Kaliwerk Sigmundshall

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Kaliwerk Sigmundshall
Allgemeine Informationen zum Bergwerk
Sigmundshall 1.jpg
Die Tagesanlagen von Sigmundshall
Andere Namen Kalibohrgesellschaft Wunstorf
Abbautechnik Kammer-Trichterbau
Abraum 15000000 t
Förderung/Jahr 2300000 (2016) t
Seltene Mineralien Leonit, Halit
Informationen zum Bergwerksunternehmen
Betreibende Gesellschaft K+S
Beschäftigte 770
Betriebsbeginn 1898
Geförderte Rohstoffe
Abbau von Sylvinit/kieseritisches Hartsalz
Sylvinit

Flözname

Ronnenberg
Mächtigkeit 30 m
Rohstoffgehalt 17 %
Größte Tiefe 1400 m
kieseritisches Hartsalz
Abbau von kieseritisches Hartsalz

Flözname

Staßfurt
Rohstoffgehalt 32,7 %
Geographische Lage
Koordinaten 52° 25′ 9″ N, 9° 22′ 9″ OKoordinaten: 52° 25′ 9″ N, 9° 22′ 9″ O
Kaliwerk Sigmundshall (Niedersachsen)
Kaliwerk Sigmundshall
Lage Kaliwerk Sigmundshall
Standort Tienberg
Gemeinde Wunstorf
Region (NUTS3) Hannover
Land Land Niedersachsen
Staat Deutschland
Revier nordhannöverscher Kalibezirk
p0
p2

Das Kaliwerk Sigmundshall, benannt nach dem ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Sigmund Meyer,[1] ist ein Kalibergwerk im Wunstorfer Ortsteil Bokeloh. Es ist das letzte produzierende Kalibergwerk in Niedersachsen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kaliwerk Sigmundshall liegt etwa 25 km nordwestlich von Hannover und 5 km südlich des Steinhuder Meeres bei Wunstorf.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lagerstätte des Kaliwerkes Sigmundshall ist der Salzstock Bokeloh, der sich entlang der Steinhuder-Meer-Linie etwa 12 km in NW-SE Richtung erstreckt und zwischen 500 und 1000 m breit ist. Der Salzstock Bokeloh entstand vor etwa 140 Mio. Jahren durch den Aufstieg der etwa 255 Mio. Jahre alten Zechsteinschichten. Seine Basis liegt in einer Teufe von mehr als 3.000 Metern. Er besteht aus den Schichten der Aller- und Leine-Serie. Abbauwürdig ausgeprägt sind die Kaliflöze Staßfurt (K2H) und Ronnenberg (K3Ro).

Der Salzstock wird im Nordosten durch den seiger einfallenden Buntsandstein begrenzt, an den sich die jüngeren Allerschichten konkordant anlegen. Er ist intensiv verfaltet, der Hauptanhydrit und das Flöz Staßfurt fallen zwischen 60 und 75° nach Südwesten ein.[2]

Der Salzstock ist wasserfrei; es konnte seit Beginn der geologischen Erkundung bis heute keine Lauge festgestellt werden.[3]

Bei Bohrarbeiten wurde 2012 unerwartet Schwefelwasserstoff angetroffen, eine bisher einmalige Erscheinung im deutschen Kalibergbau.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schacht Weser
Schacht Kolenfeld

Der hannoversche Bankier Sigmund Meyer war „einer der Ersten, die sich der jungen Kalisalzindustrie in der Provinz Hannover […] annahmen“.[4] Er wurde zum Aufsichtsratsvorsitzenden des nach ihm benannten Kaliwerkes gewählt.[1]

Im Jahre 1898 erwarb eine Gewerkschaft Mathias das Bergwerkseigentum an den Feldern des späteren Kaliwerkes Sigmundshall. 1902 wurde die Gewerkschaft Mathias durch die Alkaliwerke Sigmundshall Aktiengesellschaft übernommen. 1906 wurde das Werk an die Steinhuder Meer-Bahn angeschlossen. Ein Jahr später erwarb die Sigmundshall AG 4000 der 5000 Kuxe der Gewerkschaft Weser. Am 1. Januar 1922 wurde die Sigmundshall AG von den Consolidierten Alkaliwerken Westeregeln übernommen. 1937 schlossen sich die drei Gesellschaften Kaliwerke Salzdetfurth AG, Kaliwerk Aschersleben AG und AG Consolidierte Alkaliwerke Westeregeln zur Vereinigten Kaliwerke Salzdetfurth AG zusammen. Als Sitz der neuen Gesellschaft wurde Berlin gewählt.

Im Jahre 1970 kam es zum Zusammenschluss der Kalibergwerke der Wintershall AG und der Vereinigten Kaliwerke Salzdetfurth AG. Es entstand die Kali und Salz GmbH Kassel, die 1971 in die Kali und Salz AG umgewandelt wurde. 1993 fusionierten K+S und die Mitteldeutsche Kali AG zur Kali und Salz GmbH mit Sitz in Sondershausen. Die Kali und Salz AG wurde in Kali und Salz Beteiligungs AG umbenannt.

Bergbaumuseum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Pförtnerhaus des Schachtes Weser in Altenhagen ist das „Bergbaumuseum Schacht Weser“ untergebracht.

Unfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 5. April 2012 trat bei Bohrarbeiten in 1200 m Teufe Schwefelwasserstoff aus. Dabei kam 1 Bergmann durch das giftige Gas ums Leben, 3 wurden verletzt und 23 weitere Bergleute wurden vorsorglich zur Beobachtung in ein Krankenhaus gebracht. Die Unfallursache wird durch das niedersächsische Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie untersucht.[5][6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kalibohrgesellschaft Neu-Wunstorf. In: Deutschlands Kali-Industrie Nr. 10, 1906. Gratisbeilage der „Industrie“, Tageszeitung für Kohlen-, Kali- und Erz-Bergbau, 9. Mai 1906, S. 69–74
  • Gerd Gessert, Erich Hofmeister: Der Abbau von Kalisalzen am Steinhuder Meer im Kaliwerk Sigmundshall in Bokeloh. In: Arbeitskreis Bergbau der Volkshochschule Schaumburg (Hrsg.): Exkursionsführer und Veröffentlichungen Schaumburger Bergbau. Nr. 24. Hagenburg Oktober 2011 (Der Abbau von Kalisalzen am Steinhuder Meer im Kaliwerk Sigmundshall in Bokeloh [PDF; 532 kB; abgerufen am 15. September 2016]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kaliwerk Sigmundshall – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Peter Schulze: Meyer, (11) Sigmund. In: Stadtlexikon Hannover, S. 441
  2. Jörg Hammer et al: Salzgeologische Bewertung des Einflusses von „kryogenen Klüften“ und halokinetischen Deformationsprozessen auf die Integrität der geologischen Barriere des Salzstocks Gorleben. Bericht zum Arbeitspaket 2 Vorläufige Sicherheitsanalyse für den Standort Gorleben. Hrsg.: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. Hannover 2012, ISBN 978-3-939355-49-6, 2.3 Regional- und strukturgeologische Befunde zur Genese des Salzstocks Bokeloh ff., S. 9–25 (Salzgeologische Bewertung des Einflusses von „kryogenen Klüften“ und halokinetischen Deformationsprozessen auf die Integrität der geologischen Barriere des Salzstocks Gorleben [PDF; 6,3 MB; abgerufen am 15. September 2016]).
  3. Jan Kreßner, Tor Ingolf Hunsbedt, Jörg Weißbach: 4-Tage-Exkursion Salzmechanik. 30. März 2001, abgerufen am 8. April 2012 (PDF; 2 MB).
  4. Paul Siedentopf (Haupt-Schriftleitung): Bankhaus Adolph Meyer. In: Das Buch der alten Firmen der Stadt Hannover im Jahr 1927. Jubiläums-Verlag Walter Gerlach, Leipzig 1927, S. 152
  5. Ein Toter bei Grubenunglück in Salzbergwerk bei Hannover. Archiviert vom Original am 16. April 2012, abgerufen am 14. April 2012.
  6. LBEG ermittelt. Unfall im Kaliwerk Sigmundshall. 5. April 2012, abgerufen am 8. April 2012.