Kadetrinne

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Kadetrinne (Mecklenburg-Vorpommern)
(54° 27′ 10″ N, 12° 11′ 41″O)
Lage der Kadetrinne
Anzeige einer elektronischen Seekarte der Kadetrinne

Die Kadetrinne (dänisch: Kadetrenden) ist ein Seegebiet nordöstlich der Mecklenburger Bucht der Ostsee zwischen der deutschen Halbinsel Fischland-Darß-Zingst und der dänischen Insel Falster, also nordöstlich von Rostock. In West-Ost-Richtung liegt sie zwischen Fehmarnbelt und Bornholm. Sie ist das schwierigste und gefährlichste Fahrwasser der Ostsee. Ein Teil der Kadetrinne liegt in der Deutschlands Ausschließlicher Wirtschaftszone und ist als 100 km2 große Kadetrinne (Naturschutzgebiet) ausgewiesen.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Seegebiet diente früher der Kongelige Danske Marine als Übungsgebiet. Dort fand das sogenannte „Kadettenschießen“ statt. Daher stammt der dänische Ausdruck Kadetrenden, betont auf der zweiten Silbe.[1]

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Feuerschiff Gedser Rev (1948)

Die Ostsee ist zwischen Mecklenburg und den dänischen Inseln sehr flach. In weiten Gebieten ist sie weniger als 20 m tief. Schiffe mit großem Tiefgang können hier nur in bestimmten, tieferen Fahrrinnen fahren. Die wichtigste ist die Kadetrinne. Die relativ steilwandige Rinne hat eine Länge von etwa 20 Seemeilen und ist 12 bis 28 m tief. Unter anderem wegen des Gedser Riffs verringert sich an der schmalsten Stelle der schiffbare Bereich (je nach Tiefgang des Schiffes) auf 500 bis 1000 Meter und erfordert gleichzeitig einen Kurswechsel von etwa 90°. Bis 1972 markierte das Feuerschiff Gedser Rev diese Stelle.

Die Kadetrinne ist einer der am stärksten befahrenen Seewege Europas: 2014 waren es ca. 55.000 Durchfahrten, 16 % davon waren Tankschiffe.[2] Im Jahr 2006 waren etwa 9000 Durchfahrten Tankerpassagen, etwa 5100 in Westrichtung und 3900 in Ostrichtung. Die Zahl der Durchfahrten nahm dabei stark zu, was sich insbesondere durch vergrößerte Ölhäfen am Finnischen Meerbusen und die erhöhte Zahl russischer Öltanker erklärte – deren Anzahl hatte sich zwischen 1997 und 2006 vervierfacht.[3] Im Jahr 2008 wurde mit 68.887 Schiffspassagen der Höhepunkt erreicht, damals lag der Anteil der Tankschiffe noch bei 11 %. Durch die Weltwirtschaftskrise ab 2007 ging die Zahl der Schiffspassagen auf 58.672 (2011) und 54.492 (2014) zurück.[2]

Es gab Bestrebungen, durch eine Lotsenpflicht die Schiffssicherheit in der Kadetrinne zu erhöhen. Die Landesregierung von Schleswig-Holstein bezeichnete sie 2010 als „unverzichtbares und wohl kurzfristig einziges Mittel“, um Grundberührungen zu vermeiden. Die Kadetrinne liegt aber nach dem Seerechtsübereinkommen in internationalen Gewässern. Das einzige Gremium, das hier eine Lotsenpflicht anordnen könnte, ist die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO). Sie empfiehlt zwar die Aufnahme eines Lotsen ab einem Tiefgang von 13 m; eine Lotsenpflicht kann sie aber nur anordnen, wenn alle Anrainerstaaten zustimmen. Die Regierung der Russischen Föderation lehnte sie 2010 ab.[3]

Im Jahr 2013 wurden drei einige Jahre zuvor gefundene Bomben von Deck eines im Zweiten Weltkrieg versunkenen Schiffes geborgen und kontrolliert gesprengt.[4] Sie waren einige Jahre zuvor an einer der unfallträchtigsten Stellen gefunden und als gefährlich eingestuft worden.[5]

Eine feste Rostock-Gedser-Querung, die die Kadetrinne überspannen würde, wurde als Alternative zur festen Fehmarnbelt-Querung vorgeschlagen, aber verworfen.

Militärische Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insbesondere im Kalten Krieg hatte die Passage große militärische Bedeutung. Traditionell operierte die Sowjetische Marine von Basen in der Ostsee aus, von denen sie im Kriegsfall aus in die Nordsee vorstoßen wollte. Die Wiederbewaffnung Deutschlands und Dänemarks und effektiv die Schnellbootflottille versperrten diesen Weg und zwangen die Sowjetunion zum Aufbau der Nordflotte. Ein Vermächtnis dieser Situation ist es, dass deutsche und dänische U-Boote immer noch so konzipiert werden, dass sie schon in 17 m Wassertiefe getaucht fahren können, um die flachste Stelle der Kadetrinne zu passieren, was sie weltweit nahezu einzigartig macht.

Unfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Ostsee, Standort Stralsund (Mai 2021)
  2. a b Weniger Verkehr in Kadetrinne · Zahl der Schiffe ist von 2011 bis 2014 von 58.672 auf 54.492 Einheiten zurückgegangen. In: Täglicher Hafenbericht vom 29. Juli 2015, S. 2
  3. a b Tankschiffverkehr in der Ostsee. (PDF) Kleine Anfrage des Abgeordneten Dr. Heiner Garg (FDP) und Antwort der Landesregierung – Minister für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr -Drucksache 16/1334. In: sh-landtag.de. SCHLESWIG-HOLSTEINISCHER LANDTAG - 16. Wahlperiode, 24. April 2007, abgerufen am 11. Juli 2010.
  4. Zwei Wasserbomben in der Ostsee gesprengt. Hamburger Abendblatt, 8. Juli 2013, abgerufen am 29. November 2018.
  5. Wasserbomben bedrohen Ostsee-Schifffahrt. Süddeutsche Zeitung, 4. Juni 2008, abgerufen am 11. Juli 2010.
  6. Havarierter Frachter: Bergung begonnen, NDR vom 31. August 2017, abgerufen am 31. August 2017

Koordinaten: 54° 27′ 10″ N, 12° 11′ 41″ O