Kalirevier im Elsass

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Ehemaliger Förderturm des Kalischachtes Theodore 2 in Wittenheim

Das Kalirevier im Elsass nahe Mülhausen entstand 1904, als erstmals Kali entdeckt wurde.

Bei der Suche nach nutzbaren Mineralien und Gesteinen im Oberrheingraben durch die Bohrkernmethode oder durch seismische Verfahren ist man auf die großen Mengen Kali im Wittelsheimer Becken gestoßen. Tertiäre Bildungen am Rande von Gebirgen und auch im Oberrheingraben lassen Kiese, Gipse, Kalkstein und Erdöl (in geringen Mengen) vermuten. Auf einem Gebiet von 2.000 ha Land, in einer Tiefe von 460 bis 1.000 Metern konnte der Rohstoff Kali abgebaut werden. Ein ähnliches, aber wesentlich kleineres Vorkommen wurde östlich des Rheins zwischen Buggingen und Heitersheim abgebaut. Die Kalisalzvorkommen im südlichen Oberrheingraben entstanden im Tertiär und sind sehr viel jünger als die Kalisalzlagerstätten des Oberperms in Norddeutschland und südlich des Harzes. Sie werden hier aus Wechsellagerungen von Sylvin und Halit gebildet (Sylvinit), Magnesiumsalze fehlen (kein Carnallitit oder magnesiumsalzhaltige Hartsalze). Die Gewinnung von Kaliumchlorid aus Sylvinit war einfach, allerdings energieintensiv: heiße gesättigte wässrige Natriumchloridlösung löst aus dem gemahlenen Sylvinit Kaliumchlorid, aber kaum weiteres Natriumchlorid. Nach Trennung von restlichen Rohsalz und Abkühlung kristallisiert Kaliumchlorid aus.

Die Förderung in den Salzbergwerken wurde Ende der 1990er Jahre in den Elsässer Werken unrentabel, da in Kanada Kalisalz viel günstiger abgebaut werden konnte. Selbst mit dem Transport von Kanada ins Elsass war die Gewinnung des Salzes günstiger als der Abbau vor Ort.

Nachdem sich der Abbau von Kali nicht mehr lohnte, wurde und wird noch heute versucht, die Industriebrachen anderweitig zu nutzen. So entstand zum Beispiel auf der Industriebrache im Elsass in Ungersheim direkt am ehemaligen Kalibergwerk Mine Rodolphe das Freilichtmuseum Écomusée d’Alsace. Eine Besichtigung der ehemaligen Zechen Mine Rodolphe und Joseph-Else ist gelegentlich möglich. Zahlreiche Bergarbeitersiedlungen zeugen von der einstmals großen Belegschaft. Die großen Abraumhalden sind landschaftsprägend.

Ansonsten werden Industriebrachen auch als Mülldeponien oder zur Ansiedlung neuer Unternehmen verwendet. Um neue Arbeitsplätze in die Region zu bringen, werden die freien ebenen Flächen zur Folgenutzung durch andere Industrieunternehmen günstig verkauft. Seit dem Jahre 2002 und der weltwirtschaftlichen Krise im Kalibau ist der Umbruch im Elsass mit der Einstellung der Kaliförderung erfolgt.

Das Kalibecken bei Mulhouse und die Grundwasserversalzung am Oberrhein

Die Abraumhalden bei den großen Minen, nicht nur in Wittelsheim und Pulversheim, bildeten grandiose, landschaftlich faszinierende Erosionslandschaften, allerdings bestehen die heimischen Hügel bis zu 90 % aus Salz. In den letzten Jahren wurden die Abraumhalden saniert. Die durch den Regen verursachten Auswaschungen der "Kalimandscharos” im Süden des Elsass versalzen große Teile des Grundwassers der elsässischen Rheinebene bis in den Raum Sélestat. In den Absetzbecken auf der Fessenheimer Rheininsel sind über eine Million Tonnen Salz im Grundwasser versickert und belastet das Grundwasser auch auf der badischen Rheinseite. Hundert Jahre Industriegeschichte haben dazu geführt, dass ein wichtiger Teil des Grundwassers der Rheinebene zur Trinkwassergewinnung nicht mehr zu gebrauchen ist.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 47° 50′ 0″ N, 7° 16′ 0″ O