbmanufaktur Heringsdorf), Kletterparks, Museen sowie etliche Kultur- und Kinderangebote. Anziehungspunkte für den Fremdenverkehr sind neben den Bernsteinbädern, Kaiserbädern und den anderen Badeorten an der Ostsee die auf der Insel gelegenen Binnenseen (Süßwasserseen) wie Schmollensee, Gothensee oder Wolgastsee.

Im Hinterland befinden sich die Kleinstadt Usedom, Dörfer mit Herrenhäusern (Mellenthin, Schloss Stolpe), reetgedeckten Häusern, Salzhütten und Windmühlen (Benz, Pudagla, Trassenheide, Kamminke), die alte Hubbrücke Karnin, die Halbinseln Lieper Winkel und Gnitz, die das Achterwasser einrahmen, sowie Peenemünde. Beliebt sind Fahrradtouren auf der Insel, sowohl im Hinterland entlang des Achterwassers als auch an der Küste. Der Tourismus der Vor- und Nachsaison soll mit Unterstützung von EU-Fördermitteln aus dem ELER-Programm belebt werden.

Der größte Arbeitgeber der Insel Usedom ist die Hotelgruppe Seetel.[24]

Seebrücken[Bearbeiten]

An der Usedomer Ostseeküste gibt es ungewöhnlich viele Seebrücken.

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnstrecke Ducherow–Heringsdorf–Wolgaster Fähre (demontiert zwischen Ducherow und Świnoujście)
mit Stichstrecke nach Peenemünde

Bahn[Bearbeiten]

Usedom ist über die Bahnstrecke Züssow–Wolgast Hafen, die Peenebrücke Wolgast und die zwischen Wolgaster Fähre und Świnoujście erhaltene beziehungsweise wieder aufgebaute Bahnstrecke Ducherow–Heringsdorf–Wolgaster Fähre an die Hauptbahn Berlin–Stralsund angeschlossen. Der Bahnbetrieb wird von der Usedomer Bäderbahn (UBB) vorgenommen. Seit September 2008 fährt sie wieder bis in das Zentrum von Świnoujście, und das Land Mecklenburg-Vorpommern ist, wie auch die Stadt Świnoujście, bestrebt den ursprünglichen Festlandanschluss über die Karniner Brücke wiederherstellen zu lassen, so dass es die Strecke für den Bundesverkehrswegeplan 2015 angemeldet hat.[25] Eine Stichbahn zweigt von Zinnowitz über eine ehemalige Werkbahnstrecke nach Peenemünde ab.

In den Bundesverkehrswegeplan 2015 wurde in der Kategorie „Weiterer Bedarf / Internationale Projekte“ die Wiederherrichtung der Bahnstrecke Ducherow–Swinemünde (Swinoujscie) aufgenommen.[26] Im Zuge der neu zu bauenden Strecke soll die Brücke bei Karnin wieder aufgebaut werden. Die Züge sollen elektrisch betrieben werden und auf einem Gleis mit maximal 120 km/h verkehren.[27] Falls es im Rahmen des Projekts „Usedom Crossing“[28] zu dem Bau eines Świnatunnels kommt, könnte dieser auch ein Eisenbahngleis aufnehmen, wodurch die Lücke zwischen den beiden Bahnhöfen in Świnoujście geschlossen würde und Bahnreisende aus Usedom zur Skandinavienfähre auf Wolin und aufs polnische Festland weiterreisen könnten.

Bus[Bearbeiten]

Den öffentlichen Personennahverkehr auf der Straße betreibt im deutschen Teil die OstseeBus GmbH. Ab dem 1. Januar 2016 übernimmt die Usedomer Bäderbahn (UBB) diesen Busbetrieb. Über zwei Grenzübergänge bei Ahlbeck und Garz bestehen Verbindungen nach Świnoujście. Darüber hinaus wird von der Usedomer Bäderbahn eine Fernbusflotte betrieben, welche von und nach Rostock, Hamburg sowie Berlin verkehrt.

Fahrradfähre auf dem Weg von Karnin nach Kamp über den Peenestrom; im Hintergrund das Stettiner Haff

Fahrrad[Bearbeiten]

Usedom besitzt ein gut ausgebautes Radwegenetz. Die 12 Kilometer lange Europa-Promenade im Osten durch die drei Kaiserbad-Ortsteile Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck und durch Świnoujście ist durchgängig befahrbar. In Westrichtung führen befestigte Radwege die Küste entlang, bis nach Peenemünde im Nordwesten Usedoms. Das Hinterland ist großteils durch straßenbegleitende Fahrradwege, Ortsstraßen und Landstraßen befahrbar.

