Kanadisches Berufkraut

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Kanadisches Berufkraut
Kanadisches Berufkraut (Conyza canadensis)

Kanadisches Berufkraut (Conyza canadensis)

Systematik
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Unterfamilie: Asteroideae
Tribus: Astereae
Gattung: Berufkräuter (Conyza)
Art: Kanadisches Berufkraut
Wissenschaftlicher Name
Conyza canadensis
(L.) Cronquist

Das Kanadische Berufkraut (Conyza canadensis), auch Katzenschweif und Weiße Dürrwurz[1] genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Es wird auch oft unter dem wissenschaftlichen Namen Erigeron canadensis der Gattung Erigeron geführt.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration
Rispiger Gesamtblütenstand
Blütenkörbchen
Achänen mit Pappus

Beim Kanadischen Berufkraut handelt es sich um eine ein- bis zweijährige krautige Pflanze, die schlank aufrecht eine Wuchshöhe von 30 bis 100 Zentimetern erreicht, an günstigen Standorten auch mehr. Sie wurzelt über 1 m tief. Der Stängel ist erst im Bereich des Blütenstandes verzweigt.

Die dicht stehenden, wechselständigen Laubblätter sind linealisch bis lineal-lanzettlich mit einer Breite von maximal 1 Zentimeter. Die unteren, rosettig stehenden Laubblätter sind ein wenig breiter als die oberen, schmal oval oder schmal spatelförmig und auch häufig grob gezähnt. Stängel und Blätter sind locker zottig behaart.[2][3]

In einem rispigen Gesamtblütenstand stehen die in der Regel sehr zahlreichen Blütenkörbchen (über 100 bis zu einigen Tausend). Die Blütenkörbchen sind etwa 3 bis 4 mm lang. Die unbehaarten Hüllblätter stehen in zwei bis drei undeutlichen Reihen, die inneren sind etwas länger als die äußeren.[3]

Jedes Blütenkörbchen enthält 50 bis 65 Blüten. Die zwittrigen Röhrenblüten sind gelblich bis grünlich, die 25 bis 45 randlichen Zungenblüten weißlich oder grünlich, ab und zu auch mit einem Violettstich. Die Zungenblüten sind nur einige Millimeter lang, mehr oder weniger aufrecht und überragen die Hülle nur um etwa 1 mm. Die Blütezeit geht in Europa von Juli bis Oktober.[2]

Bei Reife bildet sich auf den um 1 mm langen Achänen ein schmutzigweißer Pappus aus einfachen und gezähnten Haaren von 2 bis 3 mm Länge.[3]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18.[4]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Blüten findet vermutlich Selbstbestäubung statt. Sie bildet reichlich Früchte, die sich mit dem Wind als Schirmchenflieger ausbreiten. Es wurden um 25 000, bei stattlichen Exemplaren sogar 250 000 Früchte gezählt.[2] Das Kanadische Berufkraut ist eine bis einen Meter tief wurzelnde Pionierpflanze. Sie tritt bei der Wiederbesiedlung von Brachflächen optimal vor allem im zweiten und dritten Jahr auf.[4]

Varietäten von Conyza canadensis waren die ersten durch extremen Selektionsdruck durch Glyphosat in den USA entstandenen und nachgewiesenen sogenannten Superweeds. Man nimmt an, dass sie im Zusammenhang mit der Kultur glyphosat-resistenter (GR)-Sojabohnen auftauchten.[5]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kanadische Berufkraut ist in den USA und im südlichen Kanada beheimatet. Exemplare wurden Mitte des 17. Jahrhunderts nach Europa eingeschleppt und sind verwildert. Mitte des 18. Jahrhunderts war der Neophyt schon über ganz Mitteleuropa verbreitet. Heute ist das Kanadische Berufkraut weltweit verschleppt worden und tritt nur in den Tropen, Subtropen und in der Arktis seltener auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Kanadische Berufkraut im zerbombten Stuttgart die zweithäufigste Trümmerschuttpflanze[2]; in der Häufigkeit nach dem Weißen Gänsefuß (Chenopodium album) und vor der Huflattich (Tussilago farfara).[6]

Das Kanadische Berufkraut kommt allgemein verbreitet in lückigen Unkrautfluren, in Pflasterfugen, an Schuttplätzen, Wegen, Dämmen, in Äckern und Brachen oder in Schlägen oder Brandflächen des Waldes vor. Es gedeiht auf mäßig stickstoffreichen, vorzugsweise sandigen Böden. Das Kanadische Berufkraut ist eine Wärme liebende Lichtpflanze und es fehlt demgemäß in Gegenden mit rauem Klima. Nach Ellenberg ist sie eine Ordnungs-Charakterart der Rauken-Gesellschaften oder annueller Ruderalgesellschaften (Sisymbrietalia). Nach Oberdorfer ist sie in Mitteleuropa eine schwache Charakterart des Conyzo-Lactucetum serriolae aus dem Verband Sisymbrion.[4]

Inhaltsstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie enthält ätherische Öle mit Limonen und Gerbstoffe.

Essbarkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von April bis Juli können die Blätter in Kräutermischungen, Kräuterbutter oder Kräutersalz verwendet werden. Der Geschmack ist würzig bitter.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • John L. Strother: Conyza canadensis. In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 20: Magnoliophyta: Asteridae, part 7: Asteraceae, part 2 (Astereae, Senecioneae). Oxford University Press, New York/Oxford u. a. 2006, ISBN 0-19-530564-7, S. 350., online.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 144.(online).
  2. a b c d Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi, Arno Wörz (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 6: Spezieller Teil (Spermatophyta, Unterklasse Asteridae): Valerianaceae bis Asteraceae. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1996, ISBN 3-8001-3343-1, S. 83.
  3. a b c Dietmar Aichele, Heinz-Werner Schwegler: Die Blütenpflanzen Mitteleuropas. 2. Auflage. Band 4: Nachtschattengewächse bis Korbblütengewächse. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2000, ISBN 3-440-08048-X, S. 320.
  4. a b c Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe, Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 915–916.
  5. http://www.sourcewatch.org/index.php/Glyphosate_Resistant_Weeds
  6. W. Kreh: Auf dem Stuttgarter Trümmerschutt erzeugte Samenmengen. In: Jahreshefte Verein vaterländische Naturkunde Württemberg, 110. Jahrgang, Seite 212-215, Stuttgart 1955.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kanadisches Berufkraut – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien