Karl Rohm

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Karl Rohm (* 13. Januar 1873 in Giengen an der Brenz; † 27. Januar 1948 in Lorch) war ein deutscher Autor und Verleger.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rohm war einer der für die Lebensreform in Deutschland einflussreichsten Verleger in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In seinem Verlag, den er 1898 gründete, erschienen zahlreiche Broschüren und Bücher sowie verschiedene Zeitschriften, darunter Lebens-Spuren (Januar 1900 bis 1908), Blätter für christliche Mystik (seit 1904), Blätter zur Pflege des höheren Lebens (1903 bis wahrscheinlich 1907), Die Loge und Der Leuchtturm.

Er verlegte etwa tausend Titel zu Themen der Theosophie, Religionsphilosophie, Freimaurerei, Okkultismus, Astrologie, Mystik und Lebensreform. Verlagsort war zunächst Stuttgart, von April bis November 1901 Amden in der Schweiz, ab Dezember 1901 Lorch. Zu den Autoren des Verlags gehörten u.a. Demeter Georgievitz-Weitzer (Pseudonym G. W. Surya), Emanuel Swedenborg, Edward Bulwer-Lytton und Johann Heinrich Jung-Stilling. Als geschichtliche Quelle bedeutsam ist die Schrift Monte Verità. Wahrheit ohne Dichtung von Ida Hofmann-Oedenkoven (1906). Sie bietet einen ausführlichen Bericht über die Gründung und die ersten Jahre der Reformsiedlung Monte Verità von Ascona. Bekannt geworden ist der Lorcher Astrologischer Kalender, der von 1919 bis 1991 erschienen ist.

Im Ersten Weltkrieg war Rohm Soldat. Anfang der 1920er Jahre veröffentlichte er einige politische, deutschnationale Schriften. Dabei finden sich einzelne judenfeindliche Titel wie Was ist jüdischer Geist? und Der Hofbankier von John Retcliffe.

Rohm war Herausgeber des 1924 gegründeten Lorcher Blattes Völkischer Herold („Wochenblatt für vaterländische Politik und Wirtschaft“) sowie Leiter des Erich Ludendorff nahestehenden und seit Ende 1925 als korporatives Mitglied der DVFP fungierenden Vaterländischen Volksbundes.[2]

Karl Rohm war ab 1933 Mitglied der NSDAP. Nach dem Röhm-Putsch distanzierte er sich von Hitler und dessen Parteiprogramm.[3] 1941 wurden zahlreiche seiner astrologischen und okkulten Schriften beschlagnahmt; im Jahr darauf wurde er aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen.

Verlagslinie (Beispiele)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Albrecht Hoffmann: Rom, Juda und wir. Vortrag. Reihe: Reden aus völkischer Zeit, 3. Gehalten im Vaterländischen Volksbund zu Tübingen am 26. Februar 1924. Verlegt 1924[4]
  • Christoph Weiß: "Vom Juden-Sozialismus geheilt!" Meinen deutschen Arbeitsbrüdern und Arbeitsschwestern zur Aufklärung. 1920
  • F. K. Steinberger: Esoteriker des Westens: Führer zu neuem Menschentum. 1953[5]

Werke im eigenen Verlag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Truggestalt der Annie Besant und andere Irrlichter der Theosophischen Gesellschaft. 1916
  • Zu Fidus’ 50. Geburtstag. In: Der Leuchtturm, 13, Sept./Okt. 1918, S. 15
  • Die Abschaffung des Zinses ist die einzige Möglichkeit, die ewige Versklavung Deutschlands zu verhüten und die wirtschaftliche Wiedergeburt in die Wege zu leiten. 1919
  • Der Staatsbankerott in Verbindung mit der Abschaffung des Zinses kann Deutschlands Rettung werden. 1919
  • Christoph Friedrich Landbeck. Ein Denkstein von Karl Rohm. 1921
  • Meister Fidus. Der Maler der deutschen Seele, in: Lorcher Astrologischer Kalender für das Jahr 1936, S. 110f

Schriftleitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • als „Hauptschriftleiter“: Der Lichtpfad. Blätter zur Erkenntnis des Daseinszweckes und zur harmonischen Gestaltung des Lebens.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nicholas Goodrick-Clarke: Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus. Graz 1997 (S. 31)[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. der Verlag existierte länger; nachweisbar mind. bis 1955
  2. Bärbel Dusik und Klaus A. Lankheit unter Mitwirkung von Christian Hartmann (Hrsg.): Hitler. Reden, Schriften, Anordnungen. Band 3, Zwischen den Reichstagswahlen Juli 1928 - September 1930, Teil 1, Juli 1928 - Februar 1929. Saur, München 1994, S. 347, FN. 18.
  3. Manfred Schramm: Stadt und Kloster Lorch im Nationalsozialismus. „Bevor die Erinnerung verblasst...“ Geschichtswerkstatt Lorch, Lorch 2004, S. 126.vgl. auch
  4. Von diesem Wandelungstode will ich heute vor Ihnen reden: von dem Todeskampfe, den unsere deutsche Seele mit dem dämonischen Drachen des jüdisch-römischen Geistes zu kämpfen hat, und wie sich die Klinge des Lindwurms immer enger und enger um sie ziehen, der Gifthauch seines Feuerodems sie immer mehr verpestet. Wem Grausen in meiner Rede ist, ich kann es nicht ändern. Was ich aus dem dunklen Schoß alter Tage hervorwachsen sehe, sind furchtbare Gesichte. S. 4
  5. Über Helena Petrovna Blavatsky, die theosophische Gesellschaft, Annie Besant und Rudolf Steiner
  6. Renatus-Verlag, Lorch. Beispielhaft aus Jg. 5, 1936, Hefte 10 & 12: Titelillustr. von Fidus. Karl du Prel: Justinus Kerner und die Seherin von Prevorst; Josef Peter: Lehren aus dem Jenseits; Gustav Friedrich Hartlaub: Swedenborg. Deutung der Gestalt und gegenwärtige Forschung; Richard Richter: Die Gefahr des Geburtenrückgangs und seine Ueberwindung. - Aus Jg. 7, 1938, H. 1 - 5: Adolf Raff: Im Bereiche geistiger Telepathie; Willy Schrödter: Vom Ur-Gegensatz (Dualismus) in der Jesulehre; Gottfried Palm: Der Pfahl im Fleische oder: Die Hüterin der Schwelle; Carl du Prel: Der Astralleib; Bernhard Richter: Der Unterschied zwischen Heilmagnetismus und Hypnotismus; J. B. Kerning: Der Abglanz der Gottesliebe im Menschen; Willy Reichel: Magnetismus und Hypnotismus. - Aus Jg. 9, 1940, H. 1 & 2: Paul Heinrich Richter: Sei Du ein wahrhaft deutscher Charakter; Max Henker: Weltwende durch Religionswende; Erich Baumeister: Kann die Astrologie der Erb- und Ahnenforschung dienen?- Aus Jg. 10, 1941: Ernst Tiede: Die Tragödie eines Kaiserreiches. Der Weg Napoleons III.; Martin Hartmann: Hygiene und Tabak; Friedrich Gerstäcker: Der tote Chaussee-Einnehmer. Eine Erzählung
  7. Rohm besuchte englische Theosophen in London; Verlagsprodukte sind oft Neudrucke von Jakob Böhme, Johann Georg Hamann, Jung-Stilling und Alfred Martin Oppel (A.M.O.), Übersetzungen von Edward Bulwer-Lyttons Romanen; Arbeiten zeitgenössischer Okkultisten. Aus dem Englischen