Radfahrer und Fußgänger können auch über die im Sommer regelmäßig verkehrenden Fähren Altwarp bzw. Ueckermünde – Świnoujście, Altwarp bzw. Ueckermünde – Kamminke, Kamp – Karnin, FreestKröslin – Peenemünde und Gager (Rügen) – Peenemünde auf die Insel Usedom gelangen. Fußgänger können die Schiffslinie Lassan – Zinnowitz (Achterwasserseite) benutzen.

Brücke über den Peenestrom in Wolgast B 111 / Usedomer Bäderbahn
Brücke über den Peenestrom bei Zecherin / B 110
Fähre über die Świna in Świnoujście / DK 93

Straße[Bearbeiten]

Auf der Straße ist der deutsche Teil der Insel im Nordwesten auf der Bundesstraße 111 von der Anschlussstelle Gützkow der Bundesautobahn 20 aus über die Peenebrücke Wolgast erreichbar. Im Südwesten erfolgt die Zufahrt auf der Bundesstraße 110 von der Anschlussstelle Jarmen der A20 aus über die Zecheriner Brücke hinter Anklam. Beide Brücken sind Klappbrücken. Die Bundesstraßen sind im Binnenverkehr der Insel die Hauptverkehrsachsen. Eine Ortsumgehung der B 111 bei Wolgast mit einem Brückenneubau ist bereits im Bundesverkehrswegeplan 2003 in der Kategorie „Vordringlicher Bedarf“ berücksichtigt worden. Im Bundesverkehrswegeplan 2014 ist sie als „zu untersuchendes Vorhaben“ kategorisiert.[29] Bereits 2010 stellte der Regionale Planungsverband Vorpommern fest, dass der „dargestellte Trassenkorridor […] entsprechend vorliegenden Prüfungsergebnissen umweltverträglich“ sei.[30] Planungen zum Bau von Ortsumgehungen bei Usedom und Zirchow im Zuge der B 110 werden im „Regionalen Raumentwicklungsprogramm Vorpommern“ unter Aspekten des Umwelt- und Naturschutzes kritisch kommentiert.[31]

Es gibt keine Straßenverbindung über die Swine, so ist der polnische Teil Usedoms von Osten her über die Insel Wolin und zwei Autofähren erreichbar. Die nördliche Fähre ist meistens für Kraftfahrzeuge mit dem Kennzeichen „ZSW“ reserviert. Ein 1957 entworfener Plan, einen neun Kilometer langen Damm zwischen der Südspitze Usedoms in der Nähe des Kanałs Piastowski (der Kaiserfahrt) und Nowe Warpno (Neuwarp) quer durch das Stettiner Haff zu bauen, auf dem Kraftfahrzeuge und Züge verkehren sollten und durch den eine direkte Landverbindung nach Świnoujście über polnisches Territorium entstanden wäre, wurde nicht in die Praxis umgesetzt.[32] Der geplante Świnatunnel („Usedom Crossing“) würde Usedom und Wolin bei Eisgang, Sturm oder Hochwasser miteinander verbinden und damit die Anreise von Kraftfahrzeugen in den Usedomer Teil der Stadt Świnoujście von Osten her zeitlich verkürzen.[33] Fraglich bleibt eine politische Mehrheit für den Schwerlasttransitverkehr von der A 20 quer durch Usedom nach Świnoujście. Nach der Öffnung der beiden Grenzübergänge bei Ahlbeck und bei Garz dürfen nur Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von maximal 7,5 t diese benutzen. Die B 110 ist vom Ausbauzustand im östlichsten Abschnitt für Fahrzeuge über 7,5 t zudem nicht geeignet.

Flug[Bearbeiten]

Abflug vom Flughafen Heringsdorf,
im Hintergrund Świnoujście

Bei der Ortschaft Garz nahe der polnischen Grenze befindet sich der Flughafen Heringsdorf, auf dem Flugzeuge bis zur Größe eines Airbus A320 landen können. Zum Flugangebot zählen innerdeutsche Linienflüge, Charterflüge zu ausländischen Zielen für Urlauber und Geschäftsreisende sowie Rundflüge in der Region. Seit Mai 2014 werden Flüge von und nach Düsseldorf, Frankfurt, Stuttgart, Dortmund, Köln/Bonn, München, Warschau, Wien, Zürich und Bern angeboten.[34]

Etwas größer dimensioniert ist der Flugplatz Peenemünde, der seit dem Ende der militärischen Nutzung durch die NVA nur noch als Sonderlandeplatz von Kleinflugzeugen genutzt wird. Bei Mellenthin betreibt der Usedomer Fliegerclub auf einem ehemaligen Agrarflugplatz einen Landeplatz, der von Ultraleichtflugzeugen angeflogen und von Hängegleitern und Modellflugzeugen sowie zum Fallschirmsprungbetrieb genutzt werden kann.[35]

Schiff[Bearbeiten]

Von den Seebrücken Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck aus fahren Bäderschiffe bis nach Świnoujście und Międzyzdroje in Polen. Die Fahrten werden durch die Adler-Schiffe durchgeführt. Vom Hafen in Świnoujście-Warszów auf Wolin aus bestehen Fährverbindungen der Unity Line nach Ystad und Trelleborg in Schweden.

Marinas und Yachthäfen gibt es in Kamminke, Karlshagen, Kröslin, Peenemünde, Ückeritz (mit Stagnieß) und Usedom (Karnin und Stadthafen) am Achterwasser, in Wolgast am Peenestrom, in Anklam an der Peene, sowie in Świnoujście an der Świna. Unmittelbar an der Außenküste Usedoms ist im Jahr 2014 noch kein Hafen vorhanden, jedoch ist ein solcher mit Direktzugang östlich vom Schloonsee in Heringsdorf geplant.[36]

Gedenktafel für den Maler Lyonel Feininger an der Heringsdorfer Villa Oppenheim
Theaterzelt Chapeau Rouge in Heringsdorf
Theater Blechbüchse in Zinnowitz

Kultur[Bearbeiten]

Usedom ist ein beliebtes Panorama für Gemälde, literarische Werke, Dokumentationen, Musikvideos und Spielfilme.

In der Zeit des aufkommenden Tourismus in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ließ sich der populäre Berliner Schriftsteller Willibald Alexis in Heringsdorf ein Sommerhaus bauen. Der Krumminer Pfarrer Wilhelm Meinhold (1797–1851) veröffentlichte 1843 seinen Roman Maria Schweidler, die Bernsteinhexe. Die fiktionale Erzählung, deren Handlung in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges angesiedelt ist, wurde ein Verkaufserfolg. Theodor Fontane (1819–1898) verbrachte Teile seiner Kindheit und Jugend in Swinemünde. Seine Erinnerungen veröffentlichte 1893 er in seinem autobiographischen Roman Meine Kinderjahre. Swinemünde war das Vorbild für die in seinem Roman Effi Briest (1894/1895) beschriebene pommersche Kreisstadt Kessin.

Aus Krummin stammte die erste Künstlerin der Insel Usedom, die Malerin Elsa von Corswant (1875–1957). Neben Porträts schuf sie Genrebilder und der impressionistisch geprägten Freilichtmalerei zuzuordnende Landschaftsbilder des Usedomer Hinterlandes.

Der bedeutende expressionistische US-deutsche Künstler Lyonel Feininger verbrachte seine Sommermonate von 1908 bis 1921 auf der Insel und verewigte zahlreiche Motive in seinen Werken. Ihm zu Ehren wurde der Radweg Feininger-Tour über Teile der Insel angelegt. An den Aufenthalt des russischen Schriftstellers Maxim Gorki 1922 erinnert das Museum Villa Irmgard in Heringsdorf.

Ab 1933 kam der Maler Otto Niemeyer-Holstein regelmäßig im Sommer nach Usedom. 1939 ließ er sich am Achterwasser zwischen Zempin und Koserow nieder. Sein Wohnhaus und Atelier in Lüttenort sind heute als Gedenkstätte und Galerie zugänglich. Mit Karen Schacht, Herbert Wegehaupt und Otto Manigk ließen sich in den 1930er und 1940er Jahren zwei weitere Maler in Ückeritz nieder. In den 1950er Jahren folgten Susanne Kandt-Horn und Manfred Kandt ihrem Beispiel. Gegenwärtig leben und arbeiten die Maler Matthias Wegehaupt und Oskar Manigk in Ückeritz.

Der Bansiner Schriftsteller Hans Werner Richter verhalf Usedom als Begründer der Gruppe 47 ab 1947 zu künstlerischer Geltung, ihm wurde nach seinem Tod 1993 das Hans-Werner-Richter-Haus in Bansin gewidmet.

Die Ostseebühne Zinnowitz der Vorpommerschen Landesbühne Anklam mit 1300 Sitzplätzen ist unter anderem seit 1997 alljährlicher Schauplatz der Vineta-Festspiele. Unmittelbar neben der Freilichtbühne, dem Spielort der Festspiele, befindet sich das „Theater Blechbüchse“, ebenfalls seit 1997 Spielort der Landesbühne. Diese betreibt auch das Theaterzelt Chapeau Rouge in Heringsdorf. Dort werden seit 1991 alljährlich im Sommerhalbjahr klassische und zeitgenössische Stücke gezeigt. Die Einrichtungen der Landesbühne auf Usedom stehen auch für Vorträge und andere kulturelle Veranstaltungen zur Verfügung. Seit 2008 findem am Hafen der Stadt Usedom „Hafenfestspiele“ statt.[37]

Als Filmkulisse wurde Usedom durch die Loriot-Komödie Pappa ante Portas von 1991 deutschlandweit bekannt, die Seebrücke Ahlbeck ist dabei einer der Schauplätze und wurde eigens für den Film restauriert.[38] Im Jahr 2010 wurden Teile des vielfach ausgezeichneten Blockbusters Der Ghostwriter auf Usedom gedreht. Im Herbst 2014 wurde die erste Folge der ARD-Krimireihe Mörderhus – Der Usedom-Krimi unter der Regie von Andreas Herzog ausgestrahlt, die 2015 fortgesetzt wird.[39]

Zu den bekanntesten Musikern von der Insel Usedom gehört die deutschsprachige Pop-Rock-Band Jennifer Rostock. Eine Plattform für Nachwuchsmusiker und verschiedene Bands ist die jährlich im Juli stattfindende Veranstaltungsreihe „Use Tube“ in den Konzertmuscheln der drei Kaiserbäder Ahlbeck, Bansin und Heringsdorf.[40]

Eine Konzertmuschel gibt es auch in Świnoujście. 2010 wurde dort eine Freilichtbühne eröffnet, die 3500 Zuschauern Platz bietet.[41]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilhelm Ferdinand Gadebusch: Chronik der Insel Usedom. Dietze, Anklam 1863, online.
  • Gösta Hoffmann, Reinhard Lampe: Die Insel Usedom – Spätpleistozäne und holozäne Landschaftsentwicklung. In: Reinhard Lampe, Sebastian Lorenz (Hrsg.): Eiszeitlandschaften in Mecklenburg-Vorpommern. Verlag Geozon Science Media, 2010, ISBN 3-941971-05-0, S. 92 ff.
  • Rainer Höll: Zauberhaftes Usedom mit Greifswald und Stettiner Haff. nordlicht verlag, Ostseebad Karlshagen 2012, ISBN 978-3-9809640-5-0.
  • Bernfried Lichtnau: Usedom. Streifzüge durch die Geschichte, Architektur und Kunst der Insel. Dietrich, Peenemünde 1996, ISBN 3-930066-28-9.
  • Erwin Rosenthal: Usedom und Wollin. Zwei Schwesterinseln in der Pommerschen Bucht. Demmler-Verlag, Ribnitz-Damgarten 2013, ISBN 978-3-944102-02-3.
  • Dirk Schleinert: Die Geschichte der Insel Usedom. Hinstorff Verlag, Rostock 2005, ISBN 3-356-01081-6.
  • Hans Christof Wächter, Heinz Teufel: Usedom. Eine Bilderreise, Ellert & Richter Verlag, Hamburg 1991, ISBN 3-89234-277-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Usedom – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Usedom – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Usedom Tourismus GmbH
  2. a b Tourismusverband Insel Usedom
  3. Usedoms Europapromenade: Insel eröffnet grenzüberschreitende, klimaneutrale, längste Strandpromenade Europas
  4. Hans Christof Wächter, Heinz Teufel: Usedom. Ellert & Richter Verlag 1991, ISBN 3-89234-277-6, S. 19.
  5. Gösta Hoffmann, Reinhard Lampe: Die Insel Usedom – Spätpleistozäne und holozäne Landschaftsentwicklung. In: Reinhard Lampe, Sebastian Lorenz (Hrsg.): Eiszeitlandschaften in Mecklenburg-Vorpommern. Verlag Geozon Science Media, 2010, ISBN 3-941971-05-0, S. 93.
  6. Je mehr Wetter, desto besser | Deutschland entdecken | Deutsche Welle
  7. Zeitreihen des Deutschen Wetterdienstes, (Datenausgabe als XLS)
  8. Regionales Raumentwicklungsprogramm Vorpommern (RREP) 2010 - zentralörtliche Gliederung mit Ober-, Mittel- und Grundzentren, abgerufen am 12. Juli 2015
  9. Traditionelles Handwerk trifft Kunst und Kunsthandwerk, usedom.de, 10. März 2015
  10. Ernst Eichler und Werner Mühlmer: Die Namen der Städte in Mecklenburg-Vorpommern. Ingo Koch Verlag, Rostock 2002, ISBN 3-935319-23-1
  11. Der Name Usedom. In: Die Volkssagen von Pommern und Rügen. S. 171–172 (1840)
  12. Dirk Schleinert: Die Geschichte der Insel Usedom. Hinstorff, Rostock 2005, ISBN 3-356-01081-6, S. 12–13.
  13. Dirk Schleinert: Die Geschichte der Insel Usedom. Hinstorff, Rostock 2005, ISBN 3-356-01081-6, S. 13.
  14. Hans-Christof Wächter, Heinz Teufel: Usedom. Ellert und Richter, Hamburg 1991, ISBN 3-89234-277-6, S. 20.
  15. Hans-Christof Wächter, Heinz Teufel: Usedom. Ellert und Richter, Hamburg 1991, ISBN 3-89234-277-6, S. 20.
  16. Dirk Schleinert: Die Geschichte der Insel Usedom. Hinstorff Verlag, Rostock 2005, ISBN 3-356-01081-6, S. 132.
  17. Wolfgang Bayer: Deutschland im Feuersturm: Das geplante Inferno. Spiegel Special 1/2003. 1. April 2003
  18. Tourismus: Indische Toiletten. In: Der Spiegel. Ausgabe 32/1992. S. 97f.
  19. Vorpommern: Ersatzlos weg. In: Der Spiegel. Ausgabe 46/1991. 11. November 1991, S. 100–103
  20. vgl. Millionen in den Sand gesetzt. Von Glücksrittern und Immobilienschiebern auf der Insel Usedom. In: Der Spiegel. Ausgabe 38/1995. 18. September 1995. S. 140f. und Kaff der guten Hoffnung. In: Der Spiegel. Ausgabe 39/1997. S. 76 ff.
  21. Naturschutz: Büchse der Pandora. In: Der Spiegel Ausgabe 28/1994. 11. Juli 1994. S. 74
  22. Wiltrud Zweigler: Zu Gast sind Seeadler und Touristen. In: Berliner Zeitung. 11. Oktober 1995
  23. Frank Nordhausen: Ein Grenzfall. In: Berliner Zeitung. 10. Oktober 2000
  24. Die 100 größten Arbeitgeber Mecklenburg-Vorpommerns 2012, NordLB, abgerufen am 22. Februar 2014
  25. Usedom will schnelle Bahnverbindung nach Berlin, Berliner Morgenpost, 4. Januar 2015
  26. Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur: Übersicht über die laufenden Vorhaben und die für den Bundesverkehrswegeplan vorgeschlagenen Vorhaben. Bundesschienenwege. 9. Februar 2015. S. 4
  27. Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur: Übersicht über die laufenden Vorhaben und die für den Bundesverkehrswegeplan vorgeschlagenen Vorhaben. Bundesschienenwege. 9. Februar 2015. S. 37
  28. Alexander Vogt: Finanzierungsperspektiven „Usedom Crossing“ aus Sicht des Europäischen Parlaments (Vortrag). Świnoujście, 26. April 2014
  29. Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur: Übersicht über die laufenden und die für den Bundesverkehrswegeplan vorgeschlagenen Vorhaben der Bundesfernstraßen. 5. September 2014. S. 20
  30. Regionaler Planungsverband Vorpommern (RPV): Regionales Raumentwicklungsprogramm Vorpommern. Umweltbericht 2010. S. 38f.
  31. Regionaler Planungsverband Vorpommern (RPV): Regionales Raumentwicklungsprogramm Vorpommern. Umweltbericht 2010. S. 79ff. und 171
  32. Swinemünde-Damm?. In: Die Zeit. 9. Mai 1957
  33. BalticPortal: Zehn Bewerber für Swine-Tunnel-Ausschreibung, 27. August 2014
  34. Flugziele Usedomer Flughafen
  35. Usedomer Fliegerclub. Abgerufen am 22. August 2015.
  36. Marina am Schloonsee in Heringsdorf, Konzept von Dr. Wulf Böttger und Tankred Lenz, 1. Juli 2013
  37. Usedom Tourismus GmbH: Theater auf Usedom
  38. Filmland MV - Filmlocations, Drehstandorte auf Usedom, abgerufen am 4. November 2014
  39. Drehort Usedom (Deutschland) - Filme und Serien, abgerufen am 27. Juni 2015
  40. Use Tube - junge Bands & Musiker in den Kaiserbädern
  41. Hans Jürgen Reichardt: Veranstaltungen Swinemünde Świnoujście